Artgerechte Weideschweinhaltung in Maineck

07.06.2020

MAINECK  Ein Kontrastprogramm zur industriellen Tierhaltung bot die sonntägliche Exkursion des Bund Naturschutz, die auf große Resonanz stieß. Auf dem Anwesen von Benno Fries und seiner Ehefrau Heidemarie Schellwanich-Fries im Außenbereich der Ortschaft, umgeben von einer idyllischen Landschaft, fühlen sich zehn Schweine alter Haustierrassen in Freilandhaltung sichtlich wohl. 

Artgerechte Tierhaltung ist für die Familie Fries kein Fremdwort. Die einzelnen Schweine der vorhandenen Rassen sind Kreuzungen aus bunt gefleckten  „Bentheimern“ und „Schwäbisch-Hällischen“ sowie „Duroc“. Sie haben einen großen Auslauf, dürfen spielen, sich necken und  in der Erde nach Fressbarem wühlen. Auf den Punkt gebracht: „Sie fühlen sich sauwohl!“,  betonte Benno Fries und informierte: „Schweine sind intelligente Tiere, sie sind lernfähig und haben einen natürlichen Bewegungsdrang, sie sind wahre Schleckmäuler und suhlen sich gerne im Schlamm, um sich auch im Sommer gegen Sonnenbrand und Mückenstiche zu wappnen. Wir wechseln deswegen die Weideflächen auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück regelmäßig, so dass die Neugier der Tiere gefördert wird und der Boden sich mit dem entsprechenden Bewuchs wieder regenerieren kann. Außerdem sind wir gesetzlich dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht mit Wildschweinen, in Kontakt kommen. Das gewährleistet zum einen ein Elektrozaun um das jeweilige Weideareal, zum anderen ein Wildschutzzaun um das gesamte Grundstück.“

Die Weideschweinhaltung sei allerdings in Deutschland noch die große Ausnahme, meinte Benno Fries, dem man anmerkt, dass er sich stark verantwortlich für das Wohl seiner Tiere fühlt. Er hob hervor, dass die Haltung von Schweinen in unserem Land zum großen Teil in so genannten intensiven Haltungssystemen erfolge und informierte: „Die fehlende Einstreu, die harten Spaltenböden sowie die hohe Besatzdichte der Buchten bereiten große Probleme und sind eigentlich  für den tiergerechten Umgang untauglich. Der Trend zu hoch industrialisierten Großanlagen hält leider immer noch an. Vor allem in den neuen Bundesländern, wie beispielsweise in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, sind gigantische Anlagen in der Größenordnung von 15.000 bis 85.000 Schweineplätzen in Planung.“ Der Hobby-Schweinehalter möchte damit nichts zu tun haben. Bei ihm spürt man die Liebe zu den Geschöpfen, er führt seine kleine Bio-Landwirtschaft nach den strengen „Demeter-Kriterien“, ihm ist „Klasse, statt Masse“ sehr wichtig. Er lässt die schlachtreifen Tiere in der näheren Region von Metzgern, die er gut kennt, schlachten. Seine Kunden kommen auch meist aus der Umgebung und seien gerne bereit, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen, nach der Devise: „Lieber weniger Fleisch essen, dann aber in hervorragender Qualität!“

Tierarzt Dr. Klaus Prell wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in Deutschland jährlich 60 Millionen Schweine geschlachtet werden, die in sechs bis sieben Monaten ihr ideales Schlachtgewicht erreichen müssten, in Großmastanlagen mit minimalem Platzangebot für das einzelne Tier und hoher Krankheitsanfälligkeit. Der Veterinär wies auf die Studie „Zur Tiergerechtheit der intensiven Schweinehaltung“ hin, wonach beispielsweise bei der einstreulosen Haltung auf Spaltenböden die Tiere ungewünschte Veränderungen am Bewegungsapparat aufwiesen. Außerdem seien gravierende Verhaltensprobleme aufgetreten.

Die Teilnehmer der Exkursion horchten auf, als sie erfuhren, dass ein Drittel des so erzeugten Schweinefleisches in der Produktionskette bis zum Verbraucher letztendlich in der Mülltonne landeten. Tröstlich sei, dass dagegen weltweit die kleinbäuerliche Landwirtschaft zwei Drittel der Welternährung sicherstelle, die großindustrielle Landwirtschaft dagegen nur ein Drittel. Durch sein Kaufverhalten könne der Verbraucher sehr wohl Einfluss auf die Art und Weise der Nahrungsmittelerzeugung nehmen. Jedoch verhalte man sich bei Meinungsumfragen oft ganz anders als beim Einkauf im Discounter, wo meist nur auf den niedrigen Preis geachtet werde, anstatt auf die Qualität der Lebensmittel, die Herkunft und den Weg vom „Acker bis auf den Teller“. Dr. Prell meinte: „Hier auf dem Hof von Benno Fries ist eine Vertrauensbasis zwischen den Verbrauchern und dem Erzeuger des Schweinefleisches im Verlauf der letzten Jahre entstanden: Die artgerechte Tierhaltung ist offenkundig, die Wege der Futtererzeugung, vom Ferkelerzeuger oder zum Metzger sind kurz, das feinmarmorierte Fleisch ist vorzüglicher Qualität. Die Verbraucher sind bereit, mehr zu bezahlen, der Landwirt ist zufrieden und über eine intakte Kulturlandschaft freuen sich auch die Naturschützer“.

Mit kulinarischen Brotzeitspezialitäten, von Heidemarie Schellwanich-Fries zubereitet, klang die gelungene Exkursion des Bund Naturschutz aus.

Anton Reinhardt

Fotos: Jan Ebert


Ausstellung über naturnahe Gärten im BN-Umweltbüro

LICHTENFELS   Ein klein wenig Wildnis in einer Ecke des Gartens kann zu einer Oase für Bienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Kleintiere werden. In den Schaufenstern des BN-Umweltbüros kann derzeit eine Ausstellung über die Gestaltung naturnaher Gärten angesehen werden. Unter dem Motto „Erste Hilfe auf dem Weg zum Naturgarten“ will der Bund Naturschutz dazu ermutigen, seinen eigenen Garten möglichst nach ökologischen Kriterien zu gestalten, um zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen.

„Nicht jeder kann oder will seinen ganzen Garten naturnah gestalten, auch wenn dies aus ökologischer Sicht natürlich optimal wäre. Es ist aber auch schon hilfreich, wenn man in Teilbereichen seines Gartens nicht eingreift und beispielsweise Brennnesseln, die für viele Schmetterlingsraupen als Futterpflanze dienen, bewusst stehen lässt“, berichtet BN-Ortsgruppenvorsitzender  Günter Lutz und hat auch noch einen Tipp parat: „Für glückliche Schmetterlinge im Garten einfach mal die Füße hochlegen und Wildkräuter wachsen lassen!“

Schon mit geringem Aufwand lassen sich ein Reisighaufen oder eine Totholzhecke anlegen, die vielen Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten. Auf den Einsatz von Spritzmitteln, sogenannten „Roundups“, sollte unbedingt verzichtet werden. Die glyphosathaltigen Mittel stehen unter starkem Verdacht, Gesundheitsschäden zu verursachen, wie z.B. die Veränderung des Erbguts und die Begünstigung bestimmter Karzinome.

Die Ausstellung mit vielen nützlichen Anregungen kann in den Schaufenstern des BN-Umweltbüros in der Coburger Str. 16 betrachtet werden. Dort gibt es außerdem kostenloses Infomaterial zur naturnahen Gartengestaltung. (Öffnungszeiten am Dienstag und Mittwoch von 9-12 Uhr und am Donnerstag von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt


Naturidyll am Lichtenfelser Stadtrand

09.04.2020

Im Mainau-Grundstück des Bund Naturschutz hält der Frühling Einzug: Zahlreiche purpurrote und weiße Lerchensporne, im Volksmund liebevoll „Hänsel und Gretel“ genannt sowie das gelb blühende, vitaminreiche Scharbockskraut und weiße Buschwindröschen, säumen zurzeit einen schmalen Trampelpfad durch das auwaldähnliche Grundstück entlang des Mühlbaches.

Im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes des Bund Naturschutz lassen sich die Wirkungszusammenhänge und Veränderungen der Natur  hier im Laufe der vier Jahreszeiten gut beobachten, kennen und schätzen lernen. Unter den zahlreichen Laubbaumarten fallen besonders stattliche Eichen, Pappeln und Erlen auf; davon sind einige Altstämme schon im langsamen Übergangszustand zum Totholz; bilden dadurch jedoch neuen Lebensraum für zahlreiche Kleinlebewesen. Etliche Vogelarten und Fledermäuse kann man entdecken, aber auch die Spuren des Bibers.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte: „Mit dem umweltpädagogischen Konzept, das wir im Laufe der letzten Jahre auf dem 8500 Quadratmeter großen, innenstadtnahen Areal verwirklichen konnten, beabsichtigen wir, vor allem das Interesse junger Leute für die Natur zu wecken.“ Dieses vom Umweltpädagogen Jan Ebert betreute Naturprojekt  soll in den nächsten Monaten mit diversen Aktionen wieder fortgesetzt werden. Zielgruppen sind interessierte Schulklassen, die sich im Rahmen des naturkundlichen Unterrichts hier unter fachlicher Betreuung vor Ort auf Spurensuche begeben möchten, um ihre Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen.“

Anton Reinhardt


Auf der Suche nach der Kreuzotter

04.04.2020

Einst war die Kreuzotter vor allem im Jura des Landkreises relativ weit verbreitet. Wie der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Lichtenfels mitteilt, sind Beobachtungen dieser Schlangenart mittlerweile zur echten Seltenheit geworden und konzentrieren sich meist auf den Staffelberg und sein näheres Umfeld. Auch bayernweit ist es nicht gut um die Kreuzotter bestellt, weshalb sie auf der neuen Roten Liste der Reptilien Bayerns als „stark gefährdet“ eingestuft wird.

Die Ursachen für den drastischen Bestandsrückgang liegen vor allem im Lebensraumverlust. Die Kreuzotter benötigt offene bis halboffene Flächen, die ihr ausreichend Deckung, Windschutz und Besonnung bieten, wie z.B. Waldränder mit kurzrasiger Vegetation und Zwergsträuchern, Grünland im frühen Brachestadium und Hecken mit breiten Säumen und Zwergsträuchern. Darüber hinaus spielt auch der Rückgang von jungen Fröschen und Eidechsen eine Rolle, die vor allem für junge Kreuzottern eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen.

Da eine Untersuchung geeigneter Lebensräume extrem zeitaufwändig ist, bittet der BN die Bevölkerung, sowohl aktuelle als auch ältere Beobachtungen von Kreuzottern mit genauer Orts- und Zeitangabe und falls möglich mit Foto der Schlange oder des Fundorts dem BN zu melden.

„Wir wenden uns gezielt an die Öffentlichkeit, um möglichst viele Daten zu erhalten. Dabei sind nicht nur Beobachtungen aus der jüngeren Vergangenheit wichtig, sondern auch solche, die länger zurückliegen. So können wir uns mit dem Vergleich von aktuellen und erloschenen Vorkommen zumindest ein grobes Bild davon machen, wie sich der Kreuzotterbestand im Landkreis Lichtenfels entwickelt hat und welche Schutzmaßnahmen gegebenenfalls getroffen werden können, um nicht auch noch die letzten Exemplare dieser faszinierenden Schlangenart zu verlieren, die seit langem eine Charakterart unserer Heimat ist. Wir sind für jeden Hinweis dankbar“, berichtet BN-Mitarbeiter Jan Ebert.

Die sichersten Bestimmungsmerkmale der Kreuzotter sind das kräftige, dunkle Zickzackmuster auf dem Rücken und die katzenartige, schlitzförmige Pupille. Durch abstehende Hornplatten über den Augen entsteht der Eindruck eines strengen Blicks. Eine Schlangenart, die leicht mit der Kreuzotter verwechselt werden kann und ebenfalls als „stark gefährdet“ eingestuft wird, ist die Schlingnatter.  Auch sie kommt im Landkreis Lichtenfels vor. Bei ihr fehlen jedoch die kräftige Zeichnung auf dem Rücken und die Hornplatten über den Augen, wodurch ihr Blick harmlos wirkt. Wie bei allen Natternarten ist die Pupille der Schlingnatter zudem niemals schlitzförmig wie bei Katzen, sondern immer rund.

Hier gibt es weitere Informationen zu unseren heimischen Reptilienarten.


Wildkatze wieder fest im Landkreis beheimatet

22.3.2020

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) in Bayern als ausgerottet. Eine groß angelegte Untersuchung des BUND Naturschutz (BN) ergab nun, dass diese scheue Mäusejägerin in einige Regionen Nordbayerns wohl dauerhaft zurückgekehrt ist.

Die Wildkatze zählt zu den seltensten und scheuesten Bewohnern in Bayerns Wäldern. Eine zweifelsfreie Unterscheidung zwischen Wild- und Hauskatzen gelingt nur über eine Genanalyse. Um an das benötige Genmaterial zu gelangen, kam bei dieser nach 2014 zweiten „Wildkatzeninventur“ in Nordbayern erneut die sogenannte Lockstockmethode zum Einsatz. Bei dieser Methode werden sägeraue Holzlatten von BN-Ehrenamtlichen im Wald ausgebracht und mit Baldriantinktur besprüht. Kommen Wildkatzen im Waldgebiet vor, werden sie von dem für sie unwiderstehlichen Geruch angelockt, reiben sich am Stock und hinterlassen dabei Haare.

Im Landkreis Lichtenfels waren zwischen Februar und April 2019 etwa 16 freiwillige Helfer in den Wäldern des Landkreises unterwegs und kontrollierten regelmäßig die von ihnen ausgebrachten Lockstöcke. Dank ihres Einsatzes konnte die Wildkatze im Bucher, Neuensorger und Banzer Forst sowie am Abtenberg bei Unterbrunn wieder bestätigt werden. Neue Erstnachweise gelangen in den Eierbergen sowie im Jura bei Lahm und Serkendorf. Im östlichen Landkreis konnte trotz einer hohen Zahl an ausgebrachten Lockstöcken leider noch kein Nachweis erbracht werden.

Im Banzer Wald wurde die Wildkatze 2014 erstmalig festgestellt. Im Rahmen der Lockstockaktion von 2019 konnte dort ein Weibchen bestätigt werden, das bereits 2016 erfasst wurde. Durch die Genanalyse war es außerdem möglich, das Streifgebiet eines Katers nachzuvollziehen, der vom Neuensorger Forst bis in die Eierberge und wieder zurück in den Banzer Wald wanderte.

Da die Wildkatze im Landkreis zuerst im Banzer Wald sesshaft wurde, ließ der BN in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und Mitteln der Glückspirale dort einen familienfreundlichen Wildkatzenlehrpfad errichten.

Die BN-Kreisgruppe Lichtenfels bedankt sich an dieser Stelle bei allen ehrenamtlichen Helfern sowie den Förstern und Jägern vor Ort, die diese Aktion unterstützt haben.


Die Störche sind wieder zurück

19.3.2020

Wie die Lichtenfelser Kreisgruppe des BUND Naturschutz mitteilt, ist der Fabrikschlot in der Wöhrdstraße in Lichtenfels seit einigen Wochen wieder besetzt und die Familienplanung hat bereits begonnen. Nachdem einer der Altstörche mit der Ringnummer AT272 letztes Jahr unvermittelt starb, ist das Pärchen nun wieder komplett.

Ob es sich dabei um zwei andere Tiere als 2019 handelt, ist unbekannt. Sicher ist jedoch, dass sich mindestens ein Storch neu in Lichtenfels angesiedelt hat. Er trägt einen Ring mit der Nummer A1W51, wodurch die Herkunft des Tieres geklärt werden konnte. Es wurde 2017 im mittelfränkischen Dittenheim beringt und bereits im September 2019 vor dem Wegzug ins Winterquartier bei Hallstadt zusammen mit 58 anderen Weißstörchen beobachtet.


Ackerwildkraut-Wettbewerb Oberfranken

5.3.2020

Ackerwildkräuter sind nicht nur eine farbenfrohe Abwechslung in unserer oft einheitlichen Agrarlandschaft, sondern bieten Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl heimischer Tierarten. Allerdings ist ihre Vielfalt in den letzten Jahren immer stärker zurückgegangen, viele von ihnen gehören inzwischen zu den seltensten Pflanzenarten Deutschlands.

Um diese Vielfalt zu erhalten, ist nun zum vierten Mal der Ackerwildkraut-Wettbewerb ausgeschrieben, für den sich sowohl Biolandwirte als auch konventionell wirtschaftende Bauern bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft bewerben können, wenn sie Ackerwildkräuter auf ihren Flächen haben oder vermuten.

Die Auftaktveranstaltung zum Ackerwildkraut-Wettbewerb für Oberfranken fand diese Woche im Ebensfelder Rathaus statt, mit Lothar Teuchgräber, stellv. Kreisobmann des BBV; Rebekka Mayer, LPV; Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender; Maike Fischer vom DVL; Manfred Rauh, LPV; Bernhard Storath, 1.Bürgermeister; Franziska Mayer vom LfL; Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin und Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender (Von links nach rechts).

 


Flächenfraß im Landkreis senken!

26.2.2020

LICHTENFELS     Der Schutz der freien Flächen zählt zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen. Es gelte, unsere Böden zu erhalten; denn sie speicherten CO2 und große Mengen Wasser. Noch könnten wir mit etlichen Bilderbuch-Landschaften auf den Fremdenverkehrsmessen für den sanften Tourismus guten Gewissens werben.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt schwärmte von seiner Heimat: „Unsere Region ist schön. Hier haben wir in vielen Teilen noch harmonisch in die Gegend eingebettete Dörfer mit kleinstrukturierter Kulturlandschaft in deren äußerem Umfeld: Wegkreuze, Bildstöcke, Streuobstbestände, Wälder, Äcker, Wiesen, Hecken und Kulturdenkmäler von europäischem Rang. Hier haben wir noch landwirtschaftlich nutzbare Böden und Wälder, die CO2 speichern. Aber Franken ist in Gefahr! Unsere fränkische Landschaft hat Besseres verdient, als immer mehr gleichförmige Betonklötze am Ortseingang und gesichtslose Siedlungen am Ortsrand.“

Reinhardt mahnte: „Der ungezügelte Flächenfraß findet nicht nur in den Urwäldern am Amazonas statt, sondern schleichend - von den meisten Bürgern unbemerkt – auch vor unserer eigenen Haustüre. Wir stehen heute deshalb hier, um für unsere Kinder, Enkel und Urenkel ein lebenswertes Umfeld in unserer fränkischen Heimat zu bewahren.“ Im Landkreis sind in den letzten Jahren zwischen 100 und 2400 Quadratmetern täglich der freien Natur entzogen worden. Anders ausgedrückt heißt das, dass in 1 bis 4 Stunden 100 Quadratmeter Fläche verbraucht wurden. Reinhardt appellierte deshalb an die Teilnehmer: „Lasst uns gemeinsam schützend vor den Boden stellen, der die Grundlage unserer Ernährung ist, den die Pflanzen und Bäume brauchen, die uns kostbaren Sauerstoff spenden und  das Klimagas CO2 speichern. Milliarden von Kleinstlebewesen in einem lebendigem Boden verrichten ständig eine wunderbare Arbeit zu unser aller Nutzen. Der Boden ist etwas Existenznotwendiges, er darf nicht zum reinen Spekulationsobjekt verkommen!“

Den übermäßigen Flächenverbrauch möchte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in den kommenden Monaten verstärkt thematisieren. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte: „Mit der jüngsten Aktion am Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, rufen wir alle politisch Verantwortlichen zum sparsamen Umgang mit der Fläche auf. Mit einer 100 Quadratmeter großen, gebrauchten Siloplane setzten die Naturschützer den stündlichen Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels in Szene.

Dabei sollte durch das Landesentwicklungsprogramm (LEP) der Rahmen für den Ausbau von Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und Infrastruktur so abgesteckt werden, dass mit der Ressource Grund und Boden viel sparsamer umgegangen wird. Die Vorschrift für die Kommunen, bei Neubauplanungen erst zu prüfen, ob etwa vorhandene Baulücken oder stillgelegte Industrieflächen genutzt werden können, finde viel zu wenig Beachtung. Reinhardt informierte: „Im Landkreis Lichtenfels stehen laut Industrie- und Handelskammertag 75 Hektar Gewerbegebiete leer, in ganz Oberfranken sind es über 1.200 ha (Stand 12.11.19).“ Diese Überversorgung auf Kosten der Landschaft und der Landwirtschaft entspringe oft dem „Bürgermeisterwettbewerb“ um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer, einer Fehlsteuerung der Landesplanung, der Missachtung der Regionalplanung und der die Ausweisung begünstigenden Gewerbesteuerregeln.“

Im Freistaat werden täglich 13 Hektar freier Fläche – das entspricht etwa 18 Fußballplätzen- der Natur entzogen. Insgesamt steht Bayern beim Flächenverbrauch an der Spitze im Bundesgebiet. BN-Kreisvorsitzender Anton  Reinhardt meinte: „Ein Blick vom Staffelberg oder Kordigast veranschaulicht dem  aufmerksamen Betrachter den ständigen Verlust von freier Landschaft allein in den letzten zwanzig Jahren. Es kann nicht so weitergehen, dass beispielsweise immer neue Gewerbeflächen für Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese genehmigt werden, während gleichzeitig die Innenstädte und Dörfer ihrer Einkaufsmöglichkeiten und damit oft einem Teil ihres pulsierenden Lebens beraubt werden.“ Schon jetzt habe der Landkreis Lichtenfels, mit knapp 70 000 Einwohnern der kleinste Bayerns, eine Straßendichte, die 15 % über dem Landesdurchschnitt liege. Dennoch will die Mehrheit der maßgeblichen politischen Mandatsträger unverhältnismäßig viele Straßenneubauten realisieren: den autobahnähnlichen Weiterbau der B 173 nach Kronach, die Vollumfahrung der B 289 bei Mainroth, den Autobahnzubringer Weismain-Stadelhofen und den Autobahnzubringer Kelbachgrund-Ebensfeld.

Der zunehmende Flächenverbrauch gehe in Bayern eigenartigerweise nicht immer mit einem Bevölkerungszuwachs einher, wie etwa in der Metropolregion München. Die aktuelle Bevölkerungsprognose zeige auf, dass im Landkreis Lichtenfels die Einwohnerzahl leicht sinke, der Flächenverbrauch jedoch weiter steige.

Beispielhaft auf  das Stadtgebiet von Bad Staffelstein eingehend, sagte der BN-Kreisvorsitzende mit Blick auf die Draufsicht der von CS-Trans geplanten Logistikhallen am Fuße des Vierzehnheiligener Bergs: „Solche riesigen Baukörper sind ein enormer Eingriff in das Landschaftsbild, von der Versiegelung des Bodens ganz zu schweigen. Es wäre eine völlige technische Überprägung der Landschaft. Das hat mit landschaftsangepasstem Bauen nichts zu tun. Das hat auch mit fränkischem Baustil nichts zu tun. Hier sollten Eingriffe, die das Landschaftsbild beeinträchtigen, vermieden werden. Noch ist es nicht zu spät!“

Michael Ament, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, beklagte den Rückgang der freien Natur in Feld, Wald und Wiese: „Die Wildtiere haben immer weniger Lebensraum, wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Verbissschäden durch Rehwild und die Schäden durch Wildschweine zunehmen.

Dr. Susann Freiburg, Spitzenkandidatin von Bündnis90/Die Grünen für den Stadtrat, wies auf eine weitere Auswirkung des ungebremsten Flächenfraßes hin: „Die Versiegelung der Böden führt zu einer Verringerung der Grundwasserneubildung. Ausreichendes und sauberes Grundwasser sind die Voraussetzungen für unser Lebensmittel Nr. 1, dem Trinkwasser.“


Werbeteam für den BN im Landkreis Lichtenfels unterwegs

21.2.2020

LICHTENFELS  Vier junge Leute sind seit 17.2.2020 im Landkreis Lichtenfels unterwegs – als Werbeteam in Sachen Natur. Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) möchte die Bevölkerung über seine Arbeit informieren und neue Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen.

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat Bayerns größter Natur- und Umweltschutzverband viel erreicht. Dabei verzichtet der BN als einer der wenigen Umweltverbände in Europa bewusst auf Sponsoring. Denn die finanzielle Unabhängigkeit ist für die Arbeit von Bayerns größtem Natur- und Umweltschutzverband von zentraler Bedeutung. „Nur so können wir uns ehrlich und authentisch für Natur und Mensch in Bayern stark machen“, sagte  Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels. Der BN setzt sich z.B. für eine gentechnikfreie Landwirtschaft, für die Energiewende und für Klima- und Landschaftsschutz ein. „Je mehr Menschen unsere Arbeit unterstützen, desto mehr kann der BN bewirken“, betonte Reinhardt.

Neben der politischen Arbeit leiste der BN ganz klassischen Arten- und Biotopschutz. Viele ehrenamtliche Stunden jährlich verwenden die Naturschützer zum Beispiel, um  Amphibien vor dem Überfahren zu retten, mehrere Hektar Schutzgrundstücke als Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen zu pflegen oder um viele Menschen jeden Alters bei Exkursionen, Errichten eines Wildkatzenlehrpfades, Müllsammlungen, Familienprogrammen und Erlebnistagen die Natur näher zu bringen.

Die jungen Werber sind bestens informiert über die Aktivitäten der BN-Kreisgruppe. „Diese Informationen wollen wir weitergeben. Wir stellen konkrete Projekte der Kreisgruppe Lichtenfels vor und beantworten anfallende Fragen“, so Lucas Schäfer, der Teamsprecher.

Im Landkreis betreibt die Kreisgruppe Lichtenfels des BN seit Jahren aktiven und erfolgreichen Arten- und Landschaftsschutz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umweltbildung. Vorträge, naturkundliche Wanderungen, Informationsmaterial, Ausstellungen und individuelle Hilfe bei Anfragen und Stellungnahmen als „Träger öffentlicher Belange“ sind die wesentlichen Elemente.

Die Werber sind etwa bis Anfang März 2020 im Landkreis unterwegs, weisen sich durch einen Lichtbildausweis aus und sind durch die BN-T-Shirts leicht erkennbar. „Wir wollen mit dieser Aktion auf die Menschen persönlich zugehen, unsere Arbeit vorstellen und sie damit für die Unterstützung gewinnen“, erklärt Kreisvorsitzender Anton Reinhardt.

Fragen zur Werbeaktion beantwortet das BN-Umweltbüro in der Coburger Str. 16 unter der Tel.-Nr.  09571-2586. Die Geschäftsstelle ist dienstags und mittwochs von 9 -12 Uhr und donnerstags von 14-17 Uhr besetzt.


Jahresrückblick 2019

Auch 2019 war für die BN-Kreisgruppe Lichtenfels ein ereignisreiches Jahr.

Hier geht uns zu unserem Foto-Jahresrückblick.


Standpunkt zum Ausgang des Bürgerbegehrens

26.11.2019

Vierzehnheiligen gehört zu den Top 10 der schönsten Orte in ganz Franken. Die Wallfahrtsbasilika, ein Meisterwerk  Balthasar Neumanns, kommt erst so richtig zur Geltung, wenn die kleinstrukturierte Kulturlandschaft, in der sie eingebettet liegt, mit ihren Wäldchen, Äckern, Wiesen, Hecken, Martern, Bildstöcken, Wegkreuzen und Wallfahrtswegen nicht noch mehr durch den galoppierenden Flächenfraß in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass im weiteren Planungsverfahren, die Träger Öffentlicher Belange, wie z.B. Bauernverband, Amt für Landwirtschaft, Denkmalschutzbehörde, Bund Naturschutz, aber auch die Fachbehörden des Landkreises, der Landrat und die Regierenden auf  Bezirks- und Landesebene ihr Veto einlegen sowie in den entsprechenden Stellungnahmen ausführlich darlegen werden, welche überragende landesweite Bedeutung der Schutz der Fläche gerade hier, im Umfeld eines der Highlights unserer Heimat hat.

Außerdem kann auch jeder Einzelne, der sich durch diese Baumaßnahme betroffen fühlt, entsprechende Einwendungen innerhalb des Auslegungszeitraums des vorhabenbezogenen Bauplanes schriftlich vorbringen. Doch soweit sind wir noch gar nicht. Dieser genaue Bauplan wurde ja bis jetzt von CS-Trans noch nicht bei der Stadt eingereicht.

Im übrigen sind auch noch drei Petitionen anhängig, über die im Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags entschieden werden muss.

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender


MdL Ursula Sowa von B 90/DIE GRÜNEN unterstützt Bürgerentscheid „Schutz des Maintals unterhalb des Vierzehnheiligener Bergs“

Am 31.10.19 besuchte Ursula Sowa, baupolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, Grundfeld und informierte sich vor Ort bei den Initiatoren des Bürgerentscheids über den geplanten Hallenbau des Logistikunternehmens CS Trans.

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender und Anwohner Michael Endres stellten dar, dass auf einem Areal mit ca. 5 ha am nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld CS-Trans in 2 Bauabschnitten 2 Lagerhallen und 1 Bürogebäude errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße bauen will.

Die erste Halle soll 200 Meter lang, 75 Meter breit und 8,5 Meter hoch werden, die zweite Halle soll 140 Meter lang in gleicher Breite und Höhe sein. Zusammen sind das 25 500 m², plus Rangier- und Abstellflächen. Das Bauvorhaben liegt im Außenbereich und kann deshalb nur durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes – von einer Landwirtschafts- zu einer Gewerbefläche – realisiert werden. Aus unserer Sicht hat ein überwiegender Teil des Stadtrats die große Tragweite seines Beschlusses am 19.2. noch nicht erkannt: Es geht nicht um Grundfeld allein. Es geht nicht nur um Bad Staffelstein. Es geht um die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, den sogenannten Gottesgarten!

Derweil steigt der Flächenverbrauch ungebremst weiter.Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete – z.Z. 63,5 Hektar im Landkreis LIF – bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden. Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, beträgt in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² t ä g l i c h! Zum Vergleich: In Bayern sind es insgesamt 12 Hektar (17 Fußballfelder täglich!).

Die Folge: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Grundstücks- bzw. Pachtpreise steigen weiter. Das ist kontraproduktiv für den Artenschutz und für die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung!Im Verlauf der letzten 28 Jahre haben wir laut AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten)allein im Landkreis Lichtenfels etwa 2000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen verloren! Die bereits vorhandenen Gewerbeflächen der Familie Precklein sollten daher vorrangig genutzt werden und nicht neue Flächen im Außenbereich!

Die Baugenehmigung im Außenbereich wäre ein fatales Signal für weiteren Flächenfraß, insbesondere im Bereich von Vierzehnheiligen!

Deshalb unser Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger Bad Staffelsteins: Stimmen Sie beim Bürgerentscheid am Sonntag, dem 24. November 2019, mit JA für den Schutz des Maintals, dem Erhalt der noch vorhandenen reizvollen Blickmotive und der landwirtschaftlich genutzten Flächen!

Anton Reinhardt


Harmloser Neubürger

Amerikanische Kiefernwanze derzeit häufig im Landkreis zu beobachten

16.10.2019

Beim Stichwort „Wanze“ denken viele Menschen unweigerlich an die Bettwanze, welche sich bevorzugt in Schlafplätzen von Menschen einnistet, um sich von deren Blut zu ernähren. Wie die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mitteilt, ist die Bettwanze jedoch die einzige der etwa 1000 in Deutschland vorkommenden Wanzenarten, die es auf den Menschen abgesehen hat. Alle anderen Arten ernähren sich von Pflanzensäften oder Kleintieren und können weder stechen oder beißen noch sind sie giftig.

Ein besonders imposanter Vertreter ist die Amerikanische Kiefernwanze. Mit 15-20 Millimetern gehört sie zu den großen Exemplaren der Wanzenfamilie und verursacht beim Fliegen ein tiefes Brummgeräusch. Derzeit kann man sie vermehrt an Hauswänden und Fenstern finden. Mit dem Fall der Temperaturen begibt sich die Zapfenwanze, wie die Amerikanische Kiefernwanze auch genannt wird, auf die Suche nach warmen Plätzen zum Überwintern.

Die Amerikanische Kiefernwanze ist noch nicht lange in Europa beheimatet. 1999 gab es erste Funde in Italien und 2006 wurden die ersten Exemplare in Deutschland gesichtet. Auch im Landkreis Lichtenfels ist sie seit einigen Jahren zu finden. „Wie der Name schon andeutet, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika. Wie sie nach Europa gelangte, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet jedoch, dass sie durch die Einfuhr von Weihnachtsbäumen, Saatgut oder Baumaterial eingeschleppt wurde“, berichtet Günter Lutz, Vorstand der BN-Ortsgruppe Lichtenfels.

Dieses Jahr scheinen ungewöhnlich viele Exemplare der Kiefernwanze aufzutreten. Als wärmeliebende Art hat sie sicher vom vergangenen Sommer profitiert. Auch der Klimawandel tut sein Übriges, dass sich die Zapfenwanze – neben vielen anderen Arten, die früher nur in südlichen Ländern vorkamen – mittlerweile in Deutschland wohlfühlt.


Waldsterben 2.0 - Klimaschutz jetzt!

LICHTENFELS/BAMBERG  Oberfränkische Umweltschützer forderten bei einer Aktion am 14.10.2019 in Bamberg wegen des aktuellen Waldsterbens mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Mit Ästen einer abgestorbenen Kiefer aus einem fränkischen Wald demonstrierten sie die dramatische Entwicklung der Waldschäden nach den Extrem-Sommern 2015 und 2018.

„Wir stehen vor einem Waldsterben 2.0, das durch die Klimakrise verursacht wird. Hintergrund sind die extrem hohen Temperaturen der letzten Sommer infolge der Klimakrise. Verantwortlich hierfür sind die fehlenden politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise in den letzten Jahren. Bayern muss jetzt in der Bundesregierung Nachbesserungen des Klimapäckchens einfordern; denn die bisher beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus, das Klimaversprechen von Paris einzuhalten und den Temperaturanstieg auf 1,5°C  Jahresmitteltemperatur zu begrenzen und damit auch den Schutz der Wälder auf den Weg zu bringen“, so Richard Mergner, Vorsitzender des BN.

Das erste Waldsterben der 1980er Jahre, als die Tannen aufgrund der Luftverschmutzung starben, konnte noch durch politisches Handeln eingedämmt werden. Dies geschah damals nicht durch Appelle, Anreize und Handel mit Verschmutzungsrechten, sondern durch eine klare politische Normensetzung: Mit der Großfeuerungsanlagenverordnung 1983 wurden die Kraftwerksbetreiber gezwungen, Filter einzubauen. Seitdem erholten sich die Wälder wieder. Bei den Auswirkungen der Klimakrise und dem jetzigen Waldsterben 2.0 braucht es jedoch deutlich mehr Anstrengungen.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnte: „Auch bei uns im Landkreis Lichtenfels sind im Staatswald wie auch im Privatwald die ersten Waldschäden festzustellen, besonders in Fichten- und Kiefernbeständen, teilweise in beträchtlichem Ausmaß, wie etwa im Kleinziegenfelder Tal.

Die Schäden für Gesellschaft und Waldbesitzer durch die Klimakrise sind heute schon enorm. Die Folgekosten für ein weiteres Aussitzen der Klimakrise durch die Politik werden deutlich höher sein als die Kosten für geeignete Klimaschutzmaßnahmen.“ 

Mit abgestorbenen Ästen einer stark geschädigten Kiefer aus einer Waldabteilung der Region verdeutlichten die oberfränkischen Aktiven des BN die dramatischen Ausmaße, die das Sterben von Bäumen und teilweise ganzer Wälder in fränkischen Waldgebieten angenommen hat. Die Vertreter der neun Kreisgruppen und etlicher Ortsgruppen trafen sich am Montag, 14.10.19, im Bamberger Restaurant „Kornblume“ zu ihrer Herbsttagung.

Hintergrund: Dramatische Entwicklung der Waldschäden: Waldsterben 2.0

Die Klimakrise trifft die Wälder verschiedener Regionen Bayerns und Deutschlands sehr hart. Vor allem die Nadelbaumarten Kiefer und Fichte leiden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürmen. In Nordbayern und etlichen Bundesländern sterben in den tieferen und wärmeren Lagen immer mehr Kiefern ab, teilweise sogar ganze Wälder. In den Mittelgebirgen und in Südbayern rafft der Borkenkäfer zahlreiche Fichten dahin, die durch Hitze und Trockenheit so geschwächt sind, dass sie dem Borkenkäfer massenhaft zum Opfer fallen. Die Ausbreitung der Fichten-Borkenkäfer ist in einigen Privatwäldern so massiv, dass manche Waldbesitzer den Kampf gegen den Borkenkäfern aufgegeben haben. Es fehlen auch schlicht die Kapazitäten für die Aufarbeitung der Borkenkäferschäden. Als Alternativen zu diesen besonders gefährdeten Baumarten gelten Eichen, Buchen und Weißtannen, die eine moderate Erwärmung verkraften würden. Aber auch diese Baumarten stehen unter Stress und würden eine Klimaerwärmung von 4 bis 5 °C wohl nicht überleben.

Die bisherigen Waldumbaubemühungen, d.h. die Unterpflanzungen der Waldbesitzer und Förster sind gefährdet, wenn die Politik nicht endlich beim Klimaschutz handelt. 

Eine weitere Verschärfung des Baum- und Waldsterbens würde zahlreiche zentrale Leistungen dieser Wälder für die Daseinsvorsorge stark beeinträchtigen und gefährden. Dies beträfe den Trinkwasser-, Hochwasser-, Klima-, Boden-, Lawinen- und den Biotopschutz dieser Wälder, so z.B. die Trinkwasserversorgung und die Bewohnbarkeit des Alpen- und Voralpenraums sowie der Flusstäler.


Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald eröffnet

11.10.2019

Besucher des Banzer Waldes und des dortigen Klettergartens können sich über eine neue Attraktion freuen: In enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und der Schlosserei Thomas Limmer aus Burgkunstadt entstand auf Initiative des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Lichtenfels, der Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald. Er wurde überwiegend mit Mitteln der Glücksspirale finanziert. Darüber hinaus stellte die Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz kostenlos Baumaterialien zur Verfügung. Mitglieder der BN-Kreisgruppe Lichtenfels investierten bei der Errichtung des Pfades außerdem zahlreiche Arbeitsstunden auf ehrenamtlicher Basis.

Der kinderfreundliche Lehrpfad beginnt direkt auf dem Weg zwischen dem Kassenhäuschen des Kletterwaldes und der Waldschänke. Auf der etwa 1,2 km langen Strecke, die wieder zurück zum Ausgangspunkt führt, erfahren die Besucher an acht Stationen Wissenswertes über die Wildkatze und können sich mit interaktiven Aktionen dem Leben dieses faszinierenden Wildtieres nähern.

Auslöser für das Anlegen des Lehrpfades war unter anderem, dass die Wildkatze tatsächlich im Banzer Wald lebt und sich fortpflanzt. Mit Hilfe kleiner, aufgerauter Holzlatten, die im Boden eingeklopft und regelmäßig mit Baldrian eingesprüht wurden, war es möglich, der Wildkatze auf die Spur zu kommen. Derartig präparierte Lockstöcke haben eine stark anziehende Wirkung auf Katzen, die sich daran reiben und somit Haare hinterlassen. Diese werden genetisch untersucht und können sogar einem bestimmten Einzeltier zugeordnet werden. Auch eine Unterscheidung von Haus- und Wildkatze ist somit zweifelsfrei möglich.

Auf diese Weise gelang es, die sonst sehr scheue Wildkatze im Rahmen einer bayernweit durchgeführten Aktion im Jahr 2013 erstmals im Banzer Wald nachzuweisen. Auch in den Folgejahren bis 2019 konnte sie mit Hilfe von Wildkameras und weiteren Lockstockaktionen erneut bestätigt werden – sehr zur Freude der Kreisgruppe des BUND Naturschutz.


Borkuschter for future – Jeder kann aktiv werden, um unser Klima zu retten!

Am Freitag, 20. September 2019 fand im Landkreis Lichtenfels im Rahmen der Bewegung „Fridays for future“ die erste Klimaschutzaktion statt, welche von den „Borkuschtern for future“ ausgerichtet wurde.

Auch die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. beteiligte sich an der Veranstaltung. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ermunterte im Zusammenhang mit dem Sprechchor „Klima schützen, jetzt!“ die Teilnehmer zur Benutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel auf: „50 Prozent der PKW-Fahrten sind kürzer als 5 km. Hier ist das Fahrrad das ideale Fortbewegungsmittel. Allein dadurch können wir jährlich 10 Millionen Tonnen des klimaschädlichen C02 in Deutschland einsparen.“

Er lobte in diesem Zusammenhang den Beitritt des Landkreises zum VGN, dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, der den umweltfreundichen ÖPNV in der Region erheblich verbessern werde. Beispielsweise sollen in den nächsten Jahren Schritt für Schritt alle Dörfer ab 150 Einwohnern eine preiswerte Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr erhalten. Fifty-fifty-Taxi für Jugendliche und junge Erwachsene, Bürgerbusse, Rufbusse in Verbindung mit der Mitfahrzentrale, Mitfahrbänkchen in einigen Ortschaften, Tourismuslinien, wie z.B. ins Kleinziegenfelder Tal oder nach Vierzehnheiligen, sind weitere gute Ansätze, um die vielen Einzel-PKW-Fahrten zu reduzieren und dadurch den CO2- und Schadstoffausstoß zu senken, um unser Klima zu verbessern.

Anton Reinhardt


BN-Klimademo in Kloster Banz

Anlässlich der CSU-Klausurtagung am 17.9.2019 in Kloster Banz veranstaltete die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. zusammen mit Vertretern des BN-Landesverbandes eine Demo zum Schutz des Klimas und zur Rettung unseres Gottesgartens am Obermain.

Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, betrug in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² täglich“, so Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz. Er mahnte: „Am nahegelegenen nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld, am Fuße des Vierzehnheiligener Berges, möchte zum Beispiel ein Logistikunternehmen zwei riesige Lagerhallen und ein Bürogebäude auf einer Fläche von ca. 5 ha errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße bauen. Wir wollen nicht, dass der Begriff „Gottesgarten“, die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, spöttisch in „Gewerbehallengarten“ umbenannt wird“. Reinhardt informierte den Fraktionsvorsitzenden Thomas Kreuzer und MdL Jürgen Baumgärtner:

 „Wir sind bereits „Gesundheitsregion“ und unser Landkreis ist anerkannte „Öko-Modellregion“ in Bayern. Wir wollen nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen verlieren und auch deshalb dem ungebremsten Flächenfraß Paroli bieten. Wir bitten Sie eindringlich um Ihre Unterstützung, nehmen Sie die Stadträte von der CSU ins Gebet, ihre Entscheidung vom 19. Februar dieses Jahres noch einmal zu überdenken! Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete - zurzeit 63,5 Hektar im Landkreis - bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden.“ Mit dem Hinweis auf die große Weltkugel, vor der sich die Naturschützer mit ihren Transparenten positionierten, appellierte der BN-Kreisvorsitzende an die Landtagsabgeordneten: „Globales Denken und lokales Handeln sind beim Klimaschutz angesagt!“


1500 Unterschriften zum Schutz des Maintals unterhalb des Vierzehnheiligener Bergs übergeben

1.  Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender: Seit dem Start des Bürgerbegehrens am 27. Juni haben wir ca. 1500 Unterschriften im Stadtgebiet gesammelt. Das sind weit mehr als die nötigen 9 Prozent der Wahlberechtigten, das wären etwa 800 gültige Unterschriften. Wir bedanken uns deshalb bei allen Unterstützern und insbesondere bei allen Sammlerinnen und Sammlern. Lassen Sie mich kurz noch einmal darauf eingehen, warum wir uns derart motiviert engagiert haben. Was käme da auf uns zu? Warum sind wir hier?

Aus unserer Sicht hat ein überwiegender Teil des Stadtrats die große Tragweite seines Beschlusses am 19.2. noch nicht erkannt: Es geht nicht um Grundfeld allein. Es geht nicht nur um Bad Staffelstein. Es geht um die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, den Gottesgarten!

Auf  einem Areal mit ca. 5 ha am nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld möchte das Logistikunternehmen CS-Trans in 2 Bauabschnitten 2 Lagerhallen und 1 Bürogebäude errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße.

Die erste Halle soll 200 Meter lang, 75 Meter breit und 8,5 Meter hoch werden, die zweite Halle soll 140 Meter lang in gleicher Breite und Höhe sein. Zusammen sind das 25 500 m², plus Rangier-u. und Abstellflächen. Das Bauvorhaben liegt im Außenbereich und kann deshalb nur durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes – von einer Landwirtschafts- zu einer Gewerbefläche - realisiert werden. In der Stadtratssitzung am 19. Februar 2019 befürworteten dies -entgegen des Vorschlags der Verwaltung und des Bürgermeisters Jürgen Kohmann -16 Stadträte. Nur 7 Stadträte folgten dem Vorschlag der Stadtverwaltung und lehnten die Änderung des Flächennutzungsplanes ab. Um Schaden von unserer Stadtentwicklung fernzuhalten, müssen wir diesen verhängnisvollen Beschluss zu korrigieren versuchen. Damit war aus unserer Sicht das Bürgerbegehren unumgänglich.

Der Flächenverbrauch steigt weiter. Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete - z.Z. 63,5 Hektar im Landkreis LIF - bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden. Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, beträgt in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² t ä g l i c h! Zum Vergleich: In Bayern sind es insgesamt 12 Hektar (17 Fußballfelder täglich!).

Die Folge: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Grundstücks- bzw. Pachtpreise steigen weiter.Das ist kontraproduktiv für den Artenschutz! Wir fordern: Innenentwicklung unserer Dörfer und Städte geht vor Außenentwicklung! Die bereits vorhandenen Gewerbeflächen der Familie Precklein sollten daher vorrangig genutzt werden und nicht neue Flächen im Außenbereich!

Die Baugenehmigung im Außenbereich wäre ein Präzedenzfall für weiteren Flächenfraß, insbesondere im Bereich von Vierzehnheiligen!

Man beachte den Stadtratsbeschluss vor 1 Jahr, dass östlich der Linie Vierzehnheiligener Straße / alte Reundorfer Straße keine Bebauung erfolgen solle. Die Blickbeziehungen unseres Dreigestirns (alle drei Highlights im Bad Staffelsteiner Stadtgebiet) dürften nicht durch noch mehr großflächige, blockartige Bebauungen empfindlich gestört werden! Auch die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes im März 2018 sah eine Bebauung im Bereich nordöstlich von Grundfeld nicht vor.

Sanfter Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor:

Zahlen der Gästestatistik 2018: über 80 % unserer Gäste sind Stammgäste; 617000 Übernachtungen; etliche FeWo-Anbieter auch in Grundfeld; auf vielen Fremdenverkehrsmessen sind Thermenkönigin und Korbstadtkönigin präsent und werben für unsere reizvolle Landschaft. Auch im Gastronomie-, Hotel- und Tourismusgewerbe sind viele Arbeitsplätze angesiedelt.

Wir sind bereits „Gesundheitsregion“ und unser Landkreis ist anerkannte „Öko-Modellregion“ in Bayern. Wir wollen nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen verlieren und auch deshalb dem ungebremsten Flächenfraß Paroli bieten. Wollen wir, dass der Begriff „Gottesgarten“ von unseren Mitbewerbern spöttisch in „Gewerbehallengarten“ umbenannt wird? (siehe Schild an der Abzweigung nach 14 Hl.: „Willkommen im Gottesgarten“. Es wäre deshalb hilfreich, wenn  auch der Verein „Freunde und Förderer Vierzehnheiligens“ derartige Bauvorhaben vehement ablehnen würde, um Schaden vom Umfeld  unseres Kleinods, der Wallfahrtsbasilika, fernzuhalten.

Außerdem ist eine weitere Vermehrung des Straßengütertransports  klimaschädlich und deshalb nicht zukunftsfähig!

Schadstoff-Emissionen müssen weltweit reduziert werden, wenn die Weltgemeinschaft das 2-Grad-Ziel der max. Klimaerwärmung halten will. Das ist mit einem im LKW-Gütertransport-Gewerbe oft ruinösen Wettbewerb mit all seinen negativen Begleiterscheinungen nicht zu schaffen.

Lärm- und Schadstoffemissionen verstärken sich vor dem Lärmschutzwall bzw. vor der Lärmschutzwand, wodurch die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner sinkt.

2. Michael Endres, Anwohner, erklärt Auswirkungen für die betroffenen Bürger vor Ort und den Gottesgarten): Die Kulturlandschaft vor dem Staffelberg, unterhalb von Vierzehnheiligen und Kloster Banz, gilt es in der jetzigen Form zu erhalten, denn:

1.      Der „Gottesgarten“ ist eine einmalige Kulturlandschaft, die es so zu bewahren gilt. Kloster Banz und Vierzehnheiligen sind bedeutende Kulturdenkmale,  deren liebliche Landschaft im Umfeld durch Wander-, Rad- und Wallfahrtswege geprägt ist. Die Wohn- und Lebensqualität soll nicht durch noch mehr Industriebauten im Außenbereich des Ortsteils Grundfeld entwertet werden.

2.      Bad Staffelstein hat sich für den sanften Tourismus entschieden. Die Sichtachse und Fernwirkung der Baudenkmale müssen bewahrt werden (siehe zahlreiche Broschüren des Kur & Tourismus Service Bad Staffelstein sowie des Landkreises Lichtenfels).

3.      Die kulturelle Identität der Dörfer muss geschützt werden. Riesige Logistikhallen zerstören unsere dörfliche Kultur, bringen Lärm Tag und Nacht.

Das geplante Vorhaben geht nicht mit der Politik der bayerischen Landesregierung einher- Wirtschaftsminister Aiwanger hat mehrfach betont, dass derartige Hallen außerhalb der Sichtweite und weg von den Dörfern entstehen sollen.

Es entstehen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Politik. Im März 2018 wird der Flächennutzungsplan für Grundfeld fortgeschrieben (ohne Bebauung im nordöstlichen Bereich). Im Juli 2019 lehnt der Stadtrat eine Bebauung auf dem Areal ab (Suche nach Alternativen). Februar 2019: Der vorhabenbezogene Bebauungsplan darf nun doch erstellt werden - gegen das Votum der Verwaltung. Warum?

 

3. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnt mit Zitaten aus dem Grundgesetz und der Bayerischen Verfassung zum sorgsamen Umgang mit dem Eigentum an Grund und Boden:

GG Art. 14, Abs. 2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Bay. Verfassung Art. 141, Abs. 2: Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen.

Bay. Verfassung Art. 163, Abs. 4: Bauernland soll seiner Zweckbestimmung nicht entfremdet werden. Der Erwerb von land- und forstwirtschaftlich genutztem Boden soll von einem Nachweis der Eignung für sachgemäße Bewirtschaftung abhängig gemacht werden; er darf nicht lediglich der Kapitalanlage dienen.

Deshalb unser Aufruf an alle Bad Staffelsteiner Bürgerinnen und Bürger, Stadträte, Kreisräte und politische Mandatsträger aller Parteien: Stoppt den Flächenfraß, erhaltet unsere Landschaft im Gottesgarten und den Grund und Boden unserer Landwirtschaft zur Sicherung unserer Ernährung!

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Michael Endres, direkt betroffener Anwohner


53 Paten für Blühstreifen gefunden

30.4.19

WOLFSDORF  Seit dem überwältigenden Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen - für mehr Artenvielfalt!“ tauchen bayernweit Angebote von Landwirten zu Blühpatenschaften auf. „Wir freuen uns, dass durch das Volksbegehren etwas Gutes in Bewegung geraten ist. Viele Landwirte und Verbraucher haben die großen Defizite offensichtlich erkannt und möchten gegensteuern“, sagte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt anlässlich des Aussaattermins mit Agrarbetriebswirt Lukas Hatzold vom Birkenhof an dessen 2,2 Hektar großem Acker am Wallfahrerweg zwischen Wolfsdorf und Bad Staffelstein. Lukas Hatzold ließ wissen, dass sich bisher 53 Blühflächenpaten, darunter auch einige BN-Mitglieder bei ihm gemeldet und sich mit der Finanzierung von je 5 bis 150 Quadratmeter Blühfläche an dem Projekt beteiligt hätten. So ermöglichten sie die Anlage eines etwa 2400 Quadratmeter großen Blühstreifens.

Gespannt verfolgten die Anwesenden die Einfüllung des Blühflächensaatguts in die am Schlepper hinten angekuppelte Sämaschine. An der Frontseite des Schleppers befanden sich Walzen, um die groben Erdschollen zu feiner Erde zu zerkleinern. Der Landwirt informierte, dass die standortgerechte Samenmischung beispielsweise Ringelblume, Kornblume, Sonnenblume, Fenchel, Klatschmohn, Rainfarn, Inkarnatklee, Saatwicke und andere Kultur- und Wildkräuter enthalte; daneben auch Erbsen und Ackerbohnen, um über einen möglichst langen Zeitraum Blühzeiten zu ermöglichen und somit den Bienen und anderen Insekten zu helfen, aber auch die Wanderer, Radler und Wallfahrer beim Anblick zu erfreuen. Als Pluspunkt ist noch zu erwähnen, dass außerdem auf weiteren 1000 Quadratmeter der Ackerfläche auch fünf Wolfsdorfer Familien ihre Kartoffeln anbauen dürfen. Auf der übrigen Ackerfläche werde Körnermais angebaut. Entlang des Blühstreifens sollen demnächst auch Schildchen mit den Namen der Blühpaten angebracht werden.

Anton Reinhardt bedankte sich bei Lukas Hatzold und hob hervor: „Diese Aussaataktion und die direkten Gespräche mit dem Landwirt haben dazu beigetragen, dass das Verständnis der Verbraucher für die bäuerliche Landwirtschaft und Ihre Akzeptanz verbessert werden kann.“

Nun bedurfte es nach der langen Trockenzeit nur noch eines warmen Frühlingsregens, damit die ausgebrachte Blumensaat keimen kann. Der ersehnte Regen kam dann auch eine Woche später.

Anton Reinhardt


Hoffnung für den Osterhasen

18.4.2019

LICHTENFELS   Der Legende nach versteckt „Meister Lampe“ an Ostern die bunten Eier. Noch. Schwindende Lebensräume machen dem Feldhasen arg zu schaffen, warnt der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Lichtenfels. Doch es gibt Anlass zu vorsichtiger Hoffnung: Nicht nur die Bienen, auch der Feldhase könnte von dem erfolgreichen Volksbegehren für mehr Artenvielfalt profitieren. 

Der Feldhase ist ein Tier mit beeindruckenden Fähigkeiten: Er ist ein Meister der Tarnung mit hervorragendem Gehör. Durch seine langen, kräftigen Hinterbeine ist der Feldhase sehr flink: Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 km/h, kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h – das ist schneller als ein Rennpferd im Galopp! Dabei schlägt er 90-Grad-Haken und kann bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen. Um die Damen zu beeindrucken, liefern sich die männlichen Hasen in der Paarungszeit spektakuläre Boxkämpfe und Wettrennen. Übrigens: Vom Wildkaninchen, das im Landkreis Lichtenfels nur stellenweise anzutreffen ist, kann man den Feldhasen durch seine deutlich größeren Ohren unterscheiden. 

Früher war der Feldhase ein „Allerweltstier“, heute steht er in Deutschland auf der Roten Liste und ist auch in unserem Landkreis längst kein alltäglicher Anblick mehr.Der Feldhase braucht Lebensräume in der Feldflur, und diese fallen immer mehr der Intensivierung der Landwirtschaft zum Opfer. Die Flächenverluste durch Straßenbau, Siedlungen und Gewerbegebiete tun ein Übriges. So werden die Hasenreviere beispielsweise durch Straßentrassen zerschnitten, begrenzt und isoliert.

Um einen weiteren Rückgang der Hasenbestände zu vermeiden, fordert der BUND Naturschutz den Erhalt und die Verbesserung der Lebensräume für „Meister Lampe“. BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer informiert: „Alte Heckenbestände, Ackerraine, Übergangsflächen zu den Wäldern und Brachflächen müssen erhalten bleiben.“ Durch den Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, das vom Bayerischen Regierungskabinett vor kurzem angenommen und ergänzt wurde, soll ein Biotopverbund in der Agrarlandschaft geschaffen werden. „Eine solche Vernetzung der Lebensräume könnte dem Feldhasen in unserem Landkreis auf die Sprünge helfen“, erklärt Anton Reinhardt, 1. Vorsitzender der Lichtenfelser Kreisgruppe des BN.

Doch damit sei es nicht getan: „Zusätzlich müssen mehr blühende Strukturen in der Landschaft geschaffen und der ökologische Landbau vorangebracht werden. Der BN hofft, dass der Feldhase auch durch die jüngst verkündete Anerkennung des Landkreises Lichtenfels als Öko-Modellregion profitieren wird.  Infolge dessen könnte man beispielsweise weniger Mineraldünger und chemische Spritzmittel ausbringen, vermehrt viele verschiedene Kulturen anbauen und  Wildkräuter nicht nur als Unkraut ansehen“, betont Anton Reinhardt und meint, dass auch hier  das erfolgreiche Volksbegehren wichtige Fortschritte bringen könnte. BN-Delegierter Günther Scheler warnt: „Nicht nur die Landwirtschaft ist gefordert, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen müssen ihren Beitrag zu ökologischem Handeln beitragen; denn schließlich darf es nicht soweit kommen, dass die Leute in zehn Jahren womöglich nur noch den Schokoladenhasen aus dem Supermarkt kennen.“

BN-Beisitzerin Ute Hauptfleisch weist darauf hin, dass im Übrigen von den geforderten Verbesserungen  nicht nur der Feldhase, sondern auch andere Tiere, wie Goldammer, Kiebitz, Grasfrosch, Feldhamster, aber auch viele Insektenarten profitierten. 

Günter Lutz, der Ortsgruppenvorsitzende des BN Lichtenfels empfiehlt: Jeder kann durch den Kauf von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau diese Forderung unterstützen und so dem „Osterhasen in Not“ helfen. 

Anton Reinhardt


Amphibien gehen wieder auf Wanderschaft

6.3.2019

Mit den ersten milden Tagen und frostfreien Nächten machen die Amphibien sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden überqueren sie dann scharenweise unsere Straßen. Überall in Bayern werden deshalb zurzeit Amphibienzäune aufgebaut. Rund 6000 freiwillige Helfer des BUND Naturschutz (BN) sind dabei im Einsatz und bringen die Tiere sicher über die Straßen. Es ist die größte Mitmachaktion des Naturschutzes in Bayern. Sie rettet jährlich rund einer halben Million Amphibien das Leben.

Wenn Amphibien aus der Winterstarre erwacht sind, machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und in den Nachtstunden überqueren Amphibien dabei scharenweise unsere Straßen. Doch der Weg zur Fortpflanzung endet oft mit dem Tod auf der Straße. Deshalb sind in diesen Wochen wieder die ehrenamtlich Aktiven des BUND Naturschutz an Straßenrändern unterwegs, bauen Amphibienzäune auf und bringen die eingesammelten Tiere sicher auf die andere Straßenseite.

„Bis Ende April muss man auf unseren Straßen mit den Amphibien rechnen oder mit Menschen, die zu deren Schutz in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind“, so Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels.

Im Kreisgebiet befinden sich zahlreiche Amphibienzäune. Eine Übersicht kann hier eingesehen werden:

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/amphibien/wanderwege.html

 Der BUND Naturschutz bittet alle Autofahrer deshalb in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme:

 *  Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnschilder an den Amphibienschutzzäunen.

 *  Achten Sie an den Stellen, an denen ehrenamtliche Mitarbeiter des BUND Naturschutz Krötenzäune errichtet haben, auf die Helfer, die am Straßenrand Tiere einsammeln.

 *  Reduzieren Sie Ihr Tempo auf Straßen, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.

 *  Denken Sie daran, das vor allem warme, regnerische Abende die fortpflanzungsbereiten Tiere massenweise zur Laichwanderung locken.

 * Der BUND Naturschutz bittet um Ihre Mithilfe: Sie haben eine Stelle entdeckt, an der viele Amphibien überfahren wurden und an der kein Schutzzaun errichtet ist? Bitte teilen Sie dies dem BN mit per Mail an:

amphibien@bund-naturschutz.de


Auf der „Jagd“ nach Wildkatzen: mit Baldrian unterwegs in Oberfrankens Wäldern

18.1.19

LICHTENFELS. Eine seltene und scheue Waldbewohnerin kehrt seit einigen Jahren nach Bayern zurück: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris).

In den Jahren 2013-2015 wurden schon einmal zahlreiche Wälder in Bayern im Rahmen eines groß angelegten Projektes des BUND Naturschutz (BN) auf die Anwesenheit von Wildkatzen hin untersucht. Mit großem Erfolg, denn in vielen Regionen sind erstmals seit etwa einem halben Jahrhundert wieder Wildkatzen nachgewiesen worden. 

Um die bekannten Vorkommen zu bestätigen und zum anderen in der Hoffnung, neue Verbreitungsgebiete zu finden, trafen sich am 18.1.19 im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie etliche freiwillige Helferinnen und Helfer aus den Landkreisen Coburg, Kulmbach, Bamberg und Lichtenfels. Und natürlich soll auch in diesem Jahr dabei wieder die sogenannte Lockstock-Methode zum Einsatz kommen. Diplombiologin Sabine Jantschke, die im Auftrag des Bund Naturschutz das Wildkatzenprojekt landesweit betreut und koordiniert, informierte über die Vorgehensweise bei der Spurensuche: „Lockstöcke sind mit einer Baldriantinktur eingesprühte Holzpflöcke, die vorher mit einer Stahlbürste aufgerauht und leicht abgeflammt wurden. Der starke Geruch lockt die Katzen an. Diese reiben sich gerne an den Hölzern oder auch manchmal an Baumstämmen in der unmittelbaren Nähe der Lockstöcke und hinterlassen mit etwas Glück auch entsprechende Haare ihres Katzenfells.

Die Standorte der Lockstöcke werden in den Untersuchungsgebieten im Wald nach einem speziellen Muster gesetzt,  genau dokumentiert und regelmäßig durch die ehrenamtlichen Lockstockbetreuer überprüft. Bei den einzelnen Kontrollen werden die Pfosten unter die Lupe genommen. Möglicherweise vorhandene Wildkatzenhaare sollen dann in den nächsten Wochen behutsam in kleinen Spezialtütchen mit der Pinzette gesammelt und zur wissenschaftlichen Auswertung gebracht werden.“  Dies geschehe anschließend im Labor für Wildtiergenetik am Senckenberg Institut in Gelnhausen. Durch die Genanalyse könne man die Anwesenheit von „echten“ Europäischen Wildkatzen nachweisen. Das ermöglicht beispielsweise die Unterscheidung zu (verwilderten) Hauskatzen, die ebenfalls hin und wieder die Stöcke besuchen. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren. 

Zum Hintergrund: Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze in Bayern und Baden-Württemberg als ausgestorben, nicht zuletzt, weil sie zuvor durch uns Menschen stark bejagt worden sei. Durch ein Wiederansiedlungsprojekt des BUND Naturschutz zwischen 1984 und 2009 konnte die Wildkatze in einigen Wäldern Nordbayerns wieder Fuß fassen. Dazu habe vermutlich auch eine natürliche Einwanderung aus dem Norden, vor allem wohl aus Thüringen und Hessen geführt. Mittlerweile komme die Wildkatze in Nordbayern mit hoher Wahrscheinlichkeit in allen geeigneten Wäldern wieder vor – wenn auch nur in geringer Dichte.

Für eine weitere Ausbreitung der Tiere sei es immens wichtig, dass wildkatzentaugliche Wälder untereinander mit grünen Korridoren aus schützenden Hecken, Bäumen und Sträuchern vernetzt werden. Nur so habe diese Wildtierart eine Chance, langfristig in Bayern zu überleben. Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen sei, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern. Die Wildkatzenmännchen, Kuder genannt, seien in den nächsten Wochen bereits auf „Brautschau“ unterwegs. Sie lieben Deckung bietende Strukturen, Sukzessionsflächen, Säume an Waldrändern, Waldwiesen, aber auch Felshöhlen. Sabine Jantschke meinte, dass solche Lebensräume deshalb auch gut geeignet für das Ausbringen der Lockstöcke seien.

Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt erinnerte in diesem Zusammenhang an die 13 Positivnachweise, die im Laufe des Jahres 2015 im Landkreis Lichtenfels erbracht werden konnten und ermunterte zu weiterer Spurensuche: „Leider haben wir keine flächendeckenden Naturlandschaften mehr. Umso wichtiger ist es, einen Biotopverbund der noch vorhandenen naturnahen Restflächen im Auge zu behalten, um zumindest eine Chance zum Überleben von Wildtieren und Wildpflanzen zu schaffen. Die Wildkatze ist eine solche „Zeigerart“, die uns mahnt, der Zerschneidung unserer Landschaft und dem zunehmenden Flächenfraß entgegenzuwirken. Sie kennen, schätzen und schützen zu lernen, kann sich lohnen. Wir werden uns deshalb wieder aktiv an diesem Projekt beteiligen.“ 

Damit dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen kann, bittet der  Bund Naturschutz deshalb auch die privaten Waldbesitzer um Duldung des einen oder anderen Lockstocks. Spaziergänger bitten wir, nicht die mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten zu berühren und auch Hunde fernzuhalten, da es sonst zu erheblichen Verfälschungen kommen könnte. Michael Ament, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands, der die meisten Jagdpächter vertritt, habe bereits signalisiert, dass er der Wildkatzen-Spurensuche des BUND positiv gegenüberstehe.

Nähere Einzelheiten zu dem Projekt können im Umweltbüro des BUND Naturschutz, Coburger Str. 16, Tel. 09571-2586 erfahren werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt


Aktionskreis zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" gegründet

BURGKUNSTADT  Auf großen Zuspruch stieß die Versammlung zur Gründung eines landkreisübergreifenden Aktionsbündnisses am 9.1.19 zu einem besseren Schutz der Artenvielfalt in Bayern. Thomas Müller, der Bezirksvorsitzende der ödp (Ökologisch Demokratische Partei), hob in seinen Begrüßungsworten hervor: „Es ist eine historisch einmalige Chance und wir sind nur noch einen Schritt ins Rathaus davon entfernt, diese Chance zu nutzen.

Beim Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ geht es vor allem darum, in ganz Bayern einen Biotopnetzverbund zu schaffen und das Ausbringen von Pestiziden einzudämmen. Nicht nur, um Bienen, Schmetterlingen und Vögeln bessere Überlebenschancen zu verschaffen, ist dies vonnöten, sondern um dem gesamten Artenreichtum in unserem Land auf die Sprünge zu helfen.“ 

Ein dramatisches Artensterben in den letzten Jahrzehnten sei wissenschaftlich belegt. Thomas Müller mahnte: „54 Prozent aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben. 73 Prozent aller Tagfalter sind verschwunden! Über 75 Prozent aller Fluginsekten sind nicht mehr da. In Bayern leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren!“ Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. Beispielsweise dadurch, dass an den Gewässern Uferrandstreifen verpflichtend vor Pestizid- und Düngeausbringungen geschützt werden sollen. In mehreren Artikeln solle das Bayerische Naturschutzgesetz direktdemokratisch so verbessert werden, dass unsere Lebensgrundlagen stärker gesichert werden und gefährdeten Arten geholfen wird. 

In der landwirtschaftlichen und forstlichen Ausbildung sollen die Gründe und Abhilfemaßnahmen des dramatischen Artenschwunds der letzten Jahrzehnte zum Lehrinhalt gemacht werden. Auch für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft solle es gesetzlich festgelegte Ziele geben. „Das wirksamste Naturschutzgesetz in Europa sei mit dem Volksbegehren in greifbare Nähe gerückt.“, meinte Thomas Müller.

Von den 42 Anwesenden meldeten sich bei der kurzen Vorstellungsrunde einige Bündnispartner mit kurzen Redebeiträgen zu Wort. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt machte den grassierenden Flächenverbrauch mit dafür verantwortlich, dass die Biodiversität stark abgenommen habe und forderte: „Wir brauchen dringend Bereiche, wo Natur noch Natur sein darf!“ Er stellte, um Missverständnissen vorzubeugen, klar:

„Das Volksbegehren ist keine Initiative gegen die Landwirtschaft. Die bäuerlich arbeitenden Familienbetriebe sind vielmehr genauso Leidtragende einer verfehlten Agrarpolitik, die sie in ein System des „Wachsen oder Weichen“ drängt und zu einem gigantischen Höfesterben geführt hat. Wir wollen die bäuerliche, kleinräumig arbeitende Landwirtschaft mit dem Gesetz stärken und ihr eine neue Perspektive geben.“

Die Kreisvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz (LBV), Marion Damm, meinte: „Immer mehr sogenannte Allerweltsvogelarten, wie Feldsperlinge, Mehlschwalben und Feldlerchen gehen im Bestand stark zurück oder landen schon auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.“ Fritz Stehl vom Bayerischen Jagdverband beklagte den Rückgang der Lebensräume für das Niederwild und insbesondere des Rebhuhns. Berufsimker Henrik Arndt sorgt sich um seine 100 Bienenvölker. Ihm ist das Volksbegehren ein besonderes Anliegen und er erklärte sich deshalb spontan  bereit, beim nächsten Treffen des Aktionsbündnisses am 23. Januar 2019 im Gasthof „Drei Kronen“  in Burgkunstadt einen Vortrag zur Bedeutung der Honigbiene zu halten. 

Neben den ödp-Mitgliedern zeigten sich auch Sebastian Müller, der Kreisvorsitzende der SPD, Kreishandwerksmeister Mathias Söllner und Dagmar Keis-Lechner von Bündnis 90/DIE GRÜNEN  sowie Arno Pfaffenberger von der Partei „mut“ mit etlichen ihrer Mitglieder bereit, bei der Durchführung des Volksbegehrens aktiv mitzuhelfen. 

Vom 31. Januar bis zum 13. Februar 2019 hat das Innenministerium die 14-tägige Eintragungsfrist festgesetzt, während der sich 10% der bayerischen Wahlberechtigten (1 Million Menschen!) in den Rathäusern eintragen müssen. Erst wenn auch diese Hürde übersprungen ist, kommt es zum eigentlichen Volksentscheid.

Reinhard Englert von der ödp appellierte deshalb an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden: „Bitte veranlassen Sie bürgerfreundliche Öffnungszeiten  der Rathäuser über das gesetzliche Mindestmaß hinaus, so  dass auch Berufstätigen die Eintragung für das Volksbegehren erleichtert wird. Beispielsweise könnte man in den Mittagspausen oder abends  sowie einige Stunden samstags und sonntags während der zweiwöchigen Eintragungsfrist den Bürgern entgegenkommen. Einige Kommunen haben dies bereits positiv entschieden.“

Thomas Müller freute sich über die vielen konstruktiven Vorschläge, die von den Anwesenden vorgebracht wurden, um das Volksbegehren erfolgreich werden zu lassen.

Anton Reinhardt


BN-Exkursion am Bohnberg beeindruckte die zahlreichen Teilnehmer