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Zusammenfassende Stellungnahme zur A 73

Zusammenfassende Stellungnahme zur A 73  



Schon vor fünfzehn Jahren gelang es dem Bund Naturschutz dieses völlig überdimensionierte Straßengroßprojekt A 73, damals unter dem Namen B289 neu, durch den landschaftlich reizvollen Gottesgarten per Gerichtsentscheid zu stoppen.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Ende März 2003 nach Aktenlage entschieden, dass dem Eilantrag des Bund Naturschutz stattgegeben wird und der Bau der A 73 im Abschnitt Ebersdorf bei Coburg bis Lichtenfels einstweilig verboten wurde. Das Gericht bewertete in seiner Eilentscheidung insbesondere das Vorkommen europaweit gefährdeter Vogelarten und den Schutz des einmaligen Landschaftsbildes. In der Urteilsbegründung hieß es dazu: "Der Beschluss hält für besonders erwähnenswert die Störung bzw. den Verlust des Panoramablickes bzw. der Blickachse auf den überregional bekannten Gottesgarten am Obermain, der ein besonders einprägsames Beispiel historisch gewachsener ländlicher Kulturlandschaft mit Panoramablick darstelle."

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz hatte in der Vergangenheit immer wieder gerügt, dass hässliche Asphaltschneisen mit riesigen Dämmen und Einschnitten in schönste Landschaften geplant werden, obwohl kostengünstigere landschaftsschonendere Alternativen von Anfang an vorgelegt wurden. Die Autobahn hat als verkehrspolitische Musterlösung ausgedient. Ein Gutachten von Professor von Winning zeigt, dass angepasste Streckenführungen, wie zum Beispiel der maßvolle Ausbau der B4 und die Einhausung dieser bereits 4-spurigen Straße im Bereich der Stadt Coburg einer völligen Neutrassierung der A 73 durch das Banzer Ländchen in vielen Punkten deutlich überlegen gewesen wäre. Danach hätte bei einer Halbierung (!) der Kosten, wesentlich geringerem Flächenverbrauch und geringeren Lärm- und Abgasbelastungen eine ähnlich gute Verkehrsleistung wie bei einer Vollautobahn erzielt werden können.

Der Verkehr hat in Bayern einen Anteil von zur Zeit 20 % am gesamten Energieverbrauch. Der Ausstoß von schädlichen Klimagasen steigt ebenso wie der Landschaftsverbrauch durch ungebremsten Straßenbau. Immer mehr Menschen leiden besonders durch den zunehmenden LKW-Verkehr unter Verkehrslärm und Abgasen, an Schlaflosigkeit, Allergien und Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig sterben pro Jahr 1400 Menschen allein auf Bayerns Straßen, fast 90 000 werden Opfer eines Verkehrsunfalls. Dies entspricht im Durchschnitt 1 Verkehrstoten alle 6 Stunden und 1 Unfallopfer alle 6 Minuten! Während das überörtliche Straßennetz von derzeit 42 000 km in den letzten 40 Jahren immer dichter wurde, hat die Bahn in Bayern im gleichen Zeitraum dagegen 1/3 ihrer Strecken im Personenverkehr stillgelegt und verfügt nur noch über 8000 Schienenkilometer in teils desolatem Zustand. Die Zersiedelung der Landschaft, die Verödung von Innenstädten und die Degradierung von Dörfern zu Ortsdurchfahrten hängt unmittelbar mit dem Ausbau des Straßennetzes zusammen, weil dadurch immer mehr zusätzlicher Verkehr erzeugt wird.

Schon jetzt haben wir im Landkreis Lichtenfels eine Straßendichte, die 15% über dem Landesdurchschnitt liegt.

Im geplanten Autobahndreieck Reundorf-Grundfeld ist für das Jahr 2010 eine Verkehrsmenge von 50 000 Kraftfahrzeugen pro Tag durch das Zusammenfließen von A 73 und vierspuriger B 173-neu vom Bundesverkehrsministerium prognostiziert. Wer unter diesen Umständen die A 73 befürwortet, mutet der Bevölkerung Verkehrsverhältnisse zu, wie sie heute an der Brennerautobahn herrschen! Leider hat das höchste deutsche Verwaltungsgericht in Leipzig im Jahre 2004 mittlerweile entschieden, dass die die Autobahntrasse im Gottesgarten am Obermain gebaut werden darf. Mit einer Fertigstellung wird im Jahre 2008 gerechnet.

Seit langem fordert der Bund Naturschutz eine Verkehrswende hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Gefragt ist eine Mobilität mit Köpfchen. Das Rückgrat für die Güterbeförderung auf langen Strecken muss die Bahn werden. Wird dies außer acht gelassen, rollt durch die EU-Osterweiterung auf unserer schönes Obermaintal eine immer größer werdende Verkehrslawine via LKW`s zu.

Wer weiterhin glaubt, dass die A73 Arbeitsplätze für unsere Region auf Dauer bringen wird, sollte die Situation im Landkreis Hof unter die Lupe nehmen, wo eine beste Autobahnanbindung bereits besteht und trotzdem die höchste Arbeitslosigkeit in Oberfranken zu beklagen ist.

Dem sanften Tourismus, bei dem seit Jahren erfreuliche Entwicklungen, insbesondere im Stadtgebiet von Bad Staffelstein mit Hunderttausenden Übernachtungen zu beobachten sind, wird durch die neue zusätzliche Autobahn mit über doppelt so viel Verkehr ein schwerer Schlag versetzt.

Trotz allem betonte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt, dass sich die Mitglieder des Bund Naturschutz nicht entmutigen lassen sollten: "Wir werden uns weiter für umweltfreundliche Verkehrslösungen engagieren. Es bleibt nur zu hoffen, dass unser Obermaintal durch die Folgen eines überbrandenden Straßenverkehrs nicht völlig entwertet wird."