Keine neuen Stromtrassen!

Lichtenfels. Der Bund Naturschutz lehnt die zusätzlich geplante Stromtrasse „P 44 mod“ strikt ab. Mit lautstarken Rufen „Wir brauchen keinen Braunkohlestrom!“ und „Hopp, hopp, hopp – Monstertrassen stopp!“ bekräftigten die Naturschützer bei der Demonstration in Rödental  ihren Widerstand gegen die neue Stromleitung, die 60 Meter neben der bereits im Bau befindlichen „Thüringer Strombrücke“ zusätzlich unseren Landkreis zerschneiden würde.

 In der jüngsten Sitzung der Kreisgruppe des BN mahnte Vorsitzender Anton Reinhardt: „In dem sogenannten Konsultationsprozess lotet anscheinend der Netzbetreiber Tennet nun aus, wo der politische Druck am geringsten ist. Dort werden voraussichtlich dann die Trassenpläne realisiert. Deshalb war die Präsenz von 5 000 Trassengegnern, Bürgermeistern und Parlamentariern aus der Region ein erstes, wichtiges Signal, die „P 44 mod“ durch die Landkreise Coburg und Lichtenfels zu verhindern.“

Der Lichtenfelser BN-Ortsgruppenvorsitzende Günter Lutz meinte: „Wir müssen in der Energiewende zügig vorankommen. Die Stadtwerke in Bayern sind dafür ein gutes Beispiel. Sie decken bereits jetzt ihren Strombedarf zu 50 Prozent aus eigener Produktion. Es gibt auch bereits einige energieautarke Dörfer. Regionale Energiegenossenschaften beziehen schon erfolgreich viele Bürger durch finanzielle Beteiligungen ein, wie beispielsweise an Fotovoltaik-, Windkraft-, Biogas-, und Kraft-Wärmekopplungsanlagen. Aber die noch immer für die großen Energiekonzerne lukrative, aber umweltschädliche Kohleverstromung im Norden Deutschlands und deren Stromleitungen in den Süden erschweren die gewinnbringende Vermarktung des vom BN favorisierten, dezentral erzeugten Stromes.“

Der Ebensfelder Ortsvorsitzende Ludwig Wendler ergänzte diese Ausführungen mit einem Vergleich: „Mir sind kleine Windparks nach Plan - das heißt in windhöffigen Arealen mit starker Bürgerbeteiligung und Akzeptanz- lieber als hunderte von Kilometern lange landschaftszerschneidende Stromtrassen mit 50 bis 90 Meter hohen Masten.“

BN-Delegierter Günther Scheler warb für die Einsparung von Energie: „Unsere Ausstellung zur Energiewende hat eindrucksvoll gezeigt, wie man mit einfachsten Mitteln Strom sparen kann. Das Energiesparpotential liegt bei etwa fünfzig Prozent. Allein durch Wegfall sämtlicher Stand-by-Schaltungen bei Elektrogeräten könnte auf die Leistung von zwei Kernkraftwerken in Deutschland verzichtet werden.“

Schatzmeisterin Elfriede Fischer plädierte für die effiziente Nutzung der Energie: „Immer noch gibt es zu viele falsch eingestellte Heizungen, schlecht isolierte Fenster und stromfressende Kühl- und Gefriergeräte, welche die Umwelt belasten und natürlich auch Löcher in die Haushaltskassen reißen.“

Um die Trassenpläne des Netzbetreibers zu Fall zu bringen, warb abschließend BN-Beisitzerin Ute Hauptfleisch für eine Beteiligung am Konsultationsverfahren der Firma Tennet: „Über www.netzentwicklungsplan.de/konsultation-2015 sollten viele Bürger ihre Einwendungen bis zum 13. Dezember direkt mailen oder sich bis 10. Dezember in Unterschriftslisten eintragen, die im Umweltbüro des BN in der Coburger Str. 33 (geöffnet dienstags, mittwochs von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von14 bis 17 Uhr) sowie im Naturkostladen „Apfelbaum“ ausliegen.

Anton Reinhardt


Bürgerwindkraftwerk auch im Landkreis

Lichtenfels. In Anbetracht der atomaren Katastrophe im japanischen Fukushima fordert die Kreisgruppe des Bund Naturschutz den schnellstmöglichen Ausstieg aus dieser Risikotechnologie, das Ausschöpfen von Energiesparpotenzialen, die effiziente Nutzung vorhandener Energiequellen und den raschen Umbau konventioneller in erneuerbarer Energieerzeugung.

Im Rahmen der jüngsten Vorstandssitzung wurde in diesem Zusammenhang der Ruf nach dezentraler Energieerzeugung laut, das heißt, auch hier im Landkreis Lichtenfels könnten beispielsweise auch Bürgerwindkraftanlagen errichtet werden. Damit sind Windkraftwerke gemeint, an denen sich möglichst viele Bürger auch mit kleinen Anteilen finanziell beteiligen können. „Das Bürgerwindkraftrad in Sassendorf ist ein Erfolgsmodell dezentraler Energieerzeugung auf kleinstem Raum und wird von einer großen Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert. Mit einer Leistung von 1,5 Megawatt liefert es seit vielen Jahren Strom für ca. 300 Haushaltungen.“, meinte Ludwig Wendler und hob hervor, dass zahlreiche Mitglieder des Bund Naturschutz daran beteiligt seien.

Der Vorteil dezentraler Energieerzeugung liege laut Bund Naturschutz auch darin, dass auf großdimensionierte, hunderte von Kilometern lange Hochspannungstrassen  verzichtet werden kann. Elfriede Fischer warb für einen zügigen Umbau der Stromproduktion: „Mit der regionalen Stromerzeugung werden wir auch ein Stück unabhängiger von den großen Stromkonzernen, die ihre Atomkraftwerke noch möglichst lange betreiben wollen und in der Lage sind, die Marktpreise entscheidend zu diktieren.“ Der Übergang zu einer ausschließlichen Versorgung mit erneuerbaren Energien brauche jedoch die richtigen ökonomischen Rahmenbedingungen. Anton Reinhardt meinte: „Würden die Schäden für Mensch und Natur sowie die Risiken nuklearer Energien im Preis berücksichtigt, wären die erneuerbaren Energien schon heute die wirtschaftlichste Energiequelle.“ Gabriele Richter betonte: „Der Umbau der Energieversorgung in Richtung alternative Energiequellen hat der Bundesrepublik Deutschland schon Hunderttausende neuer Arbeitsplätze gebracht, und zwar zukunftsfähig im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.“ Stellvertretender Vorsitzender Günter Lutz ergänzte: „Wenn die Möglichkeiten der Stromeinsparung und der Energieeffizienz ausgeschöpft werden, wird der Stromverbrauch spürbar sinken. Ein Energiemix aus Wind-, Wasser-, Solarkraft, Geothermie und naturverträglich erzeugter Biomasse wird dann problemlos die Stromversorgung abdecken.“ Vorsitzender Anton Reinhardt meinte, dass es auch in unserer Region durchaus geeignete Standorte für Windkraftwerke gebe. Selbstverständlich sei aus Landschaftsgründen nicht jeder windhöffige Standort, wie beispielsweise der Staffelberg, auch tatsächlich für die Errichtung eines Windrades geeignet.

Die BN-Vorstandsmitglieder plädierten für den Bau von Bürgerwindkraftwerken. Reinhardt fasste zusammen: „Wir würden solche Kraftwerke auch im Landkreis Lichtenfels begrüßen, unter der Maßgabe einer fachlich abgesicherten und transparenten Standortauswahl als eine entscheidende Grundlage für eine natur- und umweltverträgliche Windenergienutzung.