AUFRUF ZUR DEMO FÜR EINE VERANTWORTUNGSVOLLE BÄUERLICHE LANDWIRTSCHAFT AM 21. JANUAR 2017 IN BERLIN

Lichtenfelser Naturfreunde im Berliner Regierungsviertel.

Lichtenfels. Für gesundes Essen, bäuerliche Landwirtschaft und fairen Handel, aber gegen Massentierhaltung, Gentechnik in Lebensmitteln, mit Umweltgiften belasteten Landschaften und dem geplanten CETA/TTIP Freihandelsabkommen ruft die Kreisgruppe des BUND Lichtenfels zur Großdemonstration am Samstag, den 21. Januar 2017 um 12 Uhr anlässlich der Grünen Woche in Berlin auf.

"Die Landwirtschaft steht am Scheideweg: Wird unser Essen zukünftig noch von Bäuerinnen und Bauern erzeugt oder von Agrarkonzernen, die auf Agrogentechnik und Tierfabriken setzen und zu Dumpingpreisen für den Weltmarkt produzieren?", fragt sich der Lichtenfelser Naturschützer und BN-Ortsgruppenvorsitzende Günter Lutz.

BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt erläutert: "Gerade in einem Wahljahr müssen wir Zeichen setzen und den Politikern aufzeigen, dass Agrar- und Ernährungspolitik sich an den Interessen der Menschen, der Tiere und der Umwelt, nicht an denen der Konzerne orientieren sollen. Dafür gehen wir auf die Straße!"

Die Teilnehmerliste ist wie in jedem Jahr bunt und verbindet Bäuerinnen und Bauern, anerkannt ökologisch wirtschaftend oder konventionell, gemüseanbauend oder tierhaltend, Verbraucher und Naturschützer. Unter dem Motto "Finger weg von unserem Essen!" fordern die Beteiligten faire Preise für landwirtschaftliche Produkte, damit unsere fachkundig geführten bäuerlichen Betriebe dauerhaft existieren können, um weiter qualitativ hochwertige Lebensmittel produzieren zu können und unsere reichhaltige Kulturlandschaft zu erhalten.

Ute Hauptfleisch vom Lichtenfelser BN ergänzt: "Das Preisdiktat der großen Lebensmitteldiscounter muss beendet werden. Die Leistungen unserer bäuerlichen Betriebe für das Gemeinwohl müssen stärker in den Mittelpunkt gerückt und entsprechend gefördert werden. Darum: fassen Sie sich ein Herz und fahren Sie mit uns nach Berlin!"

Eine Möglichkeit zur Mitfahrt soll möglichst auch ab Lichtenfels angeboten werden. Daher bittet der Bund Naturschutz um Anmeldung, spätestens bis zum 10. Januar 2017. Weitere Infos im Umweltbüro Lichtenfels, Coburger Str. 33, Tel. 09571-2586 (AB wegen Urlaub) oder unter lichtenfels@bund-naturschutz.de.



Erste Erfolge in der gentechnikfreien Landwirtschaft

Lichtenfels. Die Kreisgruppe des BUND Naturschutz in Lichtenfels freut sich über erste Erfolge in der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion. Anton Reinhardt, der Kreisgruppen-Vorsitzende teilt mit: „Der Markt für gentechnikfrei erzeugte tierische  Lebensmittel wird immer größer. Über 100 Unternehmen setzen deutschlandweit bereits auf die Kennzeichnungsmöglichkeit “ohne Gentechnik“, die das deutsche Gentechnikgesetz eigentlich schon seit 2008 ermöglicht. Sie verpflichtet die Milch-, Eier- oder Fleischerzeugenden Landwirte zur gentechnikfreien Fütterung.“

„Doch was bei der Milch und Eierproduktion möglich ist, muss endlich auch im Bereich der Fleischerzeugung stärker umgesetzt werden,“ fordert Günter Lutz. Dabei hätten die staatlichen Lehreinrichtungen eine besondere Vorbildfunktion, damit hiesige Landwirte auf zukunftsfähige Marktstrategien vorbereitet werden.

Denn der Einsatz von gentechnisch verändertem Importsoja stehe zu Recht in der Kritik: Die vielfach in der Fütterung von Schweinen und Geflügel, aber auch bei Milchkühen eingesetzten Sojaprodukte würden gentechnisch so manipuliert, dass sie die Anwendung einer „Giftdusche“ mit Herbiziden unbeschadet  überstehen.

Herbizidrückstände und die gentechnische Manipulation als solche bergen jedoch ein hohes, zum Teil noch ungeklärtes  Risikopotenzial für die Gesundheit von Mensch und Tier in sich.

Der Anbau der Sojapflanzen in Monokulturen in Südamerika führe zu immer größeren Brandrodungen an Baumbeständen, insbesondere im Regenwald. Der BN setzt sich daher für einen Umstieg auf importunabhängige, regionale Fütterungssysteme ein. „Die  Fleischproduktion in Europa muss reduziert werden, um bei weltweit knapper Fläche nicht auch noch Futtermittelfläche in anderen Kontinenten für einen gesundheitlich und klimapolitisch schädlich hohen Fleischkonsum in Anspruch zu nehmen“, mahnt Reinhardt.

„Statt den Landwirten zur Aufstockung ihrer Tierbestände zu raten, muss endlich in Richtung Qualitätswachstum beraten und ausgebildet werden“, fordert auch Marion Ruppaner, BN-Referentin für Landwirtschaft. „Es  braucht Investitionen in besonders artgerechte Stallsysteme, wie sie im Ökolandbau gefordert werden. Gentechnikfreie Fütterungskonzepte sind ein  erster wichtiger  Schritt auf diesem Weg.“

Als positiv sieht sie die Einschätzung der Branchenexperten des VLOG (Verband Lebensmittel ohne Gentechnik), wonach etwa 10% der Milchmenge in Deutschland bereits heute gentechnikfrei erzeugt werden, man rechne mit einer mittelfristigen Ausweitung auf mindestens 50%. „Am Bayerischen Milchmarkt sind es neben den Biomolkereien, die ausnahmslos ohne Gentechnik produzieren, „Die faire Milch“ des Bundes Deutscher Milchviehhalter, die Firmen Landliebe, Zott und  die Molkerei Bauer aus Wasserburg, die „komplett ohne Gentechnik“ Milch, Käse oder Joghurt auf den Markt gebracht haben. Und die sind ja wirklich in jedem Lebensmittelladen im Kühlregal vertreten“, so Ruppaner.

 

Im Fleisch und Wurstbereich gehe laut BN die Entwicklung leider langsamer voran. Zwar habe der Lebensmitteleinzelhandel Interesse an gentechnikfreiem Fleisch signalisiert, hält sich mit Informationen über den Stand der Dinge jedoch zurück.

„Kosten sollten künftig kein  Hindernis mehr für die Umstellung auf gentechnikfreie Produktion sein“, meinte BN-Vorstandsmitglied Ute Hauptfleisch und wies auf die Region Fürth hin: “Die Mehrkosten der Landwirte für den Einkauf des als gentechnikfrei zertifizierten Sojas werden bei dem Fürther Projekt zwischen Landwirten und den beteiligten Metzgereifachbetrieben aufgeteilt und bewegen sich im niedrigen Centbereich pro Kologramm Schlachtgewicht. „Die Endverbraucher bekommen von den  Mehrkosten erst einmal gar nichts mit“, erfuhr der BN Lichtenfels auf Nachfrage bei Konrad Ammon, der in seinem Metzgerfachgeschäft in Burgfarnbach schon mehrjährige Erfahrung sammeln konnte.

 

Im Eiermarkt gehen die Schätzungen bereits jetzt  von einem Anteil von 50% gentechnikfreier Fütterung aus, mit steigender Tendenz. Allerdings fehlten die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ auf den Packungen, weil die großen Anbieter sich nicht in die Karten schauen lassen wollen. „Ausführliche Informationen über die Fütterungsart sind bei den meisten Firmen in deren Internetauftritt ersichtlich oder natürlich direkt beim gut sortierten Bioeinzelhandel, wie etwa im Lichtenfelser Naturkostladen Apfelbaum, erhältlich“, erläutert Sabine Rübensaal aus dem BN-Umweltbüro.

 

Und wie sieht der hiesige Bio-Einzelhandel die Entwicklung? Erika Thielert vom Naturkostladen Apfelbaum in der Coburger Straße in Lichtenfels ist überzeugt, dass sich die Umstellung auf gentechnikfreie Lebensmittelproduktion lohnt. Im Gespräch mit dem BN erläutert sie: „In Bio darf generell keine Gentechnik enthalten sein, daher braucht man sich als Kunde im Bioladen nicht zu sorgen. Neben der zahlreichen Stammkundschaft stelle ich in letzter Zeit fest, dass immer mehr Mütter mit Babys kommen und erfreulicherweise auch vermehrt junge Leute, die sich bewusst ernähren möchten und sich Gedanken über die Herkunft und den Inhalt unserer Lebensmittel machen. Da sind sie dann natürlich bei uns gut aufgehoben.“

 


BN begrüßt Reform der EU-Agrarpolitik

Lichtenfels.Der Bund Naturschutz und die Naturschutzstiftung EuroNatur haben die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Europäischen Agrarpolitik im Wesentlichen begrüßt.

In der jüngsten Vorstandssitzung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz bezeichnete Anton Reinhardt einige Vorschläge der EU als „einen kleinen, aber wichtigen Schritt in die richtige Richtung. So manche Kritik der Agrarindustrie ist ungerechtfertigt.“

Die EU-Kommission habe endlich verstanden, dass die Agrarpolitik nicht länger eine Klientelpolitik bleiben darf, die vornehmlich großen Betrieben zu Gute komme. Den Naturschützern gefällt besonders, dass die Auszahlung der Gelder an die Bauern nun davon abhängig gemacht werde, dass sie mindestens 7 % Ihrer Ackerflächen unter einen sogenannten ökologischen Vorrang stellen sollen.

Ute Hauptfleisch meinte dazu: „Mit den ökologischen Vorrangflächen wird endlich eine ökologische Grundinfrastruktur auf dem Land geschaffen. Unsere Bauern im Landkreis werden damit weit weniger Probleme als beispielsweise große Ackerbaubetriebe in den ausgeräumten Bördelandschaften Norddeutschlands haben.“ Die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsflächen bei allen Arten von Flächenversiegelungen, wie beispielsweise neue Straßenprojekte und Gewerbegebiete, hält der BN nach wie vor für notwendig. Ansonsten würde der Flächenfraß noch weiter begünstigt.

BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer konnte sich mit dem Ziel klar definierter Leistungen anfreunden: „Brüssel muss nun endlich die jährlich 55 Mrd. Euro ausgezahlten Agrargelder gegenüber den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern genau rechtfertigen. Bisher haben vor allem die großindustrielle Landwirtschaft und teilweise sogar Betriebe, die gar keine Landwirtschaft betreiben davon profitiert.“

Schon im März diesen Jahres hatte sich die Kreisgruppe des Bund Naturschutz an Europaabgeordnete Monika Hohlmeier gewandt, mit der Bitte um Unterstützung bei dem Bemühen für den Erhalt einer gentechnikfreien Landwirtschaft. Dabei ging es um den Einfluss amerikanischer Diplomaten, die auf die EU massiven Druck ausübten, den Widerstand gegen die Einführung gentechnisch veränderten Saatguts, sowie gentechnisch veränderter Pflanzen aufzugeben. Nicht nur der Bund Naturschutz, sondern auch maßgebliche Vertreter der Kirche, wie beispielsweise das Erzbistum Bamberg, wehrten sich vehement gegen die Einführung gentechnisch veränderten Saatguts. Anton Reinhardt forderte deshalb die zuständigen politischen Gremien in der Europäischen Union dazu auf, sich nicht zu willfährigen Erfüllungsgehilfen amerikanischer Firmeninteressen degradieren zu lassen. „Da sind doch vor allem das EU-Parlament und die EU-Kommission gefragt, wir warten immer noch auf eine ausführliche Stellungnahme unserer EU-Abgeordneten Monika Hohlmeier!“, so Reinhardt.

Der Bund Naturschutz wehrt sich auch gegen die von manchen Spitzenvertretern des Bauernverbands geführte Debatte, wonach die von der Kommission geplante Extensivierung den Hungertod von Menschen in der Dritten Welt bewirken würde. Ludwig Wendler mahnte: „Mit dem Hungerleid einer Milliarde Menschen versucht man da anscheinend, eine agrarindustrielle Entwicklung bei uns zu legitimieren, obwohl gerade dadurch die Hungersituation verschärft wird. Das bedrohliche Hungerproblem kann nur gelöst werden, wenn die Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern selbst nachhaltig verbessert wird.“ Der Vorstand des Bund Naturschutz betrachte es als eine unerträgliche Doppelmoral, wenn die wirkliche Mitverantwortung am Hungerproblem immer dann ausgeklammert werde, wenn eigene Geschäfte winkten.