Bund Naturschutz und heimische Landwirte diskutieren über Formen der Nutztierhaltung im Landkreis: Dörfliche Bauernbetriebe erhalten und fördern

Diskutierten nachdenklich über die Nutztierhaltung im Landkreis Lichtenfels (v. li.): BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt, BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner, BN-Delegierter Günther Scheler, die Bio-Landwirte Klaus Gründel aus Krögelhof und Rudolf Billinger aus Draisdorf, BBV-Obmann Michael Bienlein, stellvertretender BBV-Obmann Rudi Steuer und Tierarzt Dr. Klaus Prell.

Lichtenfels. "Agrarfabriken" mit tausenden von Tieren oder dörfliche Kleinbetriebe mit traditioneller Viehhaltung? Für den Landkreis Lichtenfels ist die Antwort auf diese Frage schnell geklärt. In der Region gibt es bis auf eine Ausnahme nur kleinbäuerliche Strukturen. In der Schweinehaltung wird höchstens 1 Betrieb mit bis zu 2000 Tieren gezählt, in der Rinderhaltung sind es gar nur bis zu 400 Tiere, die auf heimischen Höfen gehalten werden.

Kein Vergleich beispielsweise zu den riesigen Schweinehaltungen in den nord- und ostdeutschen Bundesländern, in denen zehntausende Tiere gezüchtet und gemästet werden. Lediglich eine Geflügelhaltung im südwestlichen Landkreis erreicht ebenfalls fünfstellige Tierzahlen - ein Betrieb, gegen den die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) übrigens vor dessen Bau vehement protestiert hatte.

Doch Protest oder gar Streit standen vor Kurzem bei einem Treffen zwischen Vertretern des BN und hiesigen Landwirten nicht auf der Tagesordnung, sondern, wie BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt betonte, ein "Miteinander, um unsere Landwirtschaft im Landkreis konstruktiv-kritisch nach vorne zu bringen und das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen".

Und so startete Marion Ruppaner, Agrarreferentin des Landesverbandes des BN, mit einem Plädoyer für den Erhalt der artgerechten Landwirtschaft.Sie kritisierte den Rückgang der kleineren Betriebe, forderte eine Abkehr der bisherigen EU-Landwirtschaftspolitik, die weiterhin "großindustrielle Agrarfabriken" fördere, und forderte beispielsweise eine klare Kennzeichnung von Fleisch. "Wir müssen wie bei den Eiern den Verbraucher leicht verständlich aufklären, was für ein Fleisch er kauft. So wie man auf der Packung erkennt, ob die Eier aus Bio-, Boden- oder Käfighaltung stammen, muss der Kunde am Fleisch erkennen können, ob die Tiere auf Spaltenböden stehen mussten, im Stroh lebten oder auf einem Biohof gehalten wurden", sagte Marion Ruppaner.

Während Michael Bienlein, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, bezweifelte, dass eine derartige Kennzeichnung praktisch umzusetzen sei, warf sein Stellvertreter Rudi Steuer ein, dass kein Landwirt seinen Betrieb freiwillig zumache, sondern erst dann, wenn sich seine Arbeit insgesamt nicht mehr rechne: "Wer etwas mit Landwirtschaft verdienen will, muss neue Ställe bauen. Dazu braucht es aber Geld. Die neuen Ställe sind gut für die Tiere und erleichtern die Arbeit des Bauern."

Kritik am Trend zu immer größeren landwirtschaftlichen Betrieben übte auch der Burgkunstadter Tierarzt Dr. Klaus Prell: "Der Bauernverband hat früher das Motto ,Wachse oder weiche'ausgegeben. Jetzt wird kritisiert, dass die kleinen Bauernhöfe verschwinden."

Der Vorschlag Marion Ruppaners, in der Region die Weidehaltung in der Rinderhaltung auszubauen, brachte den Krögelhofer Biobauern Klaus Gründel zu dem Einwand, dass diese Form der Viehhaltung in den vergangenen 200 Jahren in Oberfranken kaum praktiziert worden sei. Der Grund sei wohl das verhältnismäßig trockene Klima in Franken, das für Kälber, Kühe oder Bullen nicht genug Gras wachsen lasse. Der Öko-Landwirt weiter: "Um die Rinder auf der Weide zu halten, braucht man außerdem die Flächen möglichst nahe an den Ställen, dann sind die Kosten für diese Form der Haltung kein Problem."

Gründel stellte zusammen mit seinem Biobauern-Kollegen Rudolf Billinger aus Draisdorf die Vorzüge der ökologischen Landwirtschaft heraus. Während in Bayern die konventionellen landwirtschaftlichen Betriebe mehr produzierten, als im Freistaat verbraucht würde, müssen Bio-Produkte nach Gründels Aussage aufgrund der steigenden Nachfrage sogar aus anderen Ländern eingeführt werden.

"Bio-Schweinefleisch ist sehr gesucht, deswegen wundert es mich, dass nicht mehr Landwirte ihre Wirtschaftsweise umstellen und dieses produzieren", sagte Gründel. Kritik übten Michael Bienlein und Rudi Steuer an den Verbrauchern. Bienlein meinte nicht ohne Frust, dass sobald die deutschen Landwirte nicht billig genug produzieren würden, die Kunden auf ausländische Waren umsteigen würden, die von weither importiert werden. Steuer zitierte Landrat Christian Meißner, der moniert hatte, dass die staatliche Ernährungsberatung aufgelöst worden sei. "Wenn die Verbraucher wissen, was sie einkaufen, dann kaufen sie bewusster ein", so der stellvertretende BBV-Obmann.

Derzeit würden viele Kunden an der Ladentheke leider nur nach den billigsten Lebensmitteln greifen. Ähnlich äußerte sich auch Veterinär Dr. Prell, der bedauerte, dass der Hauswirtschaftsunterricht an Realschulen verschwunden sei. Marion Ruppaner wies darauf hin, dass sich der BN in der Rinderhaltung für eine bessere Unterstützung von Weidehaltungssystemen und Zwei-Nutzungsrassen einsetze. Milchviehhalter, die ihre Tiere noch in Anbindehaltung halten und keine Möglichkeiten zum Weidegang haben, bräuchten besondere Förderung, um Laufhöfe bauen zu können. Deshalb fordere man auch Änderungen im Baugesetzbuch, die Einführung von Obergrenzen und eine flächengebundene Tierhaltung, um Tierställe im industriellen Maßstab zu verhindern. Auch die Tierhaltungsverordnungen müssten nachgebessert werden.

Der BN unterstützte auch eine Ernährungswende hin zu einem gesünderen Lebensstil mit weniger Fleisch und dessen Erzeugung dann bevorzugt aus besonders artgerechter Tierhaltung. Hier könnten beispielsweise öffentlich getragene Gemeinschaftsverpflegungen in Krankenhäusern und Kindertagesstätten oder in Werkskantinen wegweisend sein. Bereits jetzt gebe es auch in Oberfranken gute Initiativen von Landwirten und Metzgern, die auf Tierhaltung oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards setzten.

Als gelungene Beispiele wurden die "Weidewelt Frankenwald" im Landkreis Kronach und die "Frankenfarm" im Landkreis Kulmbach genannt. Marion Ruppaner und besonders Anton Reinhardt regten an, dass die heimischen Landwirte als Direktvermarkter stärker ihre eigenen Produkte gemeinsam anbieten sollten; denn nicht jeder Landwirt könne sich einen eigenen Hofladen leisten.

Der BN-Kreisvorsitzende lobte Aktionen wie den "Tag des offenen Hofes", bei dem sich die Landwirte den Verbrauchern in der Region von ihrer besten Seite präsentieren würden. Skeptisch zum Thema Selbstvermarktung äußerte sich Michael Bienlein: "Das heimische ,Roggerla'-Brot erzielt nur marginalen Umsatz. Ich habe die Befürchtung, dass beim Thema Direktvermarktung manchmal über Produkte diskutiert wird, welche die Mehrheit der Konsumenten gar nicht will."

Rudolf Billinger, der seine Bio-Waren wöchentlich am Markt in Coburg anbiete, gab zu bedenken, dass der Verkauf der eigenen Erzeugnisse einem liegen müsse. Seiner Einschätzung nach würden besonders junge Landwirte diese Form des Verkaufs nicht mögen. Zustimmung gab es von Klaus Gründel, der einräumte, dass es jedoch auch andere Möglichkeiten für Landwirte gebe, die eigenen Produkte erfolgreich zu vertreiben. Er hob hervor: "Dazu braucht es aber Menschen, die die Chancen erkennen und diese dann auch nutzen."

Diskutiert mit unterschiedlichen Standpunkten wurden des Weiteren Themen, wie die Behandlung von Nutztieren mit Antibiotika, der hohe Fleischkonsum, die internationale Agrarpolitik oder die Verteilung der Subventionen an Landwirte.

Abschließend zog BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ein positives Fazit des Treffens. "Wir brauchen Visionen, um auch die jungen Menschen für die Landwirtschaft und die Produkte der heimischen Bauern zu gewinnen", sagte der Naturschützer, der hoffte, weiter im Gespräch mit konventionellen und Bio-Landwirten des heimischen Landkreises zu bleiben.

Anton Reinhardt


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