Führung um die renaturierte Mainschleife bei Unterbrunn

Bild: Die Exkursionsteilnehmer begutachteten im Rahmen der Bayern-Tour-Natur die verschiedenen Renaturierungsbereiche an den Ufern der neuen Mainschleife unter der Führung des BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt (Mitte). Anhand eines Biberschädels erklärte er die Funktion der keilförmigen Nagezähne, mit denen das Tier in der Weichholzaue Weiden zu seiner Nahrung kappt.

Unterbrunn. Das Erscheinungsbild des ehemals begradigten und mit Ufermauern versehenen Mains hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Zwischen Unter- und Oberbrunn ist eine neue Mainschleife von etwa 1,5 Kilometer Länge entstanden.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur begrüßte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt die Exkursionsteilnehmer am Mainbogen nordöstlich des Dorfes, wo im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen und des Kiesabbaus naturnahe Areale entstanden sind, die dem Main bei Hochwasser große Ausbreitungsflächen geben und so die Rückhaltefunktion verbessern.

Reinhardt informierte über die wasserbaulichen Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes und ist von den Ergebnissen aus naturschutzfachlicher Sicht sehr angetan: "Ich bin begeistert von der vielfältigen Flusslandschaft, die dadurch entstanden ist, dass man dem Main einen Teil seiner früheren Ausbreitungsmöglichkeiten zurück gegeben hat."

Im Jahre 2010 wurde diese Mainschleife im Zuge des LIFE-Naturprojektes, bei dem der BN auch einer der Projektpartner sei, weiterentwickelt. Das Areal sei nun ein wichtiger "biologischer Trittstein" des oberen Maintals, wo Naturräume, wie Baggerseen, Schilf- und Röhrichtbereiche, Flachwasserzonen, Tümpel, Auwaldstrukturen und Altwasserzonen miteinander vernetzt wurden.

Nach dem Verlassen der Hochwasserkante und eines Stück Weges entlang des Mainbogens flussabwärts stieß die Besuchergruppe auf etliche Flussmuschelschalen, die teilweise auch zerbrochen waren. Dies sei ein untrügliches Zeichen, dass die schlauen Rabenvögel mit ihrer Beute nach oben flogen, wieder fallen ließen, um so nach dem Bruch der Schale an das begehrte Muschelfleisch zu kommen. Vom großen Beobachtungsturm konnte man das gesamte Areal gut überblicken, und mit dem Fernglas erspähte man einige Blässhühner, Höckerschwäne, Haubentaucher und Graureiher. Diese Bereiche haben Verbindung mit dem Main und dadurch stetigen Wasseraustausch. Mehrere Tümpel, die im Sommer teilweise austrocknen, im Frühjahr allerdings überflutet werden, bieten Lebensräume für Wasserfrösche, Libellen und Erdkröten. In den Steilufern nisten Uferschwalben, manchmal auch Eisvögel. In den ruhigeren Gewässerzonen, die mit vielen Weiden und Erlen bestückt sind, finden auch Fischotter und Biber ihre Lebensraum-Nischen. Reinhardt verriet, dass über 100 Vogelarten in diesem neuen Biotopverbundsystem registriert worden seien.

Damit diese Vielfalt erhalten bleibt, wolle man demnächst im zentralen Teil der Mainschleife der zunehmenden Verbuschung durch Beweidung entgegenwirken.

Drei bis vier sogenannte Heckrinder, die dem Auerochsen, dem Urrind, sehr ähnlich seien und aus dem Aurachtal stammen, sollen die Freihaltung auf natürliche Art bewerkstelligen. Vorbei an einer riesigen alten Schwarzpappel und neu entstandenen Auwaldbereichen, wo inzwischen ebenfalls der Biber wieder heimisch geworden sei, gelangte die Gruppe zu Kiesbänken und Flachwasserzonen am Ufer des Mains, wo man die prächtige Schwanenblume, die Wildblume des Jahres 2014 entdeckte.

Reinhardt erläuterte, dass hier Flussuferläufer und Flussregenpfeifer gute Nistplätze vorfinden und zeigte anhand von Vogelei-Attrappen die hervorragende Tarnung des Geleges im Kiesbett. Er klärte auch bei dieser Gelegenheit zwei junge Leute auf, dass es hier gerade deswegen verboten sei, sich auf der Kiesbank niederzulassen und überdies auch noch mit einem Campingbus bis dorthin zu fahren.

Einige Informationstafeln wiesen darauf hin, dass es für die Öffentlichkeit etliche gut zugängliche Beobachtungsbereiche entlang des Flusses gebe, aber auch sogenannte Tabu-Bereiche, wie beispielsweise Nistplätze von Bodenbrütern und Rückzugsgebiete seltener Vogelarten. Deshalb habe man in Absprache mit den Naturschutzbehörden, den Kommunen und der Initiative Flussparadies Franken eine Art Besucherlenkungskonzept entwickelt. Beispielsweise wurden Einstiegsplätze in Zapfendorf, Unterleiterbach und Unterbrunn geschaffen, die mögliche Störungen durch den Bootsbetrieb auf wenige Stellen reduzieren sollen. Wegen des Niedrigwassers aufgrund der Trockenheit sollten die Bootsfahrer das derzeitig geltende Paddelverbot respektieren.

Nachdem die Teilnehmer weiter flussabwärts wanderten, erklärte Exkursionsleiter Reinhardt die Vorteile der Verbindung des Dornwiesensees mit dem Hauptstrom des Maines:

"Der Wasseraustausch bringt mehr Sauerstoff in den einstmals abgetrennten Baggersee, was der Fischfauna zugutekommt und einer Eutrophierung entgegenwirkt."

Um einen vorbeugenden Hochwasserschutz zu gewährleisten, habe man versucht, in einigen Abschnitten dem Main seine ehemalige Dynamik zurückzugeben. Gleichzeitig entstanden durch die Verbauung mit großen Steinen im ehemaligen Flusslauf ein Trockenbett- und ein Altwasserbereich. Nach den Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes, Absprachen mit den Naturschutzbehörden und der Kiesindustrie sei nun ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Biotopverbundsystem entstanden. Reinhardt hob hervor:

"Man muss die Natur arbeiten lassen, der Fluss hat in der neuen Schleife mehr Platz bekommen, kann wieder mäandrieren, so seine Fließgeschwindigkeit verringern und naturschutzfachlich wertvolle, neue Lebensräume schaffen."

Durch die Flussbaumaßnahme entstanden aber auch einige Brachen, Trocken- und Halbtrockenrasen, wo die Besuchergruppe Blumenteppiche mit Natternkopf, Sonnenröschen, Hornklee, Seifenkraut und Kamillen bewundern konnte. Die Dynamik des Flusses wurde besonders deutlich in den Uferbereichen erkennbar. Dort konnte man von feuchten Ufersäumen über halbtrockene schlammige Schichten bis zu den kiesigen festen Bereichen die allmähliche Änderung der Oberflächenstruktur wahrnehmen. Im Rahmen der Flusslaufverlängerung sollte eines der wichtigsten Ziele, die Rückhaltefunktion und das gleichmäßige Abfließen der anfallenden Hochwassermengen realisiert werden. Reinhardt brachte es auf den Worten "Breitwasser, statt Hochwasser" auf den Punkt und freute sich, dass die Maßnahmen dazu geführt haben, die Ziele des Hochwasserschutzes mit den Interessen der Kiesindustrie, des Wasserwirtschaftsamtes und des Naturliebhabers in Einklang zu bringen.

Anton Reinhardt