BN KREISGRUPPE LICHTENFELS ERKUNDET DIE BUCHENRIESEN IM STEIGERWALD

Lichtenfels/Obersteinbach im Steigerwald. Anlässlich Ihrer letzten diesjährigen Exkursion im Rahmen der BayernTourNatur erkundeten Naturschützer aus dem Landkreis Lichtenfels den Altbuchenbestand "Kleingengelein" im Steigerwald und somit einen Teil des geplanten Nationalparkressorts.

Schon bei der Anfahrt fielen die kontroversen Plakatierungen der Steigerwaldgemeinden ins Auge: Der Gedanke an einen Nationalpark Steigerwald findet nicht nur Zustimmung. Ludwig Wendler, der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Ebensfeld, der dankenswerterweise kurzfristig den ausgefallenen Führer ersetzte meinte: "Der BN unterstützt die Forderungen nach einem Nationalpark in dieser Region, weil der Steigerwald das anerkanntermaßen für einen Buchenwaldnationalpark am besten geeignete Gebiet Bayerns darstellt."

Davon konnte sich die bunt gemischte Gruppe dann auch überzeugen, als sie sich über den" Pfad der Artenvielfalt" dem Altbuchenbestand "Kleinengelein" näherte. Hier befindet sich einer der ältesten Buchenbestände Deutschlands.

Die mächtigen Bäume sind etwa 40 m hoch und zwischen 250 und 300 Jahre alt. Staunend standen die Naturfreunde vor den Baumriesen und versuchten durch das noch dichte Blätterdach hindurch zu sehen. "Erst wenn einer dieser Riesen umstürzt und somit ein Lichtschacht entsteht, erhalten am Boden liegende Bucheckern genug Licht, um auszutreiben und es beginnt eine neue Buchengeneration heranzuwachsen", erläuterte Ludwig Wendler.

Ute Hauptfleisch, BN-Vorstandsmitglied aus Lichtenfels gab eine Empfehlung: "Wer die Waldabteilung Kleinenglein besuchen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Doch dieser "Pfad der Artenvielfalt" ist vor allen Dingen für Familien mit Kindern oder auch für Schulklassen aufgrund der Mitmachelemente und Interaktionen bestens geeignet."

Einstimmig konnte die Gruppe am Ende der Exkursion feststellen: Ein Nationalpark Steigerwald wäre auf jeden Fall wünschenswert. Weitere Infos erhalten Sie durch die Broschüre "Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald", erhältlich im Umweltbüro Lichtenfels oder direkt beim Informationsbüro Freundeskreis Nationalpark Steigerwald unter www.pro-nationalpark-steigerwald.de


SIR.

Bildernachlese unserer letzten Steigerwald Exkursion - Bericht folgt!

Pfad der Artenvielfalt bei Obersteinbach im Steigerwald
Riesenbärenklau
Buchenriesen von vier Männern bezwungen
Alle Zwei- und Vierbeiner haben den Rundweg genossen

Der Bund Naturschutz schärfte seine Sinne bei einer Exkursion im nördlichen Steigerwald, die unter der Leitung des Waldpädagogen Erich Rößner stattfand. Dieses Naturschutzreservat käme als Teil eines ersten fränkischen Nationalparks in Frage, für den seit Jahren nicht nur der BN, sondern auch der Bamberger Landrat Denzler und Ebracher Kommunalpolitiker werben.

Lichtenfels/Zell im Steigerwald. Um die Sinne für die Errichtung des ersten fränkischen Nationalparks zu schärfen, begab sich die Kreisgruppe des Bund Naturschutz auf eine vierstündige Exkursion durch die Schluchtwälder des nördlichen Steigerwaldes.

Exkursionsleiter Erich Rößner ließ wissen, dass bei den vorliegenden Nationalparkplanungen zwei ausgedehnte Laubwald-Komplexe mit zusammen rund 11 000 Hektar im Fokus stehen, für die ausschließlich Staatswald einbezogen werde. Damit wäre nur ein kleiner Teil des jetzigen 128 000 Hektar großen Naturparks betroffen. Waldbiologe Rößner präzisierte: „Der Nordsteigerwald könnte mit der Ausweisung als Nationalpark und dem Status eines Großschutzgebietes sogar als sogenanntes Weltnaturerbe nachgemeldet werden.“ Die Sorgen und Ängste der Nationalparkgegner, dass es ein großflächiges Wege- und Betretungsverbot gebe, seien völlig unbegründet. Die Besucher sollen stattdessen durch ein attraktives Angebot an Wanderrouten, Informationen und Führungen behutsam an die Natur herangeführt werden.

Die „Schlangenwegwanderung“ des Bund Naturschutz bot an diesem  herrlichen Spätherbsttag sicher eine der landschaftlich reizvollsten Wanderungen im Steigerwald.  Ein wunderschöner, schmaler und „geschlängelter“ Pfad führte die Naturschützer bergauf durch die Schluchtwälder des Nordsteigerwaldes.  Über unzählige Wegschleifen erwanderte die Gruppe immer wieder neue Einsichten in die tief eingeschnittenen Seitentäler des Böhlgrundes. In den abschüssigen Steilhängen des Schlangenweges kann sich die für den Steigerwald typische Buche nicht immer so gut verwurzeln wie andere Laubbaumarten und verliert dort ihre gewohnte Überlegenheit.  Die tonigen, oft kaum bewachsenen Böden seien instabil, örtlich komme es auch zu Erdrutschen. Die drei heimischen Ahornarten Spitz-, Berg- und Feldahorn sowie Eschen und Elsbeeren können hier jedoch unbehelligt in die Höhe wachsen. In dem als Naturwaldreservat eingestuften Waldbereich erklärte Erich Rößner die Zusammenhänge der Lebensgemeinschaften: zahlreiche Vogelarten, wie der seltene Hals- oder Zwergbandschnäpper, der Kolkrabe, Grau- und Mittelspecht brauchen die reichlich vorhandenen  Nistmöglichkeiten in den abgestorbenen Baumveteranen. In den morschen, stark bemoosten am Boden liegenden Totholzstämmen findet man viele Käferarten, wie den Eremiten, der sich vom Mulm ernährt. Verschiedene Pilze, wie Halimasch, Schwefelkopf und Stockschämmchen, tun ihr Übriges und zersetzen die Holzsubstanz.

 BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt warb in diesem Zusammenhang eindringlich für die Errichtung eines Nationalparks: „Diese Wälder können als Keimzellen fungieren, von denen aus sich die ursprüngliche Flora und Fauna wieder ungestört ausbreiten kann. Wir haben hier in Deutschland eine nationale Verantwortung für den Erhalt der lichten Buchenmischwälder auf diesem Globus.“  Die natürliche Verjüngung wurde in den Waldlichtungen besonders deutlich. Dort leuchtete das Laub der Bäume  durch die Sonneneinstrahlung in den warmen Gelb- und Brauntönen des Herbstes besonders eindrucksvoll.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Erich Rößner für die eindrucksvolle informative Führung und meinte zum Schluss: „Wir wollen den Wald von seiner schönsten Seite kennen-, schätzen- und schützenlernen und werden auf jeden Fall wiederkommen.“

Für fränkischen Nationalpark

Ebrach/Lichtenfels.

Mit einer eindrucksvollen Kundgebung vieler Befürworter des Nationalparks wurde Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Ebracher Marktplatz und im Rahmen einer Waldexkursion verdeutlicht, dass der immer noch heftig diskutierte Nationalpark Steigerwald nicht nur vor Ort, sondern auch in der Region viele Freunde habe.

Auch die Lichtenfelser Kreisgruppe des Bund Naturschutz empfing zusammen mit etwa 200 anderen Naturschützern und dem BN-Landesvorsitzenden Professor Hubert Weiger den Bundesumweltminister mit einem Plädoyer für den Nationalpark. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (im Bild rechts) hob hervor, dass Deutschland auf nationaler, europäischer und globaler Ebene eine besondere Verantwortung für den Erhalt und die naturschutzgerechte Entwicklung von Buchenwäldern trage: „Wir sind für den ersten fränkischen Nationalpark, er bietet die einzige Möglichkeit, einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge geschehen zu lassen und mit Hilfe des sanften Tourismus auch über einen langen Zeitraum behutsam beobachten zu können.

Die Erfahrungen mit der Schaffung anderer Nationalparke zeigen, dass auf lange Sicht alle Beteiligten von diesem hohen Schutzstatus profitieren. Ängste und Sorgen der Gegner können bei entsprechender Ausgestaltung des Nationalparks ausgeräumt werden.“ Die BN-Kreisgruppe beschloss, im Herbst eine Führung in den naturschutzfachlich besonders wertvollen Bereichen des geplanten Nationalparks Steigerwald für alle Interessierten anzubieten.