Tag der Regionen 2017 auf dem Bauernhof von Familie Steuer in Hainzendorf

Landwirt Rudi Steuer (links) erklärte der Exkursionsgruppe mit BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt (4.von links) ausführlich die Kälberaufzucht auf seinem Hof.
Unter den 20 Besuchern zeigten auch Kinder mit ihren Eltern großes Interesse an der Hofführung am Tag der Regionen und suchten den direkten Kontakt mit den Nutztieren.
In der Mischkammer erklärte Rudi Steuer die Arbeitsweise des Melkroboters

Hainzendorf   Zu einem Familientag zum „Tag der Regionen“ hatte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Lichtenfels (BN) in den Burgkunstadter Ortsteil Hainzendorf eingeladen. Dort konnten die Interessenten im Rahmen einer Führung den landwirtschaftlichen Hof der Familie Steuer begutachten.

BN-Kreisvorsitzender  Anton Reinhardt hob hervor, dass es wichtig sei, mit den Landwirten  ins Gespräch zu kommen: „Es gilt nicht, Gräben aufzureißen oder gar Mauern zwischen der Landwirtschaft und der Bevölkerung aufzubauen, sondern - wie in diesem Fall - hinter die Kulissen zu schauen und sich vor Ort eingehend zu informieren.“ Er freute sich deshalb besonders, dies bei Rudi Steuers landwirtschaftlichem Betrieb tun zu können. Eine Frage die sich dabei gerade am Erntedankfest stellt, lautet „Wie ist der Weg der Nahrungsmittel vom Acker auf den Teller?“. Bei den zahlreichen Lebensmittelskandalen tut eine bessere Aufklärung sicherlich Not. Rudi Steuer bezeichnete dies als guten Gedanken; denn jeder habe oft unterschiedliche Meinungen über die Wirtschaftsweise der Bauern. Er sagte: „Diese Dinge sollten verträglich und konstruktiv ausdiskutiert werden.“

Zu Beginn seiner Führung erklärte Rudi Steuer die Geschichte des kleinen Dorfes und seines Hofes: „Zu früheren Zeiten war alles was zu einem Bauernhof gehörte mit im Hause untergebracht. Im Anbau waren Kühe, Pferde und Schweine, die Räume darüber wurden für Getreide und Heu genutzt. Im Keller wurden Kartoffeln gelagert. Was dann an Raum übrig blieb, wurde vom Besitzer sowie den Mägden und Knechten als Wohnraum genutzt. Erst vor 70 Jahren seien die ersten Stallungen für Kühe und Schweine gebaut worden. Was damals schon umgesetzt wurde, war eine moderne Fütterung. 1990 wurden neue Stallungen mit einem Laufstall des Milchviehs gebaut. Dies bedeutete zusammen mit den ersten Melkstätten eine rasante Entwicklung. Für 130 Hektar Betriebsfläche sind mittlerweile fünf Mitarbeiter zuständig. 150 Nutztiere müssen dabei täglich versorgt werden.“ Spätestens jetzt war jedem Teilnehmer klar, dass man sich in einem vorbildlichen, modernen landwirtschaftlichen Betrieb befindet. So zeigte Rudi Steuer, dass offene Stallungen ein gutes Klima für das Milchvieh bedeuteten, da die Tiere gerne nach draußen kommen wollten. Interessant für die anwesenden Kinder war natürlich die Kälberstation. Kühe kommen dabei normalerweise zur Selbstkalbung, manchmal muss ihnen dabei aber geholfen werden. Nach acht Wochen im Kälberstand kommen die Kälber dann nach Bayreuth, wo ihr weiter Weg nach Norddeutschland zur Bullenmästung führe, da dort bessere, spezielle Möglichkeiten hierfür herrschten.

Sehr erstaunt waren dann alle von der Anlage des Melkroboters. Durch wichtige Transponder am Hals der Kühe könne durch diese Technik genau gesagt werden, ob die Kuh gemolken werden muss oder nicht. Im Regelfall geschieht dies zwei- bis dreimal am Tag. Durch eine sogenannte Euterspannung bemerke auch die Kuh, dass sie gemolken werden möchte und begebe sich alsbald in Richtung Melkstand. „Dadurch habe ich mit der Milch überhaupt keinen direkten Kontakt mehr“, meinte Rudi Steuer. „Bei der Überwachung der Tiere selbst hilft mir jedoch der Roboter und meldet mir zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten.“

Auch für die Hygiene der Tiere werde gesorgt. Beispielsweise werde durch Spaltenschieber das Abräumen des Mistes in regelmäßigen Zeitabständen gewährleistet. Die Klauen der Kühe müssten im Jahr dreimal geschnitten werden, um Krankheiten vorzubeugen.

Der Hof beinhaltet auch eine sogenannte Flexizucht. „Trächtige junge Kühe der Rasse Fränkisches Fleckvieh werden mit dem Flieger sogar bis nach Eritrea geflogen. Dies ist kein Problem, denn Kühe kennen keine Flugangst“, so Rudi Steuer schmunzelnd. Er ließ auch wissen, dass die am Hof nötigen Futtermittel  meist aus eigenem Anbau stammten. Ein eigener Anbau von Bohnen und Sojabohnen als Futtermittel sei jedoch für die bei uns herrschenden klimatischen Bedingungen zu schwierig und deshalb kaum möglich. Früher sei es so gewesen, dass ein Hof alles erbrachte, was zur Ernährung der Nutztiere benötigt wurde; dies reiche heute nicht mehr aus. Kraftfutter müsse zugekauft und dem eigenen Futter zugemischt werden. Außerdem habe sich irgendwann die Frage aufgetan, wie er die Wirtschaftlichkeit des Hofs noch steigern könnte. Eine Nutzung von Restfutter oder Gülle waren letztlich dann der Grund für den Bau einer eigenen Biogasanlage. Auch dieses komplexe Thema erklärte der Landwirt anschaulich. Dass er auch ansonsten auf erneuerbare Energieerzeugung setzt, zeigen die Photovoltaikanlagen auf den Dächern der landwirtschaftlichen Gebäude. Desweiteren zeigte er auf, dass durch die Nutzung der Abwärme der Biogasanlage zur Wärmelieferung an einzelne Wohnhäuser in der Ortschaft Kirchlein und durch die Trocknung von großen Hackschnitzelmengen und deren Vermarktung eine weitere Einnahmequelle des landwirtschaftlichen Betriebs ermöglicht worden sei. Die Idee dafür kam unter anderem auch vom Schwachholzüberschuss bei der öfters anfallenden Heckenpflege.

Nachdem die Besucher mit hausgebackenen Kuchen und Getränken verwöhnt wurden, bedankte sich  Anton Reinhardt bei Rudi Steuer für die ausführliche, informative Führung.

Text und Bilder von Roland Dietz 

 

 


Tag der Regionen 2016 führt an den Biohof Schulz in Birkach bei Untersiemau

Biobauer Thomas Schulz (3.von rechts) ist stolz auf seinen ökologisch wirtschaftenden Familienbetrieb und führte 20 Exkursionsteilnehmer des Bund Naturschutz am „Tag der Regionen“ durch seinen Bauernhof mit Ackerbau und Milchviehhaltung.

BIRKACH bei Untersiemau. Die nachhaltig ökologische Bewirtschaftung und die Existenzgrundlage eines bäuerlichen Familienbetriebes dauerhaft zu sichern, ist unter den gegenwärtigen Marktbedingungen keine leichte Aufgabe.

Vollerwerbslandwirt Thomas Schulz öffnete anlässlich des „Tags der Regionen“ seine Hoftore für eine Exkursion der Kreisgruppe Lichtenfels des Bund Naturschutz.

Seit 1989 bewirtschaftet er seinen über Generationen gewachsenen Betrieb biologisch nach den „Bioland-Richtlinien“ und avancierte inzwischen zu einem „Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau“. Die Besucher konnten sich davon überzeugen, dass sich die 67 Kühe – hauptsächlich Braunvieh und fränkisches Fleckvieh - sowie 2 Bullen in dem Laufstall offensichtlich sehr wohl fühlen; denn es ist genügend Platz zum Ausruhen und zur Bewegung für die Tiere vorhanden – sowohl im Inneren des Stalles als auch im Außenbereich.

Biobauer Schulz lässt wissen, dass die Rinder zur Fütterung Kleegras, Heu, Silage und eigenes Futtergetreide bekommen, das ausschließlich auf seiner selbst bewirtschafteten Fläche erzeugt werde.

Diese umfasse 140 Hektar Ackerland und 25 Hektar Grünland. Thomas Schulz hob die Bedeutung des Bodens hervor: „Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir zum Beispiel die Fruchtfolge beachten. Bei uns sind das Kleegras, Erbsen, Weizen, Dinkel, Roggen und Kartoffeln. Wer sich für einen echten Biobetrieb entscheidet, sagt gleichzeitig nein zu Gentechnik, Massentierhaltung, chemisch-synthetischen Düngern und Pestiziden. Es werden nur Pflanzenschutzmittel auf Naturstoffbasis eingesetzt; denn unsere Bauern und ihre Partner aus Lebensmittelhandwerk und -herstellung wirtschaften nach strengen Richtlinien. Diese gehen weit über die gesetzlichen Mindeststandards für sogenannte Bio-Lebensmittel nach EG-Öko-Verordnung hinaus.“

Der Biobauer freute sich, dass die Nachfrage der Verbraucher nach Milchprodukten mit höheren Qualität-Standards anhalte und er deshalb seit Jahren von der Einrichtung der „Bio-Schiene“ der Coburger Molkerei in Wiesenfeld profitiere.

Allerdings sei in deren Einzugsbereich auch mittlerweile die Zuliefermenge an Biomilch gedeckelt, da es ansonsten zu einem Preisverfall käme.

Um die Zukunftsfähigkeit des Bauernhofes abzusichern, sei als zweites Standbein der Erlös aus dem Getreideanbau genauso wichtig. Die Getreidepreise wiesen jedoch in den vergangenen Jahren eher eine fallende Tendenz auf. Schulz nannte ein Beispiel: „Im Jahr 1988 bekamen wir für 1 Doppelzentner Roggen 120 DM, heute sind es nur 28 Euro für qualitativ hochwertigen Roggen. Die Preise für Brot, Semmeln und Gebäck sind im gleichen Zeitraum aber um ein Vielfaches angestiegen.Wenn wir unsere Landwirtschaft erhalten wollen, müssen die Erzeuger, also die Landwirte, mehr für ihre Arbeit bekommen, ansonsten wird sich das Höfesterben fortsetzen.“

Nach einer abschließenden Fragerunde mit den Exkursionsteilnehmern bedankte sich BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt für die zweistündige Hofführung bei Thomas Schulz mit einem kleinen Präsent.

 

Anton Reinhardt