Vortrag über Verkehr und Gesundheit von Dr. Gernot Habich in der Katzogelhalle in Hochstadt

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Dr. Gernot Habich (links), dem ehemaligen Chefarzt für Lungenheilkunde und Atemwegserkrankungen am Bezirksklinikum Kutzenberg, mit einem kleinen Präsent für seinen Vortrag zu Luftschadstoffen und Lärm durch den Straßenverkehr.

Hochstadt. Die Auswirkungen des Straßenverkehrs auf die Gesundheit und die Lebensqualität thematisierte Dr. Gernot Habich, ehemaliger Chefarzt für Lungenheilkunde und Atemwegserkrankungen am Bezirksklinikum Kutzenberg, bei seinem Vortrag in der Katzogelhalle.

Bezugnehmend auf die vorliegenden Varianten der geplanten B 173-neu, forderte Dr. Habich eine sorgfältige Analyse der neu zu erwartenden Umweltbelastung für Mensch und Natur: "Eigentlich müsste man nach dem Vorsorgeprinzip, das im nationalen Umweltrecht sehr diffizil eingebaut ist, eine Risikobetrachtung dahingehend durchführen, wer qualitativ, quantitativ und in welcher Intensität durch die neue Umfahrung künftig belastet sein wird."

Der Mediziner wies in diesem Zusammenhang auf eine Studie der Schweizer Universität Bern hin. Danach haben kleine Kinder, die in der Nähe von Autobahnen wohnen, aufgrund bestimmter Luftschadstoffe aus Autoabgasen ein erhöhtes Leukämierisiko. Das Forscherteam untersuchte in Distanzen von unter 100 Metern bis über 500 Metern verschiedene Altersgruppen von Kindern. Ein signifikant höheres Krebsrisiko war bei Kindern von 0 bis 4 Jahren bei der ersten Distanzkategorie zu verzeichnen.

Dr. Habich führte aus, dass das Immunsystem der Lunge im Prinzip auf jeden eingeatmeten Schadstoff meist mit einer Entzündungsreaktion der Bronchien oder der Lungenbläschen reagiere. Manche Luftschadstoffe gelangten über die Lunge aber auch direkt ins Blut und in das Nervensystem und lösten dort schädliche Reaktionen aus.

Zu den wichtigsten Luftschadstoffen zählen neben Ozon, Feinstaub, zahlreichen Kohlenwasserstoffverbindungen, wie etwa dem Benzol, auch die Gruppe der Stickoxide. Sie reizten die oberen Atemwege, Nasenschleimhaut, Rachen, Luftröhre und weiter hinabsteigend die Bronchien. Husten und bronchitische Symptome seien der hörbare Ausdruck dieser Beeinträchtigung. Je nach Konzentration der NOx steige auch das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen. Sind andere Risikofaktoren oder Erkrankungen schon vorhanden, sei die gesundheitliche Belastung um so höher, besonders bei älteren Menschen.

Der Referent mahnte: "Das Minimierungsgebot hat auch hier höchste Priorität. Bei der Belastung durch Luftschadstoffe haben wir selten ein sofort spürbares und auf Kausalität zurückführbares Ereignis. Es ist vielmehr die Langzeitbelastung, die unser Gesundheitsrisiko bestimmt!"

Im zweiten Teil seines Vortrags beschäftigte sich Dr. Habich mit dem Straßenverkehrslärm. Er sei in Deutschland bei weitem der Hauptverursacher der Gesamtlärmbelastung der Menschen und werde am häufigsten auch von der Bevölkerung als direkte Umweltbelastung wahrgenommen. Zahlreiche medizinische Untersuchungen belegten den schädlichen Einfluss übermäßigen und länger einwirkenden Lärms.

Der Referent ging insbesondere auf die Schlaf- und Erholungsphase ein und mahnte: "Lärm verzögert das Einschlafen, vermindert die Tief- und Traumschlafphasen, ohne dass diese bewusst erlebt werden, Lärm kann unbemerkt im Schlaf auch Blutdruckerhöhung auslösen. Das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, ist an stark befahrenen Straßen um 3 bis 5 Prozent höher. Schlaf ist gerade bei Kindern für ihre Entwicklung besonders wichtig, wie etwa das Abspeichern von Erlerntem oder das positive Verarbeiten von tagsüber Erlebtem."

Dies alles werde bei den offiziellen Lärmberechnungen und daraus resultierenden gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzmaßnahmen viel zu wenig berücksichtigt. Die Richt- und Grenzwerte stammten mit einigen geringfügigen Änderungen aus dem Jahr 1974 und berücksichtigten nur unzureichend die physiologische Belastung des Menschen.

Ein weiteres Problem stelle die "Psychologisierung" des Lärms dar. Dr. Habich meinte: "Ein subjektiv störender Straßenlärm kann dazu führen, dass man sich ständig damit beschäftigt, dass Lärm möglicherweise zum Dauerdiskussionsthema in der ganzen Familie wird, und in der Folge zu psychosozialen Konflikten oder sogar zur Entwicklung von Depressionen führen kann."

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt nahm die Gelegenheit wahr, in diesem Zusammenhang für die Variante "Mitte" der B 173-neu mit maximal 2+1-Querschnitt zu plädieren. Dies reiche völlig aus, um den vorhandenen und prognostizierten Verkehr zu bewältigen, würde flächenschonender und kostensparender sein sowie weniger Lärm und Schadstoffbelastung für die Bürger bedeuten. Sie sollten dies bis 2.Mai auch gegenüber dem Bundesverkehrsministerium in Form einer schriftlichen Einwendung zum neuen Bundesverkehrswegeplanentwurf 2030 (BVWG) umgehend zum Ausdruck bringen.

Verstärkt wurde diese Meinung durch Dr. Elisabeth Hoffmann, der BN-Kreisvorsitzenden von Kronach. Sie warnte vor den Folgen eines überzogenen Straßenbaus: "Die Instandhaltungskosten vervielfältigen sich mit dem mehrspurigen Ausbau, wie die zahlreichen kostspieligen Reparaturen an etlichen Brückenbauten im gesamten Bundesgebiet zeigen. Auch der Nutzen-Kosten-Faktor von nur 1,8 im BVWG zeigt schon jetzt, dass eine 4-spurige, autobahnähnliche Straße gar nicht nötig ist. Wir schlagen deshalb modifizierte Straßenquerschnitte mit höchstens 2+1 Fahrspuren vor, und zwar von Lichtenfels-Ost bis Kronach-Süd."

Anton Reinhardt, der auch Mitglied des BN-Landesarbeitskreises Verkehr ist, hob hervor, dass insgesamt betrachtet, eine bessere Mobilität vonnöten sei, wolle man die Belastungen durch den Straßenverkehr bundesweit lösen. Der BN setze deshalb auf das Vermeiden von unnötigen Fahrten, Verlagern des Kfz-Verkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, wie Schiene oder öffentlicher Nahverkehr, und effiziente Nutzung, wie beispielsweise durch Fahrgemeinschaften, Anrufsammeltaxi oder Rufbus oder etwa auch mit erneuerbaren Energien betriebene Elektroautos, E-Bikes und Fahrräder für Strecken unter 6 km. Das betreffe zur Zeit immer noch 50 Prozent aller PKW-Fahrten. Hoffnungsvoll stimme ihn, dass der Landkreis mit dem Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg die Verbesserung des ÖPNV-Angebots eingeleitet habe.

Reinhardt forderte eine Änderung der ländlichen Siedlungspolitik und Infrastrukturplanung: "Supermärkte am Ortsrand, Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, außerörtliche neue Wohnbaugebiete, obwohl viele innerörtliche Baulücken vorhanden sind, erzeugen zusätzliche PKW-Fahrten, fördern den galoppierenden Flächenverbrauch und treiben die Grundstücks- und Pachtpreise weiter nach oben. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Dorf-und Stadtteilbewohner Kindergärten, Schulen, Lebensmittelläden oder Ärzte auch ohne eigenes Auto sicher und kostengünstig erreichen können."

Anton Reinhardt


Franziskusandacht am 04.10.2015

Gemeinsam mit Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative "Verantwortungsvolle Bürger im Banzgau", BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt und Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein, (von links nach rechts) beteten und sangen etliche Bürger am Franziskusmarterl für den Erhalt der Schöpfung.

Wiesen. Am diesjährigen Franziskustag trafen sich Bürger aus der Umgebung auf Einladung des Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative "Verantwortungsvolle Bürger im Banzgau" am Franziskusmarterl nahe dem Tunneleingang Eierberge der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld - Erfurt, um gemeinsam für den Erhalt der Schöpfung zu beten und zu singen.

Anton Reinhardt spielte zur Einstimmung ein Querflötenstück von Kaspar Kummer. Der BN-Kreisvorsitzende erinnerte zu Beginn der Mahnandacht an das "Jahr des Bodens", das die Vereinten Nationen für 2015 ausgerufen haben, und wies in diesem Zusammenhang auf das Ausmaß der Umweltzerstörungen durch die ICE-Trasse hin: "Wir stehen hier an einem bedeutsamen Punkt des VDE Nr. 8.1 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit), wo ein gewaltiges Gewerk dem anderen folgt: Maintalquerung - Tunnel Eierberge - Brücke - Tunnel Kulch - Brücke - Tunnel Lichtenholz - Brücke - ...

22 Tunnel und 29 Talbrücken wurden zwischen Ebensfeld und Erfurt aus dem Boden gestampft. Wenn die Regierenden gemeinsam mit den an den Schalthebeln der Macht stehenden Lobbyisten weiter so mit der nicht vermehrbaren Ressource Boden umgehen, laufen wir Gefahr, im wahrsten Sinne des Wortes den Boden, die Lebensgrundlage für Ernährung und Trinkwasser, unter unseren Füßen zu verlieren!"

Mittlerweile zeige sich immer deutlicher, dass das mit 8 Milliarden Euro teuerste Bahnprojekt Europas stark unterfinanziert sei. Reinhardt mahnte: "Statt mit Spitzengeschwindigkeiten durch die Landschaft zu rasen, müsste die dringende Sanierung und Ertüchtigung des gesamten Bahnnetzes in Angriff genommen werden. Der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe, schallgedämpfte Güterzüge und mehr Lärmschutz für die Anwohner, komfortables Reisen, niedrige Fahrpreise, Beseitigung des Tarifwirrwarrs und bessere Vertaktung der Verkehrsträger sind für eine bürgerfreundliche Bahn unverzichtbare Attribute." Nachdem Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative "Verantwortungsvolle Bürger des Banzgaues" den Sonnengesang zu Ehren des Heiligen Franziskus vorgetragen hatte, wurde zum Lobe und Preis der Schöpfung der Kanon "Laudato si" gemeinsam gesungen. Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein nahm in seiner Ansprache Bezug auf die Losungsworte der "Herrnhuther Brüdergemeinde", einer überkonfessionell-christlichen Glaubensbewegung, und sagte: "Bitten, Beten, Flehen - auch angesichts von Enttäuschung - den manchmal scheinbar schweigenden Gott auch gegen den Augenschein anrufen, das ist etwas, was das unverwechselbare Signum unseres Glaubens ist." In einem weiteren Losungswort bezog sich der Geistliche auf das Matthäus-Evangelium und versuchte, dennoch Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln: " Unser Bitten, Suchen, Anklopfen gehen nicht ins Leere. Was wir hier seit über 20 Jahren machen, ist nicht vergebens. Gott braucht Menschen, die sich ausdauernd für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung mutig einsetzen. Deshalb ist es gut, dass wir uns weiterhin hier alljährlich treffen." Nach dem Lied "Menschenkinder auf Gottes Erde sind zum Schutze bestellt" und gemeinsamen Gebeten brachten auch einige Bürger spontan ihre persönlichen Fürbitten vor. BN-Kreisvorsitzender Reinhardt bedankte sich bei allen und im besonderen bei Harry Göckel aus Herreth, Gemeinderat Stefan Kabitz aus Zapfendorf, Stadtrat Erwin Richter und BN-Ortsvorsitzendem Ludwig Wendler aus Ebensfeld für das ausdauernde, friedliche Engagement zum Erhalt der Schöpfung.

Anton Reinhardt


BN-Mitarbeiter für den Agenda 21-Arbeitskreis "Mobilität&Verkehr" bei den Lichtenfelser Sonnentagen

Bild: Für das Fahrrad als umweltfreundlichstes Fortbewegungsmittel sowie die Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs warben Anton Reinhardt (2. von links) und Otto Weidner (3. von links) am Informationsstand des Agenda 21-Arbeitskreises "Mobilität&Verkehr" bei den Lichtenfelser Sonnentagen. Zahlreiche Besucher nahmen am Verkehrs-Quiz teil, bei dem es Bahnfahrkarten im Wert von über 250 € zu gewinnen gab.

Lichtenfels. Das Informationsangebot des Agenda 21-Arbeitskreises "Mobilität&Verkehr" fand bei den Besuchern der "Lichtenfelser Sonnentage" großen Anklang. Insbesondere die kostenlose Radwegekarte "Bayern-Netz für Radler" und zehn oberfränkische Einzeltouren-vorschläge, wie etwa "Thermentour", "Obermain-Frankenwald-Tour" oder "Brauereien- und Bierkellertour", waren sehr begehrt.

Zu den Themen Radverkehr und Öffentlicher Personennahverkehr veranstaltete man ein Quiz, dessen sieben Fragen 46 Teilnehmer richtig beantworteten. Dabei ging es um Fahrrad-Rastplätze, umweltfreundliche Mobilität, verkehrssicheres Radeln und bürgerfreundliches Bahnfahren. Zahlreiche Ausflugstipps in Verbindung mit einer Streckennetzkarte für das Bahnfahren in Bayern und Vorschläge für Verbesserungen des Öffentlichen Personennahverkehrs im Umland und in der Metropolregion Nürnberg rundeten das reichhaltige Informationsangebot ab. Arbeitskreisleiter Anton Reinhardt stellte bei den Gesprächen am Info-Stand immer wieder fest, dass der Wunsch nach besseren Verkehrsanbindungen, besonders abends und am Wochenende, häufig genannt wurde. Otto Weidner freute sich besonders über das rege Interesse von Jugendlichen, die sich über mögliche Nahverkehrsangebote, klimafreundliches Zur-Schule-kommen und den Radverkehr informierten.

Es gab auch einige unter den älteren Besuchern, die Einzelheiten zu dem Elektrofahrrad nachfragten, welches am Infostand bereitstand. Dass die einheitliche Radwegebeschilderung nach der Typisierung der Bayerischen Obersten Baubehörde nunmehr im Landkreis fertiggestellt sei, bemerkten lobend einige praktizierende Vielfahrer. Auch die entsprechende Vernetzung mit den Nachbarlandkreisen sei in diesem Zusammenhang wichtig gewesen.

Anton Reinhardt


Franziskusandacht 2011

BN KV Vorsitzender Anton Reinhardt trotzt dem Baulärm und begrüßt alle Anwesenden.

Wiesen. Am diesjährigen Franziskustag trafen sich natur- und umweltinteressierte Menschen auf Einladung des BN am Franziskusmarterl nahe der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld – Erfurt, um gemeinsam auf den Erhalt der Schöpfung hinzuweisen.

„Bautabuzone“ steht auf dem Schild an einem Holzverschlag, der das Franziskusmarterl vor den vorbeidonnernden schweren LKWs notdürftig schützt, die fast pausenlos zum Eierbergtunnel fahren. Nach einem einstimmenden Flötenstück rief  BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt zum Innehalten auf und hob hervor, dass die Naturschützer auch nach 17 Jahren Kampf, Aufklärungsarbeit und vergeblichem Ausarbeiten von umweltverträglicheren Alternativen zu der jetzt in Bau befindlichen Trasse mit ihren 22 Tunnels und 27 Talbrücken zwischen Ebensfeld und Erfurt nicht mutlos werden sollten.  Beim Anblick der umgekrempelten Landschaft zum Trotz unterstrich er. „ Kein Gedanke, kein Wort, keine Tat waren umsonst!“

Mit Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen und Franziskanerpater Ernst Fischer baten die Gläubigen trotz Staub und Lärm des Betonmischers im Hintergrund um Kraft gegen die Mutlosigkeit, die sich beim Anblick der aufgerissenen Erde rund um Wiesen bei vielen breit gemacht habe. Pfarrerin Schmid-Hagen trug den Sonnengesang des Franziskus vor, der auch nach 1200 Jahren mit seiner Jubelkraft die Herzen der Menschen noch bewege.

Pater Ernst Fischer zeigte auf, dass die Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen im Leben des Heiligen eine untrennbare Einheit darstelle. Franziskus sei ein Revolutionär seiner Zeit gewesen, in der man ansonsten der Natur gegenüber eher unsentimental gestanden habe. Für ihn sei jedes Geschöpf ein Abbild Gottes gewesen, dem er sich solidarisch verbunden fühlte und über das der Mensch nicht einfach verfügen dürfe. Auch heute dürfe man Widerstand, ob gegen Stuttgart 21 oder Kernkraft nicht voreilig als Protest von Wutbürgern abtun.  Der Pater appellierte:“ Wir müssen bei uns selbst beginnen, unsere Sinne für die Schöpfung schärfen und dann in der Gesellschaft die Stimme erheben – in glaubwürdiger Weise.“

Durch diese eindringlichen Worte,  das Singen, Gitarren- und zarte Flötenklänge wurde die Andacht zu einer wertvollen Zeit, in welcher der Sinn aller Anwesenden für die Schöpfung geschärft wurde…  Sicher kein letztes Mal.

ICE durchs Maintal

Lichtenfels.  Angesichts neuer Analysen des Schienenverkehrsgutachtens im Auftrag des Umweltbundesamtes fordert die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) erneut die sofortige Beendigung des Baus der ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt.

Schon vor Wochen hat sich der Bund Naturschutz in mehreren Schreiben an die politischen Mandatsträger der CSU im Landkreis und im Bezirk mit der Bitte gewandt, ihren Einfluss auf Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer geltend zu machen, um weitere Milliarden Euro an Steuergeldern für ein aus Sicht des BN verkehrspolitisch sinnloses Prestigeobjekt zu verschleudern. In Briefen an Landrat Reinhard Leutner, Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg, Landtagsabgeordneten Christian Meißner, MdL Heinrich Rudrof und Staatssekretärin Melanie Huml wies der BN auf gravierende Landschaftsverschandelungen und Lärmbelästigungen im Zusammenhang mit Sprengungen beim Bau der ICE-Trasse hin und warb für einen sofortigen Baustopp angesichts einer möglichen Einsparung von bis zu sechs Milliarden Euro, die für eine Ertüchtigung des bestehenden bundesweiten Schienennetzes, der Stärkung des Bahnknotens Lichtenfels und einer Verbesserung der gesamten Schieneninfrastruktur wesentlich sinnvoller einzusetzen wären.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ergänzte aus aktuellem Anlass: „Der Bahnkonzern hat keine Reserven mehr. Das jetzige Desaster im winterlichen Bahnverkehr, aber auch der Ausfall der Klimaanlagen im Sommer und der immer schlechter werdende Service hätten eigentlich die Alarmglocken bei den Verantwortlichen zum Läuten bringen müssen, um sich endlich von Prestigeprojekten wie der ICE-Neubaustrecke zu verabschieden und ihre Hausaufgaben zu machen!“.

Aus dem Antwortschreiben von Minister zu Guttenberg, der bei Verkehrsminister Peter Ramsauer eine Anfrage veranlasste, lässt sich kein Plädoyer für einen Baustopp erkennen. Statt dessen wird von Seiten des Verkehrsministeriums auf eine Prognose für das Jahr 2015 hingewiesen, nach der bei Verwirklichung der ICE-Strecke mit einem jährlichen Plus von 1,8 Millionen Personenfahrten und einer Steigerung um 3,4 Millionen Tonnen im Schienengüterverkehr zu rechnen sei. Auch sei zwischen München und Berlin eine Fahrzeitverkürzung auf drei Stunden 48 Minuten vorgesehen.

MdL Christian Meißner und Landrat Reinhard Leutner sprechen sich zwar nach wie vor gegen die Neubaustrecke aus, sehen sich aber außerstande, diesbezüglich noch einen Baustopp zu erreichen.

Staatssekretärin Melanie Huml und MdL Heinrich Rudrof haben nicht geantwortet.

Insgesamt bedauert die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, dass das teure Gutachten des Umweltbundesamtes durch das Bundesverkehrsministerium unbeachtet bleibt, wonach elf Milliarden Euro ausreichen würden, um das gesamte bereits bestehende deutsche Schienennetz allein für den Güterverkehr etwa doppelt so leistungsfähig zu machen wie heute.

Anton Reinhardt brachte es auf den Punkt: „Die Bahn muss wieder pünktlicher, zuverlässiger und bürgerfreundlicher werden – das kostet Geld, viel Geld, das nicht für nutzlose Prestigeprojekte verschwendet werden darf!“

Jahresmitgliederversammlung "In der Scheffelklause" in Lichtenfels

BN-Ortsgruppenvorsitzender Günter Lutz referierte über Wildkräuter, verteilte Tütchen mit Samen des „Guten Heinrich“ und kredenzte BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer und den anderen Zuhörern selbst zubereitete Gierschlimonade.
Der Bund Naturschutz zeigte eine Vielfalt von Aktivitäten auf, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Für ihre 20-jährige treue Mitgliedschaft wurden Bernhard Christoph und Michael Bäumler von Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt mit dem bronzenen Abzeichen und einem kleinen Geschenk geehrt (von links).

Lichtenfels. Den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die Schärfung des Umweltbewusstseins weiter mit geeigneten Aktionen zu unterstützen, ist das Leitziel der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Man werde sich deshalb weiter bemühen, den guten, naturschutzfachlichen Zustand der Grundstücke des BN zu erhalten, wie etwa die aufwändige Heckenpflege oder Grasmäharbeiten auf dem Nassangerareal. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt gab einen Ausblick auf weitere Schwerpunkte der Arbeit: Im Rahmen des LIFE-Naturprojekts, bei dem es in unserer Region um eine Aufwertung der Flusslandschaft des Maines gehe, sei man von Anfang an sowohl finanziell als auch ideell und aktiv dabei. So wolle man beispielsweise durch das Anlegen von Flachwasserzonen, Schilf-Initialpflanzungen, Errichtung von Nistbäumen oder Nistfloßen die Artenvielfalt verbessern und durch die Schaffung von Naturerlebniseinrichtungen den sanften Tourismus stärken.

Das erfolgreiche Projekt "Wildkatzensprung" werde fortgesetzt. Auch in diesem Jahr seien wieder 12 ehrenamtliche Helfer unterwegs, um die mit Baldrian versehenen Lockstöcke auf Wildkatzenhaare zu untersuchen, um den Ausbreitungskorridor dieses seltenen Tieres zu erforschen.

Nachdem das Thema sauberes Trinkwasser bei einigen Schulklassen auf großes Interesse stieß, soll die Bedeutung dieses Lebenselexiers weiter vertieft werden. Reinhardt bedankte sich in diesem Zusammenhang bei Sabine Rübensaal, der Leiterin des Umweltbüros, die zu den Lehrkräften einen guten Kontakt aufbaute.Als weiteres Mittel, Kinder und Jugendliche an die Natur heranzuführen, sie im wahrsten Sinne "begreifbar" zu machen, haben sich die Amphibienschutzaktionen erwiesen, ebenso die Spuren des Bibers bei Exkursionen zu entdecken.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur bietet der BN eine Botanikführung mit Jupp Schröder am 17. Mai, eine Erkundung der Muggenbacher Tongruben am 24. Mai und eine Führung an der Mainschleife bei Unterbrunn am 6. Juli mit Ludwig Wendler an. Am Waldtag, dem 1. Juni, soll gemeinsam mit dem Forstamt und der Umweltstation die Bedeutung der heimischen Wälder an der Friedenslinde in den Mittelpunkt gerückt werden.

Große Sorge bereite den Naturschützern nach wie vor der schleichende Flächenfraß. Reinhardt mahnte: "Selbst in unserem Landkreis, dem kleinsten Bayerns, entziehen wir der Natur täglich 400 bis 2300 Quadratmeter für Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbeflächen. Anstatt die vorhandenen Baulücken und leer stehende Gebäude zu nutzen, werden an den Ortsrändern weiter neue Wohn- und Gewerbegebiete ausgewiesen. Von einem sparsamen Umgang mit der Fläche, wie ihn die Bayerische Staatsregierung schon seit Jahren fordert, kann nicht die Rede sein."

Auch bei den Straßenprojekten müsse der BN immer wieder den Finger in die Wunde legen. Anstatt die B 173 neu mehrspurig zu bauen, sollten intelligente, Kosten und Flächen sparende Verkehrslösungen realisiert werden. Beim nächsten Erörterungstermin der Regierung am Dienstag in Kronach werde man gemeinsam mit der dortigen BN-Kreisgruppe und Bürgerinitiativen dafür werben.

Positiv vermerkt wurde die Rücknahme der Steinbrucherweiterung zwischen Kemitzenstein und Hohlem Stein. Damit sei das Trinkwassereinzugsgebiet gesichert und die Landschaft vor weiterer Verschandelung bewahrt worden, ebenso wurde die Ablehnung des Bauvorhabens eines Münchner Investors am Rande des Landschaftsschutzgebietes Köstner Gründla begrüßt. Die Ausweitung des Wohnbaugebietes "In der Au" im naturnahen Bereich des Flüsschens Weismain wurde vorerst durch den Stadtrat genehmigt, doch sei ein Bürgerbegehren initiiert worden, um die Flächeninanspruchnahme in der Nähe des Wasserspielplatzes zu unterbinden. Mit dem Credo "Gentechnikfreie Nahrungsmittelproduktion vom Acker bis zum Teller" kündigte Reinhardt weiteren Protest gegen die Zulassung des Gen-Maises 1507 des Saatgutkonzerns Pioneer an. Auf ebenso starke Ablehnung stoßen die Massentierhaltung, der vermehrte Antibiotikaeinsatz in der Tiermast und die Verstümmelungen bei Schweinen und Hähnchen. Reinhardt ermunterte zu weiterem Widerstand unter dem Motto der letzten Großdemo in Berlin: "Hopp, hopp, hopp, Agrarfabriken stopp!" Die Forderung nach einer ökologischen Energiewende stieß bei den Anwesenden auf großen Beifall.

Dietmar Gross, Mitglied des BN-Landesbeirates, wies auf die Einsparmöglichkeiten und die effiziente Nutzung als vorrangige Maßnahmen hin. Reinhardt kündigte die Besichtigung eines Passivhauses am 12. April in Unterzettlitz an. Die Bürgerenergiewende, wie sie im Landkreis beispielsweise mit der Genossenschaft NEO umgesetzt werde, sei kein Luxus, sondern unverzichtbar, wolle man von den großen Stromkonzernen unabhängiger werden. Erfreulich sei, dass der Bund Naturschutz in der Verfolgung seiner Ziele einen Mitgliederzuwachs in der Kreisgruppe auf mittlerweile 950 Mitglieder zu verzeichnen habe.

Im Kassenbericht brachte Schatzmeisterin Elfriede Fischer zum Ausdruck, dass der BN sich ausschließlich aus Mitglieds- und Förderbeiträgen finanziere. Damit sei die Unabhängigkeit von Parteien und Sponsorfirmen gewährleistet. Der Dank galt den Helfern bei der Haus- und Straßensammlung. Fischer wurde durch Kassenprüfer Josef Merklein, der in seinem Amt wiedergewählt wurde, eine einwandfreie Buchführung bescheinigt. Die gesamte Vorstandschaft erhielt einstimmig Entlastung.

Für ihre 20-jährige treue Mitgliedschaft wurden Bernhard Christoph und Michael Bäumler mit dem bronzenen Abzeichen des BN und einem kleinen Geschenk geehrt.

Günter Lutz, Ortsgruppenvorsitzender aus Lichtenfels, brachte den Zuhörern in einem kurzweiligen Vortrag die wichtigsten Kenntnisse über das schonende Sammeln und sachgerechte Verarbeiten von Wildkräutern nahe. Zahlreiche medizinische Anwendungen und vor allem Kochrezepte fanden bei den Zuhörern großes Interesse. Die Verköstigung von selbst hergestellter Gierschlimonade und die Verteilung von Tütchen mit den Samen des "Guten Heinrich" rundete den Fachvortrag ab. Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei allen Aktiven und freute sich über das gute Miteinander im Vorstandsteam des Naturschutzverbandes.

BN-Radexkursion im Rahmen des „Autofreien Sonntags“

Rohrweihen am Nassanger gesichtet

 

Lichtenfels/Trieb. Natur pur und kulturhistorische Besonderheiten des Nassangerareals standen im Mittelpunkt der BN-Radexkursion im Rahmen des „Autofreien Sonntags“.

Von Schney ging es auf der rechten Seite des Maintales über Schwürbitz und dem Weiler Gruben zum Großen Nassangerweiher. Dort konnten die Naturfreunde die ganze Vielfalt der Vogelpopulationen aus gehöriger Distanz beobachten, denn zwischen dem 1. April und dem 15. August herrscht ein amtliches Betretungsvorbot des sensiblen IBA-Gebiets (Important Bird Area). Etwas ganz besonderes zeigte sich  über dem weit ausgedehnten Schilfgürtel: ein Rohrweihepärchen kreiste nahe des sogenannten Turmhügels auf einer kleinen Insel. Dieser Vogel ist die größte Weihenart in Deutschland und steht auf der Roten Liste der schützenswerten Greifvögel ganz oben. Kormorane und Graureiher erfreuen sich dagegen nicht der Beliebtheit bei den Teichwirten, denn sie haben es natürlich auf den „gedeckten Tisch“ eines Fischweihers abgesehen. Von den Entenvögeln konnten Tafelente, Stockente und Haubentaucher sowie Blesshuhn beobachtet werden. Auch der Gesang des Teichrohrsängers, Eisvogels und der Melodienreichtum der Nachtigall waren zu hören. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt erklärte anschließend noch den imposanten Rundbau des ehemaligen Gutshofes des Langheimer Klosters, der im Jahre 1693 nach den Plänen des berühmten Baumeisters Leonhard Dientzenhofer im Auftrag des Abtes Gallus Knauer errichtet wurde.

Auf dem dreistündigen Rundkurs entlang der zahlreichen Schlämmteiche, Tümpel und der Hauptwasserader des Mains erfreuten sich die Teilnehmer an der abwechslungsreichen Flora und Fauna des Maintales.