Vortrag über Verkehr und Gesundheit von Dr. Gernot Habich in der Katzogelhalle in Hochstadt

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Dr. Gernot Habich (links), dem ehemaligen Chefarzt für Lungenheilkunde und Atemwegserkrankungen am Bezirksklinikum Kutzenberg, mit einem kleinen Präsent für seinen Vortrag zu Luftschadstoffen und Lärm durch den Straßenverkehr.

Hochstadt. Die Auswirkungen des Straßenverkehrs auf die Gesundheit und die Lebensqualität thematisierte Dr. Gernot Habich, ehemaliger Chefarzt für Lungenheilkunde und Atemwegserkrankungen am Bezirksklinikum Kutzenberg, bei seinem Vortrag in der Katzogelhalle.

Bezugnehmend auf die vorliegenden Varianten der geplanten B 173-neu, forderte Dr. Habich eine sorgfältige Analyse der neu zu erwartenden Umweltbelastung für Mensch und Natur: "Eigentlich müsste man nach dem Vorsorgeprinzip, das im nationalen Umweltrecht sehr diffizil eingebaut ist, eine Risikobetrachtung dahingehend durchführen, wer qualitativ, quantitativ und in welcher Intensität durch die neue Umfahrung künftig belastet sein wird."

Der Mediziner wies in diesem Zusammenhang auf eine Studie der Schweizer Universität Bern hin. Danach haben kleine Kinder, die in der Nähe von Autobahnen wohnen, aufgrund bestimmter Luftschadstoffe aus Autoabgasen ein erhöhtes Leukämierisiko. Das Forscherteam untersuchte in Distanzen von unter 100 Metern bis über 500 Metern verschiedene Altersgruppen von Kindern. Ein signifikant höheres Krebsrisiko war bei Kindern von 0 bis 4 Jahren bei der ersten Distanzkategorie zu verzeichnen.

Dr. Habich führte aus, dass das Immunsystem der Lunge im Prinzip auf jeden eingeatmeten Schadstoff meist mit einer Entzündungsreaktion der Bronchien oder der Lungenbläschen reagiere. Manche Luftschadstoffe gelangten über die Lunge aber auch direkt ins Blut und in das Nervensystem und lösten dort schädliche Reaktionen aus.

Zu den wichtigsten Luftschadstoffen zählen neben Ozon, Feinstaub, zahlreichen Kohlenwasserstoffverbindungen, wie etwa dem Benzol, auch die Gruppe der Stickoxide. Sie reizten die oberen Atemwege, Nasenschleimhaut, Rachen, Luftröhre und weiter hinabsteigend die Bronchien. Husten und bronchitische Symptome seien der hörbare Ausdruck dieser Beeinträchtigung. Je nach Konzentration der NOx steige auch das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen. Sind andere Risikofaktoren oder Erkrankungen schon vorhanden, sei die gesundheitliche Belastung um so höher, besonders bei älteren Menschen.

Der Referent mahnte: "Das Minimierungsgebot hat auch hier höchste Priorität. Bei der Belastung durch Luftschadstoffe haben wir selten ein sofort spürbares und auf Kausalität zurückführbares Ereignis. Es ist vielmehr die Langzeitbelastung, die unser Gesundheitsrisiko bestimmt!"

Im zweiten Teil seines Vortrags beschäftigte sich Dr. Habich mit dem Straßenverkehrslärm. Er sei in Deutschland bei weitem der Hauptverursacher der Gesamtlärmbelastung der Menschen und werde am häufigsten auch von der Bevölkerung als direkte Umweltbelastung wahrgenommen. Zahlreiche medizinische Untersuchungen belegten den schädlichen Einfluss übermäßigen und länger einwirkenden Lärms.

Der Referent ging insbesondere auf die Schlaf- und Erholungsphase ein und mahnte: "Lärm verzögert das Einschlafen, vermindert die Tief- und Traumschlafphasen, ohne dass diese bewusst erlebt werden, Lärm kann unbemerkt im Schlaf auch Blutdruckerhöhung auslösen. Das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, ist an stark befahrenen Straßen um 3 bis 5 Prozent höher. Schlaf ist gerade bei Kindern für ihre Entwicklung besonders wichtig, wie etwa das Abspeichern von Erlerntem oder das positive Verarbeiten von tagsüber Erlebtem."

Dies alles werde bei den offiziellen Lärmberechnungen und daraus resultierenden gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzmaßnahmen viel zu wenig berücksichtigt. Die Richt- und Grenzwerte stammten mit einigen geringfügigen Änderungen aus dem Jahr 1974 und berücksichtigten nur unzureichend die physiologische Belastung des Menschen.

Ein weiteres Problem stelle die "Psychologisierung" des Lärms dar. Dr. Habich meinte: "Ein subjektiv störender Straßenlärm kann dazu führen, dass man sich ständig damit beschäftigt, dass Lärm möglicherweise zum Dauerdiskussionsthema in der ganzen Familie wird, und in der Folge zu psychosozialen Konflikten oder sogar zur Entwicklung von Depressionen führen kann."

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt nahm die Gelegenheit wahr, in diesem Zusammenhang für die Variante "Mitte" der B 173-neu mit maximal 2+1-Querschnitt zu plädieren. Dies reiche völlig aus, um den vorhandenen und prognostizierten Verkehr zu bewältigen, würde flächenschonender und kostensparender sein sowie weniger Lärm und Schadstoffbelastung für die Bürger bedeuten. Sie sollten dies bis 2.Mai auch gegenüber dem Bundesverkehrsministerium in Form einer schriftlichen Einwendung zum neuen Bundesverkehrswegeplanentwurf 2030 (BVWG) umgehend zum Ausdruck bringen.

Verstärkt wurde diese Meinung durch Dr. Elisabeth Hoffmann, der BN-Kreisvorsitzenden von Kronach. Sie warnte vor den Folgen eines überzogenen Straßenbaus: "Die Instandhaltungskosten vervielfältigen sich mit dem mehrspurigen Ausbau, wie die zahlreichen kostspieligen Reparaturen an etlichen Brückenbauten im gesamten Bundesgebiet zeigen. Auch der Nutzen-Kosten-Faktor von nur 1,8 im BVWG zeigt schon jetzt, dass eine 4-spurige, autobahnähnliche Straße gar nicht nötig ist. Wir schlagen deshalb modifizierte Straßenquerschnitte mit höchstens 2+1 Fahrspuren vor, und zwar von Lichtenfels-Ost bis Kronach-Süd."

Anton Reinhardt, der auch Mitglied des BN-Landesarbeitskreises Verkehr ist, hob hervor, dass insgesamt betrachtet, eine bessere Mobilität vonnöten sei, wolle man die Belastungen durch den Straßenverkehr bundesweit lösen. Der BN setze deshalb auf das Vermeiden von unnötigen Fahrten, Verlagern des Kfz-Verkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, wie Schiene oder öffentlicher Nahverkehr, und effiziente Nutzung, wie beispielsweise durch Fahrgemeinschaften, Anrufsammeltaxi oder Rufbus oder etwa auch mit erneuerbaren Energien betriebene Elektroautos, E-Bikes und Fahrräder für Strecken unter 6 km. Das betreffe zur Zeit immer noch 50 Prozent aller PKW-Fahrten. Hoffnungsvoll stimme ihn, dass der Landkreis mit dem Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg die Verbesserung des ÖPNV-Angebots eingeleitet habe.

Reinhardt forderte eine Änderung der ländlichen Siedlungspolitik und Infrastrukturplanung: "Supermärkte am Ortsrand, Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, außerörtliche neue Wohnbaugebiete, obwohl viele innerörtliche Baulücken vorhanden sind, erzeugen zusätzliche PKW-Fahrten, fördern den galoppierenden Flächenverbrauch und treiben die Grundstücks- und Pachtpreise weiter nach oben. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Dorf-und Stadtteilbewohner Kindergärten, Schulen, Lebensmittelläden oder Ärzte auch ohne eigenes Auto sicher und kostengünstig erreichen können."

Anton Reinhardt