Mahnandacht zum Franziskustag 2019

WIESEN/NEDENSDORF  Am diesjährigen Franziskustag jährt sich die Mahnandacht am Marterla  nahe dem Tunneleingang „Eierberge“ der ICE-Neubaustrecke zum fünfundzwanzigsten Mal. Nach dem unter der musikalischen Begleitung von Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative „Verantwortungsvolle Bürger des Banzgaues“ gemeinsam gesungenen „Laudato si“ zu Ehren des Heiligen Franziskus forderte Gemeindereferent Matthias Beck von der katholischen Pfarrei Sankt Kilian in Bad Staffelstein im „Seelsorgebereich Gottesgarten“ in seiner Ansprache zu mehr Besonnenheit auf:

„Als Jorge Mario Bergoglio im Jahr 2013 zum Papst gewählt wurde, hatte er sich den Namen Franziskus ganz bewusst gegeben, um damit das Programm seines Pontifikats zu umschreiben und zum Ausdruck zu bringen, dass er sich in die Tradition des Hl. Franziskus stellen und sich für den Erhalt der Schöpfung einsetzen möchte. Auch gerade hier im schönen ‘Gottesgarten’ wollen wir uns an die Gabe der Schöpfung erinnern, die uns anvertraut ist und für deren Schutz wir als ‘Ebenbilder Gottes’ berufen sind.“

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt stellte in seinen Begrüßungsworten am Franziskus-Marterla den Schutz des Bodens in den Mittelpunkt: „Der Erhalt der Schöpfung und der schonende Umgang mit den Ressourcen unserer Mutter Erde sollte die Richtschnur für die Regierenden auf allen Ebenen sein; denn wenn wir weiter so mit der nicht vermehrbaren Ressource Boden umgehen, laufen wir Gefahr, im wahrsten Sinne des Wortes den Boden, die Lebensgrundlage für unsere Ernährung und das Trinkwasser, unter den Füßen zu verlieren.“ Reinhardt wies in diesem Zusammenhang auf den Bürgerentscheid im Stadtgebiet hin und mahnte: „Die Umwandlung einer landwirtschaftlichen Fläche in der Größe von fünf Hektar-   das entspricht etwa sieben Fußballfeldern - in ein Gewerbegebiet am Fuße des Vierzehnheiligener Berges mit riesigen Logistikhallen, Rangier- und Stellflächen für LKW´s muss gestoppt werden. Wertvolle Flächen für die Futter- und Lebensmittelerzeugung gingen verloren, die anmutige Landschaft im „Gottesgarten“ würde wieder ein Stück ärmer. Das muss nicht sein; denn wir haben bereits 63,5 Hektar ausgewiesene, freie Gewerbeflächen im Landkreis, zum Teil sogar mit leerstehenden Hallen zur Verfügung, die es vordringlich zu nutzen gilt.“ Ähnlich verhalte es sich mit leerstehenden Häusern, Scheunen und Baulücken in unseren Dörfern und Städtchen. Die Nutzung dieser Flächen habe ebenfalls Priorität, bevor neue Baugebiete im Außenbereich ausgewiesen werden.

Nach dem zur Thematik passenden Lied „Menschenkinder auf Gottes Erde, Menschenkinder in Gottes Welt sind zu ihrem Schutze bestellt“ beteten die Anwesenden im Wechsel mit den Geistlichen die Fürbitten, wie etwa „Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung!“

Im Hinblick auf die beiden letzten trockenen Sommer hob Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen in ihrer Predigt hervor: „Wir feiern Erntedank – ein Fest, das bewusst macht, dass diese Welt und alles Wachsen und Werden der Feld- und Gartenfrüchte nicht selbstverständlich sind. Dieses Gottesgeschenk der Schöpfung gilt es zu würdigen, wert zu schätzen.“ Anspielend auf das Gleichnis Jesu vom Senfkorn versuchte die evangelische Pfarrerin Mut zu machen: „Wir können in dieser Situation der Umkehr und Neubesinnung auf Gottes Schöpfung nicht alle Probleme auf einmal lösen. Aber jede Entscheidung, die ich treffe, jede Maßnahme, die ich ergreife, jedes Engagement, zu dem ich mich aufraffe, um Gottes Schöpfung zu schonen, zu bewahren, wert zu schätzen, trägt die Verheißung von etwas Großem in sich – gleichsam dem winzigen Senfkorn, aus dem ein großes Kraut wächst, blüht und gedeiht.“ Sabine Schmid-Hagen beschenkte daraufhin alle Anwesenden mit Samentütchen, gefüllt mit einer Blühmischung, deren Aufschrift man durchaus auch als einen Appell an jeden Einzelnen zum aktiven Schutz der Natur auffassen konnte: „Blühe dort, wo Du gepflanzt bist!“

Mit dem gemeinsamen Lied „Gib uns Frieden jeden Tag“ und dem Segen der beiden Geistlichen klang die Mahnandacht harmonisch aus.

Anton Reinhardt


Zu Besuch auf dem Demeter-Hof in Veitlahm

22.6.19

LICHTENFELS/VEITLAHM  Auf dem Patersberghof praktiziert man erfolgreich seit 34 Jahren die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach den strengen „Demeter-Standards“, auf  Basis der Ideen des Anthroposophen Rudolf Steiner.

Im Rahmen einer Exkursion der Kreisgruppe des BUND aus Lichtenfels erfuhren 21 Teilnehmer die Beweggründe für die Entscheidung junger Leute, gerade so und nicht konventionell zu wirtschaften.

Nachdem sich Teresa und Christian Jundt als praktizierende Landwirte und Bachelor für ökologische Agrarwissenschaften qualifiziert hatten, stiegen sie vor drei Jahren in die Bewirtschaftung des Biobauernhofs als Hofnachfolger ein. Betriebsleiter Jundt erklärte der Exkursionsgruppe während eines zweistündigen Rundgangs die ganzheitliche Betrachtung seiner Tätigkeit: „Wir wollen in der Lage sein, die essentiellen Dinge, wie Futter für die Tiere, den Dünger für die Äcker, das Saatgut für die Feldkulturen und die Ergänzung des Tierbestandes möglichst aus sich selbst hervorzubringen, um nachhaltig und zukunftsfähig zu sein. Ebenso findet die Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu hochwertigen Lebensmitteln in der hofeigenen Käserei und Bäckerei statt. Eine eigene Abteilung bildet die Gärtnerei.

Der gesamte Hof werde als „geschlossener Organismus“ be­trachtet, in dem sämtliche Stoffe einem natürlichen Kreislauf unterliegen. Das natürlich wachsende Futter und Getreide werde möglichst unverfälscht zum eigenen Verbrauch oder zur Ernährung der Rinder, Schweine und Hühner verwendet. Im Gegen­zug werden Pflanzenreste und der Dung der Tiere als natürlicher Dünger für Felder, Weiden und Wiesen verwendet. Jundt hob hervor: „Die Milchwirtschaft ist in diesem Kreislauf ein wichtiges Standbein und stellt sozusagen den Ertrag aus dieser natürlichen und naturschonenden Wirtschaftsweise dar. Besonders beliebt sind unsere Käsesorten. Das Getreide wird in unserer eigenen Bäckerei zu hochwertigen Backwaren verarbeitet. Das Gemüse und das Obst werden ebenso wie alle anderen Produkte direkt ab Hof oder in einigen Geschäften der Umgebung vermarktet.“ Als Besonderheit werde im Rahmen des von der EU-geförderten „Schulfruchtprogramms“  an Kindergärten und Grundschulen Obst und Gemüse geliefert. Jundt meinte: „Diese Gelegenheit nutzen wir, um über die Vorzüge der Bio-Landwirtschaft und der Bekömmlichkeit unserer Produkte zu informieren".

Eine Besonderheit des Hofes ist seine Eingebundenheit in die „Solidarische Landwirtschaft“ (SoLaWi). Darunter verstehe man eine gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft, die beim Patersberghof seit zwei Jahren existiere: Jeder solidarisch Beteiligte erwirbt entsprechend seiner persönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse gleiche Anteile an den landwirtschaftlichen Produktionsergebnissen, wie zum Beispiel wöchentlich bestimmte Mengen an Gemüse, Getreide- und Milchprodukten. Eine solche Gemeinschaft funktioniere nur durch Vertrauen, Verantwortung und Hilfsbereitschaft. Das gelinge anscheinend gut, wie Christian Jundt am Ende mit einem freundlichem Lächeln versicherte. Ein gemütliches Beisammensein in dem hofeigenen Café rundete die gelungene Exkursion ab.

Anton Reinhardt

 


Lichtenfels hat zum zweiten Mal Storchennachwuchs

18.6.19

Große Freude herrscht beim BUND Naturschutz (BN) über die zweite erfolgreiche Storchenbrut auf dem alten Fabrikschlot in der Wöhrdstraße. 

Bereits im Jahr 2016 versuchten Weißstörche, auf dem Schlot ein Nest zu bauen, scheiterten aber immer wieder, weil eine stabile Unterlage fehlte. Die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz ließ daher von der Korbfachschule ein Kunstnest aus Weidengeflecht herstellen, welches dann durch BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt und Karlheinz Vogel im Oktober 2017 auf den 26 Meter hohen Schornstein der ehemaligen Färberei Götz gehievt und installiert wurde.

Schon 2018 wurde das Nest angenommen und war im Vorfeld von vier Störchen regelrecht umkämpft worden, bis sich schließlich ein Paar durchsetzen konnte und mit der Brut begann. Da ein Storch beringt war und die Kennzeichnung AT272 abgelesen werden konnte, war auch dessen Herkunft schnell geklärt: Er stammt aus Diespeck im Aischgrund. Ganz in der Nähe liegt das mittlerweile zur Berühmtheit gelangte Dorf Uehlfeld, in dem sich über 20 Storchenester befinden. 

Wohl aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit und dem damit verbundenen Nahrungsmangel zogen die Lichtenfelser Weißstörche 2018 nur einen Jungvogel groß, der jedoch erfolgreich ausflog.

Auch in diesem Jahr wurde der Storch mit der Ringnummer AT272 wieder beobachtet. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Partner hinzugesellte und das Paar zu brüten begann – mit Erfolg, wie sich vor kurzem herausstellte: Es befinden sich zwei Jungstörche im Nest, die mittlerweile immer öfters zu beobachten sind.

Wie der BN mitteilt, ist der Storchenbestand im Landkreis Lichtenfels mittlerweile auf sieben Brutpaare angewachsen – Tendenz steigend. „In einer Zeit, in der wir alle Zeugen eines großen Artensterbens werden, ist dies eine äußerst erfreuliche Entwicklung, die offenbar auch noch anhalten wird“, so Günter Lutz, der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Lichtenfels.

Fotos: Jan Ebert


Mikroplastik in der Nahrungskette

5.6.2019

 

LICHTENFELS  Wie Mikroplastik aus Alltagsprodukten über die Gewässer in die Nahrungskette gelangt, thematisierte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz am Aktionsstand anlässlich des Main-Erlebnistags am Ufer des Ortswiesensees in Oberwallenstadt. Wo kommt Mikroplastik her? Wie gelangt es in die Nahrungskette? Was kann der Verbraucher tun?

 

Riesige Plastikmüllteppiche schwimmen auf den Weltmeeren. Aber auch in den bayerischen Flüssen  finde man den ungeliebten Kunststoffmüll – in Form kaum sichtbarer feinster Plastikteilchen. Man unterscheide zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Zum primären Mikroplastik gehören sogenannte Basispellets (das Grundmaterial für die Plastikproduktion) sowie der in der Kosmetikindustrie verwendete partikuläre Kunststoff. Sekundäres Mikroplastik hingegen entstehe bei dem Zerfall größerer Kunststoffteile im Verwitterungsprozess, durch Wellenbewegung und Sonneneinstrahlung. Gemeinsam sei den beiden Formen des Mikroplastiks, dass es über Jahrzehnte im Meer verbleibe und mit den Strömungen in den gesamten Meeren verbreitet werde.

 

Mikroplastik und andere Kunststoffe werden in einer Vielzahl von Kosmetikprodukten, wie etwa Peelings, Duschgel, Gesichtsreiniger, Zahnpflegemittel u. a. verwendet. In einer Plastikflasche mit 500 Milliliter Duschgel filterten die Naturschützer beispielsweise etwa 1 Kaffeelöffel voll feinster Mikroplastikteilchen heraus. Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese Kunststoffe gelangten durch das Abwasser zu den lokalen Kläranlagen. Diese könnten sie meist nicht ausreichend aus dem Abwasser herausfiltern. So gelangen Mikroplastik und andere Kunststoffe aus den Abwässern in die Umwelt und unsere Gewässer. Kleinstlebewesen, Muscheln, Würmer und Fische nehmen die Partikel auf.

 

Am Infostand konnten die Besucher Tierpräparate eines stattlichen Zanders und eines Flussbarsches in Augenschein nehmen, die einstmals im Main und seinen Nebengewässern gefangen wurden. Letztendlich können so die Schadstoffe  über die Nahrungskette auch auf den Tellern der Menschen landen.

 

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: „Für die Verbraucher  ist es schwierig bis nahezu unmöglich, herauszufinden, in welcher Form und Größe der Kunststoff in dem Produkt vorliegt, da es leider völlig unzureichende Transparenz durch Kennzeichnungen auf den Verpackungen gibt. Der BUND-Einkaufsratgeber kann hier eine kleine Hilfe anbieten.“

 

Anton Reinhardt


Jahresmitgliederversammlung 2019

22.3.2019

LICHTENFELS  „Der Bund Naturschutz wird weiterhin alles tun, um den Erhalt der Biodiversität, also der Vielfalt von Pflanzen, Tieren, Lebensräumen und auch Genen, zu sichern. Das ist ein Ausdruck des Gesundheitszustandes unseres Planeten Erde. Einen winzigen, aber nicht unwichtigen Teil tragen auch wir hier, in unserer Heimat am Obermain, dazu bei - mit unserer Grundeinstellung, mit unserem Denken und Handeln.“ Mit diesem Credo leitete BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt seinen Bericht zur Jahreshauptversammlung ein und versuchte, den Mitgliedern Mut zu machen, um sich weiter aktiv für die Belange des Natur- und Umweltschutzes zu engagieren.

Reinhardt stellte die Bedeutung des Bodens besonders heraus: „Natürliche Böden sind nicht nur für Pflanzen und Tiere die Lebensgrundlage, sondern für uns Menschen selbst. Mutter Erde sorgt für unsere Ernährung und sauberes Trinkwasser.“ Dazu passe überhaupt nicht, dass wir allein in Bayern pro Tag über 13 Hektar Boden, also etwa 19 Fußballfelder für Straßen, Gewerbe- und Siedlungsgebiete überbauen. Diesen hohen Flächenverbrauch werde der BN weiter  anprangern. Als Beispiele nannte der Vorsitzende die Ausweisung weiterer Siedlungsgebiete im Außenbereich der Dörfer und Städte unseres Landkreises und mahnte: „Wir sollten bei der Schaffung neuen Wohnraums eine attraktive  Innenentwicklung unserer Gemeinden im Auge behalten. Leerstände alter Gebäude beseitigen, Baulücken nutzen. Verdichtetes Bauen sollten Vorrang vor dem Erschließen neuer Areale haben.“ Ähnliches gelte für die Ausweisung neuer Gewerbegebiete: „Es darf nicht sein, dass angesichts von 63,5 Hektar bereits ausgewiesener Gewerbegebiete in unserem Landkreis, manchen Investoren trotzdem gestattet wird, im Außenbereich die Voraussetzungen für neue Gewerbeflächen zu schaffen, wie etwa großer Logistikhallen am Fuße des Vierzehnheiligener Berges.“

Der BN und die Mehrheit der Bürger von Kümmersreuth seien mit dem geplanten neuen Steinbruch der Firma Neupert ebenfalls nicht einverstanden. Reinhardt mahnte: „Wir dürfen nicht weiter so achtlos mit dem Schutzgut Boden in unserer Heimat umgehen, den Menschen über Jahre hinweg unzumutbare Belastungen aufbürden und unsere Landschaft grob verschandeln. Der Bund Naturschutz ist Träger öffentlicher Belange und lehnt deshalb diesen geplanten Gesteinsabbau strikt ab“. Bernhard Christoph, der in Vertretung des Lichtenfelser Bürgermeisters ein Grußwort sprach, meinte: „Wir müssen als Stadt- und Kreisräte mehr für den Erhalt der Artenvielfalt tun. Wir dürfen im wahrsten Sinne des Wortes die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen nicht verbauen, indem wir dem Verbrauch freier Landschaft immer weiter zulassen und zu wenig gegen die fortschreitende Klimaerwärmung tun.“ Kontraproduktiv zum Flächensparen seien auch etliche Straßenverkehrsprojekte. Reinhardt sagte: „Wir brauchen z. B. keine neue Straße von Weismain über den Jura zur Autobahn A70, um eine sogenannte Umgehung für das Kleinziegenfelder Tal zu verwirklichen. Das bestehende überörtliche Straßensystem reicht für den Schwerlastverkehr völlig aus.“

Dass die Ressource Boden weiterhin die Grundlage für eine gesunde, vielfältige Ernährung bleiben kann, obliegt weitgehend der verantwortungsbewussten Wirtschaftsweise unserer Landwirte. Die Leistungen der Bauern, die sie für eine intakte Umwelt und die Erhaltung unserer Kulturlandschaft erbringen, müssten stärker belohnt werden und sich in einem fairen Preis für landwirtschaftliche Produkte widerspiegeln. Über den Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen - stoppt das Artensterben!“ haben sich die Naturschützer sehr gefreut. Sie hoffen auf ein Umdenken bei den regierenden Parteien und Verbesserungen im Bayerischen Naturschutzgesetz zum Erhalt der Artenvielfalt.

Im Themenfeld Umweltbildung werde der Bund Naturschutz deshalb seine erworbenen naturschutzfachlich wertvollen Grundstücke für Exkursionen gerne bereitstellen, wie etwa ins Schneybachtal oder in Kümmel. Das Naturprojekt mit der Offenen Ganztagsschule (OGS) soll eventuell auch am Meraniergymnasium mit dem Umweltpädagogen Jan Ebert weitergeführt und vertieft werden. Außerdem werde man gezielte Pflegeeinsätze organisieren, um insbesondere Jugendliche für artenreiche, schützenswerte Strukturen zu sensibilisieren; denn das Interesse am Klima- und Artenschutz sei bei vielen Jugendlichen durch die Freitags-Demonstrationen offenkundig geworden.

Desweiteren plane man die Anlage eines Wildkatzen-Lehrpfades im Banzer Wald gemeinsam mit der Herzoglichen Forstverwaltung.  Hier sei man auf einem guten Weg. In Sachen Baumschutz werde aus Sicht des Naturschutzes zu wenig getan. Oft würden alte Bäume Opfer voreiliger Fällaktionen an etlichen Stellen des Landkreises. Reinhardt bedauerte, dass man dies meist zu spät erfahre und warb für den Erhalt derartiger Bäume: „Ortsbildprägende alte Bäume sind nicht nur kleine natürliche Lebensgemeinschaften, sondern eine Bereicherung für jeden Ort. Durch ihre Sauerstoffproduktion und Feinstaubfilterung sind sie darüber hinaus „grüne Lungen“ unserer Dörfer und Städte.  Mit der Ausweisung von besonders markanten, landschaftsbereichernden Bäumen als Naturdenkmale sei der Landkreis zumindest auf Teilbereichen positiv vorangekommen.“ Gegen die Zerschneidung der Landschaft durch neue Stromtrassen mit riesigen Masten habe der BN beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Altmeier in Redwitz und bei anderen Demonstrationen Flagge gezeigt. Ebenso könne man nicht einfach klaglos hinnehmen, dass manche Leute Altautos, Landmaschinen- und Baufahrzeugwracks einfach in der Landschaft vor sich hinrosten lassen und dabei in Kauf nehmen, dass Schadstoffe in den Erdboden gelangen, anstatt die Fahrzeuge umweltgerecht verwerten oder entsorgen zu lassen.

Mit einem Infostand, dem Film „Leben ohne Plastik“ und dem erneuten Aufruf zum Plastikfasten setzte man Akzente: „Ob an der Wurst- oder Obsttheke,  beim Buchhändler oder im Drogeriemarkt – Stofftaschen, Einkaufskörbe oder bereits verwendete Tüten und Behälter leisten hier gute Dienste und helfen so, den Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland zu verringern. Einfach in den kommenden vier Wochen wieder ausprobieren, und man wird feststellen, dass es keiner großen Mühe bedarf und das Gefühl vermitteln kann, ein klein wenig  Gutes für die Umwelt getan zu haben.“, meinte Anton Reinhardt. Schafhaltung, solidarische Landwirtschaft und die Verbesserung der Artenkenntnis standen im Mittelpunkt der Exkursionen am Bohnberg mit Dr. Prell und Martin Bücker sowie ins Schneybachtal mit Hermann Bösche. Der Main-Info-Tag in Unterbrunn sei aufgrund der guten Koordination mit der Ortsgruppe Ebensfeld, dem Landesbund für Vogelschutz, der Umweltstation Weismain und dem „Flussparadies Franken“ sowie dem örtlichen Gartenbauverein ein voller Erfolg gewesen.

Erfreulich sei, dass der Bund Naturschutz in der Verfolgung seiner Ziele den Mitgliederstand in der Kreisgruppe auf etwa 900 Mitglieder stabilisieren konnte. Im Kassenbericht brachte Schatzmeisterin Elfriede Fischer zum Ausdruck, dass der BN sich ausschließlich aus Mitglieds- und Förderbeiträgen finanziere. Damit sei die Unabhängigkeit von Parteien und Sponsorfirmen gewährleistet. Der Dank galt den Helfern bei der Haus- und Straßensammlung sowie den Spendern für den Grundstückserwerb. Elfriede Fischer wurde durch Kassenprüfer Josef Merklein eine tadellose Buchführung bescheinigt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Anton Reinhardt als BN-Kreisgruppenvorsitzender in seinem Amt einstimmig bestätigt, ebenso Günter Lutz als Stellvertreter, Elfriede Fischer als Schatzmeisterin, Günther Scheler als Delegierter und Ute Hauptfleisch als Beisitzerin. Neu hinzugekommen sind Claudia Drenda und Fred Goller als Beisitzer sowie Jan Ebert als Schriftführer.

Für seine 40-jährige treue Mitgliedschaft wurde Horst Söhnge mit dem silbernen Abzeichen des BN, einer Urkunde und einem kleinen Präsent geehrt. In den Monaten Juni bis August letzten Jahres ging der Mitarbeiterwechsel im Umweltbüro dank der Hilfsbereitschaft von Sabine Rübensaal und des Engagements des neuen Mitarbeiters Jan Ebert reibungslos vonstatten. Reinhardt dankte allen, die bei den Arbeitseinsätzen des BN tatkräftig mithalfen und gab der Hoffnung auf die Gewinnung weiterer aktiver Helfer Ausdruck.

Dr. André Maslo, Leiter der Ökologischen Bildungsstätte Mitwitz, referierte anschließend über ein spezielles Bayern-Netz-Natur-Projekt, das die Artenvielfalt in geeigneten Gebietskulissen der drei Landkreise Lichtenfels, Kronach und Coburg verbessern und insbesondere das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn erhalten solle. Der Experte erläuterte die besonderen Ansprüche dieser Bodenbrüter: „Rebhühner haben, wie viele andere seltene Feldvögel auch, ganz spezielle Bedürfnisse, wie geeignete Mischungen aus Brut- und Nahrungsbiotopen, ausreichende Flächengröße zum Schutz vor Fressfeinden und eine warme, trockene und lichte Vegetationsstruktur.  Wir suchen deshalb spezielle Flächen, die wir im Rahmen unseres Projektes auch entsprechend fördern können.“ Nähere Auskünfte erteilt die Ökologische Bildungsstätte Mitwitz.

Anton Reinhardt


"Mein Main muss sauber sein"

9.3.2019

 

SCHÖNBRUNN   Müll gehört nicht in die Landschaft und schon gar nicht ins „Flussparadies Franken“ entlang des Mains. Das weiß eigentlich jeder Staatsbürger. Trotzdem fanden die  ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Kreisgruppe des BUND Naturschutz in Zusammenarbeit mit den „Royal Rangers“-Pfadfindern  bei der gemeinsamen Müll-Sammel-Aktion „Mein Main muss sauber sein“ wieder Glasflaschen, Autoreifen, Dosen, Kanister und  Plastikmaterial. Besonders auffallend waren viele Deckel von „Coffee-to-go-Bechern“. Leider fand man auch etliche große Bruchstücke einer alten Dachabdeckung und verschiedene Metallteile.

 

Insgesamt war die Müllmenge erfreulicherweise geringer als im letzten Jahr. Die ehrenamtlichen Müllsammler wunderten sich, dass es anscheinend noch immer Leute gebe, die ihren Wohlstandsmüll trotz gut funktionierender Müllentsorgung weit ab von Dörfern und Städten in der Landschaft hinterlassen.

 

„Vor allem Plastik, das über die Flüsse irgendwann in die Meere und Seen gelangt, ist mittlerweile zu einem weltweiten Umweltproblem geworden. Es verschwindet nicht einfach, sondern gelangt letztendlich nach seiner Zersetzung über Fische und Meerestiere, welche die kleinen Partikel fressen, wieder über die Nahrungskette zurück auf  unsere Teller“, erklärte Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN- Kreisgruppe (rechts). Er bedankte sich besonders bei den Royal-Rangers-Pfadfindern mit Petra Gehringer (4. von rechts) und bei Peter Metzger vom Kreisbauhof (7.von links), der in seiner Freizeit den gesammelten Müll abtransportierte und mit seinen Kollegen fachgerecht entsorgen wird.

 

Anton Reinhardt

 


Naturerlebnisprojekt „Mainau im Fokus“ erfolgreich

LICHTENFELS  Im Rahmen einer kleinen Vernissage im Foyer der Kreissparkasse fand das Naturerlebnisprojekt „Mainau im Fokus“, das die Kreisgruppe des Bund Naturschutz initiierte, am 3.12.18 seinen feierlichen Abschluss. Robert Fritz von der Sparkasse Coburg-Lichtenfels würdigte die Umweltbildungsmaßnahme: „Gerne geben wir den jungen Leuten hier die Möglichkeit, die Ergebnisse ihrer Naturerkundung einer breiten Öffentlichkeit darzustellen.“

 

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt beleuchtete kurz die Entstehungsgeschichte: „Ein etwa 8500 Quadratmeter großes Grundstück in der Mainau, welches vom BN im Jahre 2012 unter der Bedingung angekauft wurde, dass es in seiner ursprünglichen, natürlichen Form erhalten bleibt, war in den letzten vier Jahren bereits der Schauplatz für praktische Umweltbildungsmaßnahmen mit Schülergruppen der Offenen Ganztagsschule (OGS), einer Abteilung der Herzog-Otto-Mittelschule (HOS). Bei Müllsammelaktionen, Nistkastenbau, Tierspurensuche, Obstbaumpflanzungen und Baumschnitt konnten die Jugendlichen das naturschutzfachlich interessante Grundstück kennen und schätzen lernen.

 

In den letzten Monaten war das Areal mit seinen vielen Baum- und Sträucherarten der Dreh- und Angelpunkt für ein ganz besonderes Naturerlebnis, dem Fotoprojekt „Mainau im Fokus.“ Nur durch die fruchtbare Kooperation zwischen dem Bund Naturschutz, dem freiberuflichen Umweltpädagogen Jan Ebert, der Leiterin der OGS, Anette Teubner, dem Rektor der HOS, Wolfgang Fischer und Andreas Förster von der evangelischen Jugendbildungsarbeit des Dekanats Michelau sei es möglich gewesen, ein erfolgreiches Heranführen Jugendlicher an natürliche Zusammenhänge zu verwirklichen.

 

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Schüler haben phantastische Bildaufnahmen gemacht“, meinte Andreas Förster. OGS-Leiterin Anette Teubner und Rektor Wolfgang Fischer, selbst Hobbyfotograf, lobten ebenfalls die Leistungen der jungen Leute: „Wir sind stolz auf Euch!“ Erzieherin Carola Hirrle und BN-Ortsvorsitzender Günter Lutz sowie Günther Scheler, die die Schüler bei ihrer praktischen Arbeit auf dem Grundstück betreuten, stellten fest: „Wenn das Interesse der Jugendlichen geweckt wird, sind sie auch mit ganzem Herzen dabei und machen gut mit.“ Umweltpädagoge Jan Ebert informierte: „Feuchtbiotope, Auwaldreste , zum Teil alter Baumbestand und das Vorhandensein von reichlich stehendem und liegendem Totholz sind in diesem Areal eine Besonderheit im Stadtbild von Lichtenfels. Es stellt aufgrund seiner Lage nahe eines Gewerbegebiets einen natürlichen Kontrapunkt dar, dessen jahreszeitliche Veränderungen  mit den Jugendlichen der Projektgruppe in den vergangenen Monaten beobachtet und per Foto erfolgreich dokumentiert werden konnten.“

 

Der Umweltpädagoge resümierte: „Ich bin begeistert, in welch kurzer Zeit die Schülerinnen und Schüler durch das Fotografieren einen Blick für die faszinierenden Erscheinungsformen der Natur entwickelt haben und diese mit der Kamera auch einfangen konnten. Ich hoffe, damit einen Grundstein für die weitere Beschäftigung mit der Natur gelegt zu haben, da sie mehr denn je unseren Schutz benötigt.“ Günther Lutz, BN- Ortsgruppenvorsitzender, ist überzeugt: „Da wir unabhängig von einer weiteren Förderung  das Projekt auch nach 2018 eventuell auch mit einer anderen Schülergruppe fortführen möchten,  ist die Nachhaltigkeit dieser Bildungsmaßnahme gesichert.“

 

Passend zum Regen, den die Natur so lange habe entbehren müssen, gab es zum Schluss der Vernissage von Robert Fritz für die Schülerinnen und Schüler schöne Regenschirme als Geschenke der Sparkasse.

 

Anton Reinhardt

 


Führung auf dem Erlebnisbauernhof Hofmann

KÖSTEN  „Wir brauchen noch Menschen, die unsere Lebensmittel in unserem Land herstellen und die dafür sorgen, dass alles wächst und gedeiht. Durch die Arbeit unserer Landwirte wird regionales Wirtschaften gestärkt, umweltschonend gehandelt und damit unsere Kulturlandschaft und eine intakte Natur bewahrt“, erklärte der stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende des Bund Naturschutz, Günter Lutz, am Samstagnachmittag auf der Köstener Heide.

Am 29.9.18 hatte die Kreisgruppe des BN zum „Tag der Regionen“ auf den Erlebnisbauernhof der Familie Hofmann eingeladen. Der Hof liegt in idyllischer Lage mit herrlicher Aussicht auf das obere Maintal mit Vierzehnheiligen, Kloster Banz und den Staffelberg. Auf dem Vollerwerbsbetrieb  fühlen sich augenscheinlich die Nutztiere und Streicheltiere gleichermaßen sehr wohl. Neben den Rindern und Kälbern gibt es auch Pferde, Hund und Katze. Den Kindern der Besucher hatten es vor allem die neugeborenen Kälber angetan; denn sie konnten diese nach Belieben streicheln.

Mit dem alljährlichen Tag der Regionen sollen die Menschen sensibilisiert werden, sich wieder für Nahrungsmittel und Produkte aus ihrer näheren Umgebung zu interessieren. Das diesjährige Motto lautet: „Weil Heimat lebendig ist“. Das könne nach Meinung des BN aber nur dauerhaft funktionieren, wenn die Betreiber kleiner und mittelständischer landwirtschaftlicher Betriebe faire Preise für ihre Erzeugnisse erzielen. Bei Dumpingpreisen im Lebensmittelhandel könnten oft nur großindustrielle Agrarfabriken mithalten. Die Qualität der Produkte und das Tierwohl bleiben häufig auf der Strecke, ganz zu schweigen von den langen Transportwegen mit entsprechend hohem Energieverbrauch. Durch solche Großstrukturen treibe man viele Bauern zur Betriebsaufgabe oder sogar in den Ruin. Deshalb gelte es, die regionale bäuerliche Landwirtschaft zu stärken, um damit die Vielfalt der Kulturlandschaft in unseren Dörfern und Städtchen zu erhalten.

Bereits in der 7. Generation betreiben die Hofmanns mit ihrem Sohn Landwirtschaft. Zur Zeit sorgen sie sich um 150 Rinder; davon sind etwa 80 Jungtiere. „Wir züchten nur Fleck- und Braunvieh. Unser landwirtschaftlicher Betrieb steht hauptsächlich auf zwei Beinen: nämlich Milch- und Fleischwirtschaft.“, stellte Elisabeth Hofmann fest. „Das Herzstück der Landwirtschaft ist der offene Stall, der oberhalb von Kösten vor neun Jahren gebaut wurde. Und zwar nach den EU-Richtlinien für besonders artgerechte Tierhaltung. Der Milchvieh-Laufstall hat breite Liegeboxen und einen größeren Mittelgang. Die Tiere haben dadurch viel Platz. Es sind immer ein Drittel Tiere weniger als in einem Stall normalerweise üblich“, so Betriebsleiter Norbert Hofmann. „Wenn die Tiere viel Licht, viel Luft und gutes Futter haben, sind sie gesund, die Fruchtbarkeit ist gut, sie fühlen sich wohl und geben mehr Milch“, erklärte Elisabeth Hofmann den Besuchern. Das Futter für ihre Tiere werde auf den eigenen Feldern und Wiesen selbst erzeugt. Hundert Hektar bewirtschaftet die Familie Hofmann. Über die Hälfte davon sind Wiesen, und dazu kommen noch Kleegras, Mais und ein wenig Getreide.

Die ganz jungen Kälber werden zuerst mit der Flasche aufgezogen, später trinken sie dann aus Eimern. Wenn sie älter sind, kommen sie in den Kälberstall mit Gruppenhaltung und Laufhof. „90 % der Kühe bringen ihre Kälber allein zur Welt. Ein Zeichen, dass es ihnen gut geht, dass sie sich wohlfühlen. 2-3 mal im Jahr sind auch Zwillinge dabei“, so Elisabeth Hofmann.

Ein Futterroboter sorgt im Stall dafür, dass die Kühe genug zum Fressen haben. Und auch das Melken geht mit einem Melkroboter vonstatten. Die Kühe entscheiden selbst, wann sie gemolken werden möchten. Dabei achtet man darauf, dass alles sehr hygienisch zugeht. Nach jeder Kuh werden die Geräte penibel gereinigt und desinfiziert.

„Wir betreiben unsere Landwirtschaft wirklich gerne. Nur wäre es in Deutschland endlich an der Zeit, dass - wie in den anderen EU-Ländern auch - ein höherer Anteil des Privateinkommens für Lebensmittel aus der Region ausgegeben wird und die Bauern gerechte Erlöse für ihre Erzeugnisse erhalten würden“, forderte Elisabeth Hofmann.

Sie betreibt einen eigenen Hofladen mit diversen landwirtschaftlichen Produkten. Außerdem engagiert sie sich seit Jahren im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich für den Lernort Bauernhof.

Günter Lutz vom Bund Naturschutz bedankte sich am Ende der Führung „für den Blick“ in einen sorgfältig und gewissenhaft bewirtschafteten Bauernhof und besonders für das leckere Essen, zu dem die Familie Hofmann alle Besucher einlud: Es gab handgemachte Ravioli mit vegetarischer Füllung in Salbeibutter, Weißen Käse mit Kräuter-Sesam-Kartoffeln und Vitello Tonnato mit Thunfischsoße, natürlich vom eigenen Rindfleisch.

Anton Reinhardt


Schafe, Kräuter, Falter – nachhaltige Bewirtschaftung in Harmonie mit der Natur

ROTH-THELITZ Ein Bild der Ruhe und Harmonie bot eine Schafherde mit einer artenreichen Blumen- und Kräuterwiese an den Hängen des Bohnbergs, einem kleinen Weiler zwischen Roth und Thelitz.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur-Exkursion der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, die unter der Leitung von Veterinärmediziner Dr. Klaus Prell aus Burgkunstadt und Diplombiologen Martin Bücker stand, erfuhren 48 Teilnehmer viel Wissenswertes über nachhaltige Bewirtschaftung, Landschaftspflege und Schafhaltung, aber auch viele Einzelheiten über Gräser, Blumen und Schmetterlinge. Die Gruppe traf sich auf dem Bauernhof von Hans Funk, wo Tierarzt Dr. Prell die ökologisch nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft als die Idealform zur Erhaltung einer reich strukturierten Kulturlandschaft beschrieb.

Er bedauerte, dass in den Nachkriegsjahren die politischen Leitlinien darauf ausgerichtet waren, dass die Qualität der Lebensmittelproduktion immer mehr der Quantität bei höchster Effizienz weichen musste und veranschaulichte das schlaglichtartig: "Wir müssen wieder lernen, mit der Natur respektvoll umzugehen, keinen Raubbau zu betreiben und eine größere sozial-ethische Verantwortung für unsere nachfolgenden Generationen übernehmen."

Im Hinblick auf die zunehmende Klimaerwärmung, deren Folgen wir jetzt schon zunehmend registrierten, warnte Dr. Prell: "Wir hatten seit 130 Jahren, dem Beginn der Wetteraufzeichnungen, keinen so heißen Monat Mai wie in diesem Jahr. Die Starkregenereignisse und Stürme, die manchmal sogar tornadoartige Dimensionen aufweisen, nehmen signifikant zu. Das sind deutliche Alarmsignale, dass wir mit unserer zu stark auf Wachstum und hohe Renditen ausgerichtetenWirtschaftsweise umsteuern müssen. Es ist höchste Zeit für eine ökosoziale Marktwirtschaft, die ressourcenschonend, nachhaltig ist, einen fairen Welthandel garantiert und ein auskömmliches Einkommen für jedermann ermöglicht."

Der Exkursionsleiter kritisierte deshalb eine falsche EU-Förderpraxis, welche vor allem die Großstrukturen begünstige. Aber auch der Verbraucher könne durch sein Kaufverhalten die ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft unterstützen und sei es nur durch sein gezieltes Fragen nach Herkunft, Bewirtschaftungsweise und artgerechter Nutztierhaltung. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt wies in diesem Zusammenhang auf die heimische Landwirtschaft hin, wo größtenteils bäuerliche Familienbetriebe dafür Sorge tragen, dass unsere noch vielfältige Kulturlandschaft erhalten bleibe.

Hobby-Schafhalter Dr. Prell appellierte deshalb an die Verbraucher: "Achten Sie beim Einkauf von Lebensmitteln auf Qualität, regionale Herkunft, saisonale Angebote und schauen Sie nicht nur auf den Preis!"

Oliver Friedrich, Bio-Gärtner aus Veitlahm ging noch einen Schritt weiter und warb für "SoLaVie", ein Kürzel für einen Verein mit dem Ziel, "solidarisch landwirtschaften und leben". Man möchte hierdurch in einer überschaubaren Region die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte und die Kunden näher zusammenbringen. Friedrich meinte: "Wir arbeiten nach ökologischen Kriterien, wollen auch alte Sorten erhalten und die Teilnehmenden, die sich mit einem vereinbarten Betrag jährlich einbringen, abwechslungsreich versorgen mit dem, was saisonal und in unserer Region gut gedeiht und dabei auch das unternehmerische Risiko gemeinsam tragen."

Die landwirtschaftlichen Flächen im weiten Umkreis um das Anwesen von Hans Funk werden teilweise extensiv, vor allem in den Hanglagen, bewirtschaftet. Dort übernehmen in erster Linie die Schafe die Landschaftspflege, weil eine sonstige landwirtschaftliche Nutzung mit großen Maschinen nicht möglich und unrentabel wäre.

Ein idyllisches Bild bot die kleine Schafherde mit 42 Tieren, unter denen die Rassen Merino-, Texel-, Suffolk- und Milchschaf sowie das vom Aussterben bedrohte Coburger Fuchsschaf zu finden waren. Der Exkursionsleiter verhehlte nicht, dass die Schafhaltung arbeitsintensiv sei, wenn man sie verantwortungsbewusst betreibe. Dazu gehöre beispielsweise regelmäßige Klauenpflege, Entwurmungskuren und das Schafscheren.

Dr. Prell verriet: "Schafe sind mein Hobby, Gewinne erziele ich damit nicht. Von den Produkten Schafwolle, Schafmilch und Schaffleisch ist nur das letztere für mich lohnend." Nach 6 bis 10 Monaten sind bei extensiver, d. h. naturverträglicher, artgerechter Haltung die Weidemastlämmer schlachtreif. Lammfleisch aus der Region kann man z.B. auf den Bauernmärkten im Landkreis Lichtenfels und in einschlägigen Gastwirtschaften bekommen. Der stufenförmige Aufbau des Bohnbergs, an dem die Schafe weideten, hatte trotz anhaltender Trockenheit noch eine reichhaltige Flora, so dass auch typische Lebensgemeinschaften von Schmetterlingsarten zusammen mit ihren charakteristischen Blütenpflanzen durch den Diplombiologen Martin Bücker erklärt werden konnten. Von der nährstoffreichen Feuchtwiese im Talgrund, wo Gemeiner Hahnenfuß, saftige Gräser und Löwenzahn dominierten über den sonnigen Halbmagerrasen bis hinauf zu einem Laubwäldchen bot sich den Besuchern ein abwechslungsreiches Bild.

Martin Bücker erklärte etliche Blumen und Wildkräuter, wie etwa Kleiner Wiesenknopf (Pimpinelle), Spitzwegerich und Schafgarbe. Je weiter die Exkursionsgruppe zur Hangkante hinaufstieg, desto artenreicher zeigte sich die Vegetation. Typische Zeigerpflanzen sind hier die Esparsette, Tausendgüldenkraut,Wiesensalbei, Schnecken-, Rot- und Hornklee. Der Insektenkundler freute sich über die artenreiche Blumenwiese und die vielen Tagfalter, wie Dickkopffalter, Schwalbenschwanz, Rostbrauner Perlmuttfalter, Schachbrettfalter und Großes Ochsenauge und meinte: "So ein Areal ist angesichts des weltweiten Insektensterbens ein Mekka für unsere Schmetterlinge, aber auch für Wild- und Honigbienen und viele andere nützliche Insekten."

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Exkursionsleiter Dr. Prell, Diplombiologen Martin Bücker, Demeter-Gärtner Oliver Friedrich und Landwirt Hans Funk für die zahlreichen Informationen. Eine deftige Brotzeit mit einheimischen Produkten rundete die gelungene Exkursion am Bohnberg ab.

Anton Reinhardt


BN- AKTIONSSTAND ZUM THEMA "PLASTIKFASTEN"

LICHTENFELS Jeder Deutsche verbraucht 37 kg Plastikverpackungsmüll pro Jahr. Nur 50 Prozent davon werden wiederverwertet. In Europa benutzt kein anderes Land so viel Plastikverpackungen wie Deutschland - überall finden sich umweltbelastende Überreste dieser Stoffe: Im Meer schwimmen mittlerweile mehr Plastikpartikel als Plankton - Grund genug für die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz, am verkaufsoffenen Sonntag mit "zehn Geboten" plakativ Tipps zu geben, der Plastikflut beizukommen und im Gespräch mit Passanten an der Bamberger Straße zum "Plastikfasten" aufzurufen.

BN-Mitglied Claudia Drenda hatte kurz vor der Aktion in nur einer Viertelstunde einen Eimer voll Verpackungsmüll und Einwegflaschen gesammelt, die entlang eines Spazierweges die Wiese und den Gewässerrand verunzierten. Sie mahnte: "17 Milliarden Einwegflaschen aus Kunststoff verbrauchen die Deutschen unnötigerweise pro Jahr. Die Mehrwegflaschen aus Glas wären in vielen Fällen die bessere Alternative; denn aus Plastik können sie nicht so oft wiederverwendet werden. Außerdem entsteht kein schädliches Mikroplastik, das im Verlauf von Jahren über die Bäche und Flüsse ins Meer und letztendlich wieder in die Nahrungskette auf dem Teller landen kann."

Günter Lutz, BN-Ortsgruppenvorsitzender, hatte einen geflochtenen Einkaufskorb mit Lebensmitteln auf den Tisch gestellt, dessen Anblick die Besucher erfreute. Lutz meinte: "Es ist absurd: Die einzigen unverpackten Lebensmittel, die es im Supermarkt noch gibt - Obst und Gemüse - sollen wir in manchen Supermärkten auch noch in einzelne Plastiktütchen packen. Achten Sie deshalb in den kommenden Fastenwochen ganz gezielt auf den Verzicht von zusätzlichen Plastiktüten und verwenden Sie dauerhaft verwendbare Körbe, Klappkisten oder wiederverwendbare Stoffbeutel beim Einkaufen!".

Umweltschützerin Eva Börschel macht sich große Sorgen um die weltweit zunehmende Verbreitung des Mikroplastiks und informierte: "Mittlerweile lassen sich feinste Kunststoffteilchen in Wasser, Luft und Erde nachweisen. In den fünf Weltmeeren treiben riesige Müllwirbel jeweils von der Größe Mitteleuropas, die das Leben von Millionen von Meerestieren direkt bedrohen oder indirekt nach mehr oder weniger langer Zeit durch ihre langsame Zersetzung zu Mikroplastik."

Ute Hauptfleisch und Günther Scheler, BN-Delegierter aus Schney, rieten den Verbrauchern: "Kochen Sie doch in der kommenden Zeit mal absichtlich mehr und packen Sie die Reste am nächsten Tag für die Arbeit ein, um auf "To-go-Produkte" verzichten zu können. Ute Hauptfleisch ergänzte: "Wir wollen zeigen, dass es keine Einschränkung der Lebensqualität ist, bewusst beim Einkaufen auf zusätzliche Plastiktüten zu verzichten. Ob an der Wurst- oder Obsttheke, beim Buchhändler oder im Drogeriemarkt - halten Sie Stofftaschen oder bereits verwendete Tüten in Ihren Einkaufs- und Handtaschen bereit und helfen Sie so, den Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland zu verringern. Denn damit sparen sie unnötigen Verpackungsmüll."

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt berichtete von eigenen Erfahrungen und meinte: "Wer die Möglichkeit hat, beispielsweise Kartoffeln, Lagergemüse, Obst oder Frischmilch auf einem Bauernhof in der Region zu erwerben, kann sich glücklich schätzen; denn er kann seine mitgebrachten Behälter, wie Kisten, Säcke oder Milchkanne benutzen und auf diese Weise jede Menge Plastikbeutel und zudem so manche Autofahrt sparen."

Anton Reinhardt


Presseartikel zur Infoveranstaltung der BN Kreisgruppe Lichtenfels über die geplante NordOstSpange der Stadt Bad Staffelstein


Filmvorführung "Thank you for calling" ein voller Erfolg!

Lichtenfels. Damit hatten weder die Veranstalter noch die "Neue Filmbühne Lichtenfels" gerechnet: Unlängst luden der BUND Naturschutz in Lichtenfels sowie die BI´s für einen vorsorgeorientierten und strahlungsreduzierten Mobilfunk Altenkunstadt und Lichtenfels zu einer Vorführung des Dokumentarfilmes "Thank you for calling" ein und wurden vom Besucherandrang schlichtweg überrollt.

Nachdem die geplante Vorstellung schnell ausverkauft war, wurde dankenswerter Weise von der Geschäftsführung des Kinos noch eine zweite Darbietung im Anschluss gezeigt, zu der sich zusätzlich nochmals etliche Besucher einfanden. "Wenn wir schon den Weg aus Bamberg auf uns nehmen, dann muss es sich doch auch lohnen - da warten wir dann gerne!", ließ eine Interessierte im Foyer des Kinos verlauten. Und hat es sich denn auch gelohnt? Einstimmiges Kopfnicken der Anwesenden, die immerhin eineinhalb Stunden bis zur zweiten Vorführung ausharrten. "

Die Dokumentation deckt auf erschreckende Art und Weise auf, wie Industriegiganten mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen umgehen, die eventuell massive Geschäftseinbußen für sie hervorrufen könnten.", fasste Ute Hauptfleisch von der BN-Ortsgruppe Lichtenfels zusammen.

Dem Zuschauer eröffnete sich eine Welt mit Fakten, Zahlen, Werten aus der aktuellen Forschung zu einem brisanten Thema: Können Handystrahlungen gesundheitsschädigende Langzeitfolgen hervorrufen? Hochrangige Wissenschaftler aus verschiedensten Ländern kamen zu Wort, bejahten dies und schilderten die Auswirkungen, die Ihre Forschungsergebnisse auf ihre beruflichen Karrieren und privaten Bereiche hatten; denn diese Ergebnisse ließen die Alarmglocken bei den Handy-Industrie -Giganten läuten, was bittere Konsequenzen für so manchen Spitzenwissenschaftler zur Folge hatte.

"Zwar kann man nicht behaupten, Handygebrauch verursache generell Krebs - aber auch das Gegenteil lässt sich nicht beweisen. Festhalten lässt sich jedoch, dass bei fast allen Tests genetische Veränderungen der DNA auszumachen waren und dass sich die Folgeerscheinungen auf die Mutation des Zellwachstums erst in 20-30 Jahren zum Teil erheblich auswirken können.", erläuterte Anton Reinhardt, BN-Kreisgruppenvorsitzender.

Der dringende Aufruf des Bund Naturschutz an die Politik lautet daher, das Vorsorgeprinzip unbedingt einzuhalten, die zulässigen Mobilfunkgrenzwerte erheblich zu senken und die Industrie strenger in die Pflicht zu nehmen, alles daranzusetzen, das Strahlungsverhalten mobiler Geräte drastisch zu minimieren. Ludwig Wendler, BN-Ortsgruppenvorsitzender aus Ebensfeld, wies auf den besonderen Schutz der Kinder und Jugendlichen hin: "Der kindliche Organismus reagiert grundsätzlich empfindlicher auf die Strahlung von Babyphonen, DECT-Schnurlostelefonen, Handys und Mobilfunkantennen. Das kam in dem Film deutlich zum Ausdruck. Deshalb sollten wir als Eltern unser besonderes Augenmerk auf ein möglichst strahlungsarmes Zuhause richten." Kritik kam von einer Besucherin: "Na ja, vieles hat man eigentlich geahnt und jetzt weiß man es; doch wie man sich durch einen sorgfältigeren Umgang bei der Handynutzung schon jetzt als Verbraucher schützen kann, davon wurde in dem Film leider zu wenig berichtet."

Bund Naturschutz und Bürgerinitiative hatten in "weiser Voraussicht" im Kinovorraum zahlreiche verschiedene Flyer mit praktischen Tipps zum vernünftigen Umgang mit Mobilfunk ausgelegt, die von den Kinobesuchern gerne angenommen wurden.

Dietmar Schuberth, einer der beiden Sprecher der BI "Mobilfunkstandort Altenkunstadt", äußerte sich im Gespräch mit einigen Kinobesuchern wie folgt: "Aus meiner Sicht ist die gesundheitsschädigende Wirkung elektromagnetischer Strahlung durch die Nutzung von Smartphones und Co. durch einige hundert wissenschaftliche Studien ausreichend nachgewiesen. In der Verantwortung sehe ich insbesondere die Politik; sie sollte kabelgebundenen Lösungen gegenüber funkgestützten Techniken den Vorzug geben. Aber auch Schul- und Kindergartenleitungen und natürlich auch die Erziehungsberechtigten sollten alles tun, um Kinder vor überhöhter elektromagnetischer Strahlung zu schützen.

In diesem Zusammenhang sollte auch auf die Installation von stark strahlenden WLAN verzichtet werden. Ignoranz bezüglich der aktuellen Studienlage, muss dringend der Übernahme von Verantwortung weichen. Es muss wieder ins Bewusstsein der Erwachsenen gerufen werden, dass ein Mobilfunkgerät kein Spielzeug ist. Diesbezüglich haben wir eine hohe Vorbildfunktion." Anton Reinhardt bedankte sich besonders bei den Aktiven der Bürgerinitiativen von Altenkunstadt und Lichtenfels, die sich seit Jahren erfolgreich für ein vorsorgeorientiertes Standortkonzept der Mobilfunkmasten und eine Strahlungsminimierung für die Bevölkerung in ihren Kommunen engagierten.

Anton Reinhardt