Führung durch die Muggendorfer Tongruben auch in diesem Jahr wieder sehr interessant

In solchen kleinen Tümpeln –„gerne auch etwas trübe“- fühlen sich Gelbbauchunken sehr wohl und laichen auch dort. Naturführer Tobias Mehling, Anton Reinhardt, BN- Kreisvorsitzender aus Lichtenfels, Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender aus Ebensfeld (von links), und Heike Hess von der Coburger Kreisgruppe (5. von rechts) freuten sich mit den Exkursionsteilnehmern der Bayern-Tour-Natur über das artenreiche Mosaik von Lebensräumen in den Muggenbacher Tongruben.

Muggenbach/Lichtenfels. Ein Mosaik aus Trockenrasen, Rohbodenstrukturen, Feuchtgebieten und lichten Waldrändern bietet spezielle Lebensräume für viele vom Aussterben  bedrohte Tier- und Pflanzenarten und weckte das Interesse von  Naturliebhabern.

Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels, und Heike Hess von der BN-Kreisgruppe Coburg begrüßten am Libellenstein die Teilnehmer der dreistündigen Exkursion, die im Rahmen der Bayern-Tour-Natur stattfand, sowie Naturführer Tobias Mehling, der schon etliche Jahre das 26 Hektar große Areal betreut.

Dieser wies zuerst auf den geschichtlichen Hintergrund des Naturschutzgebietes hin: „Die Tongruben gehören nicht zu den ursprünglichen Lebensräumen, es sind typische ´sekundäre´ Lebensräume, die von Menschenhand im Zuge des Tonabbaus im 19. Jahrhundert geschaffen wurden. Es war ein Glücksfall für die Natur, dass die Pläne zur Umwandlung in eine Reststoff-Mülldeponie nicht zuletzt durch den Widerstand des Bund Naturschutz aufgegeben wurden. Nach Feststellung der hohen ökologischen Wertigkeit durch wissenschaftliche Gutachten hat der BN das Gebiet im Jahre 2000 erworben und pflegt es seither größtenteils in ehrenamtlicher Handarbeit.“

An der sogenannten  Roten Grube zauberte ein lautes Froschkonzert ein Lächeln auf  die Gesichter der Naturfreunde und Tobias Mehling erklärte, dass hier eine gewisse Dynamik herrsche: „Durch randliche Hangabbrüche und Rutschung bilden sich im Umfeld  zuerst vegetationsfreie Halden aus, die sich im Laufe der Zeit besiedeln können. Vor allem die Ruderalflächen mit ihren unterschiedlichen Bodentypen werden von vielen, teils hochgefährdeten Hautflüglerarten für die Anlage ihrer Nester genutzt.“ Anhand von mitgebrachten Bildern zeigte der Naturführer  vor Ort in dem für die einzelne Insektenart charakteristischen Lebensraum deren Lebensweise und Überlebensstrategie, so etwa der Mohnbiene, Sandbiene, Blutbiene sowie Grab-, Erd- und Goldwespe – nur wenige Millimeter große Kleintierchen.

Die wohl auffälligste, gefährdete Tierart der Muggenbacher Tongruben ist die Gelbbauchunke, welche die Besucher in einem kleinen Tümpel beobachten und auch mit ihren charakteristischen Unkenrufen hören konnten. Exkursionsleiter Tobias Mehling wies darauf hin, dass die Laichgewässer dieser Unke stark besonnte, Klein- und Kleinstgewässer seien. Allerdings benötige diese Amhibienart auch vegetationsreichere, stärker beschattete Aufenthaltsgewässer, die nicht austrocknen dürfen. Da eine Vielfalt solcher Lebensräume hier vorhanden ist, gebe es hier das größte Gelbbauchunkenvorkommen Oberfrankens.

 

Im Umfeld der Tongruben, besonders in den Waldsaumbereichen, stieß die Besuchergruppe auf  gefährdete Pflanzenarten, wie den Echten Flachbärlapp, den Keulenbärlapp und den Sprossenden Bärlapp. Neben dem ungefährdeten Nickenden Wintergrün staunten die Besucher über das seltene Kleine und das gefährdete Rundblättrige Wintergrün.

Die sogenannte Graue Grube unterliegt einem Betretungsverbot, während die Rote Grube und die kleinere, Neue Rote Grube ganzjährig betreten werden darf.  Der Exkursionsleiter ließ wissen, dass der BN sich bei den Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen schon seit Jahren engagiere, er erläuterte die  Geländemodellierungen, wie etwa kleine Landzungen, Fließbögen und Rückhalteflächen in der Neuen Roten Grube, die den Abfluss des Wassers verlangsamen  und so einen weiteren ökologisch wertvollen „Baustein“  im Mosaik von Lebensräumen bis hin zum „Grünen Band“, dem großen Naturschutzprojekt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, schaffen sollen.

Anton Reinhardt und Heike Hess bedankten sich für die fachkundige, abwechslungsreiche Führung bei Tobias Mehling mit einem kleinen Präsent.

Anton Reinhardt

 


Führung an die Unterbrunner Mainschleife im Rahmen der Bayern Tour Natur

Nahe der Aussichtsplattform an der neu geschaffenen Mainschleife hatten die Exkursionsteilnehmer der BN-Kreisgruppen Lichtenfels und Coburg unter der Leitung von Ludwig Wendler (Mitte) einen guten Überblick auf die Renaturierungsmaßnahmen. Die Gruppe mit den BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt (links) und Stefan Bayer (3. von rechts) freute sich über die Vielfalt der Naturräume.




Vom Aussichtsturm am Ende der Mainschleife bot sich den Besuchern ein anmutiges Ensemble naturnaher Räume, wo auch noch eine kleine Rinderherde der einheimischen Rasse „fränkisches Fleckvieh“ als natürliche Landschaftspfleger „arbeiten“, um die Verbuschung der Insel in Grenzen zu halten.


Eine imposante Schwarzpappel, deren Alter auf etwa 150 Jahre geschätzt wurde, haben augenscheinlich etliche Vögel und Fledermäuse als Heimstatt angenommen.





Unterbrunn. Das Bild des ehemals begradigten und mit Ufermauern versehenen Mains hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Bei Unterbrunn hat man dem größten fränkischen Fluss sein altes Bett in Form einer 1,9 Kilometer langen Schleife wiedergegeben.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur-Exkursion der BN-Kreisgruppen Lichtenfels und Coburg erkundete man unter der fachkundigen Leitung von Ludwig Wendler die Flusslandschaft entlang der Mainschleife.

Einen Schwerpunkt der kleinen Wanderung bildeten die Erklärungen der Renaturierungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamts Bamberg durch Ludwig Wendler, BN-Ortsgruppenvorsitzender von Ebensfeld, der das Gelände und seine Veränderungen durch Menschenhand und die Geschiebetätigkeit des Flusses seit vielen Jahren schon beobachtet und miterlebt hat. Etliche Altwasserreste, Auwäldchen und Bodenvertiefungen entlang des Obermains zeugen noch heute von einer Flussdynamik, die noch lange vor der Mainflößerei intakt gewesen sein müsse. Über Jahrhunderte haben Main und Rodach vom Fichtelgebirge und Frankenwald riesige Kiesmengen in das Obermaintal verfrachtet und so abbauwürdige Lagerstätten geschaffen. Viele Baggerseen, die durch den intensiven Kiesabbau seit 1950 entstanden, haben dazu beigetragen, das Gesicht der Landschaft einschneidend zu verändern.

Wendler hob hervor: "Der Bund Naturschutz hat vor Jahren in seiner Stellungnahme zu der Renaturierungsmaßnahme bei Unterbrunn die Verlängerung des Flusslaufes ausdrücklich begrüßt, jedoch großen Wert darauf gelegt, dass keine neuen, großen, offenen Wasserflächen entstehen. Die Interessen der Kiesindustrie waren deshalb auch darauf ausgelegt, einen hohen Wiederverfüllungsgrad des Abbauareals zu erreichen."

Der Exkursionsleiter erklärte ausführlich die Ziele der Laufverlängerung des Maines: "Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Hochwasser an Donau, Inn, Elbe und Oder ist man besonders für den vorbeugenden Hochwasserschutz sensibilisiert worden und habe erkannt, dass ein mäandrierender Fluss auf natürliche Weise die Fließgeschwindigkeit verlangsamt. Der Fluss habe so die Möglichkeit, sich in der Fläche stärker auszubreiten. Dadurch werden große Wassermengen, die im Unterlauf des Mains fatale Folgen haben, eher zurückgehalten und könnten wesentlich langsamer abfließen. Die jüngsten Hochwasserkatastrophen haben deshalb am Obermainbogen bei weitem keine solch verheerenden Schäden verursacht wie in Südbayern oder Baden-Württemberg."

Im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen wurden bei Unterbrunn in wenigen Jahren Fluss und Auen durch Schaffung von Retentionsräumen zu Paradiesen für viele seltene Vogelarten, wie Flussregenpfeifer, Blaukehlchen, Stieglitz oder Eisvogel. Das kurze Stück des vorherigen, begradigten Mainabschnittes hat man mit einem Querbauwerk versehen. Der Einbau dieser Schwelle im derzeitigen Flussbett habe sich nach dem letzten Starkregenereignis aufs neue bewährt.

Ludwig Wendler: "Bei hohem Pegelstand verteilt sich das Wasser dann auf praktisch zwei Arme mit geringerer Fließgeschwindigkeit. Im Schleifenbereich selbst wurde nach dem Kiesabbau und entsprechend behutsamen Geländemodellierungen ein Überschwemmungsbereich mit großräumigen Auwaldbeständen geschaffen. Schon jetzt ist im Bereich des Maines die positive Wirkung bereits durchgeführter Flussbaumaßnahmen im Einzelnen gut zu beobachten."

Durch den Einbau von sogenannten Buhnen mit Hilfe großer Pappelstämme und der Entfernung der großen Uferpflasterung haben sich Bereiche mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten, ja sogar kleine Verzweigungen, Inseln und Landzungen, gebildet. Flussuferläufer und Flussregenpfeifer haben die Flachwasserzonen bereits gerne angenommen.

Ludwig Wendler lässt wissen, dass sich die Lage der Kiesbänke schon innerhalb eines Jahres nach einem Hochwasser verändert hat, die jüngste Überschwemmung habe sogar in wenigen Stunden einen kleinen Querkanal mit entsprechenden Ausspülungen und Kiesanlandungen mitten in der Wiese erzeugt. Die Verbesserung der Fließgewässerdynamik sei hier vor Ort besonders gut zu beobachten. Aber auch die Wasserqualität der ehemals isolierten Baggerseen habe sich durch die neuen Zulaufkanäle, die man zum frei fließenden Main hin geschaffen hat, erheblich verbessert. Das sauerstoffreiche Wasser des Mains belebe die Baggerseen und erzeuge einen permanenten Austausch - sehr zur Freude der Angler.

Nicht zuletzt sei mit der Mainrenaturierung auch eine Aufwertung des Landschaftsbildes, des Naturschutzes und Erholungswertes erreicht worden. Ludwig Wendler freute sich, dass die Maßnahmen dazu geführt haben, die Ziele des Hochwasserschutzes mit den Interessen der Kiesindustrie, des Wasserwirtschaftsamtes und des Naturliebhabers in Einklang zu bringen.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte, dass der Bund Naturschutz von Anfang an aktiv und finanziell als Projektpartner des "LIFE-Natur-Projektes Oberes Maintal" mitgewirkt habe, um derartige Naturräume zu erhalten oder in ihrer naturschutzfachlichen Wertigkeit zu verbessern. Von der Regnitzmündung bei Hallstadt mainaufwärts bis Theisau seien Flachwasserzonen, Altwässer und wechselfeuchte Mulden entstanden.

Bestimmte Bereiche, wie hier etwa die Insel zwischen der Mainschleife und dem Altmain, seien besonders geschützt. Es gebe aber auch genug Möglichkeiten für Kanufahrer, Wanderer und Badende, die Flusslandschaft zu genießen. Reinhardt hob hervor: "Kennen, schätzen und schützen lernen - mit diesem Dreiklang wollen wir die Besucher behutsam an die Schönheiten der Natur heranführen und für den achtsamen Umgang mit ihr werben".

Vom Aussichtsturm am Ende der Mainschleife bot sich den Besuchern ein anmutiges Ensemble naturnaher Räume, wo auch noch eine kleine Rinderherde der einheimischen Rasse "fränkisches Fleckvieh" als natürliche Landschaftspfleger "arbeiten", um die Verbuschung der Insel in Grenzen zu halten. Auf dem weiteren Weg flussabwärts erfreuten sich die Exkursionsteilnehmer am vielstimmigen Klang des Nachtigallengesangs. Eine imposante Schwarzpappel, deren Alter auf etwa 150 Jahre geschätzt wurde, haben augenscheinlich etliche Vögel und Fledermäuse als Heimstatt angenommen.

Dorothea Weiß von der BN-Kreisgruppe Coburg und Anton Reinhardt bedankten sich bei Ludwig Wendler für die lehrreiche Exkursion mit einem kleinen Präsent. Das gemütliche Beisammensein in einem Biergarten musste leider wegen des auf dem Rückweg plötzlich einsetzenden heftigen Gewitters ausfallen

Anton Reinhardt