Führung durch die Muggendorfer Tongruben auch in diesem Jahr wieder sehr interessant

In solchen kleinen Tümpeln –„gerne auch etwas trübe“- fühlen sich Gelbbauchunken sehr wohl und laichen auch dort. Naturführer Tobias Mehling, Anton Reinhardt, BN- Kreisvorsitzender aus Lichtenfels, Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender aus Ebensfeld (von links), und Heike Hess von der Coburger Kreisgruppe (5. von rechts) freuten sich mit den Exkursionsteilnehmern der Bayern-Tour-Natur über das artenreiche Mosaik von Lebensräumen in den Muggenbacher Tongruben.

Muggenbach/Lichtenfels. Ein Mosaik aus Trockenrasen, Rohbodenstrukturen, Feuchtgebieten und lichten Waldrändern bietet spezielle Lebensräume für viele vom Aussterben  bedrohte Tier- und Pflanzenarten und weckte das Interesse von  Naturliebhabern.

Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels, und Heike Hess von der BN-Kreisgruppe Coburg begrüßten am Libellenstein die Teilnehmer der dreistündigen Exkursion, die im Rahmen der Bayern-Tour-Natur stattfand, sowie Naturführer Tobias Mehling, der schon etliche Jahre das 26 Hektar große Areal betreut.

Dieser wies zuerst auf den geschichtlichen Hintergrund des Naturschutzgebietes hin: „Die Tongruben gehören nicht zu den ursprünglichen Lebensräumen, es sind typische ´sekundäre´ Lebensräume, die von Menschenhand im Zuge des Tonabbaus im 19. Jahrhundert geschaffen wurden. Es war ein Glücksfall für die Natur, dass die Pläne zur Umwandlung in eine Reststoff-Mülldeponie nicht zuletzt durch den Widerstand des Bund Naturschutz aufgegeben wurden. Nach Feststellung der hohen ökologischen Wertigkeit durch wissenschaftliche Gutachten hat der BN das Gebiet im Jahre 2000 erworben und pflegt es seither größtenteils in ehrenamtlicher Handarbeit.“

An der sogenannten  Roten Grube zauberte ein lautes Froschkonzert ein Lächeln auf  die Gesichter der Naturfreunde und Tobias Mehling erklärte, dass hier eine gewisse Dynamik herrsche: „Durch randliche Hangabbrüche und Rutschung bilden sich im Umfeld  zuerst vegetationsfreie Halden aus, die sich im Laufe der Zeit besiedeln können. Vor allem die Ruderalflächen mit ihren unterschiedlichen Bodentypen werden von vielen, teils hochgefährdeten Hautflüglerarten für die Anlage ihrer Nester genutzt.“ Anhand von mitgebrachten Bildern zeigte der Naturführer  vor Ort in dem für die einzelne Insektenart charakteristischen Lebensraum deren Lebensweise und Überlebensstrategie, so etwa der Mohnbiene, Sandbiene, Blutbiene sowie Grab-, Erd- und Goldwespe – nur wenige Millimeter große Kleintierchen.

Die wohl auffälligste, gefährdete Tierart der Muggenbacher Tongruben ist die Gelbbauchunke, welche die Besucher in einem kleinen Tümpel beobachten und auch mit ihren charakteristischen Unkenrufen hören konnten. Exkursionsleiter Tobias Mehling wies darauf hin, dass die Laichgewässer dieser Unke stark besonnte, Klein- und Kleinstgewässer seien. Allerdings benötige diese Amhibienart auch vegetationsreichere, stärker beschattete Aufenthaltsgewässer, die nicht austrocknen dürfen. Da eine Vielfalt solcher Lebensräume hier vorhanden ist, gebe es hier das größte Gelbbauchunkenvorkommen Oberfrankens.

 

Im Umfeld der Tongruben, besonders in den Waldsaumbereichen, stieß die Besuchergruppe auf  gefährdete Pflanzenarten, wie den Echten Flachbärlapp, den Keulenbärlapp und den Sprossenden Bärlapp. Neben dem ungefährdeten Nickenden Wintergrün staunten die Besucher über das seltene Kleine und das gefährdete Rundblättrige Wintergrün.

Die sogenannte Graue Grube unterliegt einem Betretungsverbot, während die Rote Grube und die kleinere, Neue Rote Grube ganzjährig betreten werden darf.  Der Exkursionsleiter ließ wissen, dass der BN sich bei den Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen schon seit Jahren engagiere, er erläuterte die  Geländemodellierungen, wie etwa kleine Landzungen, Fließbögen und Rückhalteflächen in der Neuen Roten Grube, die den Abfluss des Wassers verlangsamen  und so einen weiteren ökologisch wertvollen „Baustein“  im Mosaik von Lebensräumen bis hin zum „Grünen Band“, dem großen Naturschutzprojekt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, schaffen sollen.

Anton Reinhardt und Heike Hess bedankten sich für die fachkundige, abwechslungsreiche Führung bei Tobias Mehling mit einem kleinen Präsent.

Anton Reinhardt

 


Führung an die Unterbrunner Mainschleife im Rahmen der Bayern Tour Natur

Nahe der Aussichtsplattform an der neu geschaffenen Mainschleife hatten die Exkursionsteilnehmer der BN-Kreisgruppen Lichtenfels und Coburg unter der Leitung von Ludwig Wendler (Mitte) einen guten Überblick auf die Renaturierungsmaßnahmen. Die Gruppe mit den BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt (links) und Stefan Bayer (3. von rechts) freute sich über die Vielfalt der Naturräume.




Vom Aussichtsturm am Ende der Mainschleife bot sich den Besuchern ein anmutiges Ensemble naturnaher Räume, wo auch noch eine kleine Rinderherde der einheimischen Rasse „fränkisches Fleckvieh“ als natürliche Landschaftspfleger „arbeiten“, um die Verbuschung der Insel in Grenzen zu halten.


Eine imposante Schwarzpappel, deren Alter auf etwa 150 Jahre geschätzt wurde, haben augenscheinlich etliche Vögel und Fledermäuse als Heimstatt angenommen.





Unterbrunn. Das Bild des ehemals begradigten und mit Ufermauern versehenen Mains hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Bei Unterbrunn hat man dem größten fränkischen Fluss sein altes Bett in Form einer 1,9 Kilometer langen Schleife wiedergegeben.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur-Exkursion der BN-Kreisgruppen Lichtenfels und Coburg erkundete man unter der fachkundigen Leitung von Ludwig Wendler die Flusslandschaft entlang der Mainschleife.

Einen Schwerpunkt der kleinen Wanderung bildeten die Erklärungen der Renaturierungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamts Bamberg durch Ludwig Wendler, BN-Ortsgruppenvorsitzender von Ebensfeld, der das Gelände und seine Veränderungen durch Menschenhand und die Geschiebetätigkeit des Flusses seit vielen Jahren schon beobachtet und miterlebt hat. Etliche Altwasserreste, Auwäldchen und Bodenvertiefungen entlang des Obermains zeugen noch heute von einer Flussdynamik, die noch lange vor der Mainflößerei intakt gewesen sein müsse. Über Jahrhunderte haben Main und Rodach vom Fichtelgebirge und Frankenwald riesige Kiesmengen in das Obermaintal verfrachtet und so abbauwürdige Lagerstätten geschaffen. Viele Baggerseen, die durch den intensiven Kiesabbau seit 1950 entstanden, haben dazu beigetragen, das Gesicht der Landschaft einschneidend zu verändern.

Wendler hob hervor: "Der Bund Naturschutz hat vor Jahren in seiner Stellungnahme zu der Renaturierungsmaßnahme bei Unterbrunn die Verlängerung des Flusslaufes ausdrücklich begrüßt, jedoch großen Wert darauf gelegt, dass keine neuen, großen, offenen Wasserflächen entstehen. Die Interessen der Kiesindustrie waren deshalb auch darauf ausgelegt, einen hohen Wiederverfüllungsgrad des Abbauareals zu erreichen."

Der Exkursionsleiter erklärte ausführlich die Ziele der Laufverlängerung des Maines: "Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Hochwasser an Donau, Inn, Elbe und Oder ist man besonders für den vorbeugenden Hochwasserschutz sensibilisiert worden und habe erkannt, dass ein mäandrierender Fluss auf natürliche Weise die Fließgeschwindigkeit verlangsamt. Der Fluss habe so die Möglichkeit, sich in der Fläche stärker auszubreiten. Dadurch werden große Wassermengen, die im Unterlauf des Mains fatale Folgen haben, eher zurückgehalten und könnten wesentlich langsamer abfließen. Die jüngsten Hochwasserkatastrophen haben deshalb am Obermainbogen bei weitem keine solch verheerenden Schäden verursacht wie in Südbayern oder Baden-Württemberg."

Im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen wurden bei Unterbrunn in wenigen Jahren Fluss und Auen durch Schaffung von Retentionsräumen zu Paradiesen für viele seltene Vogelarten, wie Flussregenpfeifer, Blaukehlchen, Stieglitz oder Eisvogel. Das kurze Stück des vorherigen, begradigten Mainabschnittes hat man mit einem Querbauwerk versehen. Der Einbau dieser Schwelle im derzeitigen Flussbett habe sich nach dem letzten Starkregenereignis aufs neue bewährt.

Ludwig Wendler: "Bei hohem Pegelstand verteilt sich das Wasser dann auf praktisch zwei Arme mit geringerer Fließgeschwindigkeit. Im Schleifenbereich selbst wurde nach dem Kiesabbau und entsprechend behutsamen Geländemodellierungen ein Überschwemmungsbereich mit großräumigen Auwaldbeständen geschaffen. Schon jetzt ist im Bereich des Maines die positive Wirkung bereits durchgeführter Flussbaumaßnahmen im Einzelnen gut zu beobachten."

Durch den Einbau von sogenannten Buhnen mit Hilfe großer Pappelstämme und der Entfernung der großen Uferpflasterung haben sich Bereiche mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten, ja sogar kleine Verzweigungen, Inseln und Landzungen, gebildet. Flussuferläufer und Flussregenpfeifer haben die Flachwasserzonen bereits gerne angenommen.

Ludwig Wendler lässt wissen, dass sich die Lage der Kiesbänke schon innerhalb eines Jahres nach einem Hochwasser verändert hat, die jüngste Überschwemmung habe sogar in wenigen Stunden einen kleinen Querkanal mit entsprechenden Ausspülungen und Kiesanlandungen mitten in der Wiese erzeugt. Die Verbesserung der Fließgewässerdynamik sei hier vor Ort besonders gut zu beobachten. Aber auch die Wasserqualität der ehemals isolierten Baggerseen habe sich durch die neuen Zulaufkanäle, die man zum frei fließenden Main hin geschaffen hat, erheblich verbessert. Das sauerstoffreiche Wasser des Mains belebe die Baggerseen und erzeuge einen permanenten Austausch - sehr zur Freude der Angler.

Nicht zuletzt sei mit der Mainrenaturierung auch eine Aufwertung des Landschaftsbildes, des Naturschutzes und Erholungswertes erreicht worden. Ludwig Wendler freute sich, dass die Maßnahmen dazu geführt haben, die Ziele des Hochwasserschutzes mit den Interessen der Kiesindustrie, des Wasserwirtschaftsamtes und des Naturliebhabers in Einklang zu bringen.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte, dass der Bund Naturschutz von Anfang an aktiv und finanziell als Projektpartner des "LIFE-Natur-Projektes Oberes Maintal" mitgewirkt habe, um derartige Naturräume zu erhalten oder in ihrer naturschutzfachlichen Wertigkeit zu verbessern. Von der Regnitzmündung bei Hallstadt mainaufwärts bis Theisau seien Flachwasserzonen, Altwässer und wechselfeuchte Mulden entstanden.

Bestimmte Bereiche, wie hier etwa die Insel zwischen der Mainschleife und dem Altmain, seien besonders geschützt. Es gebe aber auch genug Möglichkeiten für Kanufahrer, Wanderer und Badende, die Flusslandschaft zu genießen. Reinhardt hob hervor: "Kennen, schätzen und schützen lernen - mit diesem Dreiklang wollen wir die Besucher behutsam an die Schönheiten der Natur heranführen und für den achtsamen Umgang mit ihr werben".

Vom Aussichtsturm am Ende der Mainschleife bot sich den Besuchern ein anmutiges Ensemble naturnaher Räume, wo auch noch eine kleine Rinderherde der einheimischen Rasse "fränkisches Fleckvieh" als natürliche Landschaftspfleger "arbeiten", um die Verbuschung der Insel in Grenzen zu halten. Auf dem weiteren Weg flussabwärts erfreuten sich die Exkursionsteilnehmer am vielstimmigen Klang des Nachtigallengesangs. Eine imposante Schwarzpappel, deren Alter auf etwa 150 Jahre geschätzt wurde, haben augenscheinlich etliche Vögel und Fledermäuse als Heimstatt angenommen.

Dorothea Weiß von der BN-Kreisgruppe Coburg und Anton Reinhardt bedankten sich bei Ludwig Wendler für die lehrreiche Exkursion mit einem kleinen Präsent. Das gemütliche Beisammensein in einem Biergarten musste leider wegen des auf dem Rückweg plötzlich einsetzenden heftigen Gewitters ausfallen

Anton Reinhardt

 

 

 


Abschluss der BayernTourNatur geht zum Fuchsenloch bei Birkach

Das wildromantische „Fuchsenloch“, ein weiterer ehemaliger Steinbruch im Umfeld von Birkach, ist heute ein wertvoller Lebensraum für Spechte, Fledermäuse und kleine Höhlenbewohner. Links ist der ehemalige Brauereikellereingang zu erkennen.
Die Bayern-Tour-Natur des Bund Naturschutz führte zu versteckten geologischen und floristischen Besonderheiten. Im Flurstück "Steinig" konnte man die Mächtigkeit der schräg verlaufenden abbauwürdigen Gesteinsschicht des begehrten Rhätolias-Sandsteins noch gut erkennen. Darüber freuten sich der ehemalige Ortssprecher Bernhard Dietz (3. von links), Exkursionsleiter Wilhelm Ebitsch (4. von links) und BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (7. von links).

Birkach. Die eindrucksvolle Geschichte der alten Steinbrüche und die Natur in ihrem herbstlichen Kleid erlebten die Teilnehmer der BN-Exkursion im Rahmen der Bayern-Tour-Natur, die unter der Leitung von Wilhelm Ebitsch stand, der durch fachkundige Ausführungen von Bernhard Dietz, dem ehemaligen Birkacher Ortssprecher, unterstützt wurde.

Im südlichen Teil der Birkacher Flur liegen sieben verlassene Steinbrüche zwischen Mischwaldbeständen und Brombeersträuchern versteckt. Bernhard Dietz ließ wissen, dass dort einst qualitativ hochwertiger Sandstein abgebaut wurde, der von den Geologen als "Oberer Rhätolias-Sandstein" bezeichnet wird und vor über 200 Millionen Jahren, also in der Übergangszeit von der Keuper- in die Jura-Formation entstand. Die Sandsteinquader waren wegen ihrer Festigkeit und Witterungsbeständigkeit als Baumaterial sehr begehrt und wurden zum Beispiel für die Birkacher Kirche, etliche Häuser, Scheunenfundamente, aber auch kunstvolle Martern und Bildstöcke verwendet. Nach rund 200 Jahren endete 1980 der Gesteinsabbau, und die Vegetation überdeckte seither viele Spuren menschlichen Schaffens, das einst vielen Birkachern im Haupt- und Nebenerwerb Arbeit und Brot bescherte.

Im Flurstück "Steinig" kann man die Mächtigkeit der schräg verlaufenden abbauwürdigen Gesteinsschicht noch erkennen. Bernhard Dietz informierte: "Der Steinbruch der Familie Süppel wurde professionell betrieben. Der Abraum wurde mit einer Lore befördert, während man die Steinverladung mittels Dreibock und Flaschenzug bewerkstelligte." Wilhelm Ebitsch führte die Exkursionsteilnehmer als nächstes zum "Fuchsenloch", dessen wild-romantisches Umfeld von einer kleinen Schlucht gekennzeichnet ist, die nicht gleich auf den ersten Blick auf den zweiten ehemaligen Steinbruch schließen lässt.

Auffällig ist jedoch der vergitterte ausgemauerte Eingang eines Kellers, den die Brauerei Elflein einmal als Bierkeller nutzte. Zur Freude der Naturschützer erfuhr man von BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt, dass Fledermäuse, z.B. Großes Mausohr, Bechsteinfledermaus, Braunes Langohr und Mopsfledermaus, den feuchten Keller nun als Winterquartier nutzen. Er bat die Anwesenden und die Bevölkerung um Rücksichtnahme: "Bitte halten Sie genügend Abstand und seien Sie leise, die nützlichen Insektenvertilger sind besonders geschützt!"

Auf dem Weg zum nächsten Steinbruch nahe der Medlitzer Straße wies Naturschutzwächter Wilhelm Ebitsch auf einige stattliche Eichen, Kiefern und Fichten hin und mahnte: "Solche Bäume werden in unseren Wäldern immer seltener. Man sollte sie als Naturdenkmal ausweisen, dadurch ihren Schutzstatus etwas erhöhen und infolgedessen noch älter werden lassen. Privatwaldbesitzer können bei einer Mindestschutzfrist von zehn Jahren beim Landratsamt auf Antrag eine finanzielle Entschädigung erhalten."

Der dritte Steinbruch weist eine gute Sandsteinqualität mit noch relativ großen Vorräten auf, wurde allerdings schon während des Zweiten Weltkriegs 1941aufgegeben. Auf einem Wiesenweg, gesäumt von Flockenblumen, Wegwarten und Habichtskräutern - ein in dieser großen Wegbreite mittlerweile selten gewordener Pfad - gelangte man zu einer imposanten Streuobstanlage, eingefriedet mit einer großzügig angelegten Schlehdornhecke, eines aus Sicht des Naturschutzes sehr wertvollen Lebensraumes. Dann erreichte die Exkursionsgruppe den größten Steinbruch, den sogenannten "Kieferles-Steinbruch". Er hatte bis zu 10 Meter hohe Sandsteinwände, aus denen große Blöcke getrennt und mit Pferdefuhrwerken, später mit Lastwagen, zum Bahnhof Medlitz transportiert wurden. Es wurde auch berichtet, dass von 1946 bis 1950 Steine für den Wiederaufbau der Zapfendorfer Kirche und für die Sanierung der Türme des Bamberger Doms hier gebrochen worden seien. An der tiefsten Senke des Grabens, der durch den Gesteinsabbau entstanden ist, hat sich ein Tümpel mit einer dicken Schicht grüner Wasserlinsen, der sogenannten "Entengrütze", gebildet, in dessen Umfeld Laubfrösche und auch der Feuersalamander vorkommen. Nachdem man auf dem Rundweg weitere alte Steinbrüche in Augenschein genommen hatte, gelangte man nach insgesamt drei Stunden zum Ausgangspunkt der Wanderung, dem Gemeindehaus, zurück.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Wilhelm Ebitsch und Bernhard Dietz für die vielfältigen Informationen.

Anton Reinhardt


BayernTourNatur: Naturnahe Dorfstrukturen in Kleukheim

Reizvolle, erhaltenswerte dörfliche Strukturen - wie hier bei der Familie Kotschenreuther, konnten bei der BN-Exkursion im Rahmen der "Bayern-Tour-Natur" unter der Leitung von Wilhelm Ebitsch (3. von links) bestaunt werden.

Kleukheim. Zahlreiche alte Bäume, naturnahe Gartengrundstücke und einige Streuobstwiesen sind in dem malerischen Dorf zu finden.

Bei einer zweieinhalbstündigen Exkursion des Bund Naturschutz, die im Rahmen der "Bayern-Tour-Natur" stattfand, führte Wilhelm Ebitsch die Teilnehmer an reizvolle, erhaltenswerte dörfliche Strukturen heran und erläuterte deren Besonderheiten.

Von seinem Anwesen aus, wo man direkt vor der Haustüre frisches, unbehandeltes Obst für wenig Geld erwerben kann, ging es die Weingasse hoch, wo noch mächtige alte Sommerlinden beiderseits der leichten Abhänge stehen, wo man auch diverse Kellereingänge erkennt. Der Exkursionsleiter ließ wissen, dass etliche dieser Erdkeller einst zur Lagerung des Weines dienten, der an den sonnigen Südlagen des Dorfes gedieh. Heute werden in den Kellern Kartoffeln, Rüben oder lange haltbare Winteräpfel gelagert. Außerdem sieht man an den Öffnungen oberhalb der Türen, dass Fledermäuse in einigen Kellern ihre Winterquartiere haben. Am Ende der Weingasse liegt zur linken Hand eine imposante Streuobstwiese mit 120 Hochstämmen, die zur Freude von Wilhelm Ebitsch fast alle in diesem Jahr reichlich Früchte tragen.

Er wies auf die naturschutzfachliche Bedeutung der Windschutzhecke hin: "Sie ist ein Paradies für viele Vogelarten, die gleichzeitig auch Schädlinge des Obstbaumbestandes auf natürliche Weise bekämpfen. Hier braucht es keine chemische Keule!" Ähnlich verhalte es sich mit den großzügig angelegten Flurwegen. Ebitsch meinte: "Sie bilden einen natürlichen Pufferstreifen zwischen intensiv bewirtschaftetem Ackerland und extensiv genutzten Wiesen, wo eine große Blumen- und Kräutervielfalt das Auge des Betrachters erfreut."

Aus seiner reichen Erfahrung in der Pflege von Obstgehölzen erläuterte er beim weiteren Rundgang gute und schlechte Beispiele des Obstbaumschnittes. Ganz wichtig sei es, dass bereits die Jungbäume einen Erziehungsschnitt erhalten, das erspare später größere Eingriffe mit entsprechend großflächigen Schnittwunden, an denen Holzschädlinge und Baumpilze ihr Zerstörungswerk beginnen können.

Eine Besonderheit sind die vielen stattlichen Linden, die das Dorf prägen: Sie rahmen Wegkreuze ein, erinnern an eine glückliche Heimkehr aus den Kriegswirren oder an den Friedensschluss zwischen den Völkern. Wilhelm Ebitsch hat sich als Naturschutzwächter dafür eingesetzt, dass die eine oder andere Linde als "Naturdenkmale" eingestuft wurden und so einen besonderen Schutzstatus erhielten.

Nicht weniger häufig stieß die Exkursionsgruppe bei ihrem Rundgang auf große Walnussbäume, die so manches Anwesen besonders charakterisieren. Sie möglichst lange zu erhalten - nicht allein nur wegen der reichen Nussernte - sondern wegen ihrer majestätischen Schönheit und ihres naturschutzfachlichen Wertes, war das besondere Anliegen der Naturschützer an ihre Besitzer.

Ein dickes Lob gab es auch für die Eigentümer liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser, an deren Fassaden sich Weinreben emporranken dürfen. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: "Durch den warmen Sommer werden die Leute jetzt im Herbst mit vielen süßen, ungespritzten Trauben belohnt. Außerdem tun sie etwas Gutes für die Vogel- und Insektenwelt.

Nachdem man entlang des Froschbaches und ein Stück des Kelbachtaler Höhenwegs wanderte und die bachbegleitende Vegetation begutachtete, stieß man auch auf einige Totholzbäume. Wilhelm Ebitsch erklärte, dass sie genauso wichtig für die Natur seien, wie Früchte tragende Bäume; denn schließlich dienten sie als Behausung für viele Kleintiere und als Nahrungsquelle für Spechte.

Nach diversen Kostproben aus der Streuobstwiese von Wilhelm Ebitsch bedankte sich BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bei ihm mit einem kleinen Präsent.

Anton Reinhardt


BayernTourNatur: Exkursion zur Schafbeweidung am Bohnberg

Hobbyschafhalter Dr. Klaus Prell (im Bild 1 links) erklärte den Teilnehmern der Bayern-Tour-Natur-Exkursion Schafhaltung und Landschaftspflege in einer naturnahen Kulturlandschaft am Bohnberg
Die Gruppe mit BN-Ortsgruppenvorsitzendem Günter Lutz (3.v. links), Bohnberg-Landwirt Hans Funk und BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt (8. v. links) war von den Naturschönheiten und der kleinen Schafherde mit Merino-, Texel-, Suffolk- und Milchschafen sehr beeindruckt. Bienenfachwart Henrik Arndt (11. v. links) erläuterte die Bedeutung der Honigbienen und BN-Mitglied Fred Goller (rechts) wies auf die botanischen Besonderheiten hin.

Roth-Thelitz. Ein Bild der Ruhe und Harmonie bot eine Schafherde mit einer artenreichen Blumen- und Kräuterwiese an den Hängen des Bohnbergs, einem kleinen Weiler zwischen Roth und Thelitz.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur-Exkursion der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, die unter der Leitung von Dr. Klaus Prell aus Burgkunstadt und Bienenfachwart Henrik Arndt stand, erfuhren 34 Teilnehmer viel Wissenswertes über Landschaftspflege und Schafhaltung, aber auch viele Einzelheiten über die Honigbiene.

Die Gruppe traf sich auf dem Bauernhof von Hans Funk, wo Tierarzt Dr. Prell die ökologisch nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft als die Idealform zur Erhaltung einer reich strukturierten Kulturlandschaft beschrieb. Er bedauerte, dass in den Nachkriegsjahren die politischen Leitlinien darauf ausgerichtet waren, dass die Qualität der Lebensmittelproduktion immer mehr der Quantität bei höchster Effizienz weichen musste und veranschaulichte das anhand einiger Beispiele, so etwa in der Geflügelhaltung. Dr. Prell stimmte die Zuhörer nachdenklich: "Ein Küken wird heute in nur fünf Wochen auf das Fünfzigfache seines Körpergewichtes schlachtreif gemästet. Unter solchen artfremden Haltungsbedingungen mit bis zu 25 Tieren pro Quadratmeter ist der massenhafte Einsatz von Antibiotika unumgänglich - mit den entsprechend negativen Begleiterscheinungen, wie der Bildung von immer mehr resistenten Keimen, die den Humanmedizinern in den Krankenhäusern große Kopfzerbrechen bereiten".

Der Exkursionsleiter kritisierte eine falsche EU-Förderpraxis, aber auch der Verbraucher könne durch sein Kaufverhalten die ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft unterstützen und sei es nur durch sein gezieltes Fragen nach Herkunft, Bewirtschaftungsweise und artgerechter Nutztierhaltung.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt wies in diesem Zusammenhang auf die heimische Landwirtschaft hin, wo größtenteils bäuerliche Familienbetriebe dafür Sorge tragen, dass unsere noch vielfältige Kulturlandschaft erhalten bleibe. Hobby-Schafhalter Dr. Prell appellierte deshalb an die Verbraucher: "Achten Sie beim Einkauf von Lebensmitteln auf Qualität, regionale Herkunft, saisonale Angebote und schauen Sie nicht nur auf den Preis!"

Der stufenförmige Aufbau des Bohnbergs, an dem die Schafe weideten, bot eine reichhaltige Flora, so dass auch mehrere typische Lebensräume mit ihren charakteristischen Blütenpflanzen erklärt werden konnten.

BN-Mitglied Fred Goller erklärte etliche Blumen und Wildkräuter, wie etwa Kuckuckslichtnelke, Kleiner Wiesenknopf (Pimpinelle), Spitzwegerich und Schafgarbe. Je weiter die Exkursionsgruppe zur Hangkante hinaufstieg, desto artenreicher zeigte sich die Vegetation. Typische Zeigerpflanzen sind hier die Esparsette, Wiesensalbei, Schnecken-, Rot- und Hornklee.

Bienenfachwart Henrik Arndt freute sich über die artenreiche Blumenwiese und die blühenden Weiß- und Schwarzdornbüsche am Waldsaum und meinte: "So eine Bienenweide ist ein Mekka für unsere Wild- und Honigbienen, aber auch für viele andere nützliche Insekten. Blütenpollen, Nektar und Spurenelemente aus einem solchen Areal ergeben einen wundervollen Frühlingshonig."

Jede Lage im Landkreis, wo der zertifizierte Bioimker seine Bienenstöcke zu verschiedenen Zeiten aufstellt, ergebe letztendlich eine eigene Geschmacksnote des Honigs. Die wichtigste Leistung der Bienen und Insekten sei jedoch die Bestäubung der Obstbäume und Nutzpflanzen in der Landwirtschaft. Henrik Arndt warb deshalb für eine möglichst naturnahe Imkerei: "Damit der Fortbestand unserer Bienenvölker gewährleistet bleibt, verzichte man auf jegliche Bienengifte und säe bienenfreundliche Blühpflanzen im Hausgarten und Blühstreifen an den Feldrändern."

Eine deftige Brotzeit mit einheimischen Produkten rundete die gelungene Exkursion am Bohnberg ab.

 

Anton Reinhardt


Führung um die renaturierte Mainschleife bei Unterbrunn

Bild: Die Exkursionsteilnehmer begutachteten im Rahmen der Bayern-Tour-Natur die verschiedenen Renaturierungsbereiche an den Ufern der neuen Mainschleife unter der Führung des BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt (Mitte). Anhand eines Biberschädels erklärte er die Funktion der keilförmigen Nagezähne, mit denen das Tier in der Weichholzaue Weiden zu seiner Nahrung kappt.

Unterbrunn. Das Erscheinungsbild des ehemals begradigten und mit Ufermauern versehenen Mains hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Zwischen Unter- und Oberbrunn ist eine neue Mainschleife von etwa 1,5 Kilometer Länge entstanden.

Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur begrüßte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt die Exkursionsteilnehmer am Mainbogen nordöstlich des Dorfes, wo im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen und des Kiesabbaus naturnahe Areale entstanden sind, die dem Main bei Hochwasser große Ausbreitungsflächen geben und so die Rückhaltefunktion verbessern.

Reinhardt informierte über die wasserbaulichen Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes und ist von den Ergebnissen aus naturschutzfachlicher Sicht sehr angetan: "Ich bin begeistert von der vielfältigen Flusslandschaft, die dadurch entstanden ist, dass man dem Main einen Teil seiner früheren Ausbreitungsmöglichkeiten zurück gegeben hat."

Im Jahre 2010 wurde diese Mainschleife im Zuge des LIFE-Naturprojektes, bei dem der BN auch einer der Projektpartner sei, weiterentwickelt. Das Areal sei nun ein wichtiger "biologischer Trittstein" des oberen Maintals, wo Naturräume, wie Baggerseen, Schilf- und Röhrichtbereiche, Flachwasserzonen, Tümpel, Auwaldstrukturen und Altwasserzonen miteinander vernetzt wurden.

Nach dem Verlassen der Hochwasserkante und eines Stück Weges entlang des Mainbogens flussabwärts stieß die Besuchergruppe auf etliche Flussmuschelschalen, die teilweise auch zerbrochen waren. Dies sei ein untrügliches Zeichen, dass die schlauen Rabenvögel mit ihrer Beute nach oben flogen, wieder fallen ließen, um so nach dem Bruch der Schale an das begehrte Muschelfleisch zu kommen. Vom großen Beobachtungsturm konnte man das gesamte Areal gut überblicken, und mit dem Fernglas erspähte man einige Blässhühner, Höckerschwäne, Haubentaucher und Graureiher. Diese Bereiche haben Verbindung mit dem Main und dadurch stetigen Wasseraustausch. Mehrere Tümpel, die im Sommer teilweise austrocknen, im Frühjahr allerdings überflutet werden, bieten Lebensräume für Wasserfrösche, Libellen und Erdkröten. In den Steilufern nisten Uferschwalben, manchmal auch Eisvögel. In den ruhigeren Gewässerzonen, die mit vielen Weiden und Erlen bestückt sind, finden auch Fischotter und Biber ihre Lebensraum-Nischen. Reinhardt verriet, dass über 100 Vogelarten in diesem neuen Biotopverbundsystem registriert worden seien.

Damit diese Vielfalt erhalten bleibt, wolle man demnächst im zentralen Teil der Mainschleife der zunehmenden Verbuschung durch Beweidung entgegenwirken.

Drei bis vier sogenannte Heckrinder, die dem Auerochsen, dem Urrind, sehr ähnlich seien und aus dem Aurachtal stammen, sollen die Freihaltung auf natürliche Art bewerkstelligen. Vorbei an einer riesigen alten Schwarzpappel und neu entstandenen Auwaldbereichen, wo inzwischen ebenfalls der Biber wieder heimisch geworden sei, gelangte die Gruppe zu Kiesbänken und Flachwasserzonen am Ufer des Mains, wo man die prächtige Schwanenblume, die Wildblume des Jahres 2014 entdeckte.

Reinhardt erläuterte, dass hier Flussuferläufer und Flussregenpfeifer gute Nistplätze vorfinden und zeigte anhand von Vogelei-Attrappen die hervorragende Tarnung des Geleges im Kiesbett. Er klärte auch bei dieser Gelegenheit zwei junge Leute auf, dass es hier gerade deswegen verboten sei, sich auf der Kiesbank niederzulassen und überdies auch noch mit einem Campingbus bis dorthin zu fahren.

Einige Informationstafeln wiesen darauf hin, dass es für die Öffentlichkeit etliche gut zugängliche Beobachtungsbereiche entlang des Flusses gebe, aber auch sogenannte Tabu-Bereiche, wie beispielsweise Nistplätze von Bodenbrütern und Rückzugsgebiete seltener Vogelarten. Deshalb habe man in Absprache mit den Naturschutzbehörden, den Kommunen und der Initiative Flussparadies Franken eine Art Besucherlenkungskonzept entwickelt. Beispielsweise wurden Einstiegsplätze in Zapfendorf, Unterleiterbach und Unterbrunn geschaffen, die mögliche Störungen durch den Bootsbetrieb auf wenige Stellen reduzieren sollen. Wegen des Niedrigwassers aufgrund der Trockenheit sollten die Bootsfahrer das derzeitig geltende Paddelverbot respektieren.

Nachdem die Teilnehmer weiter flussabwärts wanderten, erklärte Exkursionsleiter Reinhardt die Vorteile der Verbindung des Dornwiesensees mit dem Hauptstrom des Maines:

"Der Wasseraustausch bringt mehr Sauerstoff in den einstmals abgetrennten Baggersee, was der Fischfauna zugutekommt und einer Eutrophierung entgegenwirkt."

Um einen vorbeugenden Hochwasserschutz zu gewährleisten, habe man versucht, in einigen Abschnitten dem Main seine ehemalige Dynamik zurückzugeben. Gleichzeitig entstanden durch die Verbauung mit großen Steinen im ehemaligen Flusslauf ein Trockenbett- und ein Altwasserbereich. Nach den Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes, Absprachen mit den Naturschutzbehörden und der Kiesindustrie sei nun ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Biotopverbundsystem entstanden. Reinhardt hob hervor:

"Man muss die Natur arbeiten lassen, der Fluss hat in der neuen Schleife mehr Platz bekommen, kann wieder mäandrieren, so seine Fließgeschwindigkeit verringern und naturschutzfachlich wertvolle, neue Lebensräume schaffen."

Durch die Flussbaumaßnahme entstanden aber auch einige Brachen, Trocken- und Halbtrockenrasen, wo die Besuchergruppe Blumenteppiche mit Natternkopf, Sonnenröschen, Hornklee, Seifenkraut und Kamillen bewundern konnte. Die Dynamik des Flusses wurde besonders deutlich in den Uferbereichen erkennbar. Dort konnte man von feuchten Ufersäumen über halbtrockene schlammige Schichten bis zu den kiesigen festen Bereichen die allmähliche Änderung der Oberflächenstruktur wahrnehmen. Im Rahmen der Flusslaufverlängerung sollte eines der wichtigsten Ziele, die Rückhaltefunktion und das gleichmäßige Abfließen der anfallenden Hochwassermengen realisiert werden. Reinhardt brachte es auf den Worten "Breitwasser, statt Hochwasser" auf den Punkt und freute sich, dass die Maßnahmen dazu geführt haben, die Ziele des Hochwasserschutzes mit den Interessen der Kiesindustrie, des Wasserwirtschaftsamtes und des Naturliebhabers in Einklang zu bringen.

Anton Reinhardt

 

 

 

Exkursion in die Muggenbacher Tongruben - "Ein Glücksfall für die Natur"

In solchen kleinen Tümpeln –„gerne auch etwas trübe“- fühlen sich Gelbbauchunken wohl und laichen auch dort. Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender aus Lichtenfels, Helmut Krüg, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Coburg und Naturführer Tobias Mehling (von links) freuten sich mit vielen Exkursionsteilnehmern der Bayern-Tour –Natur über das artenreiche Mosaik von Lebensräumen in den Muggenbacher Tongruben.
Tobias Mehling (Mitte) informierte mit Hilfe zahlreicher Bilder über die große Vielfalt von Hautflüglern, insbesondere von Bienen und Wespen, die vom Aussterben bedroht sind und in dem Naturschutzgebiet dank vieler gezielter Pflegemaßnahmen ein bleibendes Refugium gefunden haben.

Ein Mosaik aus Trockenrasen, Rohbodenstrukturen, Feuchtgebieten und lichten Waldrändern bietet spezielle Lebensräume für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten und weckte das Interesse von zahlreichen Naturliebhabern aus den Regionen Lichtenfels und Coburg.

Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels und Helmut Krüg vom Vorstand der Kreisgruppe Coburg begrüßten am Libellenstein über 30 Teilnehmer zu der dreistündigen Exkursion, die im Rahmen der Bayern-Tour-Natur stattfand. Exkursionsleiter Tobias Mehling, der schon etliche Jahre das 26 Hektar große Areal betreut, wies zuerst auf den geschichtlichen Hintergrund des Naturschutzgebietes hin: "Die Tongruben gehören nicht zu den ursprünglichen Lebensräumen, es sind typische ´sekundäre´ Lebensräume, die von Menschenhand im Zuge des Tonabbaus im 19. Jahrhundert geschaffen wurden. Es war ein Glücksfall für die Natur, dass die Pläne zur Umwandlung in eine Reststoff-Mülldeponie aufgegeben wurden. Nach Feststellung der hohen ökologischen Wertigkeit durch wissenschaftliche Gutachten hat der Bund Naturschutz das Gebiet im Jahre 2000 erworben und pflegt es seither größtenteils in ehrenamtlicher Handarbeit." An der sogenannten Roten Grube zauberte ein lautes Froschkonzert ein Lächeln auf die Gesichter der Naturfreunde und Tobias Mehling erklärte, dass hier eine gewisse Dynamik herrsche: "Durch randliche Hangabbrüche und Rutschung bilden sich im Umfeld zuerst vegetationsfreie Halden aus, die sich im Laufe der Zeit besiedeln können. Vor allem die Ruderalflächen mit ihren unterschiedlichen Bodentypen werden von vielen, teils hochgefährdeten Hautflüglerarten für die Anlage ihrer Nester genutzt." Anhand von mitgebrachten Bildern zeigte der Naturführer vor Ort in dem für die einzelne Insektenart charakteristischen Lebensraum deren Lebensweise und Überlebensstrategie, so etwa der Mohnbiene, Sandbiene, Blutbiene sowie Grab-, Erd- und Goldwespe - nur wenige Millimeter große Kleintierchen.

Die wohl auffälligste, gefährdete Tierart der Muggenbacher Tongruben ist die Gelbbauchunke, welche die Besucher in einem kleinen Tümpel beobachten konnten. Tobias Mehling wies darauf hin, dass die Laichgewässer dieser Unke stark besonnte, Klein- und Kleinstgewässer seien. Allerdings benötige diese Amhibienart auch vegetationsreichere, stärker beschattete Aufenthaltsgewässer, die nicht austrocknen dürfen. Da eine Vielfalt solcher Lebensräume vorhanden ist, gebe es hier das größte Gelbbauchunkenvorkommen Oberfrankens.

Im Umfeld der Tongruben, besonders in den Waldsaumbereichen, stieß die Besuchergruppe auf gefährdete Pflanzenarten, wie den Echten Flachbärlapp, Keulenbärlapp und den Sprossenden Bärlapp. Neben dem ungefährdeten Nickenden Wintergrün staunten die Besucher über das seltene Kleine und das gefährdete Rundblättrige Wintergrün.

Die sogenannte Graue Grube unterliegt einem Betretungsverbot, während die Rote Grube und die kleinere, Neue Rote Grube ganzjährig betreten werden darf. Helmut Krüg, der sich wie der Exkursionsleiter ebenfalls bei den Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen schon seit Jahren engagiert, erläuterte die Geländemodellierungen, wie etwa kleine Landzungen, Fließbögen und Rückhalteflächen in der Neuen Roten Grube, die den Abfluss des Wassers verlangsamen und so einen weiteren ökologisch wertvollen "Baustein" im Mosaik von Lebensräumen schaffen sollen. Anton Reinhardt und Helmut Krüg bedankten sich für die fachkundige, abwechslungsreiche Führung bei Tobias Mehling mit einem kleinen Präsent.

Anton Reinhardt

 

 

 

Arche Noah für bedrohte Pflanzen- und Tierarten

Die Teilnehmer des Bund Naturschutz erkundeten bei der Exkursion auf der Wiese von Jupp Schröder die verschiedenen Lebensbereiche für Wildpflanzen und Tiere. BN- Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (links) und Jupp Schröder (rechts) freuten sich über die artenreiche Flora und Fauna des Hanggrundstückes.

Auf besonderen Wunsch des Bund Naturschutz, Kreisverband Lichtenfels, zeigte der frühere Kreisfachberater Jupp Schröder sein Gründstück bei Burgstall, Gemeinde Hochstadt.

Dies hat sich nach über 30 Jahren mit gezielt angelegten Kleinstrukturen, Hecken und extensiver Bewirtschaftung zu einem Paradies für viele, zum Teil seltene Pflanzen und Tiere entwickelt. Der BN-Kreisvorsitzende Anton Reinhardt war begeistert von der Vielfalt der Lebensräume dieses naturnahen Areals.

Stolz erzählte Schröder, dass es ihm bei dem Grundstück nicht auf den Ertrag von Obst ankomme, sondern, dass er der Natur gleichsam etwas zurückgeben wolle. Über 80 Wildpflanzenarten habe das Grundstück inzwischen aufzuweisen. Darunter seien auch sehr viele Heilpflanzen. Der Exkursionsleiter gab seiner Freude Ausdruck:

„Die Artendichte ist enorm, diese hat bereits bei einer Vegetationsaufnahme zweier Professoren mit zehn Studenten der Universität Kiel vor sieben Jahren großes Erstaunen ausgelöst. Durch die Vielzahl der Pflanzen und Kleinstrukturen können bis zu 3500 Tierarten auf meinem Grundstück leben, das mit Recht als eine "Arche Noah" für Tiere und Pflanzen bezeichnet werden kann".

Zuvor zeigte er den Teilnehmern der Exkursion die Veränderungen in der umgebenden Landschaft, um den Unterschied zu seinem eigenen Grundstück zu verdeutlichen. Die Bewirtschaftungseinheiten der Felder und Wiesen würden leider immer größer. Die Intensivierung in der Landwirtschaft führe zu einem „Einheitsgrün“, so weit das Auge blicke. Nur Böschungen, immer schmaler werdende Feldraine und Straßenränder würden da und dort noch bunt aufleuchten, wenn nicht vorzeitig mit Schlegelmähern und Absauggeräten der Blütenpracht den Garaus gemacht werde. Schröder bedauerte es, dass in der Landschaft immer weniger Platz sei für das bunte Farbenspiel der Natur, welches von Dichtern über viele Jahrhunderte besungen worden sei. Vorzeitige Mahd der Wiesen zur Silagegewinnung und übermäßige Düngung ließe nur wenigen Arten eine Chance zur Entwicklung. So würden oft nur Gräser, Löwenzahn, Kerbel und Hahnenfuß gefördert. Für die Tierpopulationen des Lebensraumes Wiese sei eine frühe und häufige Mahd ein noch viel stärkerer Eingriff in ihr Dasein, als für die Pflanzen, erläuterte Schröder. So würden beim Schnitt nahezu alle Tierarten, die vom Kraut und den Blüten der Wiesenpflanzen leben, vernichtet oder abtransportiert. Auch vielen Kleinlebewesen, wie Heuschrecken, Spinnen, und Zikaden, würde die Deckung genommen, und durch jede zu frühe Mahd vielfach geschwächt. Sie müssten abwandern oder werden eine leichte Beute für ihre natürlichen Feinde. Dies gelte auch für wiesenbrütende Vögel. Viele typische Insekten der Blumenwiese, wie z. B. Hummel, Wildbienen, Tagfalter, Schweb- und Tanzfliegen, fände man nur, wenn, wie auf seinem Grundstück, Kräuter blühen und fruchten dürfen.

Aber ohne den regulieren Eingriff des Menschen würde jedoch eine artenreiche Blumenwiese bald verbuschen und in einen Wald übergehen. Das stückweise Mähen mit der Sense sei ideal, da die kahlen Flächen gleich wieder ausgeglichen würden, erläuterte Schröder. Ameisenhaufen und Standorte seltener Pflanzen würden darüber hinaus bei dieser Arbeitsweise verschont.

Das Mähen mit der Sense sei darüber hinaus für ihn ein Idealausgleichsport und trainiere hervorragend die Beweglichkeit des Körpers. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich für die lehrreiche Exkursion und die vielen Hintergrundinformationen mit einem kleinen Präsent bei Jupp Schröder.

 

Anton Reinhardt