Harmloser Neubürger

Amerikanische Kiefernwanze derzeit häufig im Landkreis zu beobachten

16.10.2019

Beim Stichwort „Wanze“ denken viele Menschen unweigerlich an die Bettwanze, welche sich bevorzugt in Schlafplätzen von Menschen einnistet, um sich von deren Blut zu ernähren. Wie die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mitteilt, ist die Bettwanze jedoch die einzige der etwa 1000 in Deutschland vorkommenden Wanzenarten, die es auf den Menschen abgesehen hat. Alle anderen Arten ernähren sich von Pflanzensäften oder Kleintieren und können weder stechen oder beißen noch sind sie giftig.

Ein besonders imposanter Vertreter ist die Amerikanische Kiefernwanze. Mit 15-20 Millimetern gehört sie zu den großen Exemplaren der Wanzenfamilie und verursacht beim Fliegen ein tiefes Brummgeräusch. Derzeit kann man sie vermehrt an Hauswänden und Fenstern finden. Mit dem Fall der Temperaturen begibt sich die Zapfenwanze, wie die Amerikanische Kiefernwanze auch genannt wird, auf die Suche nach warmen Plätzen zum Überwintern.

Die Amerikanische Kiefernwanze ist noch nicht lange in Europa beheimatet. 1999 gab es erste Funde in Italien und 2006 wurden die ersten Exemplare in Deutschland gesichtet. Auch im Landkreis Lichtenfels ist sie seit einigen Jahren zu finden. „Wie der Name schon andeutet, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika. Wie sie nach Europa gelangte, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet jedoch, dass sie durch die Einfuhr von Weihnachtsbäumen, Saatgut oder Baumaterial eingeschleppt wurde“, berichtet Günter Lutz, Vorstand der BN-Ortsgruppe Lichtenfels.

Dieses Jahr scheinen ungewöhnlich viele Exemplare der Kiefernwanze aufzutreten. Als wärmeliebende Art hat sie sicher vom vergangenen Sommer profitiert. Auch der Klimawandel tut sein Übriges, dass sich die Zapfenwanze – neben vielen anderen Arten, die früher nur in südlichen Ländern vorkamen – mittlerweile in Deutschland wohlfühlt.


Insektenhotel der Lichtenfelser Familie Messingschlager "total ausgebucht"

Es scheint sich in den Spezies herumgesprochen zu haben; denn es herrscht zurzeit eine rege Betriebsamkeit zahlreicher Insekten, die sich in der selbst erstellten Hotellerie eingenistet haben: Wildbienen, Hummeln, Schlupfwespen und andere Kleinstlebewesen. Der naturnahe Garten mit durchlässigen Grundstücksbegrenzungen, wie z. B. lichten Hecken, bietet auch Igeln Unterschlupf. Etliche Bäume, auch Altholzbestände, Büsche, Reisighaufen und Stauden sind zudem weitere kleine Lebensräume für viele Vogelarten, wie etwa Spechte, Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Blaumeisen und sogar Distelfinken. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt lobte das Engagement des Hausherrn Michael Messingschlager für die Erhaltung der Artenvielfalt in der "Natur vor der Haustür".

Ein Auszug aus der Artenliste im heimischen Garten der Familie Messingschlager:

Rabenkrähen, Amseln, Eichelhäher, Singdrossel, Elstern, Stare, Ringeltauben, Bachstelzen, Hausrotschwanz, Türkentauben, Gartenrotschwanz, Rotkehlchen, Wildenten, Bunt-, Schwarz- und Grünspecht, div. Spatzen, Blau-, Kohl-, Tannenmeise, Seidenschwanz, Igel, rotes und schwarzes Eichhörnchen, Feldhasen, Karnickel, Distelfinken, Buchfinken, Grünling...

Anton Reinhardt


LANDESWEITE BN-AKTION „HUMMELFRÜHLING“ STARTET! WER BRUMMT DENN DA?

Lichtenfels. Zum Frühlingsbeginn starten BUND Naturschutz (BN) und IfBI (Institut für Biodiversitätsinformation e.V., Ebern) die bayernweite Mitmachaktion "Hummelfrühling": Handyfotos von den ersten Hummeln werden von einem Expertenteam bestimmt und mit Informationen zu der jeweiligen Art beantwortet.

"In Deutschland kann man immerhin über 30 Hummelarten unterscheiden.", erläutert BN-Kreisgruppen Vorsitzender Anton Reinhardt, "daher rufen auch wir alle hiesigen Naturliebhaber dazu auf, Hummeln zu fotografieren und das Bild per WhatsApp an das Hummeltelefon (0163/9631987) oder per Mail (hummelfund@ifbi.net) zu schicken. Hummelkenner werden die Fotos dann begutachten und (natürlich kostenfrei) antworten, um welche Hummel es sich handelt."

Günther Scheler, BN-Delegierter ergänzt: "Trotz verspätetem Frühling kommen jetzt nach und nach die ersten Hummelköniginnen aus ihrem Winterquartier und suchen nach Nahrung. Im Gegensatz zu Honigbienen, die erst ab einer Tagestemperatur von mindestens 10 °C fliegen, sind Hummeln schon ab 2 °C aktiv. Um fliegen zu können, lassen sie die Brustmuskulatur vibrieren und heizen so ihren Körper auf 30°C auf. Hummeln sind wahre Flugkünstler - obwohl ihre Flügel eigentlich viel zu klein sind, um den enorm dicken Körper zu tragen. Das Geheimnis liegt darin, dass die Flügel bis zu 200mal in der Sekunde schlagen und sich durch ihre Beweglichkeit dabei drehen und verwinden. Das erzeugt Luftwirbel. Wie bei einem Tornado: die Luftwirbel saugen den Flügel in die Höhe. Und so fliegt die Hummel eben doch."

"Da immer weniger Wildbienen in heimischen Gärten zu finden sind, möchten wir mit dieser Aktion auf das Insektensterben aufmerksam machen und die Menschen für die pelzigen Flieger begeistern", sagt Ute Hauptfleisch aus Lichtenfels, die selbst Hobby-Imkerin ist.

Jede gemeldete Hummel wird in eine interaktive Website-Karte eingetragen. Das hilft, mehr über die Verbreitung der Hummelarten in Bayern zu lernen. Diese Informationen sind enorm wichtig, um den Schutz der Wildbienen bestmöglich an deren Bedürfnisse anzupassen. Für Rückfragen: Dr. Klaus Mandery, Tel. 0171/6064414 Institut für Biodiversitätsinformation (IfBI), Tel. 09531/9446433 Weitere Informationen www.ifbi.net/hummel.

Sabine Rübensaal


BUND Aktion "Mit Plan und Praxis: Bienen retten!"

Unsere Bienen sind in Gefahr. Im Frühjahr 2017 beklagten Imker außergewöhnlich hohe Bienenvölker-Verluste. Doch nicht nur der Parasit Varroa-Milbe ist daran schuld, sondern vor allem die intensive Landwirtschaft mit ihrem hohen Pestizideinsatz.

Weitere Infos erhalten Sie HIER auf der aktuellen Bienen-Seite des BUND