Biolandwirt Norbert Böhmer hat ein geradezu liebevolles Verhältnis zu seinen Herdenschutzhunden, die seine Weiderinder vor möglichen Angriffen von Wölfen oder anderen großen Beutegreifern erfolgreich bewahren.
Großes Interesse am Spannungsverhältnis Weidetierhaltung und große Beutegreifer zeigten 25 Teilnehmer mit BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt (2.von links) bei einer Exkursion des Bund Naturschutz aus Bamberg, Bayreuth und Lichtenfels zu dem anerkannt biologisch wirtschaftenden Bauernhof von Norbert Böhmer auf dem Weiler Schrenkersberg.

LICHTENFELS - PLANKENFELS Kann man in der Weidetierhaltung möglichen Angriffen sogenannter Großer Beutegreifer, wie etwa dem Wolf, wirksam begegnen? Mit dieser Thematik befassten sich 25 Teilnehmer einer Exkursion des Bund Naturschutz aus Bamberg, Bayreuth und Lichtenfels zu dem anerkannt biologisch wirtschaftenden Bauernhof von Norbert Böhmer.

Auf dem Weiler Schrenkersberg hält er seit zehn Jahren etwa hundert Simmentalrinder, einer robusten Fleckviehrasse, die sich augenscheinlich auf den kleinstrukturierten, lieblichen Jurahängen sichtlich wohlfühlt und deren Fleisch sich dank reger Nachfrage direkt auf dem Hof gut vermarkten lasse. Eingeteilt in fünf kleine Einzelherden beweiden die Rinder die verschiedenen Wiesen der umliegenden Areale im Fränkischen Jura und erhalten dadurch deren naturschutzfachliche Wertigkeit. Der Biolandwirt achtet auf die Qualität seines Weiderindfleisches und züchtet aus seinem eigenen Viehbestand von 40 Mütterkühen, 2 Bullen und 60 Rindern etliche Kälber, die den gesunden Fortbestand der Herden sichern sollen. So weit so gut, könnte man meinen.

Doch einige mysteriöse Vorfälle brachten den Landwirt zum Nachdenken: Im Jahre 2009 wurde ein neugeborenes Kalb totgebissen, in den Folgejahren verschwanden zudem vier weitere nächtlich auf der Weide neugeborene Kälber, obwohl ein Elektrozaun mit zwei Litzen vorhanden war. Erste Vermutungen lagen nahe, dass es sich bei dem Verursacher um einen Wolf handeln könne, da Böhmer in Erfahrung brachte, dass es im Truppenübungsplatzgelände von Grafenwöhr Wölfe gebe, die eventuell dafür infrage kämen.

Eine teure, aufwändige DNA-Probe wurde bedauerlicherweise versäumt, so dass man nicht mehr sicher feststellen konnte, ob der Riss tatsächlich durch einen Wolf verursacht worden sei. Im Jahr 2016 lag ein angefressenes Jungrind auf der Weide und musste getötet werden. Wieder konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden, ob ein Wolf das Tier attackiert hatte. Ein Schadenersatz von staatlicher Seite konnte deshalb nicht gewährt werden.

Jedoch sagte das Bayerische Landesamt für Umwelt eine einmalige Förderung für die Anschaffung und den Einsatz von Herdenschutzhunden im Rahmen eines Pilotprojektes zu. Der Rinderhalter befasste sich daraufhin ausführlich mit dieser Art des Herdenschutzes, reiste in die Schweiz, nach Frankreich und Spanien, wo man seit einigen Jahren gute Erfahrungen mit Herdenschutzhunden gesammelt habe. Mittlerweile hat er sieben französische Pyrenäenberghunde erfolgreich im Einsatz.

Böhmer hob hervor: "Die Verstärkung der Elektrozäune auf 6000 bis 8000 Volt Kurzzeitspannung ist zwar wichtig, hätte aber alleine nicht ausgereicht, um Wölfe vor Angriffen abzuhalten. Aus Erfahrungen anderer Weiderinderhalter in Brandenburg weiß man inzwischen, dass Wölfe sehr lernfähig sind und beispielsweise Zäune unterwühlen oder sogar überspringen könnten. Hüten jedoch Herdenschutzhunde die Nutztiere, sind diese vor Wolfsangriffen relativ gut geschützt. Solche Hunde müssen natürlich speziell trainiert werden. Ein ausgebildeter Herdenschutzhund kostet etwa 3500 Euro. Ich habe zwei Pärchen gekauft und mit deren Welpen durch tagtägliches Üben inzwischen gute Fortschritte erzielt, so dass ich in der Lage war, selbst zum Schutz taugliche Hunde an andere verkaufen zu können."

Auf die Frage des Lichtenfelser BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt, ob sich denn dieser hohe Aufwand überhaupt noch lohne, sagte Norbert Böhmer: "Ein totes Kalb kostet mich 200 €, ein Rind 2000 €, der Stress, den die Beutegreifer erzeugen, hat für die Weidetiere erhebliche Wachstumsverzögerungen zur Folge mit weiteren finanziellen Verlusten, auch durch geringere Fleischqualität. Die Investition in die Herdenschutzhunde hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht."

Da es einige Hinweise auf das Vorhandensein des Wolfes auch in Oberfranken gebe, fragte Christine Hertrich, Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Bamberg, nach, wie sich denn der Mensch bei möglicher Begegnung mit einem Wolf verhalten solle. Der Biolandwirt meinte: "Eine direkte Begegnung sei äußerst unwahrscheinlich. Der Wolf ist hauptsächlich nachtaktiv. Der Mensch gehört normalerweise nicht zu seinem Beuteschema. Allerdings gibt es in anderen Ländern Fälle von Wölfen, die sich im Umfeld von Schnellimbissrestaurants von achtlos weggeworfenen Essensresten ernährten. Auf diese Weise kann es zu echten "Problemwölfen" kommen, die dann tatsächlich beseitigt werden müssen.

Sollte es tatsächlich zu einer Begegnung mit Menschen kommen, solle man ruhig stehenbleiben, den Blickkontakt mit dem Wolf durchaus halten und dann langsam rückwärts gehen. Auf keinen Fall panikartig wegrennen; denn dies fordert einen Angriff geradezu heraus."

Spaziergängern und Hundehaltern empfahl Böhmer, nicht zu nah an Weidetierhaltungen heranzugehen und ihre Haustiere stets anzuleinen, sonst könne es zu Unruhe und unnötigem Stress kommen; denn die Herdenschutzhunde "verteidigen" natürlich ihre "Schützlinge", was ihnen ja in ihrer Aufzucht bewusst beigebracht wurde.

In der nachfolgenden gemütlichen Gesprächsrunde in einem Gasthof beantwortete der Biolandwirt noch zahlreiche Fragen. An die vielen Naturliebhaber gewandt, hob er hervor: "Landwirtschaft und Natur gehören untrennbar zusammen. Wir leben von der Natur und sollten mit der Natur im Einklang leben. Wenn es Probleme gibt, müssen Naturschützer und Bauern unbedingt miteinander im Gespräch bleiben!"

Anton Reinhardt