Storchennest auf dem Schornstein der ehemaligen Wäscherei Götz

Lichtenfels. Mitglieder der Kreisgruppe des Bund Naturschutz hievten in einer spektakulären Aktion ein Storchennest auf den 27 Meter hohen Fabrikschlot der ehemaligen Färberei Götz in der Wöhrdstraße.

BN-Mitglied Fred Goller beobachtete schon seit zwei Jahren, wie sich in den Frühlingsmonaten immer wieder mal ein Weißstorch auf dem oberen Ende des Schornsteins niederließ und kleine Äste ablegte, um möglicherweise ein Nest zu bauen, dann aber anscheinend mangels geeigneter Basis wieder aufgab.

Etliche Naturschützer wollten den weiß-schwarz-roten Glücksbringern helfen, hier, nahe den Mainauen, wo sie reichlich Nahrung finden können, einen Horst zu bauen. Das veranlasste den BN, den Fachbetreuer der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, Günter Mix, zu bitten, eine geeignete Nisthilfe flechten zu lassen.

Korbfachschüler Jannik Kurzhals nahm sich der Sache an und flocht in sogenannter "geschlagener" Arbeit ein stabiles, kreisrundes Weidengeflecht.

Nachdem von Seiten des Landesamtes für Finanzen, das rechtlich für die alte Liegenschaft zuständig ist, keine Einwände gegen die Maßnahme bestanden, konnten die Naturschützer mit der nicht ganz einfachen Montage des Nestes zu Werke gehen.

Karlheinz Vogel, ehemaliger Fachlehrer an der Staatlichen Berufsschule, ein erfahrener Bergsteiger und Kletterer, zog gemeinsam mit BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt das Weidennest abschnittsweise bis hinauf auf die Krone des Kamins, wo es in luftiger Höhe mit einigen Steinen beschwert und befestigt wurde.

Reinhardt informierte, dass Weißstörche oft die Nähe des Menschen bei der Suche einer sicheren Behausung wahrnehmen und sagte: "Die Männchen geben sich viel Mühe beim Nestbau und klappern dann mit ihren langen, roten Schnäbeln, um damit Weibchen anzulocken. Die Wintermonate verbringen die Störche meist im Süden Europas oder in Afrika. Häufig kommen sie dann wieder in ihr altes Nest zurück - nicht unbedingt, weil Meister Adebar seinem Weibchen treu ist, sondern weil er von seinem schön gemachten Nest eventuell auch neue Weibchen umwerben kann.

Die Männchen haben das gleiche Gefieder, sind aber etwas größer als die Weibchen. Störche können ziemlich lange leben; 25 Jahre sind keine Seltenheit. Unsere Nesthilfe könnte sich durchaus für die Tiere als nützlich erweisen und vielleicht ein lohnenswertes Beobachtungsziel für alle Bürger werden."

Bleibt nur zu hoffen, dass im kommenden Frühjahr ein Storchenmännchen die neue Horstunterlage nach eigenem Geschmack vervollständigt und mit seinem Geklapper ein Weibchen zu einer trauten Zweisamkeit anlockt.

Anton Reinhardt

 

Mit einer spektakulären Kletteraktion hievten Fachlehrer Karlheinz Vogel (oben) und BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (darunter) ein aus Weiden geflochtenes Storchennest auf die Krone des 27 Meter hohen Fabrikschlots...