Wildkatze wieder fest im Landkreis beheimatet

22.3.2020

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) in Bayern als ausgerottet. Eine groß angelegte Untersuchung des BUND Naturschutz (BN) ergab nun, dass diese scheue Mäusejägerin in einige Regionen Nordbayerns wohl dauerhaft zurückgekehrt ist.

Die Wildkatze zählt zu den seltensten und scheuesten Bewohnern in Bayerns Wäldern. Eine zweifelsfreie Unterscheidung zwischen Wild- und Hauskatzen gelingt nur über eine Genanalyse. Um an das benötige Genmaterial zu gelangen, kam bei dieser nach 2014 zweiten „Wildkatzeninventur“ in Nordbayern erneut die sogenannte Lockstockmethode zum Einsatz. Bei dieser Methode werden sägeraue Holzlatten von BN-Ehrenamtlichen im Wald ausgebracht und mit Baldriantinktur besprüht. Kommen Wildkatzen im Waldgebiet vor, werden sie von dem für sie unwiderstehlichen Geruch angelockt, reiben sich am Stock und hinterlassen dabei Haare.

Im Landkreis Lichtenfels waren zwischen Februar und April 2019 etwa 16 freiwillige Helfer in den Wäldern des Landkreises unterwegs und kontrollierten regelmäßig die von ihnen ausgebrachten Lockstöcke. Dank ihres Einsatzes konnte die Wildkatze im Bucher, Neuensorger und Banzer Forst sowie am Abtenberg bei Unterbrunn wieder bestätigt werden. Neue Erstnachweise gelangen in den Eierbergen sowie im Jura bei Lahm und Serkendorf. Im östlichen Landkreis konnte trotz einer hohen Zahl an ausgebrachten Lockstöcken leider noch kein Nachweis erbracht werden.

Im Banzer Wald wurde die Wildkatze 2014 erstmalig festgestellt. Im Rahmen der Lockstockaktion von 2019 konnte dort ein Weibchen bestätigt werden, das bereits 2016 erfasst wurde. Durch die Genanalyse war es außerdem möglich, das Streifgebiet eines Katers nachzuvollziehen, der vom Neuensorger Forst bis in die Eierberge und wieder zurück in den Banzer Wald wanderte.

Da die Wildkatze im Landkreis zuerst im Banzer Wald sesshaft wurde, ließ der BN in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und Mitteln der Glückspirale dort einen familienfreundlichen Wildkatzenlehrpfad errichten.

Die BN-Kreisgruppe Lichtenfels bedankt sich an dieser Stelle bei allen ehrenamtlichen Helfern sowie den Förstern und Jägern vor Ort, die diese Aktion unterstützt haben.


Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald eröffnet

11.10.2019

Besucher des Banzer Waldes und des dortigen Klettergartens können sich über eine neue Attraktion freuen: In enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und der Schlosserei Thomas Limmer aus Burgkunstadt entstand auf Initiative des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Lichtenfels, der Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald. Er wurde überwiegend mit Mitteln der Glücksspirale finanziert. Darüber hinaus stellte die Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz kostenlos Baumaterialien zur Verfügung. Mitglieder der BN-Kreisgruppe Lichtenfels investierten bei der Errichtung des Pfades außerdem zahlreiche Arbeitsstunden auf ehrenamtlicher Basis.

Der kinderfreundliche Lehrpfad beginnt direkt auf dem Weg zwischen dem Kassenhäuschen des Kletterwaldes und der Waldschänke. Auf der etwa 1,2 km langen Strecke, die wieder zurück zum Ausgangspunkt führt, erfahren die Besucher an acht Stationen Wissenswertes über die Wildkatze und können sich mit interaktiven Aktionen dem Leben dieses faszinierenden Wildtieres nähern.

Auslöser für das Anlegen des Lehrpfades war unter anderem, dass die Wildkatze tatsächlich im Banzer Wald lebt und sich fortpflanzt. Mit Hilfe kleiner, aufgerauter Holzlatten, die im Boden eingeklopft und regelmäßig mit Baldrian eingesprüht wurden, war es möglich, der Wildkatze auf die Spur zu kommen. Derartig präparierte Lockstöcke haben eine stark anziehende Wirkung auf Katzen, die sich daran reiben und somit Haare hinterlassen. Diese werden genetisch untersucht und können sogar einem bestimmten Einzeltier zugeordnet werden. Auch eine Unterscheidung von Haus- und Wildkatze ist somit zweifelsfrei möglich.

Auf diese Weise gelang es, die sonst sehr scheue Wildkatze im Rahmen einer bayernweit durchgeführten Aktion im Jahr 2013 erstmals im Banzer Wald nachzuweisen. Auch in den Folgejahren bis 2019 konnte sie mit Hilfe von Wildkameras und weiteren Lockstockaktionen erneut bestätigt werden – sehr zur Freude der Kreisgruppe des BUND Naturschutz.


Auf der „Jagd“ nach Wildkatzen: mit Baldrian unterwegs in Oberfrankens Wäldern

18.1.2019

LICHTENFELS   Eine seltene und scheue Waldbewohnerin kehrt seit einigen Jahren nach Bayern zurück: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris).

In den Jahren 2013-2015 wurden schon einmal zahlreiche Wälder in Bayern im Rahmen eines groß angelegten Projektes des BUND Naturschutz (BN) auf die Anwesenheit von Wildkatzen hin untersucht. Mit großem Erfolg, denn in vielen Regionen sind erstmals seit etwa einem halben Jahrhundert wieder Wildkatzen nachgewiesen worden. 

Um die bekannten Vorkommen zu bestätigen und zum anderen in der Hoffnung, neue Verbreitungsgebiete zu finden, trafen sich am 18.1.19 im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie etliche freiwillige Helferinnen und Helfer aus den Landkreisen Coburg, Kulmbach, Bamberg und Lichtenfels. Und natürlich soll auch in diesem Jahr dabei wieder die sogenannte Lockstock-Methode zum Einsatz kommen. Diplombiologin Sabine Jantschke, die im Auftrag des Bund Naturschutz das Wildkatzenprojekt landesweit betreut und koordiniert, informierte über die Vorgehensweise bei der Spurensuche: „Lockstöcke sind mit einer Baldriantinktur eingesprühte Holzpflöcke, die vorher mit einer Stahlbürste aufgerauht und leicht abgeflammt wurden. Der starke Geruch lockt die Katzen an. Diese reiben sich gerne an den Hölzern oder auch manchmal an Baumstämmen in der unmittelbaren Nähe der Lockstöcke und hinterlassen mit etwas Glück auch entsprechende Haare ihres Katzenfells.

Die Standorte der Lockstöcke werden in den Untersuchungsgebieten im Wald nach einem speziellen Muster gesetzt,  genau dokumentiert und regelmäßig durch die ehrenamtlichen Lockstockbetreuer überprüft. Bei den einzelnen Kontrollen werden die Pfosten unter die Lupe genommen. Möglicherweise vorhandene Wildkatzenhaare sollen dann in den nächsten Wochen behutsam in kleinen Spezialtütchen mit der Pinzette gesammelt und zur wissenschaftlichen Auswertung gebracht werden.“  Dies geschehe anschließend im Labor für Wildtiergenetik am Senckenberg Institut in Gelnhausen. Durch die Genanalyse könne man die Anwesenheit von „echten“ Europäischen Wildkatzen nachweisen. Das ermöglicht beispielsweise die Unterscheidung zu (verwilderten) Hauskatzen, die ebenfalls hin und wieder die Stöcke besuchen. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren. 

Zum Hintergrund: Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze in Bayern und Baden-Württemberg als ausgestorben, nicht zuletzt, weil sie zuvor durch uns Menschen stark bejagt worden sei. Durch ein Wiederansiedlungsprojekt des BUND Naturschutz zwischen 1984 und 2009 konnte die Wildkatze in einigen Wäldern Nordbayerns wieder Fuß fassen. Dazu habe vermutlich auch eine natürliche Einwanderung aus dem Norden, vor allem wohl aus Thüringen und Hessen geführt. Mittlerweile komme die Wildkatze in Nordbayern mit hoher Wahrscheinlichkeit in allen geeigneten Wäldern wieder vor – wenn auch nur in geringer Dichte.

Für eine weitere Ausbreitung der Tiere sei es immens wichtig, dass wildkatzentaugliche Wälder untereinander mit grünen Korridoren aus schützenden Hecken, Bäumen und Sträuchern vernetzt werden. Nur so habe diese Wildtierart eine Chance, langfristig in Bayern zu überleben. Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen sei, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern. Die Wildkatzenmännchen, Kuder genannt, seien in den nächsten Wochen bereits auf „Brautschau“ unterwegs. Sie lieben Deckung bietende Strukturen, Sukzessionsflächen, Säume an Waldrändern, Waldwiesen, aber auch Felshöhlen. Sabine Jantschke meinte, dass solche Lebensräume deshalb auch gut geeignet für das Ausbringen der Lockstöcke seien.

Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt erinnerte in diesem Zusammenhang an die 13 Positivnachweise, die im Laufe des Jahres 2015 im Landkreis Lichtenfels erbracht werden konnten und ermunterte zu weiterer Spurensuche: „Leider haben wir keine flächendeckenden Naturlandschaften mehr. Umso wichtiger ist es, einen Biotopverbund der noch vorhandenen naturnahen Restflächen im Auge zu behalten, um zumindest eine Chance zum Überleben von Wildtieren und Wildpflanzen zu schaffen. Die Wildkatze ist eine solche „Zeigerart“, die uns mahnt, der Zerschneidung unserer Landschaft und dem zunehmenden Flächenfraß entgegenzuwirken. Sie kennen, schätzen und schützen zu lernen, kann sich lohnen. Wir werden uns deshalb wieder aktiv an diesem Projekt beteiligen.“ 

Damit dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen kann, bittet der  Bund Naturschutz deshalb auch die privaten Waldbesitzer um Duldung des einen oder anderen Lockstocks. Spaziergänger bitten wir, nicht die mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten zu berühren und auch Hunde fernzuhalten, da es sonst zu erheblichen Verfälschungen kommen könnte. Michael Ament, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands, der die meisten Jagdpächter vertritt, habe bereits signalisiert, dass er der Wildkatzen-Spurensuche des BUND positiv gegenüberstehe.

Nähere Einzelheiten zu dem Projekt können im Umweltbüro des BUND Naturschutz, Coburger Str. 16, Tel. 09571-2586 erfahren werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt


Der Film zum Projekt Wildkatzensprung des BUND

Wildkatzen- und Waldschutz hat eine lange Tradition beim BUND. Der BUND Naturschutz in Bayern begann bereits vor 25 Jahren damit, die im Freistaat damals ausgerottete Wildkatze wieder anzusiedeln. Heute setzt der Verband jedoch bundesweit auf die Wiedervernetzung der Wälder, um die biologische Vielfalt und die scheue Wildkatze nachhaltig zu schützen.

Jetzt anschauen: www.youtube.com/watch