BN schließt erfolgreiche Wildkatzenlockstock-Aktion im Landkreis Lichtenfels vorerst ab

Mit Lockstöcken, Baldrian-Sprühflaschen, Pinzetten, Lupen und einem Rasterplan ist der Bund Naturschutz im Rahmen des bundesweiten Projektes „Wildkatzensprung“ der Wildkatze auch in unserem Landkreis auf die Spur gekommen. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt freute sich bei der Abschlussveranstaltung im Umweltbüro mit den freiwilligen Helfern Fred Goller, Günter Lutz, Udo Rudel, Sabine Rübensaal, Werner Schnapp-Trösch, Bernd Flieger und Ute Hauptfleisch (von links).
Es fehlen Heike Hess, Christine Graßmann, Ulrike Veit, Michael Bäumler und Ulrich Völker.

Lichtenfels. Wildkatzen werden in unserem Landkreis langsam heimisch. Diesem bayernweit noch selten vorkommenden Wildtier kamen die Wildkatzenhelfer der Kreisgruppe des Bund Naturschutz weiter auf die Spur.

Vor zwei Jahren fand man nur drei eindeutige Nachweise, dass die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in unserer Region vorhanden ist. Beim jüngsten Treffen der Naturschützer freute man sich über 13 Positivnachweise, die im Laufe des vergangenen Jahres neu erbracht werden konnten. Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen ist, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei den Wildkatzenhelfern und meinte: "Ich freue mich, dass wir nachweisen konnten, dass sich der Ausbreitungskorridor von den Hassbergen, Thüringer Wald und Frankenwald bis hinein in unserem Landkreis vergrößert haben muss. Besonders erfreulich ist auch ein Fund südlich des Mains, der uns zuversichtlich stimmt, dass auf Grund unserer strukturreichen Landschaft diese scheuen Wildtiere existieren können."

Ausgehend von den bereits im vorletzten Jahr mit Wildkatzenhaaren entdeckten Lockstöcken in den Gemarkungen von Unterbrunn, Michelau und Obristfeld wurde im letzten Jahr unsere Aktion mit Lockstöcken im weiteren Umfeld fortgesetzt, aber auch bei den im Juragebiet erneut ausgebrachten Lockstöcken hatte man sich wieder auf Spurensuche begeben. Dabei wurden sorgfältig abgeflammte, grob aufgerauhte Holzlatten mit dem Katzenlockstoff Baldrian besprüht und wöchentlich einmal kontrolliert. Die Haarfunde mit möglicherweise vorhandenen Wildkatzenhaaren wurden in kleinen Spezialtütchen mit der Pinzette gesammelt und zur Auswertung an ein wissenschaftliches Institut gebracht. Dazu hatten sich wieder 12 Helfer bereit erklärt. Die aufwändige, teure DNA-Analyse der Katzenhaare lieferte nun wissenschaftlich gesicherte Nachweisdaten. Mit Hilfe eines Rasterplans sollen möglichst viele potentielle Wildkatzenreviere und Ausbreitungskorridore deutschlandweit erfasst werden. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren. Der Schwerpunkt des Projektes "Wildkatzensprung" mit möglicherweise weiteren Wildkatzenortungen wurde vom BUND in den nächsten zwei Jahren auf die südbayerischen Bezirke gelegt.

Nachdem dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen konnte, bedankt sich der Bund Naturschutz auch bei den privaten Waldbesitzern und Jägern für die Duldung des einen oder anderen Lockstocks.

Nähere Einzelheiten zum Projekt "Wildkatzensprung" können im Umweltbüro des Bund Naturschutz,Coburger Str. 33, Tel. 09571-2586 erfahren werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt

 

 

 

Wildkatzen-Lockstock-Monitoring im Landkreis Lichtenfels

Mit Lockstöcken, Baldrian-Sprühflaschen, Pinzetten, Lupen und einem Rasterplan will der Bund Naturschutz im Rahmen eines bundesweiten Projektes der Wildkatze auch in unserem Landkreis auf die Spur kommen. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt freute sich bei der Auftaktveranstaltung im Umweltbüro über die freiwilligen Helfer Udo Rudel, Michael Bäumler, Ulrich Völker, Günter Lutz, Bernd Flieger, Heike Hess, und Werner Schnapp-Trösch (von links).

Werden Wildkatzen in unserem Landkreis heimisch? Diesem selten gewordenen Wildtier weiter auf die Spur zu kommen, war das Ziel bei der Auftaktveranstaltung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Lichtenfels. Im letzten Jahr fand man nur drei eindeutige Nachweise, dass die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in unserer Region vorhanden ist. Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen ist, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: "Ich bin zuversichtlich, dass wir auf Grund unserer strukturreichen Landschaft diese scheuen Wildtiere mit etwas Glück orten können. Ausgehend von den letzten, mit Wildkatzenhaaren entdeckten Lockstöcken in den Gemarkungen von Unterbrunn, Michelau und Obristfeld wird nun unsere Aktion mit Lockstöcken im weiteren Umfeld fortgesetzt, aber auch bei den im Juragebiet erneut ausgebrachten Lockstöcken werden wir uns auf Spurensuche begeben." Die DNA-Analyse der Katzenhaare werde wissenschaftlich gesicherte Nachweisdaten liefern. Mit Hilfe eines Rasterplans sollen möglichst viele potentielle Wildkatzenreviere und Ausbreitungskorridore deutschlandweit erfasst werden." Bei den einzelnen Kontrollen werden die vorher mit Stahlbürste aufgerauhten und mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten in die Lupe genommen. Möglicherweise vorhandene Wildkatzenhaare sollen in den nächsten sechs Wochen in kleinen Spezialtütchen mit der Pinzette gesammelt und zur Auswertung gebracht werden. Dazu haben sich wieder 12 Helfer bereit erklärt. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren. Damit dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen kann, bittet der Bund Naturschutz deshalb auch die privaten Waldbesitzer um Duldung des einen oder anderen Lockstocks. Spaziergänger bitten wir, nicht die mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten zu berühren und auch Hunde fernzuhalten, da es sonst zu erheblichen Verfälschungen kommen könnte. Nähere Einzelheiten können im Umweltbüro des Bund Naturschutz, Coburger Str. 33, Tel. 09571-2586 erfahren werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Wildkatzenaktion startet im Landkreis Lichtenfels

Lichtenfels. Gibt es Wildkatzen in unserem Landkreis? Diesem selten gewordenen Wildtier auf die Spur zu kommen, war das Ziel bei der Auftaktveranstaltung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Bis jetzt sei kein eindeutiger Nachweis vorhanden, dass die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in unserer Region vorhanden ist.

 

Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen ist, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auf Grund unserer strukturreichen Landschaft diese scheuen Wildtiere mit etwas Glück orten können. Unsere Aktion mit 55 Lockstöcken, die wir in Abstimmung mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie den Vorständen des Bayerischen Jagd- und Jägervereins vorgenommen haben, soll durch die DNA-Analyse der Katzenhaare wissenschaftlich gesicherte Nachweisdaten liefern. Mit Hilfe eines Rasterplans sollen möglichst viele potentielle Wildkatzenreviere erfasst werden.“  Bei den einzelnen Kontrollen der Lockstöcke sollen in den nächsten sechs Wochen mögliche Haare der Wildkatze gesammelt und zur Auswertung gebracht werden. Dazu haben sich 12 Helfer bereit erklärt. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren.

Damit dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen kann, bittet der  Bund Naturschutz deshalb auch die privaten Waldbesitzer um Duldung des einen oder anderen Lockstocks. Spaziergänger bitten wir, nicht die mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten zu berühren und auch Hunde fernzuhalten, da es sonst zu erheblichen Verfälschungen kommen könnte.

Nähere Einzelheiten können im Umweltbüro des Bund Naturschutz, Coburger Str. 33, Tel. 09571-2586 erfragt werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Der neue Wildkatzenfilm - jetzt anschauen!!!

Wildkatzenfilme für Groß und Klein

Wildkatzen- und Waldschutz hat eine lange Tradition beim BUND. Der BUND Naturschutz in Bayern begann bereits vor 25 Jahren damit, die im Freistaat damals ausgerottete Wildkatze wieder anzusiedeln. Heute setzt der Verband jedoch bundesweit auf die Wiedervernetzung der Wälder, um die biologische Vielfalt und die scheue Wildkatze nachhaltig zu schützen.

zum Film

Der Film zum Projekt Wildkatzensprung des BUND

Weitere Wildkatzenfilme auf der BUND Seite

hier   


Amphibienschutz 2014



100 Jahre BUND Naturschutz 100 Jahre angewandter Optimismus

Als am 26. Juni 1913 der BUND Naturschutz gegründet wurde, um die Arbeit des Naturschutzes „auf eine breitere Grundlage“ zu stellen, hatte er bereits seinen ersten Erfolg zum Schutz der Natur so gut wie erreicht: Denn man hatte seine „Königliche Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern“ überreden können, das „Protektorat“, heute würde man sagen die Schirmherrschaft zu übernehmen. Und damit war das erste BN-Projekt bereits auf gutem Wege: der Schutz der beeindruckenden Falkensteiner Wand am Königssee bei Berchtesgaden. Damals sollte analog zu den Präsidentenköpfen am Mount Rushmore in den USA ein gigantischer assyrischer Löwe in die Wand gemeißelt werden. Unsere Naturschutzahnen wandten sich zum Schutz der Alpenwelt dagegen – und waren erfolgreich. Das Gebiet wurde 1921 als „Naturschutzgebiet Königssee“ unter Schutz gestellt. In den 1970er-Jahren entstand hier der Nationalpark Berchtesgaden.

 

Der erste Vorsitzende des BN, Universitätsprofessor Carl von Tubeuf, formulierte etwa 1913 (!) die Intentionen so: „Viele Verantwortliche halten die Natur noch immer für einen miserablen Verhau, so dass wir uns als Gegenbewegung, als Opposition zur Begradigung, Bereinigung und Entwässerung verstehen müssen. Viele Techniker sehen in der Erschließung noch immer die Ordnung und nicht den Kahlschlag, weil ihre Seelen so monoton geworden sind wie die Kartoffelschläge und so einfältig wie die neuen Autostraßen.“

Bereits in der Aufbauphase zwischen 1913 und 1924 gelang es dem BN, eine bayernweite Organisation zu schaffen. Entgegen dem Zeitgeist hatte er sich ganzheitliche ökologische Ziele gesetzt. Doch wegen der Verflechtung mit staatlichen Behörden war der Verband politisch eingebunden. Mit der Machtübernahme Nationalsozialisten hielt auch noch das Führerprinzip Einzug. Der Verband war nun in den "Reichsbund Volkstum und Heimat" eingegliedert.

 

Nach Kriegsende erhielt der BUND Naturschutz eine demokratische Satzung, doch in der Wirtschaftswunderzeit war es schwer, den Positionen des Naturschutzes Gehör zu verschaffen. Allzu oft vertraute man auch weiterhin darauf, dass der Naturschutz beim Staat ohnehin in besten Händen sei. Trotzdem konnte der BUND Naturschutz in den ersten 50 Jahren seines Bestehens bedeutende Naturschätze retten: Etwa den Donaudurchbruch bei Weltenburg, der sonst einem Wasserkraftwerk zum Opfer gefallen wäre. Oder die Litzauer Lechschleifen und das Murnauer Moos.

 

Heute versteht sich der BUND Naturschutz als unabhängiger, spontaner und kreativer „Anwalt der Natur“, als Verfechter einer nachhaltig umweltgerechten Entwicklung. Flächendeckend organisiert kann der BN die Politik bis in die Gemeinderäte hinein kritisch begleiten, denn auch globale Umweltprobleme lassen sich oft nur lokal lösen. „Global denken – lokal handeln“ ist zu einem Leitgedanken der BN-Arbeit geworden.

Seine Ziele vertritt der BN mit seinen Kreis- und Ortsgruppen und rund 195.000 Mitgliedern und Förderern zu Recht sehr selbstbewusst, auf dem Boden des Artikels 141 der Bayerischen Verfassung stehend und mit hoher Glaubwürdigkeit, weil er sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Selbst bei Naturschutz-Förderprojekten bringt der BN einen erheblichen Eigenanteil ein.

 

Man kann davon ausgehen, dass praktisch um jedes Kleinod, jedes besonders schöne Natureckchen, jede herausragende Landschaft in Bayern in den ver-gangenen hundert Jahren mindestens einmal gekämpft werden musste. So wurde ein Tourismusmagnet wie der Donaudurchbruch bei Kelheim vor einer Staustufe gerettet und große Wälder wie der Nürnberger Reichswald oder der Bayerische Wald über Jahrzehnte hin verteidigt.

Ob „Energiewende“, „Ökologisch Bauen“, „Verkehrswende“, „Gentechnik-freiheit“, „Biber“ oder „Nationalpark Steigerwald“: kaum ein Thema, bei dem der BN nicht aktiv war und ist. Meist gemeinsam mit befreundeten Verbänden und Bürgerinitiativen, ohne die es oft nicht zum Erfolg gereicht hätte.

Der BN will teamfähig sein und bleiben und sagt Danke an alle, die uns aktiv oder passiv unterstützen.

 

Festveranstaltung in Lichtenfels am 29.11.2013 im Mykoniushaus… Näheres folgt.


 

 

 

 

 

Exkursionsleiter Anton Köcheler zeigt eine sehr harte Silexklinge, die wohl mit einem Lederband in einem eingeschnittenen Holzheft befestigt war und den Jungsteinzeitmenschen als Messer gedient haben mag.

Püchitz. Die Geschichte der ersten Bauern im Obermaingebiet ließ Oberstudienrat Anton Köcheler im Rahmen einer Exkursion des Bund Naturschutz wieder lebendig werden. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt freute sich über 30 Geschichtsinteressierte, die sich auf dem Kamm des sanft abfallenden Nordosthangs zwischen Püchitz und Stadel auf die Suche nach Spuren der jungsteinzeitlichen Siedler begaben.

Vor 7500 Jahren muss sich in der Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen in Mitteleuropa ein tiefgreifender Wandel vom Jäger und Sammler zum selbst produzierenden Bauern vollzogen haben. Exkursionsleiter Anton Köcheler beschrieb diese sogenannte neolithische Revolution: „ Getreideanbau und Viehhaltung schufen neue Organisationsformen der menschlichen Gesellschaft. Sesshaftigkeit, Steigerung der Nahrungsressourcen und Besitz machten einen massiven Hausbau, die Herstellung von Gebrauchsgegenständen aus Keramik, Stein und Holz und eine Vorratsbewirtschaftung notwendig.“ Vermutlich kam die damals neue Lebens- und Wirtschaftsweise über die Einwanderung fremder Menschengruppen aus Kleinasien, dem „fruchtbaren Halbmond“, über Südosteuropa, aber auch über Zypern und Nordafrika und Italien zu uns. In der heutigen Türkei seien nämlich schon 9000 vor Chr. erste Züchtungen von Kulturpflanzen, wie Emmer, Einkorn oder Gerste und die Domestizierung von Schaf und Ziege sowie 1000 Jahre später auch von Rind und Schwein gelungen. Im 7. Jahrtausend vor Chr. gab es dort bereits erste Städte, wie z. B. Catal Hüycek. Etwa 5500 vor Chr. müssten die ersten einwandernden Bauern auf unsere mesolithischen Jäger am Obermain getroffen sein und diese quasi als „Entwicklungshelfer“ von den Vorzügen von Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung überzeugt haben. Köcheler hob die Überlegenheit der neuen Kultur besonders hervor: „ Die Neolithiker hatten bereits gute Kenntnisse über die Wahl eines geeigneten Siedlungsplatzes und spürten gute Böden auf, so wie hier den sogenannten Melm, eine sandig-lehmige Überdeckung; lebensnotwendiges Trinkwasser für Mensch und Tier gab es am Stadelbach“ Das Siedlungsareal zwischen Püchitz und Stadel umfasste etwa 10 bis 15 Hektar, für damalige Verhältnisse schon ein kleines Mittelzentrum.  Kleinfamilien von 5 bis 7 Personen teilten sich ein sogenanntes Wohnspeicherhaus von 25 bis 40 Meter Länge und 5 bis 8 Meter Breite, welches in stabiler Pfostenbauweise errichtet wurde. Die Wände wurden mit Flechtwerk und Lehmverputz hergestellt, das Dach hatte man mit Schilf, Rinde oder ähnlichen Materialien gedeckt. Das Haus war in drei Funktionsbereiche gegliedert: im Nordwesten befand sich der gut befestigte Schlafbereich, im Mittelteil war der Wohn-, Koch- und Arbeitsbereich und im Südosten der Speicher untergebracht. Die Gebrauchsgegenstände der Neolithiker lassen sich hier nur an Hand einzelner Funde und Buchstücke annähernd rekonstruieren. Die umlaufenden Ritzmuster auf den Tongefäßen in Form von einfachen geschwungenen Linien, Spiral- und Wellenbändern, später auch mit Randverzierungen, gaben den Bandkeramikern ihren Namen. Das Keramikgeschirr wurde im offenen Feldbrand bei nur 600 bis 800 Grad gebrannt, war also etwas weicher als unsere heutigen Keramik-Haushaltswaren. Aus den Fundstücken bei Püchitz lassen sich z.B. sogenannte Kümpfe, kürbisähnliche Gefäße oder Kochtöpfe in mühevoller Kleinarbeit ganz oder teilweise wieder zusammensetzen.

Aus dem graugrünen Felsgestein des Amphibolits, der aus dem Frankenwald stammen könnte, fertigten die steinzeitlichen Vorfahren kunstvoll und funktional behauene Steinbeilklingen, von denen Anton Köcheler einige Originale, die er hier fand, zeigte. Er hob hervor: „Die flache Unterseite, die gewölbte Oberseite und der bogenförmige Schliff an der Schneide der Steinbeile zeugen von einer hervorragenden Fachkenntnis der Neolithiker“.  Die Besucher konnten etliche Originalfundstücke, wie etwa Mahl- und Schleifsteine aus Sandstein, Klingen, Kratzer, Bohrer und Pfeilspitzen aus Silex (Flintstein) oder Bandkeramikscherben in die Hand nehmen. Köcheler erklärte zahlreiche Zeichnungen von anderen Fundgegenständen, wie zum Beispiel Figürchen aus Ton oder Darstellungen auf Keramikgefäßen. Sie könnten Hinweise auf Fruchtbarkeitskulte und Verehrung von Erdgottheiten sein. Die Skelette der zwei bei Stadel bestatteten Jungsteinzeitmenschen zeigten die typische Ost-West-Ausrichtung in Hockerstellung mit Blick nach Süden. Anhand der Grabbeigaben in Form von Schmuck und Waffen habe man festgestellt, dass es sich um wohlhabende Sippenmitglieder gehandelt haben müsse.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedauerte, dass durch den Bau der ICE-Trasse mitten durch dieses große neolithische Bodendenkmal ein Stück Heimatgeschichte zerschnitten wurde, das mit den technischen Mitteln moderner Archäologie weitaus vielfältiger zu erforschen gewesen wäre. Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative „Das bessere Bahnkonzept“ erklärte anhand von Zeichnungen den Trassenverlauf, zeigte Risiken auf und wies auf kostensparende und landschaftsschonende Alternativen hin. Reinhardt meinte: „Laut Gutachten des Bundesumweltamtes, welches leider wie so manches andere wieder nicht entsprechend gewürdigt wurde, ist sogar jetzt noch ein Abbruch der Bauarbeiten und eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke sinnvoller, als der Weiterbau.“

Nachdem sich BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bei Oberstudienrat Anton Köcheler für die facettenreiche, interessante Führung bedankt hatte, traf man sich noch zu einem gemütlichen Beisammensein in einer Altenbanzer Gaststätte.

 

Ein Exkursionsteilnehmer hält eine Auswahl von Kratzern, Klingen, Flachbohrern und Pfeilspitzen aus Feuerstein zur Begutachtung in seinen Händen – alles Fundstücke aus dem Areal der jungsteinzeitlichen Siedlung zwischen Püchitz und Stadel.
Anton Köcheler erklärte auch technische Besonderheiten: „Die flache Unterseite, die gewölbte Oberseite und der bogenförmige Schliff an der Schneide des Steinbeils zeugen von einer hervorragenden Fachkenntnis der Neolithiker bei der Herstellung von Werkzeugen.