Wasserwanderung nach Klosterlangheim

Christian Lotz (hinten rechts) erklärte anlässlich der Erkundungswanderung zum Wassereinzugsgebiet alle Fragen zur Bedeutung des Trinkwassers. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (links), Klassenleiter Helmut Scholz (2.von links), Klassenleiterin Larissa von Glasenapp (3.von links) und BN-Ortsgruppenvorsitzender Günter Lutz (4.von links) freuten sich über das rege Interesse der Schulkinder.

Lichtenfels. Wasser - woher kommst du? Anlässlich eines Wandertages machte sich der Bund Naturschutz mit zwei Schulklassen der Grundschule an der Kronacher Straße auf Spurensuche und erkundete mit Christian Lotz von den Stadtwerken das Wasserschutzgebiet, das Pumpwerk mit Quellenfassung und den Hochbehälter für das Lichtenfelser Trinkwasser im Klosterlangheimer Forst.

Auf dem Weg von der "Eisernen Hand" ins Leuchsental erklärte der Rohrnetzmeister die wasserführenden Tonschichten, wo sich das Regenwasser in kleinen Tümpeln sammelt, in deren Umfeld sich kleine Frösche, Molche und Blindschleichen wohlfühlen. Entlang kleiner Rinnsale fand man das Binsenkraut, welches wegen seiner wasserreinigenden Wirkung in Pflanzenkläranlagen eingesetzt werde. Der Wasserfachmann hob die ökologische Bedeutung des Laubmischwaldes besonders hervor:

" Eine große Buche bringt von den Wurzeln zu den Blättern an einem Tag 60 Liter Wasser zur Verdunstung, schafft dadurch ein angenehmes Klima, speichert außerdem schädliches Kohlendioxid, gibt lebenswichtigen Sauerstoff ab und spendet im Sommer angenehmen Schatten."

Bezugnehmend auf blaue Hinweisschilder am Forststraßenrand, ermunterte Christian Lotz die Schüler zum Nachdenken, so etwa weise das "HP" auf den höchsten Punkt der im Boden liegenden Wasserleitung hin und diene deshalb zum Entlüften, während das "S" auf einen Schieber am tiefsten Punkt hindeute, also der nächsten Absperrmöglichkeit, die z. B. zur Reinigung der Wasserleitung benötigt werde. Das blaue Schild mit den Wasserwellen weise auf die Schutzzone II hin. Von deren Rand solle die Fließzeit zum Trinkwasserbrunnen mindestens 50 Tage betragen, um ausreichend Schutz vor bakterieller Verunreinigung zu haben. Am Hochbehälter angekommen, vertiefte Christian Lotz das Grundwissen der Kinder über den natürlichen Wasserkreislauf vom Niederschlagswasser auf dem Fränkischen Jura, das bei der weiter unten liegenden Quelle in der eingezäunten, engeren Schutzzone I nach der Filterung durch die Bodenschichten an der wasserundurchlässigen Opalinustonschicht austritt und über Rohrleitungen nach oben in den Hochbehälter gepumpt werde. Das geschehe hauptsächlich in den Nachtstunden, weil dann der Wasserbedarf geringer sei und der kostengünstige Nachtstrom als Energiequelle diene. Die Quelle in Klosterlangheim habe eine Schüttung im Sommer von etwa 120 Kubikmeter am Tag. Das reiche auf jeden Fall für das Dorf aus.

Rund um die Uhr stehen mindestens zwei Fachleute bereit, um mögliche Störungen bei der Trinkwasserversorgung sofort beheben zu können. Die Schulkinder staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass von dem riesigen Wasservorrat unserer Erde nur 0,3 Prozent für die Trinkwasserversorgung geeignet sei.

Christian Lotz sagte: "Wasser wird eigentlich im engeren Sinne nicht verbraucht, wir nutzen es und geben es dem natürlichen Kreislauf zurück."

Die Schüler erfuhren aber auch, dass sauberes, frisches Trinkwasser nicht selbstverständlich sei. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: "Damit das Lebenselixier Nummer 1, ohne das kein Mensch, kein Tier und keine Pflanze existieren kann, mit gleichbleibender Qualität aus der Leitung kommt, muss es regelmäßig genau untersucht werden.Das Trinkwasser in unserer Region ist qualitativ hochwertiger als so manches Mineralwasser, das für teures Geld im Getränkemarkt gekauft wird. Außerdem kann man es einfach aus der Leitung trinken und man braucht keine Verpackungen.Der Bund Naturschutz setzt sich deshalb seit Jahren dafür ein, dass es keine Privatisierung der Wasserversorgung gibt, denn das birgt langfristig die Gefahr von Preiserhöhungen und Qualitätsminderungen."

Zum Schluss gab es eine kleine Brotzeit, bei der die Klassen 3a und 3b mit ihren Lehrkräften Helmut Scholz, Larissa von Glasenapp und Corina Luthardt das frische, köstlich schmeckende Quellwasser probieren durften. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt und die Lehrkräfte bedankten sich bei Christian Lotz, der bereitwillig und sehr engagiert alle Fragen rund ums Trinkwasser beantwortete. Mit einem Quiz und kleinen Preisen soll das Thema in den nächsten Wochen im Heimat- und Sachkundeunterricht wiederholt und vertieft werden. 

Anton Reinhardt

 

 

 

Ebensfeld-Messenfeld. Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz lehnt jede nicht artgerechte Massentierhaltung entschieden ab. Dass der beantragte Hähnchenmaststall für knapp 40.000 Tiere im Ebensfelder Ortsteil Messenfeld bisher noch nicht errichtet ist, stieß bei den Anwesenden der letzten Kreisvorstandssitzung auf Erleichterung.

Mit bäuerlicher Landwirtschaft habe eine derartige Massentierhaltung nichts mehr zu tun. Viele Menschen stehen dem kritisch gegenüber. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: „Die überwältigende Mehrheit der Verbraucher wünscht sich einen artgerechten Umgang mit Tieren. Wenn wir Kindern erklären, wo Fleisch, Eier und Milch herkommen, bemühen wir meistens weiterhin die Bilder von Kühen, die auf der Weide grasen, von Schweinen, die sich im Schlamm suhlen, und von Hühnern, die auf dem Misthaufen scharren. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe sind aber heutzutage kapitalintensive Tierfabriken, die in einem zunehmend globalen Wettbewerb stehen.“ Nach den Informationen von Ludwig Wendler, dem BN-Ortsgruppenvorsitzenden von Ebensfeld, gebe die derzeit geltende Rechtslage aber nur noch wenige Möglichkeiten, die Genehmigung der Großmastanlage zu verweigern. Der BN entschloss sich deshalb, sofort Einwendungen an die Genehmigungsbehörde, das Landratsamt Lichtenfels, einzureichen. Dabei bezog man sich auf einen faktischen Genehmigungsstopp für Massentierhaltungsanlagen im Landkreis Emsland. Ludwig Wendler selbst zeigt, dass es auch anders gehen kann, er hält zehn Legehennen, die genügend Auslauf in seinem Anwesen haben, und  ergänzt: „ Natürlich können nur wenige so wie ich hier in einer ländlichen Gegend selbst Nutztiere halten. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher haben nur die Möglichkeit, durch ihr Konsumverhalten zu zeigen, dass sie keine Tiere aus  Massentierhaltungen möchten.“

Einer Marktanalyse des Geflügelmarktexperten Professor Hans Wilhelm Windhorst von der Universität Vechta zufolge gebe es bald ruinöse Überkapazitäten bei den Hähnchen-Großmästern. Dadurch werde es beispielsweise in Niedersachsen, wo es noch wesentlich mehr und  noch größere Mastbetriebe als in Oberfranken gebe,  in absehbarer Zeit zu  Zusammenbrüchen ganzer Produktionsketten kommen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ergänzte die Ausführungen Windhorsts mit bedenklichen Hinweisen auf die „Qualzucht und Qualhaltung der Tiere“, auf die totale Abhängigkeit der Vertragsmäster von den Schlachtkonzernen, auf die Geruchs-, Ammoniak- und Keimbelastung von Anwohnern und auf die Bedrohung einer  bäuerlichen Tierhaltung durch diese agrarindustriellen Mastanlagen. Daraus folgerte Gabriele Richter, dass auch die Wirtschaftlichkeit von Mastanlagen wie in Messenfeld geplant, auf Dauer in Frage gestellt sein dürfte.

Günter Lutz, BN-Ortsgruppenvorsitzender von Lichtenfels, forderte ein sofortiges Umdenken in unserem Verhalten gegenüber den Nutztieren: „Um wieviel lebenswerter ist eine Welt, die Geschöpfe nicht allein auf ihren ökonomischen Wert reduziert. Schon Franz von Assisi bezeichnete die Barmherzigkeit gegenüber den Tieren auch als ein Zeichen wahrer Menschlichkeit.“

Manuela Rohde wies in diesem Zusammenhang auf das internationale Treffen der Landwirtschaftsminister und Agrarkonzerne in Berlin hin: „Im Rahmen der Grünen Woche wollen Monsanto, Müller-Milch, BASF und Co. die Industrialisierung der Landwirtschaft mit Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten weiter vorantreiben. Hier müssen alle, die es ernst mit der artgerechten Tierhaltung meinen, protestieren!“

Der BN lädt deshalb alle Tierschützerinnen und –schützer insbesondere aus Messenfeld dazu ein, am Samstag, den 22. Januar 2011, an einer Demonstration unter dem Motto „Wir haben Tierfabriken satt!“ in Berlin teilzunehmen. Die Veranstaltung beginnt um 12.00 Uhr am Hauptbahnhof.

Fräulein Brehm lässt die Wölfe heulen

Lichtenfels. Das hat es in der Herzog-Otto-Mittelschule wohl noch nie gegeben: Canis lupus, der Wolf, lässt erst ein leises Knurren hören, dann heult er so durchdringend, wie man es allenfalls aus Transsilvanien gewohnt ist. Doch die Frau, die letzte Woche das Heulen eines Lausitzer Wolfs vor den über 60 Fünftklässlern abspielt, denkt gar nicht ans Gruseln.

„Wenn Ihr einen Wolf draußen in der Natur hört“, sagt Barbara Geiger, „dann denkt daran, Wölfe heulen, um über weite Distanzen zu kommunizieren. Das hat eine ähnliche Funktion wie unser Jodeln in den Bergen. Er tauscht sich nur mit seinen Tierkollegen aus, um nachzufragen, wo sich die anderen Wölfe befinden“. Von wegen Gefahr ... Über das Gesicht der Schauspielerin und Regisseurin huscht ein Lächeln. Wild lebende Kreaturen faszinieren sie. Deshalb verbindet die Künstlerin Barbara Geiger Wissenschaft und Theater: „Fräulein Brehms Tierleben“ hat die Berlinerin ihr Projekt genannt. Es soll dem jungen Publikum Wolf, Bär und Luchs näherbringen.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ließ im Vorfeld der Veranstaltung wissen, dass es dem Bund Naturschutz ein besonderes Anliegen sei, die sogenannten „Problemtiere“ gerade jungen Leuten näher zu bringen.

Die 46-jährige tourt als „Fräulein Brehm“ schon seit 2008 im Auftrag des BUND Naturschutz durch Schulen, naturwissenschaftliche Museen und Theater; sie führt dort ihre selbst geschriebenen und inszenierten Stücke auf, in denen sie sich dem Wolf, dem Bären, der Wildkatze oder dem Luchs zusammen mit ihrem Publikum nähert –

durch spannende Erzählungen, Fotos und Requisiten, wie etwa Wolfszähne, Schädel- und Kieferknochen aber auch mit Wolfslosungen im Einmachglas, die sie überraschend präsentiert. Sie bot eine Art Bühnenabenteuer, das spielerisch, keinesfalls reißerisch, jedoch wissenschaftlich fundiert war. Dank ihrer Zusammenarbeit mit Wolfsforschern und der Teilnahme an Expeditionen hat sie einen reichen Erfahrungsschatz und kann viele Vorurteile gegenüber dem Wolf aufräumen. „Meine Arbeit steht voll und ganz in der Tradition von Alfred Brehm“, sagt Barbara Geiger. Der habe in seinem Werk „Brehms Tierleben“ gleichfalls Poesie und Beschreibungslust mit der Genauigkeit desNaturforschers verbunden und seinen Lesern so die Tiere nahegebracht. Der Titel des Theaterprojektes war also flott gefunden: „Fräulein Brehms Tierleben.“

Vor allem in Süddeutschland führte Fräulein Brehm bislang ihr „science theatre“ auf, wie sie es auch nennt.  

Wie weit wandern manche Wölfe, die im Rudel in der Lausitz leben, wenn sie mal Fernweh bekommen? „Einer marschierte 1500 Kilometer kreuz und quer bis zur litauischen Hauptstadt Vilnius, weiß Geiger. Sie projiziert Fotos von Wolfsspuren auf die

Leinwand, holt einen Wolfsschädel aus der Tasche, bezieht gleich mehrere Schüler mit ein, indem sie einem flüchtendem „Reh“ in Wolfsmanier folgt und dem erjagten „Reh“ gleich an die Gurgel geht. Gespannt lauschen die Schülerinnen und Schüler der Herzog-Otto-Schule, als sie die Lovestory des Wolfspärchens Karl und Lotte erzählt, das in Brandenburg schon viele Welpen großgezogen hat. Das hat sie bei ihren Besuchen von den Wolfs-Forschern erfahren, die mit versteckten Kameras, Infrarotgeräten und Peilsendern den Tieren über lange Zeit auf der Spur waren. Weshalb sie sich so sehr für die Tierwelt begeistert? Das sei so, seit sie 2007 Brehms zehnbändiges Werk entdeckt habe, verrät Geiger. Damals las sie zuallererst einen Absatz über das „nickende Glockentierchen“, eine Amöbe, und dachte: „Wer so leidenschaftlich einen derartigen Winzling beschreiben kann, muss ein besonderer Mensch sein.“ Danach hat sie für ihr Projekt eine Stiftung gegründet und sich schon jede Menge “tierischer Pläne“ ausgedacht: Nach dem vierbeinigen Isegrim soll es erst mal unter die Erde gehen, zu Ameise und Regenwurm. „Genau wie Alfred schaut sich das Fräulein natürlich überall um“, gibt sie verschmitzt den Zuhörern bekannt, die begeistert applaudierten.

Sabine Rübensaal, die Leiterin des BN-Umweltbüros, dankte der Referentin und stellte weitere derartige Aktionen in Aussicht: „Hoffentlich kommen die Lichtenfelser auch im nächsten Jahr wieder in den Genuss, neueste Informationen von Wolf, Luchs, Bär und Wildkatze auf solch unterhaltsame und lehrreiche Art und Weise zu erfahren. Nähere Infos unter www.brehms-tierleben.com und im BN-Umweltbüro Lichtenfels in der Coburger Str. 33.

Fräulein Brehm weckte im Rahmen einer Aktion der Kreisgruppe des BUND Naturschutz das lebhafte Interesse von 6o Schülern der Herzog-Otto-Schule für den Wolf. Im Rahmen eines Rollenspiels thematisierte sie auch das Beute-Greifer-Verhalten des Wolfes.

BN Kreisgruppe Lichtenfels hält Jahresmitgliederversammlung 2010 in Ebensfeld ab

Ebensfeld. Beim jüngsten Treffen des Kreisvorstands des Bund Naturschutz wurde einhellig bedauert, dass in Messenfeld eine Hähnchenmastanlage für knapp 40.000 Tiere gebaut werden darf. „Leider gibt die bestehende Rechtslage kaum eine erfolgversprechende Handhabe dafür her, diese Massentierhaltung zu verhindern!“, stellte Kreisvorsitzender Anton Reinhardt fest.

Es sei jedoch aus Sicht des Bund Naturschutz alles andere als artgerechte Tierhaltung, wenn 39.500  Küken etwa 32 Tage lang in einer Halle gemästet werden.  Danach werde ein Drittel davon durch eine sogenannte Fängergruppe eingefangen, in Kisten verpackt und mit LKWs zum Schlachten gefahren oder umgestallt. Die restlichen zwei Drittel bleiben noch etwa 13 Tage zur sogenannten Schwermast im Stall und werden erst danach geschlachtet – eine Tatsache, die bei dem Informationstermin der Marktgemeinde Ebensfeld für die Betroffenen nicht erwähnt wurde, sondern erst aus dem Genehmigungsbescheid hervorgeht. Der BN wies darauf hin, dass die hohe Besatzdichte der Hähnchen zur Vermehrung und Verbreitung von Krankheitskeimen führe und die schnelle Gewichtszunahme zu Beinschwäche, Lahmheiten und Fußballenerkrankungen. Elisabeth Kraus ließ wissen, dass die Antibiotikaverabreichungen bei konventioneller Hähnchenmast in den letzten zehn Jahren um 36 Prozent angestiegen seien, und meinte: „Masthähnchen bekommen rund zwei Drittel ihrer Lebenszeit Antibiotika, obwohl seit 2006 die Mäster diese Mittel nicht als Wachstumsförderer verfüttern dürfen.“ Bedenklich sei auch, dass etwa 80 Prozent des Futters von der Firma Wiesenhof angeliefert  und nur 20 Prozent durch den Landwirt vor Ort erzeugt werden – diese negative Begleiterscheinung werde in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Die Kreisvorstandsmitglieder fragten kritisch, wozu Informationsgespräche gut seien, wenn nicht alle Fakten dabei auf den Tisch gelegt werden. „Wer kontrolliert dauerhaft, wann und wie oft die Auflagen, die nach Inbetriebnahme der Mastanlage eingehalten werden müssen?“, fragte Anton Reinhardt nach.

Dass von derartigen Großprojekten nicht nur die unmittelbaren Anlieger betroffen sind, sehe man auch daran, dass der anfallende Mist unter anderem auch auf Lagerstätten bei Ebensfeld und Rattelsdorf zwischengelagert werde. Allein für das Ausbringen des Mistes seien etwa 60 Hektar Ackerfläche erforderlich. Nicht nur die Flächen des Betreibers des Maststalles, sondern auch die anderer Landwirte im Bereich Rattelsdorf bis Unnersdorf würden dazu benutzt.

Elfriede Fischer meinte: „Man darf diese geplante Großmastanlage in Messenfeld nicht für sich isoliert betrachten, sondern als Teil der Produktionskette einer industriellen Landwirtschaft, die politisch gewollt und insgesamt hoch subventioniert wird.“ Insgesamt seien die billig produzierten Lebensmittel für die Gesamtgesellschaft viel teuerer, als die niedrigen Preise im Supermarkt vermuten lassen. Allein der BSE-Skandal habe nach Angaben der EU-Kommission 20 Milliarden Euro gekostet. Gabriele Richter forderte strengere Vorschriften: „Das beschlossene EU-weite Verbot der Käfighaltung von Legehennen ab dem Jahr 2012 sollte ein Vorbild dafür sein, auch im Bereich der Hähnchenmast eine gesetzliche Regelung einzuführen, die mehr Tierschutz beinhaltet.“ Stellvertretender BN-Kreisvorsitzender Günter Lutz wies auf eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung solcher Industrie-Mastanlagen hin: „Wenn die Kosten für die Umweltbelastungen, den zunehmenden Trinkwasserverbrauch und die Energieverschwendung durch die vielen Transportwege aufsummiert werden, dann wird schnell klar, dass diese Art der Landwirtschaft nicht zukunftsfähig sein kann.“

Elfriede Fischer ermunterte deshalb die Verbraucher, öfters nachzufragen: “Woher kommt mein Essen? Wie hat das Huhn gelebt, für das der Mäster nur 15 Cent bekommt, das vom Küken bis zur Schlachtung Hunderte von Kilometern herumtransportiert wurde und das die Kundin danach für ganze 2,95 Euro im Tiefkühlregal einer Supermarktkette kauft?“

BN-Kreisvorsitzender fasste zusammen: „Bei ganzheitlicher Bilanz kann man erkennen, dass Massentierhaltungen nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen sind und deshalb gesetzliche Regelungen verschärft werden müssen. Zum Wohle von Mensch und Tier dürfen Mastbetriebe in derartigen Dimensionen nicht mehr erlaubt werden!“

Exkursionsleiter Anton Köcheler zeigt eine sehr harte Silexklinge, die wohl mit einem Lederband in einem eingeschnittenen Holzheft befestigt war und den Jungsteinzeitmenschen als Messer gedient haben mag.

Püchitz. Die Geschichte der ersten Bauern im Obermaingebiet ließ Oberstudienrat Anton Köcheler im Rahmen einer Exkursion des Bund Naturschutz wieder lebendig werden. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt freute sich über 30 Geschichtsinteressierte, die sich auf dem Kamm des sanft abfallenden Nordosthangs zwischen Püchitz und Stadel auf die Suche nach Spuren der jungsteinzeitlichen Siedler begaben.

Vor 7500 Jahren muss sich in der Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen in Mitteleuropa ein tiefgreifender Wandel vom Jäger und Sammler zum selbst produzierenden Bauern vollzogen haben. Exkursionsleiter Anton Köcheler beschrieb diese sogenannte neolithische Revolution: „ Getreideanbau und Viehhaltung schufen neue Organisationsformen der menschlichen Gesellschaft. Sesshaftigkeit, Steigerung der Nahrungsressourcen und Besitz machten einen massiven Hausbau, die Herstellung von Gebrauchsgegenständen aus Keramik, Stein und Holz und eine Vorratsbewirtschaftung notwendig.“ Vermutlich kam die damals neue Lebens- und Wirtschaftsweise über die Einwanderung fremder Menschengruppen aus Kleinasien, dem „fruchtbaren Halbmond“, über Südosteuropa, aber auch über Zypern und Nordafrika und Italien zu uns. In der heutigen Türkei seien nämlich schon 9000 vor Chr. erste Züchtungen von Kulturpflanzen, wie Emmer, Einkorn oder Gerste und die Domestizierung von Schaf und Ziege sowie 1000 Jahre später auch von Rind und Schwein gelungen. Im 7. Jahrtausend vor Chr. gab es dort bereits erste Städte, wie z. B. Catal Hüycek. Etwa 5500 vor Chr. müssten die ersten einwandernden Bauern auf unsere mesolithischen Jäger am Obermain getroffen sein und diese quasi als „Entwicklungshelfer“ von den Vorzügen von Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung überzeugt haben. Köcheler hob die Überlegenheit der neuen Kultur besonders hervor: „ Die Neolithiker hatten bereits gute Kenntnisse über die Wahl eines geeigneten Siedlungsplatzes und spürten gute Böden auf, so wie hier den sogenannten Melm, eine sandig-lehmige Überdeckung; lebensnotwendiges Trinkwasser für Mensch und Tier gab es am Stadelbach“ Das Siedlungsareal zwischen Püchitz und Stadel umfasste etwa 10 bis 15 Hektar, für damalige Verhältnisse schon ein kleines Mittelzentrum.  Kleinfamilien von 5 bis 7 Personen teilten sich ein sogenanntes Wohnspeicherhaus von 25 bis 40 Meter Länge und 5 bis 8 Meter Breite, welches in stabiler Pfostenbauweise errichtet wurde. Die Wände wurden mit Flechtwerk und Lehmverputz hergestellt, das Dach hatte man mit Schilf, Rinde oder ähnlichen Materialien gedeckt. Das Haus war in drei Funktionsbereiche gegliedert: im Nordwesten befand sich der gut befestigte Schlafbereich, im Mittelteil war der Wohn-, Koch- und Arbeitsbereich und im Südosten der Speicher untergebracht. Die Gebrauchsgegenstände der Neolithiker lassen sich hier nur an Hand einzelner Funde und Buchstücke annähernd rekonstruieren. Die umlaufenden Ritzmuster auf den Tongefäßen in Form von einfachen geschwungenen Linien, Spiral- und Wellenbändern, später auch mit Randverzierungen, gaben den Bandkeramikern ihren Namen. Das Keramikgeschirr wurde im offenen Feldbrand bei nur 600 bis 800 Grad gebrannt, war also etwas weicher als unsere heutigen Keramik-Haushaltswaren. Aus den Fundstücken bei Püchitz lassen sich z.B. sogenannte Kümpfe, kürbisähnliche Gefäße oder Kochtöpfe in mühevoller Kleinarbeit ganz oder teilweise wieder zusammensetzen.

Aus dem graugrünen Felsgestein des Amphibolits, der aus dem Frankenwald stammen könnte, fertigten die steinzeitlichen Vorfahren kunstvoll und funktional behauene Steinbeilklingen, von denen Anton Köcheler einige Originale, die er hier fand, zeigte. Er hob hervor: „Die flache Unterseite, die gewölbte Oberseite und der bogenförmige Schliff an der Schneide der Steinbeile zeugen von einer hervorragenden Fachkenntnis der Neolithiker“.  Die Besucher konnten etliche Originalfundstücke, wie etwa Mahl- und Schleifsteine aus Sandstein, Klingen, Kratzer, Bohrer und Pfeilspitzen aus Silex (Flintstein) oder Bandkeramikscherben in die Hand nehmen. Köcheler erklärte zahlreiche Zeichnungen von anderen Fundgegenständen, wie zum Beispiel Figürchen aus Ton oder Darstellungen auf Keramikgefäßen. Sie könnten Hinweise auf Fruchtbarkeitskulte und Verehrung von Erdgottheiten sein. Die Skelette der zwei bei Stadel bestatteten Jungsteinzeitmenschen zeigten die typische Ost-West-Ausrichtung in Hockerstellung mit Blick nach Süden. Anhand der Grabbeigaben in Form von Schmuck und Waffen habe man festgestellt, dass es sich um wohlhabende Sippenmitglieder gehandelt haben müsse.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedauerte, dass durch den Bau der ICE-Trasse mitten durch dieses große neolithische Bodendenkmal ein Stück Heimatgeschichte zerschnitten wurde, das mit den technischen Mitteln moderner Archäologie weitaus vielfältiger zu erforschen gewesen wäre. Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative „Das bessere Bahnkonzept“ erklärte anhand von Zeichnungen den Trassenverlauf, zeigte Risiken auf und wies auf kostensparende und landschaftsschonende Alternativen hin. Reinhardt meinte: „Laut Gutachten des Bundesumweltamtes, welches leider wie so manches andere wieder nicht entsprechend gewürdigt wurde, ist sogar jetzt noch ein Abbruch der Bauarbeiten und eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke sinnvoller, als der Weiterbau.“

Nachdem sich BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bei Oberstudienrat Anton Köcheler für die facettenreiche, interessante Führung bedankt hatte, traf man sich noch zu einem gemütlichen Beisammensein in einer Altenbanzer Gaststätte.

 

Impressionen von unseren Amphibienhelfern 2012

"Krötenhaufen"

Mein erstes Jahr als Krötensammlerin

Jedes Jahr im Frühjahr ist es wieder soweit: Ich fahre frühmorgens von Neuensorg nach Lichtenfels zur Arbeit und muss unzählige bedauernswerte Kröten überfahren. Ausweichen – völlig unmöglich. Es wandern dort einfach viel zu viele Kröten. Das tut einem natürlich unglaublich leid und noch dazu ist dieses Krötenmassaker auch ziemlich eklig. Leider wurde an dieser Stelle, kurz vor Neuensee, die ganzen Jahre über kein helfender Amphibienzaun aufgestellt, da sich keine Krötensammler gefunden haben. Dieses Jahr war es dann endlich soweit. Nach einigem Werben des Bund Naturschutz in den angrenzenden Ortschaften fanden sich Freiwillige, welche ausführlichst in die Krötensammlung eingewiesen wurden und nach Aufstellen des Zauns Anfang März loslegen konnten.

Die ersten Tage waren noch etwas enttäuschend, da es für die kleinen Knirpse einfach noch zu kalt und trocken war, um sich auf Wanderschaft zu begeben. Doch es wurden von Tag zu Tag mehr, mit natürlich kleinen Rückschritten nach kalten Nächten. Nach den ersten Tagen wurde der Zaun sogar noch etwas verlängert, da sich ein paar besonders schlaue Kröten doch am Zaun vorbei gemogelt hatten. Mir macht die Sammlung auf jeden Fall richtig Spaß und ich lerne dazu. Wussten sie z. B., dass die Erdkröte total lustige Geräusche von sich gibt?? Ich, bis zum Tag meiner ersten Sammlung, nämlich nicht. Es ist ein Fiebsen und man meint fast, sie wollten einem zurufen : „Rette mich aus diesem Eimer.“  Wirklich witzig und irgendwie sind sie auch echt süß. Manchmal findet man im Eimer auch eine recht verzweifelte Maus, welche so gar nicht versteht, was sie hier plötzlich soll. Einmal hatte ich bis jetzt auch einen kleinen Salamander, der von den großen Kröten fast zerquetscht wurde. Lustig sind auch immer die besonders dreisten Männchen, welche sich in bester Machomanier einfach von den Weibchen auf dem Rücken herumtragen lassen - die besonders Faulen setzen sich sogar zu zweit auf ein bedauernswertes Weibchen.

Für mich heißt es jetzt also jeden Samstagmorgen aufstehen, nach Neuensee fahren, Gummistiefel und Handschuhe anziehen und loslegen. Ich nehme mir meist einen Eimer mit, laufe die ca. 300 Meter ab und sammele, aus den in den Boden eingelassenen Eimern, die Kröten ein. Meist zähle ich dabei auch gleich (Mein Rekord lag dabei, bis jetzt bei 160 Kröten). Dann wird einmal die Straße überquert  und runter zum See gelaufen, wo die braunen Gesellen wieder in die Freiheit entlassen werden und man sie beobachten kann, wie sie sich auf den Weg zum See, ihrem Laichplatz machen.

Es ist wirklich kein allzu großer Zeitaufwand und wenn man sieht, wie vielen Kröten so das Leben gerettet wird, ist es wirklich ein schönes Gefühl. Ich denke, diesen kleinen Beitrag könnte jeder leisten. Die Krötenwanderung dauert meist nur ca. 4-6 Wochen und in dieser Zeit bin ich z.B. nur 1 x pro Woche dran. Außerdem tut man etwas Gutes für die Umwelt, rettet Leben von echt tollen Tieren, kommt raus in die Natur und wenn man sich immer noch eine Begleitung sucht, hat man auch echt viel Spaß zu zweit. Ich hoffe, die Krötensammlung kann nun jedes Jahr dort stattfinden und natürlich noch an vielen anderen Orten und ich hoffe, es finden sich auch viele neue Sammler bzw. alle bisherigen bleiben dabei.

Nina Kutscher

27.03.2012

Altenkunstadt. Stolz halten die Klassensprecher der Grundschule Altenkunstadt mit Ihrem Konrektor Stefan Kern (hinten links im Bild) Ihre Baumplakate in die Kamera. Eine Woche lang haben die Schüler für jeden zu Fuß in die Schule zurückgelegten Weg Ihre „Klassenbäume“ mit Blättern bestempeln dürfen. Das Ergebnis ließ sich sehen – die Kinder waren hochmotiviert und haben gezeigt, dass sich die teilweise angespannte Verkehrssituation zu den Schulanfangs- und schlusszeiten leicht entspannen ließe… Ellen Wachter (Bild hinten Mitte) vom Sparkassen-Finanzcenter in Altenkunstadt überließ den Schülern gerne die mit Stiften bestückten Mäppchen und lobte Ihr Umweltengagement. Elfriede Fischer (Bild hinten rechts), Schatzmeisterin vom Bund Naturschutz in Lichtenfels, freute sich über die Bereitschaft der Schule, auch im kommenden Jahr wieder dabei zu sein, wenn der BN abermals diese Aktionswoche landkreisweit anbieten wird.
Die Schüler der Klasse 4a der Dr.-Roßbach-Grundschule wurden für ihren Einsatz bei der vom Bund Naturschutz initiierten Aktion „In die Schule geh‘ ich gern“ mit T-Shirts der Firma Intersport Wohlleben belohnt. Darüber freuen sich Sabine Rübensaal (Bund Naturschutz), Matthias Wildner, Filialleiter von Intersport Wohlleben, Konrektorin Pia Löffler, Rektor Reinhard Gick-Prandell und Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (hinten von links).

Exkursion zur Schafbeweidung am Bohnberg

... Die Gruppe traf sich auf dem Bauernhof von Hans Funk, wo Tierarzt Dr. Prell die ökologisch nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft als die Idealform zur Erhaltung einer reich strukturierten Kulturlandschaft beschrieb. Er bedauerte, dass in den Nachkriegsjahren die politischen Leitlinien darauf ausgerichtet waren, dass die Qualität der Lebensmittelproduktion immer mehr der Quantität bei höchster Effizienz weichen musste und veranschaulichte das anhand einiger Beispiele, so etwa in der Geflügelhaltung. Dr. Prell stimmte die Zuhörer nachdenklich: „Ein Küken wird heute in nur fünf Wochen auf das Fünfzigfache seines Körpergewichtes schlachtreif gemästet. Unter solchen artfremden Haltungsbedingungen mit bis zu 25 Tieren pro Quadratmeter ist der massenhafte Einsatz von Antibiotika unumgänglich – mit den entsprechend negativen Begleiterscheinungen, wie der Bildung von immer mehr resistenten Keimen, die den Humanmedizinern in den Krankenhäusern große Kopfzerbrechen bereiten“. Der Exkursionsleiter kritisierte neben der falschen EU-Förderpraxis, welche vor allem die Großstrukturen über die Flächenprämien begünstige, den vermehrten Einsatz von Pestiziden und Herbiziden: „Monokulturen von Energiepflanzen machen sich auch in unserer Region breit, zum Beispiel in einer zunehmenden Vermaisung der Landschaft. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf in der Landwirtschaftspolitik!“ Aber auch der Verbraucher könne durch sein Kaufverhalten die ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft unterstützen und sei es nur durch sein gezieltes Fragen nach Herkunft, Bewirtschaftungsweise und artgerechter Nutztierhaltung. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt wies in diesem Zusammenhang rückblickend auf die Großdemonstration in Berlin hin, die unter dem Motto stand: „Wir haben es satt“, er ermunterte die Anwesenden, auch im nächsten Jahr Flagge für eine Wende in der Agrarpolitik zu zeigen.

 

 

Die landwirtschaftlichen Flächen im weiten Umkreis um das Anwesen von Hans Funk werden teilweise extensiv, vor allem in den Hanglagen, bewirtschaftet. Dort übernehmen in erster Linie die Schafe die Landschaftspflege, weil eine sonstige landwirtschaftliche Nutzung mit großen Maschinen nicht möglich und unrentabel wäre. Gerade hier findet man jedoch eine reichhaltige Flora. Schon auf dem Weg dorthin wusste Frau Halwart zu allen Blumen und Kräutern lehrreiche und unterhaltsame Geschichten zu erzählen, welche die Neugier der Naturliebhaber sofort weckten. So erklärte sie beispielsweise die Bedeutung der Brennnessel als eine der Königinnen der Pflanzen: „Ihre mineralstoffreichen Blätter verfeinern den Spinat, die Samen machen sich im Salat ganz gut, als Heilpflanze hilft sie gegen rheumatische Beschwerden, als Spritzmittel gegen Blattläuse und auch zum Färben eignet sie sich, nicht zuletzt dient sie den Raupen des bunten Schwalbenschwanzes als Futterpflanze“ Die Expertin gab weitere Tipps zu den Kräutern, die bei vielen Menschen nur als lästige Unkräuter gelten, wie etwa dem Giersch, im Volksmund „Strenzela“ genannt – einer uralten Heil- und Nahrungspflanze, die roh oder gekocht und als „Gichtkraut“ innerlich und äußerlich verwendet werden könne. Renate Halwart ging auf die Knoblauchrauke, den Gundermann und noch manches andere Heilkräutlein näher ein und meinte: „Unsere Ahnen wussten aus Jahrhunderte langen Erfahrungen über die Pflanzen gut Bescheid, wir dürfen ihr Wissen nicht geringschätzen!“

Der stufenförmige Aufbau des Bohnbergs, an dem die kleine Schafherde von Dr. Prell weidete, bot eine reichhaltige Flora, so dass mehrere typische Lebensräume mit ihren charakteristischen Blütenpflanzen erklärt werden konnten. Von der Feuchtwiese im Talgrund über den sonnigen Halbmagerrasen bis hinauf zu einem Orchideenwäldchen bot sich den Besuchern ein abwechslungsreiches Bild. Frau Halwart erklärte so manchen Baum, Busch oder Blume, deren Blüten oder Pflanzenteile der Mensch für allerlei Krankheiten und zu seinem Wohlbefinden einsetzen könne, so etwa der Holunder gegen Erkältungskrankheiten oder den Kleinen Wiesenknopf (Pimpinelle) für die kräftige Frankfurter Grüne Soße, die man vielenorts traditionell am Gründonnerstag esse.

Je weiter die Exkursionsgruppe zur Hangkante hinaufstieg, desto artenreicher zeigte sich die Vegetation. Typische Zeigerpflanzen sind hier die Esparsette, Schnecken-, Rot- und Hornklee. Im oberen Wäldchen entdeckte man  das Weiße Waldvögelein und die Waldhyazinthe, beides streng geschützte Orchideenarten. Auch fanden sich dort große Exemplare der Vogelkirsche, der Roten Heckenkirsche und der sehr wertvollen Elsbeere. Am Waldboden befühlten die Exkursionsteilnehmer das seidenweiche Perlgras, rochen an Maiglöckchen und Waldmeister, der allerdings erst nach einiger Zeit sein typisches Aroma entfalte.

Am Waldsaum konnte allerdings schon die zunehmende Verbuschung durch Schlehen beobachtet werden -  ein deutliches Indiz dafür, dass ohne landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der Jahre eine Bewaldung einsetzen würde.

Dr. Prell hob in diesem Zusammenhang hervor: „ Eine echte Landnutzung ist die beste Landschaftspflege, diese muss sich aber für den Landwirt lohnen. Wir haben Respekt vor unseren Vorvätern, die das alles in Handarbeit erledigten.“ Er kritisierte den großen Kostendruck, unter dem heute viele Landwirte in unserer Region wirtschaften müssten und den Zwang zum Wachstum und mahnte: „Wenn der Landwirt immer mehr aufs Gas drücken muss, um Lebensmittel zu produzieren, dann leidet oft deren Qualität und das ökologische Gleichgewicht gerät aus den Fugen“.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt warb deshalb dafür, besonders den Bauern mit kleinen landwirtschaftlichen Flächen für die Landschaftspflege eine angemessene finanzielle Aufwandsentschädigung zu gewähren: „Es muss einen Anreiz für ein Zubrot für diese Berufsgruppe geben, sonst können die reichhaltigen Kleinstrukturen in unserer oberfränkischen Kulturlandschaft nicht auf Dauer erhalten werden.“

Ein idyllisches Bild bot die kleine Schafherde mit 70 Tieren, unter denen die Rassen Merino-, Texel-, Suffolk- und Milchschaf zu finden waren. Etliche ließen sich von den Besuchern liebevoll über ihr weiches Fell streicheln. Alle hatten das Gefühl, dass sich die Tiere sichtlich wohl fühlen. Dr. Prell ließ wissen, dass die einzelnen Flächen zwei- bis dreimal im Jahr abgeweidet werden. Der Exkursionsleiter verhehlte nicht, dass die Schafhaltung arbeitsintensiv sei, wenn man sie verantwortungsbewusst betreibe. Dazu gehöre beispielsweise regelmäßige Klauenpflege, Entwurmungskuren und das Schafscheren. Dr. Prell verriet: „Schafe sind mein Hobby, Gewinne erziele ich damit nicht. Von den Produkten Schafwolle, Schafmilch und Schaffleisch ist nur das letztere für mich lohnend.“ Nach 6 bis 10 Monaten sind bei extensiver, d. h. naturverträglicher, artgerechter Haltung die Weidemastlämmer schlachtreif. Lammfleisch aus der Region kann man z. B. auf den Bauernmärkten im Landkreis Lichtenfels und in einschlägigen Gastwirtschaften bekommen.

 

Auf dem Rückweg passierte die Gruppe intensiv bewirtschaftetes Grasland, wo jährlich viermal gedüngt und gemäht werde. Jeder konnte sofort erkennen, dass hier nur wenige Gräser in „Einheitsgrün“ gedeihen, Blumen und Kräuter suchte man vergebens – ein starker Kontrast zu den seit etwa zwölf Jahren extensiv bewirtschafteten artenreichen Flächen.

 

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Exkursionsleiter Dr. Prell, Pflanzenexpertin Renate Halwart und Landwirt Hans Funk für die zahlreichen Informationen.

Eine deftige Brotzeit mit einheimischen Produkten rundete die gelungene Exkursion am Bohnberg ab.

 

Hobbyschafhalter Dr. Klaus Prell (4. von links) und Biologin Renate Halwart (5. von links) erklären den Teilnehmern der Bayern-Tour-Natur-Exkursion Schafhaltung, Landschaftspflege und botanische Besonderheiten am Bohnberg. Die Gruppe mit BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt (rechts) war von den Naturschönheiten und der kleinen Schafherde mit Merino-, Texel-, Suffolk- und Milchschafen sehr beeindruckt.

Exkursion zur Schwedenschanze bei Oberlangheim

Oberlangheim. Auf Spurensuche ins Frühmittelalter begaben sich 24 Geschichts- und Naturinteressierte auf Altstraßen, Kirchwegen und Fuhren rund um das kleine Dorf, das für das weit berühmtere Kloster Langheim der Namensgeber war. Die BN-Exkursion im Rahmen der Bayern-Tour-Natur leitete Hobbyarchäologe und Geschichtsforscher Bernhard Christoph.

 

Im Jahre 1096 erstmals als „Lanchheim“ genannt, war das Dorf somit älter als das 1132 gegründete Kloster. Es war eine von sechs kleinen Ortschaften, die in der sogenannten Talspinne der Leuchse einst existierten. Nur noch ein Straßenschild  „Bretzelsdorfer Weg“ deutet in Oberlangheim auf die Wüstung des ehemaligen Dorfes hin. Bernhard Christoph ließ wissen, dass Ortsnamen mit der Endung „-heim“ auf alte Siedlungen fränkischen Ursprungs hindeuten. Noch älter seien die „-ing“ Orte, wie etwa Isling oder Ützing, zu dessen Urpfarrei Oberlangheim kirchlich gehörte. Die schmucke, dem gotischen Baustil nachempfundene  Michaelskapelle enthält den wertvollen, ehemaligen Hochaltar der Sepulturkapelle des Klosters Langheim. Dann ging es steil bergan auf einem Hohlweg des ehemaligen Wegefächers durch die typischen Gesteinsschichten des Braunen und Weißen Juras hinauf zum Weißen Kreuz. In der Brauneisensteinschicht erklärte der Exkursionsleiter einen typischen Erdkeller, der noch heute zur Einlagerung von Nahrungsmitteln genutzt werde. Sabine Rübensaal ergänzte:„ So ein Keller hält das Bier und Lebensmittel konstant auf 9°C lange Zeit frisch und ist ein kostenloser Kühlschrank.“ Bernhard Christoph ging auf das umfangreiche Wegenetz, das es im frühen Mittelalter bereits in unserer Gegend gab, näher ein: „Das Jahr 2012 ist zum Jahr der historischen Wege ausgerufen worden; denn menschliches Zusammenleben und Wirtschaften sowie die soziale Organisation spiegeln sich wider in den alten Wegebeziehungen und Wegenetzen unserer Heimat.“ Eine wichtige Altstraße führte von Bad Königshofen über Sesslach, Altenbanz, Weingarten weiter über den Main nach  Vierzehnheiligen und in der Höhe des Lehmigbergs bei Oberlangheim Richtung Weismain,  dann weiter nach Thurnau. Woran erkennt man nun solche Altstraßen fragten manche Teilnehmer der Exkursion? Christoph wies auf die hier spitz zusammenlaufenden Feldfuhren hin, was bei heutigen Straßen äußerst selten vorkomme. Weitere Kennzeichen seien die fast immer in der Höhe verlaufenden Trassen, die auch bei Hochwasser benutzt werden konnten. Auch die Eintiefungen in den Wegefächern der Steilanstiege deuten auf die frühmittelalterliche Nutzung durch Ochsengespanne hin. Heute haben diese Wege ihre Bedeutung oftmals verloren und nur wenige Einheimische wissen, dass das einmal bedeutende Handelswege waren. Ein Oberlangheimer brachte die Geschichtsinteressierten allerdings zum Schmunzeln: „Heute gibt`s da so Eckla, wo Liebespärla ungestört miteinander schmusen könna…die muss net jeder kenna“Am Buchrangen nahe der besagten Altstraße fiel nun der Blick auf einen alten Grenzstein mit dem in Sandstein gemeißelten Kelch des Abtes von Klosterlangheim aus dem Jahres 1730. Solche Grenzsteine finde man eher selten, denn nach der Säkularisation 1803 wurden häufig die Initialen „KW“(Königlicher Wald) in Anlehnung an den neuen Besitzer darüber gemeißelt. Nun fiel der herrliche Ausblick von der Jurahochfläche hinüber bis zu den Gleichbergen und den Höhenzügen des Thüringer Waldes. Bernhard Christoph erklärte dabei die Beziehung der keltischen Besiedlungen auf dem Oppidum des Staffelbergs und des Kleinen Gleichbergs während der frühen Bronzezeit. Ganz in unmittelbarer Nähe tauchte der flache, von Menschenhand künstlich geschaffene Müllberg auf. Die nun mit Gras bewachsenen Hügel lassen nur erahnen, welche gewaltigen Abfallmengen sich darunter befinden. Der dritte Bürgermeister wartete mit einigen  eindrucksvollen Zahlen zu der ehemaligen Mülldeponie auf: „Fast zwei Millionen Kubikmeter Industrieabfälle und Hausmüll der Landkreise Lichtenfels und Kronach wurden hier 33 Jahre lang entsorgt. Erst nach dem 2005 gefassten Beschluss der rot-grünen Bundesregierung musste die riesige Müllkippe geschlossen werden und der Kreistag leitete die ordnungsgemäße Abdichtung und Verbrennung des Deponiegases und die Beseitigung des anfallenden Sickerwassers nach dem Stand der Technik ein. Drei Millionen Euro musste der Müllzweckverband für die Abdichtmaßnahmen investieren.“ BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnte: „Wir müssen alles daran setzen, so wenig wie möglich Abfall zu produzieren und die Recyclingquote deutlich zu erhöhen; denn Reststoffe werden immer mehr zu wertvollen Rohstoffen.“ Unmittelbar an den künstlichen Müllberg grenzt das Areal des Unteren Glänzbergs, auf dessen Bergsporn sich die sog. Schwedenschanze befindet. Viele Menschen glaubten, dass diese Anlage im 30-jährigen-Krieg  entstanden sei, da zu dieser Zeit schwedische Truppen kamen, die Dörfer plünderten und viele Einheimische hier zwischen den Gräben und Befestigungswällen Zuflucht suchten. Nach Yvonne Bräutigams Facharbeit lasse allerdings die gestaffelte Anordnung von Gräben und Wällen darauf schließen, dass die Schwedenschanze schon im Frühmittelalter, nämlich zur karolingisch-ottonischer Zeit (ca. 900 n. Chr.), errichtet worden sei. Neben der Hauptburg gab es noch eine Vorburg, die beide von Holz-Erde-Mauern geschützt waren. Da das Tor wahrscheinlich durch einen Steinbruch zerstört worden sei, könne man heute schwer sagen, welchen genauen Standort es damals hatte. Die Lage der Burg war auf jeden Fall gut geeignet, die alte Handelsstraße zu überblicken. Bernhard Christoph schätzte die Zahl der Verteidiger und Beobachter auf zwanzig Bewaffnete. Gabi Ellner, eine Einheimische, wusste wie die meistern anderen Exkursionsteilnehmer bis dato nichts von der Existenz dieser Befestigungsanlage aus dem frühen Mittelalter und ihrer strategischen Bedeutung. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei Bernhard Christoph für die zahlreichen Informationen mit einem kleinen Geschenk.