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BN fordert auf Gifteinsatz gegen Eichenprozessionsspinner zu verzichten

MICHELAU  Manche Kommunen in Bayern starten derzeit mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) hingegen kritisiert den Einsatz von Bioziden, weil hier oft Gifte „vorbeugend“ in die Umwelt geblasen werden, ohne dass zuvor ein starker Befall festgestellt und Alternativen geprüft wurden. Der Bund Naturschutz lehnt den Gifteinsatz gegen den Eichenprozessionsspinner ab. "Die Auslöschung unserer Frühlings- und Sommerboten, der Schmetterlinge und vieler anderer Insekten, gehe sonst weiter, wenn das nicht gestoppt wird. Gerade Eichen gelten als besonders artenreicher Lebensraum, mehr als 2.000 Insektenarten sind auf Eichen nachgewiesen“, so Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender.

Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland einheimische Schmetterlingsart. Die Raupen bilden ab dem dritten Entwicklungsstadium Brennhaare aus, die ein Nesselgift enthalten. Dieses könne beim Kontakt mit Menschen Hautausschläge verursachen oder Allergikern Probleme bereiten. Mit dem Gifteinsatz werde jedoch genau das Gegenteil von Insektenschutz gemacht, weil selbst biologische Insektizide, welche eine Spezialfirma im Auftrag der Gemeinde Michelau bereits einige Jahre eingesetzt hat, ja nicht nur den Eichenprozessionsspinner treffen, sondern alle Insekten töten, deren Raupen an Blättern fressen. Bei Befall sollten daher mechanische Bekämpfungsmaßnahmen – zum Beispiel das Absaugen von Raupen und Gespinsten oder zeitweise Sperrungen von betroffenen Gebieten – in Betracht gezogen werden.

„Wir fordern die Kommunen auf, die vorbeugenden Giftspritzungen einzustellen, weil das nach den Anwendungsbestimmungen verboten ist“, mahnte Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken. „Wir fordern zudem die Gewerbeaufsichtsämter als Kontrollbehörden auf, hier endlich tätig zu werden. Es ist ein Skandal, dass hier seit vielen Jahren offenbar weggeschaut wird.“ Das gesundheitliche Problem werde bisher völlig überschätzt. Verglichen mit Gefahren des täglichen Lebens sei der Eichenprozessionsspinner ein eher geringes Übel. Anton Reinhardt warnte: „Das eingesetzte Mittel ist auch ein Fraßgift für viele andere Raupen, nicht nur des Eichenprozessionsspinners; vor allem für etliche Vogel- und Fledermausarten kann das sehr negative Auswirkungen haben. Außerdem gelangen die eingesetzten Insektizide nicht nur auf die befallenen Eichen, sondern auch auf andere Pflanzen und angrenzende Flächen, die eigentlich nicht behandelt werden sollten.“ Das Umweltbundesamt konstatiert deshalb, dass die Ausbringung von Biozidprodukten im Freiland zu einem erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt führen könne, ohne dabei für den Gesundheitsschutz von ausreichendem Nutzen zu sein.

Nach Rücksprache des BN mit der Gemeindeverwaltung erklärte man sich zumindest bereit, eine Gefährdungsbeurteilung der in Frage kommenden Bäume vor einem möglichen Einsatz des Insektizids vornehmen zu lassen. Das Problem betreffe nicht nur die Gemeinde Michelau, sondern auch andere Kommunen im Landkreis.

Anton Reinhardt, Fotos von Tom Konopka


LIDL-Kühlgutlager passt nicht in den Naturpark Fränkische Schweiz

17.05.2021

STADELHOFEN  Ein sanfter Mairegen geht auf die Fluren und Gärten des Juradorfes nieder, wo es grünt, blüht und wächst – für Landwirte ein richtiges „Wachswetter“, wie es im Frühjahr sein sollte. Auf dem Anwesen von Dr. Hanno Thiele, einem der Vorstände der Bürgerinitiative „Juraschützer“  haben sich etliche Dorfbewohner, zweiter Bürgermeister Frank Grasser und eine Abordnung der Kreisgruppe Lichtenfels des Bund Naturschutz eingefunden. Etwa eine Stunde Zeit nahm sich Emmi Zeulner, die Bundestagsabgeordnete der CSU, sich vor Ort zu informieren und dem Vortrag der Sorgen und Nöte der Heimat- und Naturschützer aufmerksam zuzuhören.

Doch schnell stellte sich während der Ausführungen von Hieronymus Thiele, einem weiteren Vorstand der BI, heraus, dass dem Erklärungs- und Klarstellungsbedarf der Bundestagstagsabgeordneten hinsichtlich der Auswirkungen des Bauvorhabens der Firma Lidl unmittelbar Rechnung getragen werden müsse. Alle Redner kamen diesem Wunsch, Zwischenfragen zu stellen, bereitwillig entgegen. Hieronymus Thiele berichtete: „Schon vor Monaten hat die BI über die „Projektentwicklung Sturm Logistik GmbH“ zahlreiche Informationen über das geplante Lidl-Kühlgutlager gesammelt. Demnach soll nordöstlich, unweit der Ortschaft, auf einem neun Hektar großen Areal ein Baukörper mit einer Fläche bis zu 25.000 Quadratmetern und einer Höhe bis zu 15 Metern errichtet werden.“ Dr. Hanno Thiele kritisierte das Vorhaben an diesem Ort: „Es widerspricht allen Umweltkonzepten, hier Logistik anzusiedeln, wie etwa dem Regionalplan Oberfranken-West, dem Klimaanpassungskonzept des Landkreises Bamberg und dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept.“ Reinhard Linz von der BI mahnte: „Täglich werden 160 bis 300 LKWs rund um die Uhr das Gelände frequentieren, mit allen negativen Begleiterscheinungen, wie Lärm, Staub, Kunstlicht, Rangier- und Ankoppelgeräuschen sowie im weiteren Umfeld Verunreinigungen durch Müll und andere Hinterlassenschaften.“

Der Lichtenfelser BN-Kreisvorsitzende Anton Reinhardt wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Bauvorhabens von Lidl nicht an den Landkreisgrenzen halt machen: „Stadelhofen ist das südliche Tor zum landschaftlich reizvollen Kleinziegenfelder Tal. Südlich von Weismain haben wir auf der Staatsstraße 2191 eine durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung (DTV) von nur 2700 Kfz. Die Kreisstraße LIF12 Wohnsig-Wunkendorf-Modschiedel hat momentan lediglich eine DTV von 700 Kfz. – vorwiegend eigener Ziel- und Quellverkehr aus den Dörfern. Der Landkreis baut nun schon an einer aus BN-Sicht völlig unnötigen Umgehungskreisstraße, die dann als neue Staatsstraße 2191 fungieren soll. Hier würde gleichsam der Rote Teppich ausgelegt für eine erhebliche Zunahme des Verkehrssstromes mittels einer Querverbindung zwischen der Autobahn A 70 und der B 289 im Maintal: Eine weitere Einladung für den Lidl-Konzern, in Stadelhofen sein riesiges Lager zu errichten. Infolgedessen würde sich die Wohn- und Lebensqualität weiterer Dörfer durch Lärm, Abgase und Staub aus der Hauptwindrichtung Westen erheblich verschlechtern!“

Bezogen auf den grassierenden Flächenfraß rief Reinhardt zum sparsamen Umgang mit dem Grund und Boden auf: „Täglich werden in Bayern durchschnittlich 10 Hektar (14 Fußballplätze) der freien Landschaft entzogen – für Gewerbeflächen, Siedlungen, Parkplätze, Straßen und Verkehrswege überbaut, während gleichzeitig vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete oder sogar Werkshallen ungenutzt bleiben, Häuser leer stehen und Baulücken nicht vorrangig geschlossen werden. Für das Unternehmen Lidl existieren jedenfalls im Landkreis Bamberg bereits voll erschlossene Gewerbegebiete, die vorzugsweise zu nutzen wären“, und mit dem Hinweis auf das mitgebrachte Banner ergänzt er: „Das heißt, dass wir ohne Not jeden Tag unserer Mutter Erde wertvollen Boden entziehen, der die Grundlage für unsere Landwirtschaft und damit für die Sicherstellung unserer Ernährung ist. Jeder Quadratmeter Acker ist eine kleine Lebensgemeinschaft aus Millionen von Mikroorganismen, die in einem wunderbaren Gleichgewicht dafür sorgen, dass der Boden fruchtbar bleibt. Mehr Achtsamkeit ist das Gebot der Stunde; unsere Erde braucht Freunde!“

Die Lichtenfelser Kreisrätin Dr. Susann Freiburg von B 90/Die Grünen verstärkte die Aussage: „Es ist ein Akt der Daseinsvorsorge, wenn wir uns alle gemeinsam schützend vor diese nicht beliebig vermehrbare Ressource stellen und nicht weiter Raubbau an unser aller Lebensgrundlage betreiben.“ Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner hob hervor, dass bis dato von dem Unternehmen noch kein Bauantrag bei der Gemeinde eingereicht worden sei und die Erteilung eines Baurechts in erster Linie in den Händen der Kommune, also dem Gemeinderat, liege. Mit Blick auf das Klimaschutzkonzept der Landkreise Lichtenfels und Bamberg forderte sie zu klimafreundlichem Verhalten auf: „Wirtschaftliches Handeln darf nicht im Widerspruch zum Erhalt unserer Natur und Umwelt stehen. Wir alle müssen unseren Beitrag leisten, die ehrgeizigen Ziele unserer Klimavereinbarungen  zu erreichen.“

Angesprochen auf eine mögliche Spaltung der Dorfbewohner in Stadelhofen in Befürworter und Gegner der Lidl-Pläne, meinte BI-Sprecher Hieronymus Thiele unter dem Beifall aller Anwesenden: „Es gibt keine Gräben zwischen den Bürgern. Wir kommunizieren offen und ehrlich mit allen; denn die Wohn- und Lebensqualität unserer Familien ist uns eine Herzensangelegenheit. Für den weltgrößten Lebensmitteldiscounter dürfte es doch kein Problem sein, im Landkreis einen geeigneten anderen Standort zu finden, der bereits als erschlossenes Gewerbegebiet ausgewiesen ist.“

Anton Reinhardt


Endspurt: Hummeltelefon summt und brummt

12.05.2021

Das WhatsApp-Postfach des bayerischen Hummeltelefons glüht. Das Mitmach-Projekt des BUND Naturschutz (BN) und des Instituts für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) ist ein voller Erfolg. Rund 1200 Interessierte haben bisher 2.800 Fotos von Wildbienen zum Bestimmen geschickt. „Die Resonanz ist riesig und die Menschen sind sehr daran interessiert, die Hummelarten im eigenen Garten kennenzulernen“, so Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz. Die Aktion läuft noch bis zum 24. Mai, Pfingstmontag. Mitmachen ist ganz einfach: Über WhatsApp können Fotos von Hummeln mit Postleitzahl und Funddatum an das Expertenteam des IfBI geschickt werden. Jetzt gibt es ein erstes Zwischenergebnis und spannende Geschichten dazu.

Bisher wurden 2.300 Tiere und rund 1.700 Hummeln gemeldet. Klar an der Spitze stehen mit 55 % die Erdhummeln, mit viel Abstand folgen die Wiesenhummeln (9 %) und die Steinhummeln (11 %). „Der enorm große Vorsprung der Erdhummel liegt vermutlich daran, dass die aktuell fliegenden Erdhummel-Königinnen durch ihre Größe über 2 cm sehr auffällig sind und sofort als Hummeln erkannt werden“, vermutet Klaus Mandery vom IfBI. Auch fliegen die vier Arten des Erdhummel-Komplexes bereits früher als manch andere. Vergleiche zum letztem Jahr lassen allerdings vermuten, dass ihr Anteil im Laufe des Projektes wieder sinken wird.

Bestimmung gar nicht so einfach

Hummeln zu erkennen, ist nicht immer ganz einfach und oft bekommt das Expertenteam Bilder von anderen Wildbienenarten oder besonders flauschigen Fliegen zugeschickt. Häufig verwechselt werden Hummeln mit der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) oder der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Auch die putzigen Wollschweber, die eigentlich zu den Fliegen gehören, landen des Öfteren in den Postfächern der Experten - obwohl viele Wollschweber-Arten als Gegenspieler der Wildbienen gelten! Denn: Einige Arten schießen ihre Eier in die Nester solitär lebender Bienen, wo die Fliegen-Larve zunächst den Proviant und später die Bienen-Larve frisst.

„Auch, wenn es immer wieder zu Verwechslungen kommt, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil: Nur aus Fehlern zieht man einen wirklichen Nutzen und verbessert seine Artenkenntnis. Aus diesem Grund freuen wir uns über jede interessierte Teilnehmerin“, sagt die Hummelexpertin Carolin Sommer vom IfBI.

Spannende Geschichten

Das Interesse der Teilnehmer an den Brummern ist enorm. Die Hummelliebe geht sogar so weit, dass eine Familie eine nicht-flugfähige Erdhummel-Königin adoptierte und sie nun mit Blüten und Zuckerwasser versorgt, da sie sich alleine nicht mehr ernähren kann. Tagsüber darf die Hummel draußen herumlaufen und nachts in einem Terrarium schlafen. „Wir bekommen regelmäßig Updates, was die Hummel so treibt und wie toll sich um sie gekümmert wird“, freut sich Tarja Richter von IfBI. Mehr Infos und Updates gibt es auf https://www.instagram.com/ifbi_ebern/ und https://www.ifbi.net/Hummeltelefon.

Weiterhin Mitmachen

Die Aktion geht noch bis zum 24. Mai - jeder kann mitmachen! Ob im heimischen Garten, gemütlich auf dem Balkon oder beim Spaziergang in der Natur: Ausgestattet mit Handy oder Fotoapparat können die fliegenden Brummer abgelichtet werden. Wer Hummeln entdeckt und wissen will, um welche Art es sich handelt, kann Fotos mit entsprechendem Funddatum und Postleitzahl über den Messengerdienst „WhatsApp“ an die Nummer 0151/18460163 schicken. Das Experten-Team des IfBi bestimmt die Hummelart und trägt die unterschiedlichen Funde in eine Karte ein. „Je mehr typische Hummel-Merkmale auf den Fotos abgelichtet sind, desto schneller kann die Art bestimmt werden“, erklärt Günter Lutz, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Lichtenfels. Trotzdem bittet der Insektenfreund darum, nur maximal drei Fotos zu schicken, damit die Durchsicht nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und die Nachrichten bald beantwortet werden können.


Bürgerforscher zählen Eichhörnchen in Bayern

29.04.2021

Wo leben mehr Eichhörnchen – im Wald oder in der Stadt? So genau weiß das niemand. Der BUND Naturschutz (BN) will das mit Hilfe von engagierten Bürgerforschern ändern. Seit einem Jahr sammelt er nun Daten über Eichhörnchen. „Wir wollen wissen, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unserer modernen Landschaft zurechtkommen. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Freiwilligen, die sich gerne in der Natur aufhalten und uns zufällig beobachtete Eichhörnchen melden“, erklärt Claudia Drenda vom BUND Naturschutz. „Je mehr wir wissen, umso besser können wir die flinken Kletterer und ihren Lebensraum schützen“, so Drenda weiter. Obwohl Eichhörnchen in Bayern noch flächendeckend verbreitet sind, leiden sie sehr unter dem zunehmenden Verlust alter Stadtbäume und dem Verlust älterer Bäume in Laub- und Mischwäldern. Nun gibt es eine erste Bilanz des Bürgerforscher-Projektes und Tipps für eine aktive Eichhörnchen-Hilfe. 

Im April 2020 startete der BUND Naturschutz das großangelegte Bürgerforscher-Projekt „Eichhörnchen in Bayern“. Ehrenamtliche sollen helfen, Daten zu erfassen, um herauszufinden, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unseren Städten, Dörfern und Wäldern zurechtkommen. Ziel ist es, mehr über ihre Verbreitung zu erfahren und das Wissen über Entwicklung und Zustand der Eichhörnchen-Populationen zu verbessern.

„18 Meldungen mit insgesamt 23 Einzeltieren wurden seit Projektstart im Landkreis Lichtenfels abgegeben. Bayernweit sind es sogar 10.400 Meldungen und rund 12.500 Tiere. Das sind hoffnungsvolle Zahlen für ein Pilotprojekt. Die Menschen haben großes Interesse an Eichhörnchen und möchten sich aktiv an ihrem Schutz beteiligen“, freut sich Günter Lutz, Lichtenfelser Ortsvorsitzender. Die Teilnahme am Projekt ist ganz einfach:

Jeder kann mitmachen und Eichhörnchen-Forscher werden. Interessierte melden dem BUND Naturschutz, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben – schnell und einfach über die BN-Webseite oder noch einfacher mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt. Eine erste Bilanz zum Projekt findet man unter Ergebnisse 2020 - BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de).

Alleen, Gärten, Friedhöfe oder Parks – Eichhörnchen haben unsere Städtchen erobert

Die Nager gehören vielleicht zu den beliebtesten Wildtieren. Trotzdem haben sie es zunehmend schwer, gute Lebensräume zu finden. Der ursprüngliche Lebensraum des Eichhörnchens sind Wälder. Als sogenannte Kulturfolger sind sie auch in Städten und Gärten anzutreffen. Dort ernähren sie sind von energiereichen Baumsamen und -früchten, die jedoch erst ab einem gewissen Baumalter produziert werden. Im Siedlungsbereich profitieren die Baumkletterer von den traditionellen Streuobstwiesen und Pflanzungen von Walnussbäumen und Haselnusssträuchern.

Wirft man einen Blick auf die interaktive Bayernkarte der Projektmeldeseite, gewinnt man den Eindruck, dass Eichhörnchen nur in der Stadt leben. „Dieser Anschein trügt. Momentan sind mehr interessierte Tierfreunde in den Städten und Siedlungen unterwegs und melden dort ihre gesichteten Tiere. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über Daten zum Vorkommen von Eichhörnchen aus größeren Waldgebieten, z.B. dem Bucher Forst und Langheimer Forst“, erklärt Ute Hauptfleisch. Trotzdem gilt: Jede Meldung ist wichtig! „Die bisher eingegangenen Daten sind sehr gut und verraten uns eine Menge über das Verhalten und die unterschiedlichen Fellfarben der Eichhörnchen. Richtig gute Aussagen über die geographische Verteilung der Nager können wir aber erst treffen, wenn wir Daten aus allen Ecken Bayerns erhalten und die Meldungen mehrerer Jahre miteinander vergleichen können“, begründet die Naturschützerin.

BN-Tipps für aktive Eichhörnchen-Hilfe

Die einfachste Hilfe: Alte Bäume stehen lassen! Diese bieten, besonders wenn Totholz vorhanden ist, auch für viele andere Tiere gute Lebensbedingungen. Ansonsten reichen oft schon ein paar Handgriffe, um den Baumkletterern zu helfen und den eigenen Garten „hörnchenfreundlich“ zu gestalten. „Pflanzen Sie nuss- und fruchttragende Gehölze, wie Haselnuss, Walnuss oder Buchen, Kastanien und Obstbäume. So können sich die sympathischen Nager mit genügend Vorräten eindecken“, rät Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender. Regentonnen können zur Todesfalle werden! Aus diesem Grund sollte unbedingt ein Deckel oder ein stabiles Drahtnetz darüber angebracht werden. Als Tränke ist eine flache Schale mit Wasser besser geeignet – die nehmen auch Vögel gerne an. Wilde Ecken in Gärten sind außerdem pflegeleicht und schaffen zusätzlich Lebensräume für Igel und Wildbienen. Dazu kann in einem Teil des Gartens die Wiese stehen bleiben und Laub und Geäst auf einem Haufen gesammelt werden. Dies ermöglicht es den Tieren, Material für ihren Unterschlupf zusammenzutragen. Mehr hilfreiche Tipps unter Eichhörnchen in Bayern | BUND Naturschutz (bund-naturschutz.de).

Hier geht es direkt zur Meldeseite


Wer singt denn da? Frag den „Vogelphilipp“!

13.04.2021

Die Sonne strahlt, und überall hört man frohes Vogelgezwitscher. Passend dazu startet am 01. April der BUND Naturschutz (BN) mit der Vogelstimmen-Hotline von Philipp Hermann in die neue Saison. „Wer wissen will, welche Vögel in seiner Umgebung singen, kann ab sofort den Gesang mit dem Handy aufnehmen und über WhatsApp an den „Vogelphilipp“ schicken“, erklärt Anton Reinhardt,Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels. Jeder kann mitmachen und dadurch seine Artenkenntnis verbessern. Der einzigartige WhatsApp-Service läuft bayernweit den ganzen Monat April.

Über 250 Vogelarten sind in Deutschland als Brutvögel zu Hause, davon sind mehr als die Hälfte sogenannte Singvögel. In Wäldern, Gärten und Parks kann man sie sehen und vor allem hören. Doch wer singt da genau? Das und mehr beantwortet im April der „Vogelphilipp“. Der Landshuter Ornithologe heißt eigentlich Philipp Herrmann und hilft als „Vogelphilipp“ den Gesang unserer heimischen Vögel zu erkennen, um damit ein Bewusstsein für die Vielfalt unserer Vogelwelt zu schaffen. Das ist auch ein großes Anliegen des BUND Naturschutz: Artenkenntnis fördern! „In ganz Bayern finden regelmäßig spezielle Veranstaltungen statt, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene für den Naturschutz begeistern und die Artenkenntnis fördern sollen. Die Vogelstimmenhotline mit dem „Vogelphilipp“ ist eines dieser Angebote“, so Anton Reinhardt.

Jeder kann mitmachen

Den bayernweiten Service der BN-Vogelstimmenhotline kann jeder Interessierte gratis und kinderleicht nutzen: Einfach den Vogelgesang mit dem Smartphone über die Sprachnachrichtenfunktion von WhatsApp aufnehmen und an die Nummer +49 160 4424450 schicken. Der „Vogelphilipp“ hört sich jede einzelne Aufnahme genau an und gibt persönlich Bescheid, welcher Vogel singt. Oft gibt es sogar noch ein paar Zusatzinformationen über die Art und ihren Gesang als Dreingabe dazu.

Jedes Jahr ein voller Erfolg

Die Hotline gibt es in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal – anfangs nur für Landshut, seit zwei Jahren für ganz Bayern. Der BN möchte auf diesem Weg mehr Menschen für die Schönheiten der Natur begeistern. „Wir freuen uns über jeden, der mitmacht und eine Nachricht an den „Vogelphilipp“ schickt“, erklärt Günter Lutz, Vorstand der BN-Ortsgruppe Lichtenfels. Die Freude über die Aktion ist auch bei den Teilnehmern groß. Jedes Jahr beantwortet Philipp Hermann mehr als 5.000 Anfragen. „Ich wollte unbedingt ein Angebot schaffen, das man unterwegs ganz einfach nutzen kann, ohne erst eine App herunterladen zu müssen – ein Handy mit WhatsApp hat fast jeder immer dabei“, so Herrmann. „Hier bekommt man über einen sehr persönlichen Service vom Experten seinen Vogel bestimmt, das motiviert die Teilnehmer enorm.“ unterstreicht Herrmann.

Anton Reinhardt


Kautabakdosen und Weinflaschen „en masse“

BN Lichtenfels befreit Lauterabschnitt bei Stublang von Müll

03. April 2021

Stublang  Im Rahmen der jährlich stattfindenden Aktion des Flussparadies Franken e.V. „Mein Main muss sauber sein“ initiierte die Lichtenfelser Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) zwischen Stublang und Loffeld eine Müllsammelaktion an der Lauter. Dazu fanden sich am Karsamstag etliche Helferinnen und Helfer zusammen, die das Ufer der Lauter beidseitig nach Müll absuchten.

Nur durch Zufall war es im Vorfeld einem BN-Mitglied bei einem Spaziergang aufgefallen, dass die Lauter in diesem Bereich extrem vermüllt war. Bei der intensiven Suche während der Sammlung bestätigte sich der erste Eindruck nicht nur, sondern wurde leider noch um ein Vielfaches übertroffen. „Die Lauter war stellenweise nahezu übersät mit Weinflaschen, die sich in Stillwasserbereichen und am Wehr angesammelt hatten. Außerdem fanden wir auffällig viele Kautabakdosen. Aufgrund der hohen Anzahl dieser Fundstücke liegt der Verdacht nahe, dass sie offenbar bewusst und regelmäßig in der Lauter oder einem ihrer Zuflüsse entsorgt werden. Besonders vor dem Hintergrund gigantischer Müllmengen im Meer ist solch ein Verhalten in keiner Weise mehr nachvollziehbar“, mahnte BN-Delegierter Günther Scheler.

Nach etwa zwei Stunden Sammelzeit waren acht große Müllsäcke gefüllt. Neben den Weinflaschen und Kautabakdosen fanden sich ein Straßenbegrenzungspfosten, ein Kilometrierungsschild, zahlreiche Plastikverpackungen, ein alter Ofen und Zaunreste. „Mit dieser extremen Müllmenge hätte ich auf der kurzen Sammelstrecke von knapp einem Kilometer nicht gerechnet“, kommentierte Günter Lutz, stellvertretender Kreisvorsitzender des BN Lichtenfels, das Ergebnis.

Da die Lauter kein Einzelfall ist, bittet der BN alle Naturfreunde und umweltbewussten Vereine, „Gewässerpatenschaften“ zu übernehmen und Fließgewässer vor der „eigenen Haustür“ in regelmäßigen Abständen zu säubern, vorzugsweise außerhalb der Brut- und Setzzeiten von Wildtieren. Auch für Familien ist dies in Zeiten eingeschränkter Aktivitätsmöglichkeiten eine äußerst sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die Kindern erfahrungsgemäß viel Spaß bereitet, da dabei Neugierde und die Liebe zur Natur geweckt werden.

Günter Lutz dankte am Ende der Aktion allen Helfern für die tatkräftige Unterstützung bei einer kleinen Brotzeit. Der BN bedankt sich außerdem beim Kreisbauhof für die Abholung und ordnungsgemäße Entsorgung des Mülls.

Fotos: Jan Ebert / Dieter Fischer


Klimaschutz geht uns alle an - Energiewende mit ökologischen Leitplanken

30.03.2021

LICHTENFELS  Im Dezember 2015 hat die UN-Klimakonferenz in Paris Geschichte geschrieben. Die Klimaziele sollten zu einem Leitziel der Politik werden. Wie schaffen wir es, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen? Nach dem Motto „Global denken und lokal handeln“,  beschäftigt sich damit immer wieder aufs neue die Kreisgruppe  des Bund Naturschutz. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt glaubt, dass die demokratische Willensbildung innerhalb des BN gut funktioniere und meinte: „Wir sind keine Fundamentalisten und versuchen bei unterschiedlichen Auffassungen, etwa bei der Verwirklichung der Energiewende einen breiten Konsens. Manchmal muss man halt von seinen Idealvorstellungen Abstriche machen und  kompromissbereit sein, aber die Richtung auf dem Weg zur Klimaneutralität sollte auch in unserem Landkreis stimmen. Nichtstun würde bedeuten, dass wir in Bayern bis zur Jahrhundertwende mit einer mittleren Temperaturzunahme um 5 Grad rechnen müssen, also mehr als das Dreifache des Limits!“

Die Kreisgruppe des BUND Naturschutz fordert beispielsweise, den Ausbau der Windenergie und der Sonnenenergie unter Wahrung von Umwelt und Naturschutzbelangen voranzutreiben, aber eine herausragende Denkmallandschaft wie etwa den sogenannten „Gottesgarten“ nicht noch mehr zu verschandeln oder weite Bereiche fruchtbaren Ackerlandes für noch mehr Photovoltaikparks zu opfern.

Die Energiewende beruht aus BN-Sicht auf drei Säulen: Energiesparen, Energieeffizienz und dezentral erzeugte naturverträgliche erneuerbare Energien.

„Die Energiewende muss die Bereiche Strom, Wärme und Transport umfassen, nicht nur im

Verbrauch hier bei uns, sondern auch bezogen auf Produkte, die nach Bayern importiert und

hier konsumiert werden. Es gibt viele gute Gründe für eine dezentrale Energiewende: Gerechtigkeit, Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern an der Energiewirtschaft sowie Akzeptanz.  Motivation und Umsetzung entstehen auch aus der Wertschöpfung für die Menschen vor Ort; und letztlich auch globale Verantwortung.“, meint BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt und weist auf das nachahmenswerte Beispiel eines Energiespardorfes, Oberleiterbach, hin. Er ergänzt: „Wir freuen uns, dass bei Seubersdorf, nahe der Autobahn A 70 die ersten drei Windräder im Landkreis Lichtenfels errichtet werden konnten. Eine dieser Windkraftanlagen hat eine Nennleistung von 2,5 Megawatt. Das reicht aus, um 2000 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen. Wir haben von Anfang an für eine breite Bürgerbeteiligung in unserem BN-Umweltbüro geworben. Mit der Gründung der „Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Creussen Energie e.G.“ ist es gelungen, auch mit geringen Beiträgen viele Bürger aus der Region für die dezentrale Energieerzeugung zu gewinnen und am Erfolg teilhaben zu lassen.“ Ein ähnliches Erfolgsmodell sei die Gründung der Genossenschaft„NEO“ (Neue Energie Obermain) gewesen. Der BN-Kreisvorsitzende informierte: „Hier wurden in den letzten Jahren einige Photovoltaik-Anlagen mit breitgestreuter Bürgerbeteiligung im Landkreis errichtet, die umweltfreundlichen Sonnenstrom erzeugen. Wir müssen in Bayern Wind- und Sonnenstrom kräftig dezentral ausbauen und dabei die Lücken, die Wind und Sonne an wenigen Tagen im Jahre nicht abdecken, mit Strom aus Biomasse und Blockheizkraftwerken füllen. Dabei müsste die Einspeisung für regionale Energienetze ebenso wie die Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien stärker staatlich gefördert werden. Niemand würde von uns aber auf den Gedanken kommen, auf dem Staffelberg oder Banzer Berg ein Windkraftwerk  oder am Vierzehnheiligener Berg eine Freiland-Photovoltaikanlage zu errichten.“

Der BN sieht deshalb bestimmte „ökologische Leitplanken“ vor: Keine solchen Anlagen in Nationalparken, auch nicht in Naturschutzgebieten (NSG), nicht in SPA (Special Protektion Area) und FFH-Gebieten, nicht in schutzwürdigen Wäldern, wie Naturwaldreservaten, aber auch nicht in besonders schutzwürdigen Landschaften.

Dass der BN nicht allen sogenannten Ökostrom-Projekten zustimmt, zeigte Reinhardt anhand  folgendem Beispiel auf: „Der Neubau eines Wasserkraftwerks am Main bei Michelau ist aus ökologischer Sicht kontraproduktiv, der BN hat deshalb eine ausführlich begründete, ablehnende Stellungnahme abgegeben; denn der Energiegewinn steht in keinem akzeptablen Verhältnis zum Schaden für die Gewässerqualität eines der letzten Abschnitte des freifließenden Maines.“

Die BN-Kreisgruppe vertrete die Meinung, dass jeder Landkreis dennoch einen ausreichenden Beitrag zur Energiewende leisten müsse. Reinhardt bekräftigte: „Fest steht aus unserer Sicht, dass das schrittweise Abschalten der Atomkernkraftwerke unumkehrbar ist; denn die breite Bevölkerung möchte nichts mehr mit dieser Risikotechnologie zu tun haben. Auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist unumgänglich, wenn wir die Klimaerwärmung in den Griff bekommen wollen. Daraus folgt, dass wir sparsamer mit unserem Energieverbrauch werden müssen. Die vorhandenen erneuerbaren Energien müssen in Zukunft vernünftig, das heißt mit „ökologischen Leitplanken“, ausgebaut werden und bei effizienter Nutzung auch einmal ausreichen, den Bedarf komplett zu decken.“


Abstimmung zur Agrarpolitik in Brüssel und Berlin in den nächsten Monaten

11.03.2021

BUND Naturschutz stellt EU- und Bundestagsabgeordnete auf den Prüfstand: Wer ist für, wer gegen umweltfreundliche und Bauernhöfe rettende EU-Agrarreform?

„EU- und Bundestagsabgeordnete entscheiden in den nächsten Monaten in Brüssel und Berlin über die Ausgestaltung der Agrarpolitik bis 2027, und damit auch über die Chancen für den Erhalt bäuerlicher Betriebe und die Artenvielfalt in unserem Landkreis“, so BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt.

Der BUND Naturschutz stellt daher in einer bayernweiten Aktion gezielt Fragen an die politischen Vertreter, um zu erfahren, ob in bezug auf unseren Landkreis die EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner für Ziele eintreten, die auch der BUND Naturschutz verfolgt.

Anton Reinhardt hob hervor: „Unserer Kreisgruppe ist es wichtig, dass die milliardenschweren Agrargelder künftig stärker für gesellschaftliche Leistungen ausbezahlt werden, die die Landwirte zum Teil ja auch schon erbringen, und nicht mehr nur nach Besitz und Größe der bewirtschafteten Fläche. Der BUND Naturschutz fordert u.a., dass die bisherigen flächengebundenen Direktzahlungen schrittweise abgebaut werden sollen, damit mehr Geld für Leistungen der Landwirte für Umwelt, Klimaschutz und Tierschutz zur Verfügung stehen.“

Keinesfalls dürfe es auf EU-Ebene dazu kommen, dass 40 Prozent der Direktzahlungen, die jeder Betrieb noch gemäß seiner Flächengröße erhalten soll, per se europäischen Zielen zum Klimaschutz zugerechnet werden können. Der BUND Naturschutz fordert, dass mindestens 30 Prozent des Landwirtschaftsbudgets verpflichtend für „Eco-Schemes“, das sind besondere ökologische Leistungen, die die Biodiversität verbessern sollen, bereitgestellt werden. Im Entwurf zum nationalen Strategieplan seien jetzt lediglich 20 Prozent vorgesehen. Die Eco-Schemes sollten auch nach einem Punktsystem bewertet werden, so dass damit auch den individuellen Betriebsgegebenheiten der bäuerlichen Betriebe Rechnung getragen werden könne.


Das Licht leuchtet in der Finsternis – auch ohne Lichtverschmutzung!

22.12.2020

Mit der Bedeutung des Lichtes in seinen verschiedenen Facetten beschäftigte sich die Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Mensch, Tier und Pflanze sind dem regelmäßigen Wechsel zwischen Tag und Nacht unterworfen. Taktgeber ist die sich in 24 Stunden um ihre eigene Achse drehende Erde, auf deren Weg um die Sonne wir jedes Jahr die vier Jahreszeiten erleben. Bis zur Wintersonnenwende am 21.Dezember werden die Nächte immer länger. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt erinnerte daran, dass wir versuchen sollten, im Einklang mit der Natur zu leben und meinte: „Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Der von der Bundesregierung wegen der Corona-Krise beschlossene Lockdown gibt uns nun die Möglichkeit, den natürlichen, allmählichen Übergang zwischen Dunkelheit und Licht bewusster wahrzunehmen. Wenn wir allerdings mit Tausenden von künstlichen Lichtquellen die Nacht zum Tag machen, wird uns das nur schwer gelingen.“

Ludwig Wendler stellte klar: „Wir haben grundsätzlich nichts gegen eine weihnachtliche Beleuchtung, aber gerade während der Adventszeit sollte man den Lichterglanz des kommenden Hochfestes nicht schon jetzt vorwegnehmen. Auf etwas warten können, wie das Entzünden der Adventskerzen, das tägliche Öffnen der Türchen des Adventskalenders oder der Duft beim Plätzchenbacken, lässt langsam eine wohltuende Vorweihnachtsstimmung aufkommen, die ich nicht missen möchte.“

Claudia Drenda ging auf den physiologischen Einfluss von Kunstlicht ein: „Da unsere Nächte durch den Einsatz von immer mehr Lichtquellen noch heller werden, verlieren wirzusehendsden natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus zwischen Tag und Nacht. Die notwendige Dunkelheit der Nacht fehlt. Viele Berufstätige halten sich quasi in einer „Dauerdämmerung“ auf – tagsüber fehlt das notwendige helle Tageslicht und nachts sind sie einem Übermaß an Kunstlicht ausgesetzt. Die nächtliche Dunkelheit ist jedoch notwendig, damit im Gehirn das Hormon Melatonin ausgeschüttet werden kann. Es macht uns müde und leitet die Schlaf- und Erholungsphase ein.“

Ute Hauptfleisch ergänzte: „Auch Tiere leiden unter nächtlicher künstlicher Beleuchtung. Tatsächlich nachgewiesen ist die Störung der Nachtruhe von schlafenden Vögeln, die sich natürlich gerade im Winter besonders energiesparend verhalten müssen und dazu ihren Stoffwechsel in der Nacht reduzieren. Durch zu viel Licht, besonders durch blinkende oder farbwechselnde  Lichtquellen werden sie gestört und haben einen höheren Energiebedarf. Diesen können Sie aber wegen der Nahrungsknappheit nicht ausreichend decken. In kalten Wintern kann dies zu Bestandsminderungen führen.“ Schatzmeisterin Elfriede Fischer nahm Bezug auf die Winterquartiere von Fledermäusen: „Die Lichtverschmutzung dezimiert auch unmittelbar Feldermausbestände. Denn diese Tiere reagieren extrem empfindlich auf Licht in der Nähe von deren Quartieren. Je heller es ist und je mehr Blauanteile dieses Licht hat, umso intensiver die Schäden. Sie verlassen dann entweder solche Quartiere, oder fliegen artenabhängig erst deutlich verspätet oder im schlimmsten Fall auch gar nicht mehr aus. Besonders fatal ist es, wenn Licht innerhalb der Quartiere der Fledermäuse leuchtet. Das bedeutet zumeist den Tod der gesamten Population.“

Kräuterexperte Günter Lutz informierte: „Auch Pflanzen sind nicht ausschließlich auf Licht, sondern auf den Wechsel von Licht und Dunkel angewiesen. Ähnlich den wildlebenden Tieren müssen sie sich auf bevorstehende Jahreszeitwechsel und den damit einhergehenden nötigen Anpassungen ihres Stoffwechsels vorbereiten können. Hierzu orientieren sie sich an den jeweiligen Tages- und Nachtlängen. Eine künstliche Verlängerung des Tages durch Beleuchtung kann für Pflanzen gravierende Folgen haben. An Stadtbäumen in der Nähe von Straßenleuchten lässt sich beispielsweise ein verfrühter Laubaustritt und ein späterer Laubabwurf beobachten. Somit verlängert sich die Vegetationsperiode beträchtlich, was für den Baum einen erheblichen Mehraufwand an Energie bedeutet und langfristig zu Erschöpfungszuständen führen kann.“

BN-Beirat Günther Scheler machte auf die Energieverschwendung durch zu viele und zu unnötigen Zeiten eingeschaltete Beleuchtungseinrichtungen aufmerksam: „Alleine die etwa acht bis neun Millionen Straßenleuchten in Deutschland (inkl. der Beleuchtung von Plätzen und Brücken) verursachen bereits einen Energie-Verbrauch von umgerechnet rund 4 Milliarden Kilowattstunden. Nicht jede nächtliche Beleuchtung im öffentlichen Raum ist wirklich notwendig. Bei baulichen Veränderungen sollten unnötig gewordene Beleuchtungen zurückgebaut werden. Jede Leuchte sollte grundsätzlich zum Boden hin gerichtet sein. Vor allem Straßenleuchten sollten so platziert werden, dass sie nicht in die Umgebung oder in ökologisch sensible Räume strahlen. Eine nächtliche Daueranstrahlung von Gebäuden sollte vermieden werden.“

Anton Reinhardt meinte abschließend mit Blick auf die kleine drehbare Sternenkarte: „In den letzten trüben Tagen habe ich in der Nacht den beeindruckenden Sternenhimmel in natura sehr vermisst. Es ist immer faszinierend, die markantesten Sternbilder mit Hilfe der Karte am Himmel zu lokalisieren. Hier auf dem Lande war es immer noch möglich, in klaren Winternächten viele Gestirne zu beobachten. In den Großstädten und Metropolen ist die menschengemachte Lichtverschmutzung bereits so weit fortgeschritten, dass man nur wenige Sterne, geschweige denn das Band der Milchstraße, unsere Heimatgalaxie, sehen kann.“

Anton Reinhardt


Obdachlose Igel - Laubbläser zerstören Winterquartiere

18.11.2020

LICHTENFELS  Der Bund Naturschutz (BN) bittet alle Gartenbesitzer, das Laub liegen zu lassen und den Garten igelfreundlich zu gestalten. Wer draußen zufüttern möchte, kann das jetzt tun. Auf Laubbläser sollte verzichtet werden.

Gute Verstecke sind für den Igel überlebenswichtig. Sie finden Winterquartiere unter Holzterrassen, Sträuchern, Laub- und Holzhaufen oder Geräteschuppen. Der November ist für die Tiere jedoch ein Monat mit Tücken. Manche Igel befinden sich bereits im Winterschlaf. Weibchen und Jungtiere sind aber häufig noch auf der Suche nach Nahrung und einem Quartier für den Winter. Die Ordnungsliebe der Menschen bringt die Suche nach guten Verstecken vollkommen durcheinander. In vielen Gärten wird derzeit Laub gefegt, Hecken geschnitten, der Rasen gemäht - doch vor allem gelärmt. „Laubsauger zerstören Winterquartiere oder vertreiben die Igel durch ihren enormen Lärm“, beklagt BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt. Der Ebensfelder BN-Ortsvorsitzende Ludwig Wendler mahnt: „Doch nicht nur Igel sind gefährdet. Die Geräte bedrohen vor allem zahlreiche Kleintiere, wie Würmer und Insekten, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Also gerade die Tiere, die der Igel als Fleischfresser zum Überleben braucht.“ Der BN bittet deshalb alle Gartenbesitzer, auf Laubsauger und Laubbläser zu verzichten und stattdessen lieber wilde Ecken mit Laubhaufen im Garten einzurichten. „Winterquartiere, die durch eine übertriebene Gründlichkeit zerstört werden, bringen unsere Igel in große Bedrängnis. Die erneute Suche nach einem alternativen Schlafplatz, kostet die Tiere viel Energie und kann tödlich enden“, weiß der Lichtenfelser BN-Ortsvorsitzende Günter Lutz. 

BN-Ökotipp:
Wer keine Möglichkeit für Laub- und Reisigecken im Garten hat, kann den Tieren ein fertiges Igelhaus anbieten und zufüttern. Gefressen werden gerne Rühreier, Katzenfutter, gekochtes Geflügel oder gebratenes Hackfleisch. Milch dagegen schadet den Tieren. Eine flache Schale mit frischem Wasser sollte in keinem Garten fehlen. Achtung: Eine Fütterung ohne zusätzlichen Unterschlupf in der Nähe macht keinen Sinn. Futterstellen werden von Igeln gerne angenommen, finden die Tiere dagegen kein Versteck in der unmittelbaren Umgebung, müssen sie bei kühlen Temperaturen weit laufen und verlieren ihre zuvor angefressene Energie. Die beste Lösung ist deshalb immer ein Naturgarten, in dem der Igel alleine zurechtkommt.

Igelhilfe – was ist erlaubt?
Der Igel ist eine besonders geschützte Tierart. Nur kranke und verletzte Igel dürfen häuslich aufgenommen und gepflegt werden. Sobald sich diese Tiere wieder selbst erhalten können, müssen sie unverzüglich in die Freiheit entlassen werden. Für die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels reicht Tierliebe allein nicht aus. Igelfinder sollten sich in jedem Fall die nötige Sachkenntnis aneignen oder im Zweifelsfall fachkundigen Rat einholen. Mehr Infos hierzu finden Sie auf www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/igel

Anton Reinhardt


Ackerwildkrautpreis 2020 verliehen: Landwirt im Landkreis Lichtenfels ausgezeichnet

29.09.2020

In der heutigen Landwirtschaft sind Äcker meist unkrautfrei. Sie wirken dadurch steril und bieten keine Lebensräume für Insekten und Pflanzen. Es geht aber auch anders. 27 Landwirtinnen und Landwirte aus Oberfranken nahmen dazu am diesjährigen Ackerwildkraut-Wettbewerb teil. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) würdigten die Gewinner aus den Landkreisen Forchheim, Lichtenfels und Bamberg, die zeigen, wie vielfältig Äcker in Oberfranken sein können.

Wildkrautreiche Äcker sind bei angepasstem Management Naturschätze, in denen sich unzählige Insekten und andere Tiere tummeln. Sie können sogar selten gewordene oder vom Aussterben bedrohte Ackerwildkräuter beherbergen, die für den Anbau von Kulturarten meist völlig harmlos sind. Wildkräuter sind zudem wichtige Nahrungslieferanten für unterschiedlichste Insekten, Vögel und andere Tierarten in Agrarlandschaften.

Seltene Ackerwildkrautarten entdeckt

Aus den neun Landkreisen Oberfrankens bewarben sich 27 landwirtschaftliche Betriebe mit ausgewählten Flächen für den Wettbewerb, darunter 23 ökologisch- und vier konventionell wirtschaftende Betriebe. Die Siegeräcker in beiden Kategorien wiesen sogar acht beziehungsweise neun Arten auf, die bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen und in Bayern selten sind.

Honorierung von ackerwildkraut-freundlicher Bewirtschaftung

Mit dem Wettbewerb wollen die beteiligten Verbände Leistungen von Landwirten anerkennen, die ackerwildkraut-freundlich wirtschaften und damit die Vielfalt auf dem Acker fördern. Damit einhergehen muss, dass der Beitrag von Landwirtinnen und Landwirten zum Schutz der Kulturlandschaft und ihrer biologischen Vielfalt auch angemessen finanziell honoriert wird. Daneben soll der Wettbewerb das Interesse der Öffentlichkeit auf die besonders bedrohte Ackerbegleitflora lenken, die nicht nur viele Nahrungsquellen für wichtige Bestäuber und andere Tierarten liefert, sondern durch die Schönheit bunter Äcker auch einen hohen Erholungswert für den Menschen bietet. Landwirtinnen und Landwirte können das gesamte Agrarökosystem fördern, indem sie zum Beispiel auf Pflanzenschutzmittel verzichten oder ihre Äcker mit geringerer Saatstärke bewirtschaften.

Den ersten Preis in der Kategorie konventionell wirtschaftende Betriebe erhielt Lothar Teuchgräber, der in Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels im Nebenerwerb wirtschaftet. Auf seinem Triticale-Acker konnten 28 verschiedene Ackerwildkrautarten gefunden werden, darunter z.B. das gefährdete Sommer-Adonisröschen, der Acker-Rittersporn und die Ackerröte. Dieser Acker wird im Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) gefördert.

Als ersten Preis erhielt er einen Gutschein für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 300 €.


Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn

Am 12.09.2020 fand an der Unterbrunner Mainschleife der Main-Info-Tag statt. Mario Deller hat für den Fränkischen Tag und das Obermain Tagblatt einen ausführlichen Artikel verfasst.


Vereinsgründung "Freunde des Gottesgartens Bad Staffelstein e.V."

23.09.2020

BAD STAFFELSTEIN  Eine anmutige Landschaft mit drei Kulturdenkmälern europäischen Ranges – und das alles im Stadtgebiet von Bad Staffelstein. Dies war für Bürgerinnen und Bürger aus Bad Staffelstein, Lichtenfels und angrenzenden Landkreisen Grund genug, einen Verein zum Erhalt und Schutz dieser einzigartigen Landschaft zu gründen.

Schon im vergangenen Jahr erklärte Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold: „Das Tal ist schon stark geschunden. Jetzt muss Schluss sein!“ Deshalb müsse nunmehr gut auf die Reste dieses kulturgeschichtlich bedeutsamen Landstrichs geachtet werden.

Nach intensiver Vorbereitung und nach Feststellung der Gemeinnützigkeit des Satzungsentwurfes fand Ende Juli in Grundfeld die Gründungsversammlung statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der näheren Umgebung diskutierten ausgiebig und beschlossen schließlich die Satzung. Danach wählte man einstimmig die Vorstandschaft. Zum Vorsitzenden wurde Michael Endres, zum stellvertretenden Vorsitzenden Stefan Sniehotta gewählt. Johannes Hochwart übernahm das Amt des Kassiers. Zur Schriftführerin wurde Claudia Wiesner gewählt.

Der frischgebackene Vorsitzende erklärte: „Der Erhalt und Schutz dieser einzigartigen Kulturlandschaft ist unser aller Aufgabe. Sie ist der Hauptauftrag des Vereins. Wir wollen die reizvolle Landschaft in der jetzigen Form bewahren. Weitere Eingriffe müssen mit der Gesamtwirkung unserer überregional bedeutsamen Kulturgüter vereinbar sein.“

Als Vereinszweck haben die Gründungsmitglieder insbesondere den Schutz der Kulturlandschaft „Gottesgarten“ am Obermain mit den in Blickbeziehung stehenden berühmten Einzeldenkmälern Vierzehnheiligen, Kloster Banz und Staffelberg in ihre Satzung geschrieben. Dort ist zu lesen: „Die Landschaft um Bad Staffelstein hat einen besonderen Reiz, den Einheimische wie Fremde schätzen. Von allen drei Kulturdenkmälern – vom Plateau des Staffelberges im Süden, des Klosters Banz im Nordwesten und der Basilika Vierzehnheiligen im Osten – hat man den Blick in diese einzigartige Kulturlandschaft.“ Als Wermutstropfen falle im Nordosten allerdings der Bau eines riesigen Industriegebäudes in der Gemarkung Seubelsdorf ins Auge. „Die Bebauung des Tals durch solch überdimensionierte Bauten darf nicht fortgesetzt werden“, betonte deshalb Vorsitzender Michael Endres.

„Im Maintal befinden sich wertvolle Ackerböden, die von unseren Landwirtinnen und Landwirten bewirtschaftet werden. Jeder Acker, jedes Feld bringt Nahrung für uns alle. Wenn diese Flächen mit Gewerbehallen überbaut würden, gingen sie der Landwirtschaft verloren; die Versorgung mit Lebensmitteln aus der Heimat würde in Krisenzeiten immer schwieriger!“, meinte Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des BUND Naturschutz, und erinnerte an die Erfahrungen des Jahres 2020: „Die Coronakrise lehrt uns den achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen: den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Dazu gehört die Wertschätzung unseres Grunds und Bodens, der für die heimatnahe Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte unabdingbar ist. Gerade in Notzeiten ist die Selbstversorgung aus heimischen Rohstoffen und Böden überlebensnotwendig.“

Stellvertretender Vorsitzender Stefan Sniehotta hob die Bedeutung des sanften Tourismus hervor: „Touristen aus nah und fern kommen an den Obermain und sind von der herausragenden Kulturlandschaft fasziniert. Hier gibt es viele Möglichkeiten, sich zu erholen und die Landschaft zu genießen: Im Tal fließt der Main, und etliche Seen laden Erholungssuchende ein. Die Obermain-Therme mit ihrer kräftigen Sole und einzigartigen Saunalandschaft  zieht Tages-, Wochenend- und Urlaubsgäste an. Mittlerweile wird durch den Tourismus ein zweistelliger Millionenbetrag erwirtschaftet. Er ist eine der größten Einnahmequellen für Bad Staffelstein.“ Schriftführerin Claudia Wiesner mahnte deshalb: „Gerade in der jetzigen Situation hat sich der Wert der Landschaft als Naherholungsraum für Einheimische und als Ziel für Touristen aus anderen deutschen Regionen erwiesen. Das Ausbleiben der Gäste hat viele Gastronomiebetriebe, Vermieter von Ferienwohnungen, Hotels und Einzelhändler in schwierige Situationen gebracht. Der Stadt Bad Staffelstein kommt deshalb eine enorme Verantwortung zu und muss aus Sicht unseres Vereins diese auch in Zukunft verstärkt berücksichtigen.“

Wie kann man den Verein unterstützen?     

Kassier Johannes Hochwart informierte: „Mitglied kann jeder werden, der den Gottesgarten mag, der für den Erhalt dieser Landschaft steht und der einen kleinen oder großen Beitrag für etwas Einzigartiges tun will. Den Mindestmitgliedsbeitrag in Höhe von jährlich 12 Euro haben wir bewusst klein gehalten; denn alle, die den Gottesgarten schützen wollen, sind willkommen.“ Nähere Informationen kann man auf der Homepage des eingetragenen Vereins finden: www.freunde-gottesgarten.de

Anton Reinhardt


Pflegeeinsatz am Nassanger

12.09.2020

TRIEB   Damit die Lebensräume vieler vom Aussterben bedrohter Vogelarten auf Dauer erhalten oder sogar noch verbessert werden, nahmen aktive BN-Mitglieder umfangreiche Pflegemaßnahmen auf dem Vogelschutzgebiet am Nassanger vor.

Mit dem Balkenmäher wurden wieder offene, auch zur Beobachtung geeignete Teilbereiche freigehalten. Mit viel Elan  ging man auf dem für seltene Vogelarten bedeutsamen Gelände zu Werke, während eine Schar von Grau- Rost- und Kanadagänsen hoch in den Lüften zu sehen und zu hören waren. Viel Zeit zum Beobachten war allerdings nicht, da große Mengen Grüngut in dreistündiger, schweißtreibender Handarbeit zusammengerecht und mit Schubkarren abtransportiert werden mussten. Die betroffene Teilfläche liegt im ufernahen Bereich eines großen Teiches, wo viele, auch zum Teil seltene Vogelarten weiterhin gute Lebensbedingungen vorfinden sollen. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ließ wissen, dass dieses Areal als SPA (Special Protection Area) von der Europäischen Union eingestuft worden sei und damit einen wichtigen „biologischen Trittstein“ des Obermaintales darstelle, außerdem gehöre es auch zum „LIFE-Naturprojekt Oberes Maintal“, bei dem sich der BN von Anfang an aktiv und finanziell beteiligte. Er bedankte sich herzlich bei den fleißigen Helfern. Bei einem vegetarischen Mittagsmahl  fachsimpelte man nach getaner Arbeit noch in gemütlicher Runde.

Anton Reinhardt


Mitmachaktionen in heimatlicher Natur

16.07.2020

LICHTENFELS  In Zeiten von Corona bietet sich die Chance, die nähere Umgebung unserer Heimat und ihre biologische Vielfalt besser kennen zu lernen. Einige Tipps für Mitmachaktionen in der Natur für jung und alt hat die Kreisgruppe des Bund Naturschutz parat. Was sie dafür brauchen? Ein klein wenig Abenteuerlust und Neugier, ein detektivisches Gespür und vor allem eins - viel Freude am Erkunden ihrer Umwelt. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt wünscht Ihnen viel Spaß beim Entdecken, Ausprobieren und Staunen!

Bei einem Waldspaziergang entlang des Wildkatzenpfades im Banzer Forst kann man nicht nur viel Wissenswertes über den scheuen Waldbewohner erfahren, sondern auch selbst mit allen Sinnen die besonderen Fähigkeiten der Wildkatze nachempfinden: Beispielsweise geschicktes Balancieren auf Baumstämmen, mit dem Fernglas Waldtiere entdecken, mit Hörrohren das Hinhören im Wald noch bewusster erleben, die Rindenstruktur verschiedener Laub- und Nadelhölzer ertasten, den Duft der Lindenblüten oder Stinkmorcheln riechen, aber auch das eigene Weitspringvermögen mit dem anderer Tiere an einer kleinen Sprunggrube testen. Wer noch mehr entdecken und erforschen möchte, kann sich mit folgenden Experimenten der Natur und den Naturgesetzen nähern:

Fliegende Baumsamen und Bewegungstricks bei Pflanzen 

Zapfen sind schützende Behälter für die Samen von Nadelbäumen. Die Samen liegen in kleinen Vertiefungen auf der Innenseite der Zapfenschuppen. Damit sie möglichst ideale Flugbedingungen haben, lassen die Zapfen sie nur bei trockenem Wetter frei. Ist es also warm und sonnig, öffnen sich die Zapfen, die Samen können heraussegeln. Ist es feucht, bleiben die Zapfen geschlossen. Reife Fichten-, Kiefern- und Lärchenzapfen fallen komplett ab.

Samen findet man in den abgefallenen Zapfen meist nicht mehr. Vielleicht kann man aber welche auf dem Waldboden entdecken. Oft werden Fichtenzapfen fälschlicherweise als „Tannenzapfen“ bezeichnet. Tannen werfen ihre Zapfen jedoch nicht im Ganzen ab. Sie zerfallen noch am Zweig in die einzelnen Schuppen. Übrig bleibt die aufrechtstehende Spindel, an der die Zapfenschuppen festgewachsen waren. Tannen sind bei uns relativ selten. 

Übrigens: Die Schuppenbewegung wird durch einseitiges Aufquellen oder Zusammenschrumpeln (je nach Wassergehalt) bestimmter Zellen am Schuppenstiel ermöglicht.

Die elastische „Haut“ des Wassers 

Dass dieser Trick funktioniert, liegt an der Oberflächenspannung des Wassers: Die Wassermoleküle in der obersten Schicht hängen etwas zäher zusammen als in tieferen Bereichen, sie bilden eine elastische Außenhülle. Das kann man zum Beispiel sehen, wenn man ein Glas füllt und sich das Wasser etwas über den Rand hinaus wölbt.

Uns Menschen trägt die zarte „Wasserhaut“ leider nicht, doch eine Kiefernnadel oder ein Wasserläufer ist leicht genug. Seine Füße liegen flach auf, das Gewicht wird zusätzlich durch Härchen verteilt. So dellen sie die Haut des Wassers nur ein bisschen ein, was man bei genauem Hinsehen auch beobachten kann. 

Die Oberflächenspannung nutzen nicht nur Kleintiere, um übers Wasser zu laufen. Wasserschnecken gleiten von unten über die Teichoberfläche und „grasen“ schwimmende Algen ab. Pflanzen nutzen den Effekt, um Wasser vom Boden in die Blätter zu „ziehen“.  

Übrigens: Man kann die Tragfähigkeit der Kiefernnadel erhöhen, indem man sie vorher mit etwas Talg einfettet: Reiben Sie sie dazu mit leichtem Druck über deine Stirn. Sobald die Nadel allerdings einmal richtig nass geworden ist, funktioniert das Experiment nicht mehr.

Kringel aus den Stängeln des Löwenzahns basteln

So geht‘s: Schneide den Stängel einer Löwenzahnblüte wie abgebildet der Länge nach ein (1) und tauche ihn in Wasser (2). Er kringelt sich wie Locken (3). 

Noch ein Tipp: Die Kringel bleiben erhalten, wenn man den Stängel herausnimmt. Man kann sie aber wieder glätten, indem man das Wasser stark zuckert und den Stängel erneut hineintaucht.

Grund für die Entstehung der Kringel ist die sogenannte Osmose: Der Saft der Pflanzenzellen enthält viele gelöste Stoffe, vor allem Zuckermoleküle, die sich gern mit möglichst vielen Wasserteilchen umgeben. Werden die Pflanzenstücke untergetaucht, „saugen“ diese Inhaltsstoffe sozusagen zusätzliches Wasser durch die durchlässige Zellwand nach innen und halten es dort fest. Dadurch erhöht sich im Inneren der Zellen der osmotische Druck (=Turgor), und die Zellen quellen auf. Da aber die Außenhaut des Löwenzahnstängels relativ dickwandig und steif ist, dehnen sich nur die inneren Zellen aus, und die Stängelstreifen kringeln sich. Wenn man nun das umgebende Wasser stark zuckert, sind irgendwann die Zuckermoleküle außerhalb der Zellen in der Überzahl und ziehen das in die Zellen eingedrungene Wasser wieder heraus.

Übrigens: Mit Stängeln kann man noch mehr Interessantes anfangen, zum Beispiel geheime Botschaften schreiben oder malen. Verfasse mit dem weißen Saft der Stängel eine Nachricht auf einem Papier und lege dieses in die Sonne. Durch den Einfluss von Luftsauerstoff und Sonnenlicht färbt sich der weiße Saft braun – die Botschaft wird sichtbar. Dieser Vorgang heißt Oxidation.


Blaue Blüten erröten, wenn man sie in einen Ameisenhaufen hält

Bitte beachten: Waldameisen stehen unter Naturschutz. Passen Sie daher bitte auf, dass Sie ihren Haufen nicht beschädigen. Berühren Sie die Ameisen nicht direkt, denn Ameisensäure brennt auf der Haut. Bitte achten Sie auch darauf, keine geschützten Pflanzenarten zu pflücken.

So geht‘s: Wenn Sie an einem Ameisenhaufen vorbeikommen und in der Nähe auch noch blaue Blumen, zum Beispiel Glockenblumen entdecken (1), versuchen Sie Folgendes: Streichen Sie mit einer Blüte über den Ameisenhaufen (2). Die Ameisen fühlen sich von dem vermeintlichen Eindringling sofort bedroht. Sie greifen die Blüte an, indem sie sie mit Säure anspritzen. Die Blüte färbt sich an diesen Stellen rot (3).

Ameisen sind eng mit den Bienen und Wespen verwandt, und wie diese besitzen sie Giftdrüsen im Hinterleib. Ein wichtiger Bestandteil des Ameisengifts ist ein simpler Stoff mit der chemischen Formel HCOOH, bekannt als Ameisensäure. Die Waldameisen versprühen zerstäubte Wölkchen davon, um Feinde auszuschalten oder zu vertreiben. Neben den Ameisen nutzen unter anderem manche Skorpione, Käfer oder Quallen Ameisensäure zur Verteidigung oder zum Beutefang.

Beim Menschen äußert der Kontakt sich durch Brennen und Quaddelbildung. Manche Ameisenarten wie die Rote Gartenameise besitzen sogar einen kleinen Stachel, mit dem sie die Säure wirkungsvoll unter die Haut platzieren – es handelt sich bei den unangenehmen Begegnungen also nicht um Bisse sondern um Stiche. Man kennt den Schmerz von der Brennnessel: Sie nutzt eine ähnliche Technik und verwendet denselben Stoff.

Der blaue Farbstoff der Glockenblumenblüte reagiert auf den Säuregehalt der Umgebung, den pH-Wert: Im basischen Bereich ist er blau, im sauren wechselt er ins Rote. Auch andere Blüten wie die Frühlingsplatterbse besitzen diese Farbstoffe. Die Blütenfarben sind für die Pflanzen wichtig. Sie locken bestäubende Insekten an und schützen die Zellen vor UV-Strahlung.

Weitere Tipps können dem Band Trickkiste der Natur entnommen werden, das bei der BN-Service GmbH käuflich erworben werden kann.

Die Grafiken wurden mit Erlaubnis des BN-Landesverbandes verwendet, sie stammen von dem Band „Trickkiste der Natur“, den man über die BN-Service GmbH käuflich erwerben kann.

Anton Reinhardt


Artgerechte Weideschweinhaltung in Maineck

07.06.2020

MAINECK  Ein Kontrastprogramm zur industriellen Tierhaltung bot die sonntägliche Exkursion des Bund Naturschutz, die auf große Resonanz stieß. Auf dem Anwesen von Benno Fries und seiner Ehefrau Heidemarie Schellwanich-Fries im Außenbereich der Ortschaft, umgeben von einer idyllischen Landschaft, fühlen sich zehn Schweine alter Haustierrassen in Freilandhaltung sichtlich wohl. 

Artgerechte Tierhaltung ist für die Familie Fries kein Fremdwort. Die einzelnen Schweine der vorhandenen Rassen sind Kreuzungen aus bunt gefleckten  „Bentheimern“ und „Schwäbisch-Hällischen“ sowie „Duroc“. Sie haben einen großen Auslauf, dürfen spielen, sich necken und  in der Erde nach Fressbarem wühlen. Auf den Punkt gebracht: „Sie fühlen sich sauwohl!“,  betonte Benno Fries und informierte: „Schweine sind intelligente Tiere, sie sind lernfähig und haben einen natürlichen Bewegungsdrang, sie sind wahre Schleckmäuler und suhlen sich gerne im Schlamm, um sich auch im Sommer gegen Sonnenbrand und Mückenstiche zu wappnen. Wir wechseln deswegen die Weideflächen auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück regelmäßig, so dass die Neugier der Tiere gefördert wird und der Boden sich mit dem entsprechenden Bewuchs wieder regenerieren kann. Außerdem sind wir gesetzlich dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht mit Wildschweinen, in Kontakt kommen. Das gewährleistet zum einen ein Elektrozaun um das jeweilige Weideareal, zum anderen ein Wildschutzzaun um das gesamte Grundstück.“

Die Weideschweinhaltung sei allerdings in Deutschland noch die große Ausnahme, meinte Benno Fries, dem man anmerkt, dass er sich stark verantwortlich für das Wohl seiner Tiere fühlt. Er hob hervor, dass die Haltung von Schweinen in unserem Land zum großen Teil in so genannten intensiven Haltungssystemen erfolge und informierte: „Die fehlende Einstreu, die harten Spaltenböden sowie die hohe Besatzdichte der Buchten bereiten große Probleme und sind eigentlich  für den tiergerechten Umgang untauglich. Der Trend zu hoch industrialisierten Großanlagen hält leider immer noch an. Vor allem in den neuen Bundesländern, wie beispielsweise in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, sind gigantische Anlagen in der Größenordnung von 15.000 bis 85.000 Schweineplätzen in Planung.“ Der Hobby-Schweinehalter möchte damit nichts zu tun haben. Bei ihm spürt man die Liebe zu den Geschöpfen, er führt seine kleine Bio-Landwirtschaft nach den strengen „Demeter-Kriterien“, ihm ist „Klasse, statt Masse“ sehr wichtig. Er lässt die schlachtreifen Tiere in der näheren Region von Metzgern, die er gut kennt, schlachten. Seine Kunden kommen auch meist aus der Umgebung und seien gerne bereit, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen, nach der Devise: „Lieber weniger Fleisch essen, dann aber in hervorragender Qualität!“

Tierarzt Dr. Klaus Prell wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in Deutschland jährlich 60 Millionen Schweine geschlachtet werden, die in sechs bis sieben Monaten ihr ideales Schlachtgewicht erreichen müssten, in Großmastanlagen mit minimalem Platzangebot für das einzelne Tier und hoher Krankheitsanfälligkeit. Der Veterinär wies auf die Studie „Zur Tiergerechtheit der intensiven Schweinehaltung“ hin, wonach beispielsweise bei der einstreulosen Haltung auf Spaltenböden die Tiere ungewünschte Veränderungen am Bewegungsapparat aufwiesen. Außerdem seien gravierende Verhaltensprobleme aufgetreten.

Die Teilnehmer der Exkursion horchten auf, als sie erfuhren, dass ein Drittel des so erzeugten Schweinefleisches in der Produktionskette bis zum Verbraucher letztendlich in der Mülltonne landeten. Tröstlich sei, dass dagegen weltweit die kleinbäuerliche Landwirtschaft zwei Drittel der Welternährung sicherstelle, die großindustrielle Landwirtschaft dagegen nur ein Drittel. Durch sein Kaufverhalten könne der Verbraucher sehr wohl Einfluss auf die Art und Weise der Nahrungsmittelerzeugung nehmen. Jedoch verhalte man sich bei Meinungsumfragen oft ganz anders als beim Einkauf im Discounter, wo meist nur auf den niedrigen Preis geachtet werde, anstatt auf die Qualität der Lebensmittel, die Herkunft und den Weg vom „Acker bis auf den Teller“. Dr. Prell meinte: „Hier auf dem Hof von Benno Fries ist eine Vertrauensbasis zwischen den Verbrauchern und dem Erzeuger des Schweinefleisches im Verlauf der letzten Jahre entstanden: Die artgerechte Tierhaltung ist offenkundig, die Wege der Futtererzeugung, vom Ferkelerzeuger oder zum Metzger sind kurz, das feinmarmorierte Fleisch ist vorzüglicher Qualität. Die Verbraucher sind bereit, mehr zu bezahlen, der Landwirt ist zufrieden und über eine intakte Kulturlandschaft freuen sich auch die Naturschützer“.

Mit kulinarischen Brotzeitspezialitäten, von Heidemarie Schellwanich-Fries zubereitet, klang die gelungene Exkursion des Bund Naturschutz aus.

Anton Reinhardt

Fotos: Jan Ebert


Ausstellung über naturnahe Gärten im BN-Umweltbüro

LICHTENFELS   Ein klein wenig Wildnis in einer Ecke des Gartens kann zu einer Oase für Bienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Kleintiere werden. In den Schaufenstern des BN-Umweltbüros kann derzeit eine Ausstellung über die Gestaltung naturnaher Gärten angesehen werden. Unter dem Motto „Erste Hilfe auf dem Weg zum Naturgarten“ will der Bund Naturschutz dazu ermutigen, seinen eigenen Garten möglichst nach ökologischen Kriterien zu gestalten, um zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen.

„Nicht jeder kann oder will seinen ganzen Garten naturnah gestalten, auch wenn dies aus ökologischer Sicht natürlich optimal wäre. Es ist aber auch schon hilfreich, wenn man in Teilbereichen seines Gartens nicht eingreift und beispielsweise Brennnesseln, die für viele Schmetterlingsraupen als Futterpflanze dienen, bewusst stehen lässt“, berichtet BN-Ortsgruppenvorsitzender  Günter Lutz und hat auch noch einen Tipp parat: „Für glückliche Schmetterlinge im Garten einfach mal die Füße hochlegen und Wildkräuter wachsen lassen!“

Schon mit geringem Aufwand lassen sich ein Reisighaufen oder eine Totholzhecke anlegen, die vielen Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten. Auf den Einsatz von Spritzmitteln, sogenannten „Roundups“, sollte unbedingt verzichtet werden. Die glyphosathaltigen Mittel stehen unter starkem Verdacht, Gesundheitsschäden zu verursachen, wie z.B. die Veränderung des Erbguts und die Begünstigung bestimmter Karzinome.

Die Ausstellung mit vielen nützlichen Anregungen kann in den Schaufenstern des BN-Umweltbüros in der Coburger Str. 16 betrachtet werden. Dort gibt es außerdem kostenloses Infomaterial zur naturnahen Gartengestaltung. (Öffnungszeiten am Dienstag und Mittwoch von 9-12 Uhr und am Donnerstag von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt


Naturidyll am Lichtenfelser Stadtrand

09.04.2020

Im Mainau-Grundstück des Bund Naturschutz hält der Frühling Einzug: Zahlreiche purpurrote und weiße Lerchensporne, im Volksmund liebevoll „Hänsel und Gretel“ genannt sowie das gelb blühende, vitaminreiche Scharbockskraut und weiße Buschwindröschen, säumen zurzeit einen schmalen Trampelpfad durch das auwaldähnliche Grundstück entlang des Mühlbaches.

Im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes des Bund Naturschutz lassen sich die Wirkungszusammenhänge und Veränderungen der Natur  hier im Laufe der vier Jahreszeiten gut beobachten, kennen und schätzen lernen. Unter den zahlreichen Laubbaumarten fallen besonders stattliche Eichen, Pappeln und Erlen auf; davon sind einige Altstämme schon im langsamen Übergangszustand zum Totholz; bilden dadurch jedoch neuen Lebensraum für zahlreiche Kleinlebewesen. Etliche Vogelarten und Fledermäuse kann man entdecken, aber auch die Spuren des Bibers.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte: „Mit dem umweltpädagogischen Konzept, das wir im Laufe der letzten Jahre auf dem 8500 Quadratmeter großen, innenstadtnahen Areal verwirklichen konnten, beabsichtigen wir, vor allem das Interesse junger Leute für die Natur zu wecken.“ Dieses vom Umweltpädagogen Jan Ebert betreute Naturprojekt  soll in den nächsten Monaten mit diversen Aktionen wieder fortgesetzt werden. Zielgruppen sind interessierte Schulklassen, die sich im Rahmen des naturkundlichen Unterrichts hier unter fachlicher Betreuung vor Ort auf Spurensuche begeben möchten, um ihre Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen.“

Anton Reinhardt


Auf der Suche nach der Kreuzotter

04.04.2020

Einst war die Kreuzotter vor allem im Jura des Landkreises relativ weit verbreitet. Wie der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Lichtenfels mitteilt, sind Beobachtungen dieser Schlangenart mittlerweile zur echten Seltenheit geworden und konzentrieren sich meist auf den Staffelberg und sein näheres Umfeld. Auch bayernweit ist es nicht gut um die Kreuzotter bestellt, weshalb sie auf der neuen Roten Liste der Reptilien Bayerns als „stark gefährdet“ eingestuft wird.

Die Ursachen für den drastischen Bestandsrückgang liegen vor allem im Lebensraumverlust. Die Kreuzotter benötigt offene bis halboffene Flächen, die ihr ausreichend Deckung, Windschutz und Besonnung bieten, wie z.B. Waldränder mit kurzrasiger Vegetation und Zwergsträuchern, Grünland im frühen Brachestadium und Hecken mit breiten Säumen und Zwergsträuchern. Darüber hinaus spielt auch der Rückgang von jungen Fröschen und Eidechsen eine Rolle, die vor allem für junge Kreuzottern eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen.

Da eine Untersuchung geeigneter Lebensräume extrem zeitaufwändig ist, bittet der BN die Bevölkerung, sowohl aktuelle als auch ältere Beobachtungen von Kreuzottern mit genauer Orts- und Zeitangabe und falls möglich mit Foto der Schlange oder des Fundorts dem BN zu melden.

„Wir wenden uns gezielt an die Öffentlichkeit, um möglichst viele Daten zu erhalten. Dabei sind nicht nur Beobachtungen aus der jüngeren Vergangenheit wichtig, sondern auch solche, die länger zurückliegen. So können wir uns mit dem Vergleich von aktuellen und erloschenen Vorkommen zumindest ein grobes Bild davon machen, wie sich der Kreuzotterbestand im Landkreis Lichtenfels entwickelt hat und welche Schutzmaßnahmen gegebenenfalls getroffen werden können, um nicht auch noch die letzten Exemplare dieser faszinierenden Schlangenart zu verlieren, die seit langem eine Charakterart unserer Heimat ist. Wir sind für jeden Hinweis dankbar“, berichtet BN-Mitarbeiter Jan Ebert.

Die sichersten Bestimmungsmerkmale der Kreuzotter sind das kräftige, dunkle Zickzackmuster auf dem Rücken und die katzenartige, schlitzförmige Pupille. Durch abstehende Hornplatten über den Augen entsteht der Eindruck eines strengen Blicks. Eine Schlangenart, die leicht mit der Kreuzotter verwechselt werden kann und ebenfalls als „stark gefährdet“ eingestuft wird, ist die Schlingnatter.  Auch sie kommt im Landkreis Lichtenfels vor. Bei ihr fehlen jedoch die kräftige Zeichnung auf dem Rücken und die Hornplatten über den Augen, wodurch ihr Blick harmlos wirkt. Wie bei allen Natternarten ist die Pupille der Schlingnatter zudem niemals schlitzförmig wie bei Katzen, sondern immer rund.

Hier gibt es weitere Informationen zu unseren heimischen Reptilienarten.


Wildkatze wieder fest im Landkreis beheimatet

22.3.2020

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) in Bayern als ausgerottet. Eine groß angelegte Untersuchung des BUND Naturschutz (BN) ergab nun, dass diese scheue Mäusejägerin in einige Regionen Nordbayerns wohl dauerhaft zurückgekehrt ist.

Die Wildkatze zählt zu den seltensten und scheuesten Bewohnern in Bayerns Wäldern. Eine zweifelsfreie Unterscheidung zwischen Wild- und Hauskatzen gelingt nur über eine Genanalyse. Um an das benötige Genmaterial zu gelangen, kam bei dieser nach 2014 zweiten „Wildkatzeninventur“ in Nordbayern erneut die sogenannte Lockstockmethode zum Einsatz. Bei dieser Methode werden sägeraue Holzlatten von BN-Ehrenamtlichen im Wald ausgebracht und mit Baldriantinktur besprüht. Kommen Wildkatzen im Waldgebiet vor, werden sie von dem für sie unwiderstehlichen Geruch angelockt, reiben sich am Stock und hinterlassen dabei Haare.

Im Landkreis Lichtenfels waren zwischen Februar und April 2019 etwa 16 freiwillige Helfer in den Wäldern des Landkreises unterwegs und kontrollierten regelmäßig die von ihnen ausgebrachten Lockstöcke. Dank ihres Einsatzes konnte die Wildkatze im Bucher, Neuensorger und Banzer Forst sowie am Abtenberg bei Unterbrunn wieder bestätigt werden. Neue Erstnachweise gelangen in den Eierbergen sowie im Jura bei Lahm und Serkendorf. Im östlichen Landkreis konnte trotz einer hohen Zahl an ausgebrachten Lockstöcken leider noch kein Nachweis erbracht werden.

Im Banzer Wald wurde die Wildkatze 2014 erstmalig festgestellt. Im Rahmen der Lockstockaktion von 2019 konnte dort ein Weibchen bestätigt werden, das bereits 2016 erfasst wurde. Durch die Genanalyse war es außerdem möglich, das Streifgebiet eines Katers nachzuvollziehen, der vom Neuensorger Forst bis in die Eierberge und wieder zurück in den Banzer Wald wanderte.

Da die Wildkatze im Landkreis zuerst im Banzer Wald sesshaft wurde, ließ der BN in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und Mitteln der Glückspirale dort einen familienfreundlichen Wildkatzenlehrpfad errichten.

Die BN-Kreisgruppe Lichtenfels bedankt sich an dieser Stelle bei allen ehrenamtlichen Helfern sowie den Förstern und Jägern vor Ort, die diese Aktion unterstützt haben.


Die Störche sind wieder zurück

19.3.2020

Wie die Lichtenfelser Kreisgruppe des BUND Naturschutz mitteilt, ist der Fabrikschlot in der Wöhrdstraße in Lichtenfels seit einigen Wochen wieder besetzt und die Familienplanung hat bereits begonnen. Nachdem einer der Altstörche mit der Ringnummer AT272 letztes Jahr unvermittelt starb, ist das Pärchen nun wieder komplett.

Ob es sich dabei um zwei andere Tiere als 2019 handelt, ist unbekannt. Sicher ist jedoch, dass sich mindestens ein Storch neu in Lichtenfels angesiedelt hat. Er trägt einen Ring mit der Nummer A1W51, wodurch die Herkunft des Tieres geklärt werden konnte. Es wurde 2017 im mittelfränkischen Dittenheim beringt und bereits im September 2019 vor dem Wegzug ins Winterquartier bei Hallstadt zusammen mit 58 anderen Weißstörchen beobachtet.


Ackerwildkraut-Wettbewerb Oberfranken

5.3.2020

Ackerwildkräuter sind nicht nur eine farbenfrohe Abwechslung in unserer oft einheitlichen Agrarlandschaft, sondern bieten Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl heimischer Tierarten. Allerdings ist ihre Vielfalt in den letzten Jahren immer stärker zurückgegangen, viele von ihnen gehören inzwischen zu den seltensten Pflanzenarten Deutschlands.

Um diese Vielfalt zu erhalten, ist nun zum vierten Mal der Ackerwildkraut-Wettbewerb ausgeschrieben, für den sich sowohl Biolandwirte als auch konventionell wirtschaftende Bauern bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft bewerben können, wenn sie Ackerwildkräuter auf ihren Flächen haben oder vermuten.

Die Auftaktveranstaltung zum Ackerwildkraut-Wettbewerb für Oberfranken fand diese Woche im Ebensfelder Rathaus statt, mit Lothar Teuchgräber, stellv. Kreisobmann des BBV; Rebekka Mayer, LPV; Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender; Maike Fischer vom DVL; Manfred Rauh, LPV; Bernhard Storath, 1.Bürgermeister; Franziska Mayer vom LfL; Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin und Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender (Von links nach rechts).

 


Flächenfraß im Landkreis senken!

26.2.2020

LICHTENFELS     Der Schutz der freien Flächen zählt zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen. Es gelte, unsere Böden zu erhalten; denn sie speicherten CO2 und große Mengen Wasser. Noch könnten wir mit etlichen Bilderbuch-Landschaften auf den Fremdenverkehrsmessen für den sanften Tourismus guten Gewissens werben.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt schwärmte von seiner Heimat: „Unsere Region ist schön. Hier haben wir in vielen Teilen noch harmonisch in die Gegend eingebettete Dörfer mit kleinstrukturierter Kulturlandschaft in deren äußerem Umfeld: Wegkreuze, Bildstöcke, Streuobstbestände, Wälder, Äcker, Wiesen, Hecken und Kulturdenkmäler von europäischem Rang. Hier haben wir noch landwirtschaftlich nutzbare Böden und Wälder, die CO2 speichern. Aber Franken ist in Gefahr! Unsere fränkische Landschaft hat Besseres verdient, als immer mehr gleichförmige Betonklötze am Ortseingang und gesichtslose Siedlungen am Ortsrand.“

Reinhardt mahnte: „Der ungezügelte Flächenfraß findet nicht nur in den Urwäldern am Amazonas statt, sondern schleichend - von den meisten Bürgern unbemerkt – auch vor unserer eigenen Haustüre. Wir stehen heute deshalb hier, um für unsere Kinder, Enkel und Urenkel ein lebenswertes Umfeld in unserer fränkischen Heimat zu bewahren.“ Im Landkreis sind in den letzten Jahren zwischen 100 und 2400 Quadratmetern täglich der freien Natur entzogen worden. Anders ausgedrückt heißt das, dass in 1 bis 4 Stunden 100 Quadratmeter Fläche verbraucht wurden. Reinhardt appellierte deshalb an die Teilnehmer: „Lasst uns gemeinsam schützend vor den Boden stellen, der die Grundlage unserer Ernährung ist, den die Pflanzen und Bäume brauchen, die uns kostbaren Sauerstoff spenden und  das Klimagas CO2 speichern. Milliarden von Kleinstlebewesen in einem lebendigem Boden verrichten ständig eine wunderbare Arbeit zu unser aller Nutzen. Der Boden ist etwas Existenznotwendiges, er darf nicht zum reinen Spekulationsobjekt verkommen!“

Den übermäßigen Flächenverbrauch möchte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in den kommenden Monaten verstärkt thematisieren. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt informierte: „Mit der jüngsten Aktion am Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, rufen wir alle politisch Verantwortlichen zum sparsamen Umgang mit der Fläche auf. Mit einer 100 Quadratmeter großen, gebrauchten Siloplane setzten die Naturschützer den stündlichen Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels in Szene.

Dabei sollte durch das Landesentwicklungsprogramm (LEP) der Rahmen für den Ausbau von Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und Infrastruktur so abgesteckt werden, dass mit der Ressource Grund und Boden viel sparsamer umgegangen wird. Die Vorschrift für die Kommunen, bei Neubauplanungen erst zu prüfen, ob etwa vorhandene Baulücken oder stillgelegte Industrieflächen genutzt werden können, finde viel zu wenig Beachtung. Reinhardt informierte: „Im Landkreis Lichtenfels stehen laut Industrie- und Handelskammertag 75 Hektar Gewerbegebiete leer, in ganz Oberfranken sind es über 1.200 ha (Stand 12.11.19).“ Diese Überversorgung auf Kosten der Landschaft und der Landwirtschaft entspringe oft dem „Bürgermeisterwettbewerb“ um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer, einer Fehlsteuerung der Landesplanung, der Missachtung der Regionalplanung und der die Ausweisung begünstigenden Gewerbesteuerregeln.“

Im Freistaat werden täglich 13 Hektar freier Fläche – das entspricht etwa 18 Fußballplätzen- der Natur entzogen. Insgesamt steht Bayern beim Flächenverbrauch an der Spitze im Bundesgebiet. BN-Kreisvorsitzender Anton  Reinhardt meinte: „Ein Blick vom Staffelberg oder Kordigast veranschaulicht dem  aufmerksamen Betrachter den ständigen Verlust von freier Landschaft allein in den letzten zwanzig Jahren. Es kann nicht so weitergehen, dass beispielsweise immer neue Gewerbeflächen für Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese genehmigt werden, während gleichzeitig die Innenstädte und Dörfer ihrer Einkaufsmöglichkeiten und damit oft einem Teil ihres pulsierenden Lebens beraubt werden.“ Schon jetzt habe der Landkreis Lichtenfels, mit knapp 70 000 Einwohnern der kleinste Bayerns, eine Straßendichte, die 15 % über dem Landesdurchschnitt liege. Dennoch will die Mehrheit der maßgeblichen politischen Mandatsträger unverhältnismäßig viele Straßenneubauten realisieren: den autobahnähnlichen Weiterbau der B 173 nach Kronach, die Vollumfahrung der B 289 bei Mainroth, den Autobahnzubringer Weismain-Stadelhofen und den Autobahnzubringer Kelbachgrund-Ebensfeld.

Der zunehmende Flächenverbrauch gehe in Bayern eigenartigerweise nicht immer mit einem Bevölkerungszuwachs einher, wie etwa in der Metropolregion München. Die aktuelle Bevölkerungsprognose zeige auf, dass im Landkreis Lichtenfels die Einwohnerzahl leicht sinke, der Flächenverbrauch jedoch weiter steige.

Beispielhaft auf  das Stadtgebiet von Bad Staffelstein eingehend, sagte der BN-Kreisvorsitzende mit Blick auf die Draufsicht der von CS-Trans geplanten Logistikhallen am Fuße des Vierzehnheiligener Bergs: „Solche riesigen Baukörper sind ein enormer Eingriff in das Landschaftsbild, von der Versiegelung des Bodens ganz zu schweigen. Es wäre eine völlige technische Überprägung der Landschaft. Das hat mit landschaftsangepasstem Bauen nichts zu tun. Das hat auch mit fränkischem Baustil nichts zu tun. Hier sollten Eingriffe, die das Landschaftsbild beeinträchtigen, vermieden werden. Noch ist es nicht zu spät!“

Michael Ament, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, beklagte den Rückgang der freien Natur in Feld, Wald und Wiese: „Die Wildtiere haben immer weniger Lebensraum, wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Verbissschäden durch Rehwild und die Schäden durch Wildschweine zunehmen.

Dr. Susann Freiburg, Spitzenkandidatin von Bündnis90/Die Grünen für den Stadtrat, wies auf eine weitere Auswirkung des ungebremsten Flächenfraßes hin: „Die Versiegelung der Böden führt zu einer Verringerung der Grundwasserneubildung. Ausreichendes und sauberes Grundwasser sind die Voraussetzungen für unser Lebensmittel Nr. 1, dem Trinkwasser.“


Werbeteam für den BN im Landkreis Lichtenfels unterwegs

21.2.2020

LICHTENFELS  Vier junge Leute sind seit 17.2.2020 im Landkreis Lichtenfels unterwegs – als Werbeteam in Sachen Natur. Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) möchte die Bevölkerung über seine Arbeit informieren und neue Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen.

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat Bayerns größter Natur- und Umweltschutzverband viel erreicht. Dabei verzichtet der BN als einer der wenigen Umweltverbände in Europa bewusst auf Sponsoring. Denn die finanzielle Unabhängigkeit ist für die Arbeit von Bayerns größtem Natur- und Umweltschutzverband von zentraler Bedeutung. „Nur so können wir uns ehrlich und authentisch für Natur und Mensch in Bayern stark machen“, sagte  Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels. Der BN setzt sich z.B. für eine gentechnikfreie Landwirtschaft, für die Energiewende und für Klima- und Landschaftsschutz ein. „Je mehr Menschen unsere Arbeit unterstützen, desto mehr kann der BN bewirken“, betonte Reinhardt.

Neben der politischen Arbeit leiste der BN ganz klassischen Arten- und Biotopschutz. Viele ehrenamtliche Stunden jährlich verwenden die Naturschützer zum Beispiel, um  Amphibien vor dem Überfahren zu retten, mehrere Hektar Schutzgrundstücke als Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen zu pflegen oder um viele Menschen jeden Alters bei Exkursionen, Errichten eines Wildkatzenlehrpfades, Müllsammlungen, Familienprogrammen und Erlebnistagen die Natur näher zu bringen.

Die jungen Werber sind bestens informiert über die Aktivitäten der BN-Kreisgruppe. „Diese Informationen wollen wir weitergeben. Wir stellen konkrete Projekte der Kreisgruppe Lichtenfels vor und beantworten anfallende Fragen“, so Lucas Schäfer, der Teamsprecher.

Im Landkreis betreibt die Kreisgruppe Lichtenfels des BN seit Jahren aktiven und erfolgreichen Arten- und Landschaftsschutz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umweltbildung. Vorträge, naturkundliche Wanderungen, Informationsmaterial, Ausstellungen und individuelle Hilfe bei Anfragen und Stellungnahmen als „Träger öffentlicher Belange“ sind die wesentlichen Elemente.

Die Werber sind etwa bis Anfang März 2020 im Landkreis unterwegs, weisen sich durch einen Lichtbildausweis aus und sind durch die BN-T-Shirts leicht erkennbar. „Wir wollen mit dieser Aktion auf die Menschen persönlich zugehen, unsere Arbeit vorstellen und sie damit für die Unterstützung gewinnen“, erklärt Kreisvorsitzender Anton Reinhardt.

Fragen zur Werbeaktion beantwortet das BN-Umweltbüro in der Coburger Str. 16 unter der Tel.-Nr.  09571-2586. Die Geschäftsstelle ist dienstags und mittwochs von 9 -12 Uhr und donnerstags von 14-17 Uhr besetzt.


Jahresrückblick 2019

Auch 2019 war für die BN-Kreisgruppe Lichtenfels ein ereignisreiches Jahr.

Hier geht uns zu unserem Foto-Jahresrückblick.


Standpunkt zum Ausgang des Bürgerbegehrens

26.11.2019

Vierzehnheiligen gehört zu den Top 10 der schönsten Orte in ganz Franken. Die Wallfahrtsbasilika, ein Meisterwerk  Balthasar Neumanns, kommt erst so richtig zur Geltung, wenn die kleinstrukturierte Kulturlandschaft, in der sie eingebettet liegt, mit ihren Wäldchen, Äckern, Wiesen, Hecken, Martern, Bildstöcken, Wegkreuzen und Wallfahrtswegen nicht noch mehr durch den galoppierenden Flächenfraß in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass im weiteren Planungsverfahren, die Träger Öffentlicher Belange, wie z.B. Bauernverband, Amt für Landwirtschaft, Denkmalschutzbehörde, Bund Naturschutz, aber auch die Fachbehörden des Landkreises, der Landrat und die Regierenden auf  Bezirks- und Landesebene ihr Veto einlegen sowie in den entsprechenden Stellungnahmen ausführlich darlegen werden, welche überragende landesweite Bedeutung der Schutz der Fläche gerade hier, im Umfeld eines der Highlights unserer Heimat hat.

Außerdem kann auch jeder Einzelne, der sich durch diese Baumaßnahme betroffen fühlt, entsprechende Einwendungen innerhalb des Auslegungszeitraums des vorhabenbezogenen Bauplanes schriftlich vorbringen. Doch soweit sind wir noch gar nicht. Dieser genaue Bauplan wurde ja bis jetzt von CS-Trans noch nicht bei der Stadt eingereicht.

Im übrigen sind auch noch drei Petitionen anhängig, über die im Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags entschieden werden muss.

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender


MdL Ursula Sowa von B 90/DIE GRÜNEN unterstützt Bürgerentscheid „Schutz des Maintals unterhalb des Vierzehnheiligener Bergs“

Am 31.10.19 besuchte Ursula Sowa, baupolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, Grundfeld und informierte sich vor Ort bei den Initiatoren des Bürgerentscheids über den geplanten Hallenbau des Logistikunternehmens CS Trans.

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender und Anwohner Michael Endres stellten dar, dass auf einem Areal mit ca. 5 ha am nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld CS-Trans in 2 Bauabschnitten 2 Lagerhallen und 1 Bürogebäude errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße bauen will.

Die erste Halle soll 200 Meter lang, 75 Meter breit und 8,5 Meter hoch werden, die zweite Halle soll 140 Meter lang in gleicher Breite und Höhe sein. Zusammen sind das 25 500 m², plus Rangier- und Abstellflächen. Das Bauvorhaben liegt im Außenbereich und kann deshalb nur durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes – von einer Landwirtschafts- zu einer Gewerbefläche – realisiert werden. Aus unserer Sicht hat ein überwiegender Teil des Stadtrats die große Tragweite seines Beschlusses am 19.2. noch nicht erkannt: Es geht nicht um Grundfeld allein. Es geht nicht nur um Bad Staffelstein. Es geht um die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, den sogenannten Gottesgarten!

Derweil steigt der Flächenverbrauch ungebremst weiter.Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete – z.Z. 63,5 Hektar im Landkreis LIF – bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden. Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, beträgt in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² t ä g l i c h! Zum Vergleich: In Bayern sind es insgesamt 12 Hektar (17 Fußballfelder täglich!).

Die Folge: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Grundstücks- bzw. Pachtpreise steigen weiter. Das ist kontraproduktiv für den Artenschutz und für die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung!Im Verlauf der letzten 28 Jahre haben wir laut AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten)allein im Landkreis Lichtenfels etwa 2000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen verloren! Die bereits vorhandenen Gewerbeflächen der Familie Precklein sollten daher vorrangig genutzt werden und nicht neue Flächen im Außenbereich!

Die Baugenehmigung im Außenbereich wäre ein fatales Signal für weiteren Flächenfraß, insbesondere im Bereich von Vierzehnheiligen!

Deshalb unser Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger Bad Staffelsteins: Stimmen Sie beim Bürgerentscheid am Sonntag, dem 24. November 2019, mit JA für den Schutz des Maintals, dem Erhalt der noch vorhandenen reizvollen Blickmotive und der landwirtschaftlich genutzten Flächen!

Anton Reinhardt


Harmloser Neubürger

Amerikanische Kiefernwanze derzeit häufig im Landkreis zu beobachten

16.10.2019

Beim Stichwort „Wanze“ denken viele Menschen unweigerlich an die Bettwanze, welche sich bevorzugt in Schlafplätzen von Menschen einnistet, um sich von deren Blut zu ernähren. Wie die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mitteilt, ist die Bettwanze jedoch die einzige der etwa 1000 in Deutschland vorkommenden Wanzenarten, die es auf den Menschen abgesehen hat. Alle anderen Arten ernähren sich von Pflanzensäften oder Kleintieren und können weder stechen oder beißen noch sind sie giftig.

Ein besonders imposanter Vertreter ist die Amerikanische Kiefernwanze. Mit 15-20 Millimetern gehört sie zu den großen Exemplaren der Wanzenfamilie und verursacht beim Fliegen ein tiefes Brummgeräusch. Derzeit kann man sie vermehrt an Hauswänden und Fenstern finden. Mit dem Fall der Temperaturen begibt sich die Zapfenwanze, wie die Amerikanische Kiefernwanze auch genannt wird, auf die Suche nach warmen Plätzen zum Überwintern.

Die Amerikanische Kiefernwanze ist noch nicht lange in Europa beheimatet. 1999 gab es erste Funde in Italien und 2006 wurden die ersten Exemplare in Deutschland gesichtet. Auch im Landkreis Lichtenfels ist sie seit einigen Jahren zu finden. „Wie der Name schon andeutet, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika. Wie sie nach Europa gelangte, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet jedoch, dass sie durch die Einfuhr von Weihnachtsbäumen, Saatgut oder Baumaterial eingeschleppt wurde“, berichtet Günter Lutz, Vorstand der BN-Ortsgruppe Lichtenfels.

Dieses Jahr scheinen ungewöhnlich viele Exemplare der Kiefernwanze aufzutreten. Als wärmeliebende Art hat sie sicher vom vergangenen Sommer profitiert. Auch der Klimawandel tut sein Übriges, dass sich die Zapfenwanze – neben vielen anderen Arten, die früher nur in südlichen Ländern vorkamen – mittlerweile in Deutschland wohlfühlt.


Waldsterben 2.0 - Klimaschutz jetzt!

LICHTENFELS/BAMBERG  Oberfränkische Umweltschützer forderten bei einer Aktion am 14.10.2019 in Bamberg wegen des aktuellen Waldsterbens mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Mit Ästen einer abgestorbenen Kiefer aus einem fränkischen Wald demonstrierten sie die dramatische Entwicklung der Waldschäden nach den Extrem-Sommern 2015 und 2018.

„Wir stehen vor einem Waldsterben 2.0, das durch die Klimakrise verursacht wird. Hintergrund sind die extrem hohen Temperaturen der letzten Sommer infolge der Klimakrise. Verantwortlich hierfür sind die fehlenden politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise in den letzten Jahren. Bayern muss jetzt in der Bundesregierung Nachbesserungen des Klimapäckchens einfordern; denn die bisher beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus, das Klimaversprechen von Paris einzuhalten und den Temperaturanstieg auf 1,5°C  Jahresmitteltemperatur zu begrenzen und damit auch den Schutz der Wälder auf den Weg zu bringen“, so Richard Mergner, Vorsitzender des BN.

Das erste Waldsterben der 1980er Jahre, als die Tannen aufgrund der Luftverschmutzung starben, konnte noch durch politisches Handeln eingedämmt werden. Dies geschah damals nicht durch Appelle, Anreize und Handel mit Verschmutzungsrechten, sondern durch eine klare politische Normensetzung: Mit der Großfeuerungsanlagenverordnung 1983 wurden die Kraftwerksbetreiber gezwungen, Filter einzubauen. Seitdem erholten sich die Wälder wieder. Bei den Auswirkungen der Klimakrise und dem jetzigen Waldsterben 2.0 braucht es jedoch deutlich mehr Anstrengungen.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnte: „Auch bei uns im Landkreis Lichtenfels sind im Staatswald wie auch im Privatwald die ersten Waldschäden festzustellen, besonders in Fichten- und Kiefernbeständen, teilweise in beträchtlichem Ausmaß, wie etwa im Kleinziegenfelder Tal.

Die Schäden für Gesellschaft und Waldbesitzer durch die Klimakrise sind heute schon enorm. Die Folgekosten für ein weiteres Aussitzen der Klimakrise durch die Politik werden deutlich höher sein als die Kosten für geeignete Klimaschutzmaßnahmen.“ 

Mit abgestorbenen Ästen einer stark geschädigten Kiefer aus einer Waldabteilung der Region verdeutlichten die oberfränkischen Aktiven des BN die dramatischen Ausmaße, die das Sterben von Bäumen und teilweise ganzer Wälder in fränkischen Waldgebieten angenommen hat. Die Vertreter der neun Kreisgruppen und etlicher Ortsgruppen trafen sich am Montag, 14.10.19, im Bamberger Restaurant „Kornblume“ zu ihrer Herbsttagung.

Hintergrund: Dramatische Entwicklung der Waldschäden: Waldsterben 2.0

Die Klimakrise trifft die Wälder verschiedener Regionen Bayerns und Deutschlands sehr hart. Vor allem die Nadelbaumarten Kiefer und Fichte leiden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürmen. In Nordbayern und etlichen Bundesländern sterben in den tieferen und wärmeren Lagen immer mehr Kiefern ab, teilweise sogar ganze Wälder. In den Mittelgebirgen und in Südbayern rafft der Borkenkäfer zahlreiche Fichten dahin, die durch Hitze und Trockenheit so geschwächt sind, dass sie dem Borkenkäfer massenhaft zum Opfer fallen. Die Ausbreitung der Fichten-Borkenkäfer ist in einigen Privatwäldern so massiv, dass manche Waldbesitzer den Kampf gegen den Borkenkäfern aufgegeben haben. Es fehlen auch schlicht die Kapazitäten für die Aufarbeitung der Borkenkäferschäden. Als Alternativen zu diesen besonders gefährdeten Baumarten gelten Eichen, Buchen und Weißtannen, die eine moderate Erwärmung verkraften würden. Aber auch diese Baumarten stehen unter Stress und würden eine Klimaerwärmung von 4 bis 5 °C wohl nicht überleben.

Die bisherigen Waldumbaubemühungen, d.h. die Unterpflanzungen der Waldbesitzer und Förster sind gefährdet, wenn die Politik nicht endlich beim Klimaschutz handelt. 

Eine weitere Verschärfung des Baum- und Waldsterbens würde zahlreiche zentrale Leistungen dieser Wälder für die Daseinsvorsorge stark beeinträchtigen und gefährden. Dies beträfe den Trinkwasser-, Hochwasser-, Klima-, Boden-, Lawinen- und den Biotopschutz dieser Wälder, so z.B. die Trinkwasserversorgung und die Bewohnbarkeit des Alpen- und Voralpenraums sowie der Flusstäler.


Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald eröffnet

11.10.2019

Besucher des Banzer Waldes und des dortigen Klettergartens können sich über eine neue Attraktion freuen: In enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz und der Schlosserei Thomas Limmer aus Burgkunstadt entstand auf Initiative des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Lichtenfels, der Wildkatzenlehrpfad im Banzer Wald. Er wurde überwiegend mit Mitteln der Glücksspirale finanziert. Darüber hinaus stellte die Verwaltung des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz kostenlos Baumaterialien zur Verfügung. Mitglieder der BN-Kreisgruppe Lichtenfels investierten bei der Errichtung des Pfades außerdem zahlreiche Arbeitsstunden auf ehrenamtlicher Basis.

Der kinderfreundliche Lehrpfad beginnt direkt auf dem Weg zwischen dem Kassenhäuschen des Kletterwaldes und der Waldschänke. Auf der etwa 1,2 km langen Strecke, die wieder zurück zum Ausgangspunkt führt, erfahren die Besucher an acht Stationen Wissenswertes über die Wildkatze und können sich mit interaktiven Aktionen dem Leben dieses faszinierenden Wildtieres nähern.

Auslöser für das Anlegen des Lehrpfades war unter anderem, dass die Wildkatze tatsächlich im Banzer Wald lebt und sich fortpflanzt. Mit Hilfe kleiner, aufgerauter Holzlatten, die im Boden eingeklopft und regelmäßig mit Baldrian eingesprüht wurden, war es möglich, der Wildkatze auf die Spur zu kommen. Derartig präparierte Lockstöcke haben eine stark anziehende Wirkung auf Katzen, die sich daran reiben und somit Haare hinterlassen. Diese werden genetisch untersucht und können sogar einem bestimmten Einzeltier zugeordnet werden. Auch eine Unterscheidung von Haus- und Wildkatze ist somit zweifelsfrei möglich.

Auf diese Weise gelang es, die sonst sehr scheue Wildkatze im Rahmen einer bayernweit durchgeführten Aktion im Jahr 2013 erstmals im Banzer Wald nachzuweisen. Auch in den Folgejahren bis 2019 konnte sie mit Hilfe von Wildkameras und weiteren Lockstockaktionen erneut bestätigt werden – sehr zur Freude der Kreisgruppe des BUND Naturschutz.


Borkuschter for future – Jeder kann aktiv werden, um unser Klima zu retten!

Am Freitag, 20. September 2019 fand im Landkreis Lichtenfels im Rahmen der Bewegung „Fridays for future“ die erste Klimaschutzaktion statt, welche von den „Borkuschtern for future“ ausgerichtet wurde.

Auch die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. beteiligte sich an der Veranstaltung. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ermunterte im Zusammenhang mit dem Sprechchor „Klima schützen, jetzt!“ die Teilnehmer zur Benutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel auf: „50 Prozent der PKW-Fahrten sind kürzer als 5 km. Hier ist das Fahrrad das ideale Fortbewegungsmittel. Allein dadurch können wir jährlich 10 Millionen Tonnen des klimaschädlichen C02 in Deutschland einsparen.“

Er lobte in diesem Zusammenhang den Beitritt des Landkreises zum VGN, dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, der den umweltfreundichen ÖPNV in der Region erheblich verbessern werde. Beispielsweise sollen in den nächsten Jahren Schritt für Schritt alle Dörfer ab 150 Einwohnern eine preiswerte Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr erhalten. Fifty-fifty-Taxi für Jugendliche und junge Erwachsene, Bürgerbusse, Rufbusse in Verbindung mit der Mitfahrzentrale, Mitfahrbänkchen in einigen Ortschaften, Tourismuslinien, wie z.B. ins Kleinziegenfelder Tal oder nach Vierzehnheiligen, sind weitere gute Ansätze, um die vielen Einzel-PKW-Fahrten zu reduzieren und dadurch den CO2- und Schadstoffausstoß zu senken, um unser Klima zu verbessern.

Anton Reinhardt


BN-Klimademo in Kloster Banz

Anlässlich der CSU-Klausurtagung am 17.9.2019 in Kloster Banz veranstaltete die Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz in Bayern e.V. zusammen mit Vertretern des BN-Landesverbandes eine Demo zum Schutz des Klimas und zur Rettung unseres Gottesgartens am Obermain.

Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, betrug in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² täglich“, so Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz. Er mahnte: „Am nahegelegenen nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld, am Fuße des Vierzehnheiligener Berges, möchte zum Beispiel ein Logistikunternehmen zwei riesige Lagerhallen und ein Bürogebäude auf einer Fläche von ca. 5 ha errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße bauen. Wir wollen nicht, dass der Begriff „Gottesgarten“, die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, spöttisch in „Gewerbehallengarten“ umbenannt wird“. Reinhardt informierte den Fraktionsvorsitzenden Thomas Kreuzer und MdL Jürgen Baumgärtner:

 „Wir sind bereits „Gesundheitsregion“ und unser Landkreis ist anerkannte „Öko-Modellregion“ in Bayern. Wir wollen nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen verlieren und auch deshalb dem ungebremsten Flächenfraß Paroli bieten. Wir bitten Sie eindringlich um Ihre Unterstützung, nehmen Sie die Stadträte von der CSU ins Gebet, ihre Entscheidung vom 19. Februar dieses Jahres noch einmal zu überdenken! Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete - zurzeit 63,5 Hektar im Landkreis - bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden.“ Mit dem Hinweis auf die große Weltkugel, vor der sich die Naturschützer mit ihren Transparenten positionierten, appellierte der BN-Kreisvorsitzende an die Landtagsabgeordneten: „Globales Denken und lokales Handeln sind beim Klimaschutz angesagt!“


1500 Unterschriften zum Schutz des Maintals unterhalb des Vierzehnheiligener Bergs übergeben

1.  Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender: Seit dem Start des Bürgerbegehrens am 27. Juni haben wir ca. 1500 Unterschriften im Stadtgebiet gesammelt. Das sind weit mehr als die nötigen 9 Prozent der Wahlberechtigten, das wären etwa 800 gültige Unterschriften. Wir bedanken uns deshalb bei allen Unterstützern und insbesondere bei allen Sammlerinnen und Sammlern. Lassen Sie mich kurz noch einmal darauf eingehen, warum wir uns derart motiviert engagiert haben. Was käme da auf uns zu? Warum sind wir hier?

Aus unserer Sicht hat ein überwiegender Teil des Stadtrats die große Tragweite seines Beschlusses am 19.2. noch nicht erkannt: Es geht nicht um Grundfeld allein. Es geht nicht nur um Bad Staffelstein. Es geht um die Tourismus- und Gesundheitsregion am Obermain, den Gottesgarten!

Auf  einem Areal mit ca. 5 ha am nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld möchte das Logistikunternehmen CS-Trans in 2 Bauabschnitten 2 Lagerhallen und 1 Bürogebäude errichten sowie eine eigene Zufahrtsstraße.

Die erste Halle soll 200 Meter lang, 75 Meter breit und 8,5 Meter hoch werden, die zweite Halle soll 140 Meter lang in gleicher Breite und Höhe sein. Zusammen sind das 25 500 m², plus Rangier-u. und Abstellflächen. Das Bauvorhaben liegt im Außenbereich und kann deshalb nur durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes – von einer Landwirtschafts- zu einer Gewerbefläche - realisiert werden. In der Stadtratssitzung am 19. Februar 2019 befürworteten dies -entgegen des Vorschlags der Verwaltung und des Bürgermeisters Jürgen Kohmann -16 Stadträte. Nur 7 Stadträte folgten dem Vorschlag der Stadtverwaltung und lehnten die Änderung des Flächennutzungsplanes ab. Um Schaden von unserer Stadtentwicklung fernzuhalten, müssen wir diesen verhängnisvollen Beschluss zu korrigieren versuchen. Damit war aus unserer Sicht das Bürgerbegehren unumgänglich.

Der Flächenverbrauch steigt weiter. Vorhandene, bereits erschlossene Gewerbegebiete - z.Z. 63,5 Hektar im Landkreis LIF - bleiben ungenutzt. Diese sollten vorzugsweise genutzt werden. Der Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels, Bayerns kleinstem Landkreis, beträgt in den letzten 10 Jahren 200 bis 2300 m² t ä g l i c h! Zum Vergleich: In Bayern sind es insgesamt 12 Hektar (17 Fußballfelder täglich!).

Die Folge: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Grundstücks- bzw. Pachtpreise steigen weiter.Das ist kontraproduktiv für den Artenschutz! Wir fordern: Innenentwicklung unserer Dörfer und Städte geht vor Außenentwicklung! Die bereits vorhandenen Gewerbeflächen der Familie Precklein sollten daher vorrangig genutzt werden und nicht neue Flächen im Außenbereich!

Die Baugenehmigung im Außenbereich wäre ein Präzedenzfall für weiteren Flächenfraß, insbesondere im Bereich von Vierzehnheiligen!

Man beachte den Stadtratsbeschluss vor 1 Jahr, dass östlich der Linie Vierzehnheiligener Straße / alte Reundorfer Straße keine Bebauung erfolgen solle. Die Blickbeziehungen unseres Dreigestirns (alle drei Highlights im Bad Staffelsteiner Stadtgebiet) dürften nicht durch noch mehr großflächige, blockartige Bebauungen empfindlich gestört werden! Auch die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes im März 2018 sah eine Bebauung im Bereich nordöstlich von Grundfeld nicht vor.

Sanfter Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor:

Zahlen der Gästestatistik 2018: über 80 % unserer Gäste sind Stammgäste; 617000 Übernachtungen; etliche FeWo-Anbieter auch in Grundfeld; auf vielen Fremdenverkehrsmessen sind Thermenkönigin und Korbstadtkönigin präsent und werben für unsere reizvolle Landschaft. Auch im Gastronomie-, Hotel- und Tourismusgewerbe sind viele Arbeitsplätze angesiedelt.

Wir sind bereits „Gesundheitsregion“ und unser Landkreis ist anerkannte „Öko-Modellregion“ in Bayern. Wir wollen nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen verlieren und auch deshalb dem ungebremsten Flächenfraß Paroli bieten. Wollen wir, dass der Begriff „Gottesgarten“ von unseren Mitbewerbern spöttisch in „Gewerbehallengarten“ umbenannt wird? (siehe Schild an der Abzweigung nach 14 Hl.: „Willkommen im Gottesgarten“. Es wäre deshalb hilfreich, wenn  auch der Verein „Freunde und Förderer Vierzehnheiligens“ derartige Bauvorhaben vehement ablehnen würde, um Schaden vom Umfeld  unseres Kleinods, der Wallfahrtsbasilika, fernzuhalten.

Außerdem ist eine weitere Vermehrung des Straßengütertransports  klimaschädlich und deshalb nicht zukunftsfähig!

Schadstoff-Emissionen müssen weltweit reduziert werden, wenn die Weltgemeinschaft das 2-Grad-Ziel der max. Klimaerwärmung halten will. Das ist mit einem im LKW-Gütertransport-Gewerbe oft ruinösen Wettbewerb mit all seinen negativen Begleiterscheinungen nicht zu schaffen.

Lärm- und Schadstoffemissionen verstärken sich vor dem Lärmschutzwall bzw. vor der Lärmschutzwand, wodurch die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner sinkt.

2. Michael Endres, Anwohner, erklärt Auswirkungen für die betroffenen Bürger vor Ort und den Gottesgarten): Die Kulturlandschaft vor dem Staffelberg, unterhalb von Vierzehnheiligen und Kloster Banz, gilt es in der jetzigen Form zu erhalten, denn:

1.      Der „Gottesgarten“ ist eine einmalige Kulturlandschaft, die es so zu bewahren gilt. Kloster Banz und Vierzehnheiligen sind bedeutende Kulturdenkmale,  deren liebliche Landschaft im Umfeld durch Wander-, Rad- und Wallfahrtswege geprägt ist. Die Wohn- und Lebensqualität soll nicht durch noch mehr Industriebauten im Außenbereich des Ortsteils Grundfeld entwertet werden.

2.      Bad Staffelstein hat sich für den sanften Tourismus entschieden. Die Sichtachse und Fernwirkung der Baudenkmale müssen bewahrt werden (siehe zahlreiche Broschüren des Kur & Tourismus Service Bad Staffelstein sowie des Landkreises Lichtenfels).

3.      Die kulturelle Identität der Dörfer muss geschützt werden. Riesige Logistikhallen zerstören unsere dörfliche Kultur, bringen Lärm Tag und Nacht.

Das geplante Vorhaben geht nicht mit der Politik der bayerischen Landesregierung einher- Wirtschaftsminister Aiwanger hat mehrfach betont, dass derartige Hallen außerhalb der Sichtweite und weg von den Dörfern entstehen sollen.

Es entstehen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Politik. Im März 2018 wird der Flächennutzungsplan für Grundfeld fortgeschrieben (ohne Bebauung im nordöstlichen Bereich). Im Juli 2019 lehnt der Stadtrat eine Bebauung auf dem Areal ab (Suche nach Alternativen). Februar 2019: Der vorhabenbezogene Bebauungsplan darf nun doch erstellt werden - gegen das Votum der Verwaltung. Warum?

 

3. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnt mit Zitaten aus dem Grundgesetz und der Bayerischen Verfassung zum sorgsamen Umgang mit dem Eigentum an Grund und Boden:

GG Art. 14, Abs. 2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Bay. Verfassung Art. 141, Abs. 2: Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen.

Bay. Verfassung Art. 163, Abs. 4: Bauernland soll seiner Zweckbestimmung nicht entfremdet werden. Der Erwerb von land- und forstwirtschaftlich genutztem Boden soll von einem Nachweis der Eignung für sachgemäße Bewirtschaftung abhängig gemacht werden; er darf nicht lediglich der Kapitalanlage dienen.

Deshalb unser Aufruf an alle Bad Staffelsteiner Bürgerinnen und Bürger, Stadträte, Kreisräte und politische Mandatsträger aller Parteien: Stoppt den Flächenfraß, erhaltet unsere Landschaft im Gottesgarten und den Grund und Boden unserer Landwirtschaft zur Sicherung unserer Ernährung!

Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Michael Endres, direkt betroffener Anwohner


53 Paten für Blühstreifen gefunden

30.4.19

WOLFSDORF  Seit dem überwältigenden Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen - für mehr Artenvielfalt!“ tauchen bayernweit Angebote von Landwirten zu Blühpatenschaften auf. „Wir freuen uns, dass durch das Volksbegehren etwas Gutes in Bewegung geraten ist. Viele Landwirte und Verbraucher haben die großen Defizite offensichtlich erkannt und möchten gegensteuern“, sagte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt anlässlich des Aussaattermins mit Agrarbetriebswirt Lukas Hatzold vom Birkenhof an dessen 2,2 Hektar großem Acker am Wallfahrerweg zwischen Wolfsdorf und Bad Staffelstein. Lukas Hatzold ließ wissen, dass sich bisher 53 Blühflächenpaten, darunter auch einige BN-Mitglieder bei ihm gemeldet und sich mit der Finanzierung von je 5 bis 150 Quadratmeter Blühfläche an dem Projekt beteiligt hätten. So ermöglichten sie die Anlage eines etwa 2400 Quadratmeter großen Blühstreifens.

Gespannt verfolgten die Anwesenden die Einfüllung des Blühflächensaatguts in die am Schlepper hinten angekuppelte Sämaschine. An der Frontseite des Schleppers befanden sich Walzen, um die groben Erdschollen zu feiner Erde zu zerkleinern. Der Landwirt informierte, dass die standortgerechte Samenmischung beispielsweise Ringelblume, Kornblume, Sonnenblume, Fenchel, Klatschmohn, Rainfarn, Inkarnatklee, Saatwicke und andere Kultur- und Wildkräuter enthalte; daneben auch Erbsen und Ackerbohnen, um über einen möglichst langen Zeitraum Blühzeiten zu ermöglichen und somit den Bienen und anderen Insekten zu helfen, aber auch die Wanderer, Radler und Wallfahrer beim Anblick zu erfreuen. Als Pluspunkt ist noch zu erwähnen, dass außerdem auf weiteren 1000 Quadratmeter der Ackerfläche auch fünf Wolfsdorfer Familien ihre Kartoffeln anbauen dürfen. Auf der übrigen Ackerfläche werde Körnermais angebaut. Entlang des Blühstreifens sollen demnächst auch Schildchen mit den Namen der Blühpaten angebracht werden.

Anton Reinhardt bedankte sich bei Lukas Hatzold und hob hervor: „Diese Aussaataktion und die direkten Gespräche mit dem Landwirt haben dazu beigetragen, dass das Verständnis der Verbraucher für die bäuerliche Landwirtschaft und Ihre Akzeptanz verbessert werden kann.“

Nun bedurfte es nach der langen Trockenzeit nur noch eines warmen Frühlingsregens, damit die ausgebrachte Blumensaat keimen kann. Der ersehnte Regen kam dann auch eine Woche später.

Anton Reinhardt


Hoffnung für den Osterhasen

18.4.2019

LICHTENFELS   Der Legende nach versteckt „Meister Lampe“ an Ostern die bunten Eier. Noch. Schwindende Lebensräume machen dem Feldhasen arg zu schaffen, warnt der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Lichtenfels. Doch es gibt Anlass zu vorsichtiger Hoffnung: Nicht nur die Bienen, auch der Feldhase könnte von dem erfolgreichen Volksbegehren für mehr Artenvielfalt profitieren. 

Der Feldhase ist ein Tier mit beeindruckenden Fähigkeiten: Er ist ein Meister der Tarnung mit hervorragendem Gehör. Durch seine langen, kräftigen Hinterbeine ist der Feldhase sehr flink: Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 km/h, kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h – das ist schneller als ein Rennpferd im Galopp! Dabei schlägt er 90-Grad-Haken und kann bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen. Um die Damen zu beeindrucken, liefern sich die männlichen Hasen in der Paarungszeit spektakuläre Boxkämpfe und Wettrennen. Übrigens: Vom Wildkaninchen, das im Landkreis Lichtenfels nur stellenweise anzutreffen ist, kann man den Feldhasen durch seine deutlich größeren Ohren unterscheiden. 

Früher war der Feldhase ein „Allerweltstier“, heute steht er in Deutschland auf der Roten Liste und ist auch in unserem Landkreis längst kein alltäglicher Anblick mehr.Der Feldhase braucht Lebensräume in der Feldflur, und diese fallen immer mehr der Intensivierung der Landwirtschaft zum Opfer. Die Flächenverluste durch Straßenbau, Siedlungen und Gewerbegebiete tun ein Übriges. So werden die Hasenreviere beispielsweise durch Straßentrassen zerschnitten, begrenzt und isoliert.

Um einen weiteren Rückgang der Hasenbestände zu vermeiden, fordert der BUND Naturschutz den Erhalt und die Verbesserung der Lebensräume für „Meister Lampe“. BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer informiert: „Alte Heckenbestände, Ackerraine, Übergangsflächen zu den Wäldern und Brachflächen müssen erhalten bleiben.“ Durch den Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, das vom Bayerischen Regierungskabinett vor kurzem angenommen und ergänzt wurde, soll ein Biotopverbund in der Agrarlandschaft geschaffen werden. „Eine solche Vernetzung der Lebensräume könnte dem Feldhasen in unserem Landkreis auf die Sprünge helfen“, erklärt Anton Reinhardt, 1. Vorsitzender der Lichtenfelser Kreisgruppe des BN.

Doch damit sei es nicht getan: „Zusätzlich müssen mehr blühende Strukturen in der Landschaft geschaffen und der ökologische Landbau vorangebracht werden. Der BN hofft, dass der Feldhase auch durch die jüngst verkündete Anerkennung des Landkreises Lichtenfels als Öko-Modellregion profitieren wird.  Infolge dessen könnte man beispielsweise weniger Mineraldünger und chemische Spritzmittel ausbringen, vermehrt viele verschiedene Kulturen anbauen und  Wildkräuter nicht nur als Unkraut ansehen“, betont Anton Reinhardt und meint, dass auch hier  das erfolgreiche Volksbegehren wichtige Fortschritte bringen könnte. BN-Delegierter Günther Scheler warnt: „Nicht nur die Landwirtschaft ist gefordert, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen müssen ihren Beitrag zu ökologischem Handeln beitragen; denn schließlich darf es nicht soweit kommen, dass die Leute in zehn Jahren womöglich nur noch den Schokoladenhasen aus dem Supermarkt kennen.“

BN-Beisitzerin Ute Hauptfleisch weist darauf hin, dass im Übrigen von den geforderten Verbesserungen  nicht nur der Feldhase, sondern auch andere Tiere, wie Goldammer, Kiebitz, Grasfrosch, Feldhamster, aber auch viele Insektenarten profitierten. 

Günter Lutz, der Ortsgruppenvorsitzende des BN Lichtenfels empfiehlt: Jeder kann durch den Kauf von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau diese Forderung unterstützen und so dem „Osterhasen in Not“ helfen. 

Anton Reinhardt


Amphibien gehen wieder auf Wanderschaft

6.3.2019

Mit den ersten milden Tagen und frostfreien Nächten machen die Amphibien sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden überqueren sie dann scharenweise unsere Straßen. Überall in Bayern werden deshalb zurzeit Amphibienzäune aufgebaut. Rund 6000 freiwillige Helfer des BUND Naturschutz (BN) sind dabei im Einsatz und bringen die Tiere sicher über die Straßen. Es ist die größte Mitmachaktion des Naturschutzes in Bayern. Sie rettet jährlich rund einer halben Million Amphibien das Leben.

Wenn Amphibien aus der Winterstarre erwacht sind, machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und in den Nachtstunden überqueren Amphibien dabei scharenweise unsere Straßen. Doch der Weg zur Fortpflanzung endet oft mit dem Tod auf der Straße. Deshalb sind in diesen Wochen wieder die ehrenamtlich Aktiven des BUND Naturschutz an Straßenrändern unterwegs, bauen Amphibienzäune auf und bringen die eingesammelten Tiere sicher auf die andere Straßenseite.

„Bis Ende April muss man auf unseren Straßen mit den Amphibien rechnen oder mit Menschen, die zu deren Schutz in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind“, so Anton Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels.

Im Kreisgebiet befinden sich zahlreiche Amphibienzäune. Eine Übersicht kann hier eingesehen werden:

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/amphibien/wanderwege.html

 Der BUND Naturschutz bittet alle Autofahrer deshalb in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme:

 *  Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnschilder an den Amphibienschutzzäunen.

 *  Achten Sie an den Stellen, an denen ehrenamtliche Mitarbeiter des BUND Naturschutz Krötenzäune errichtet haben, auf die Helfer, die am Straßenrand Tiere einsammeln.

 *  Reduzieren Sie Ihr Tempo auf Straßen, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.

 *  Denken Sie daran, das vor allem warme, regnerische Abende die fortpflanzungsbereiten Tiere massenweise zur Laichwanderung locken.

 * Der BUND Naturschutz bittet um Ihre Mithilfe: Sie haben eine Stelle entdeckt, an der viele Amphibien überfahren wurden und an der kein Schutzzaun errichtet ist? Bitte teilen Sie dies dem BN mit per Mail an:

amphibien@bund-naturschutz.de


Auf der „Jagd“ nach Wildkatzen: mit Baldrian unterwegs in Oberfrankens Wäldern

18.1.19

LICHTENFELS. Eine seltene und scheue Waldbewohnerin kehrt seit einigen Jahren nach Bayern zurück: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris).

In den Jahren 2013-2015 wurden schon einmal zahlreiche Wälder in Bayern im Rahmen eines groß angelegten Projektes des BUND Naturschutz (BN) auf die Anwesenheit von Wildkatzen hin untersucht. Mit großem Erfolg, denn in vielen Regionen sind erstmals seit etwa einem halben Jahrhundert wieder Wildkatzen nachgewiesen worden. 

Um die bekannten Vorkommen zu bestätigen und zum anderen in der Hoffnung, neue Verbreitungsgebiete zu finden, trafen sich am 18.1.19 im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie etliche freiwillige Helferinnen und Helfer aus den Landkreisen Coburg, Kulmbach, Bamberg und Lichtenfels. Und natürlich soll auch in diesem Jahr dabei wieder die sogenannte Lockstock-Methode zum Einsatz kommen. Diplombiologin Sabine Jantschke, die im Auftrag des Bund Naturschutz das Wildkatzenprojekt landesweit betreut und koordiniert, informierte über die Vorgehensweise bei der Spurensuche: „Lockstöcke sind mit einer Baldriantinktur eingesprühte Holzpflöcke, die vorher mit einer Stahlbürste aufgerauht und leicht abgeflammt wurden. Der starke Geruch lockt die Katzen an. Diese reiben sich gerne an den Hölzern oder auch manchmal an Baumstämmen in der unmittelbaren Nähe der Lockstöcke und hinterlassen mit etwas Glück auch entsprechende Haare ihres Katzenfells.

Die Standorte der Lockstöcke werden in den Untersuchungsgebieten im Wald nach einem speziellen Muster gesetzt,  genau dokumentiert und regelmäßig durch die ehrenamtlichen Lockstockbetreuer überprüft. Bei den einzelnen Kontrollen werden die Pfosten unter die Lupe genommen. Möglicherweise vorhandene Wildkatzenhaare sollen dann in den nächsten Wochen behutsam in kleinen Spezialtütchen mit der Pinzette gesammelt und zur wissenschaftlichen Auswertung gebracht werden.“  Dies geschehe anschließend im Labor für Wildtiergenetik am Senckenberg Institut in Gelnhausen. Durch die Genanalyse könne man die Anwesenheit von „echten“ Europäischen Wildkatzen nachweisen. Das ermöglicht beispielsweise die Unterscheidung zu (verwilderten) Hauskatzen, die ebenfalls hin und wieder die Stöcke besuchen. Um eine bundesweite Gendatenbank aufzubauen, sei es wichtig, noch mehr über die Wildkatze und ihr Wanderverhalten zu erfahren. 

Zum Hintergrund: Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze in Bayern und Baden-Württemberg als ausgestorben, nicht zuletzt, weil sie zuvor durch uns Menschen stark bejagt worden sei. Durch ein Wiederansiedlungsprojekt des BUND Naturschutz zwischen 1984 und 2009 konnte die Wildkatze in einigen Wäldern Nordbayerns wieder Fuß fassen. Dazu habe vermutlich auch eine natürliche Einwanderung aus dem Norden, vor allem wohl aus Thüringen und Hessen geführt. Mittlerweile komme die Wildkatze in Nordbayern mit hoher Wahrscheinlichkeit in allen geeigneten Wäldern wieder vor – wenn auch nur in geringer Dichte.

Für eine weitere Ausbreitung der Tiere sei es immens wichtig, dass wildkatzentaugliche Wälder untereinander mit grünen Korridoren aus schützenden Hecken, Bäumen und Sträuchern vernetzt werden. Nur so habe diese Wildtierart eine Chance, langfristig in Bayern zu überleben. Wildkatzen sind Waldbewohner, keinesfalls handle es sich um verwilderte Hauskatzen; denn Wildkatzen seien kräftiger gebaut, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Auf der Suche nach Mäusen streifen sie nachts an der Grenzlinie des Waldes umher. Am liebsten verweilen sie auf im Wald verborgenen Wiesen und ruhigen, heckenreichen Säumen am Waldrand. Je vielfältiger der Wald an inneren Strukturen sei, desto tiefer dringen sie in ihn ein. Die Reviergrößen variieren je nach Beuteangebot zwischen 2 und 9 Quadratkilometern. Die Wildkatzenmännchen, Kuder genannt, seien in den nächsten Wochen bereits auf „Brautschau“ unterwegs. Sie lieben Deckung bietende Strukturen, Sukzessionsflächen, Säume an Waldrändern, Waldwiesen, aber auch Felshöhlen. Sabine Jantschke meinte, dass solche Lebensräume deshalb auch gut geeignet für das Ausbringen der Lockstöcke seien.

Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt erinnerte in diesem Zusammenhang an die 13 Positivnachweise, die im Laufe des Jahres 2015 im Landkreis Lichtenfels erbracht werden konnten und ermunterte zu weiterer Spurensuche: „Leider haben wir keine flächendeckenden Naturlandschaften mehr. Umso wichtiger ist es, einen Biotopverbund der noch vorhandenen naturnahen Restflächen im Auge zu behalten, um zumindest eine Chance zum Überleben von Wildtieren und Wildpflanzen zu schaffen. Die Wildkatze ist eine solche „Zeigerart“, die uns mahnt, der Zerschneidung unserer Landschaft und dem zunehmenden Flächenfraß entgegenzuwirken. Sie kennen, schätzen und schützen zu lernen, kann sich lohnen. Wir werden uns deshalb wieder aktiv an diesem Projekt beteiligen.“ 

Damit dieses Wildkatzenprojekt erfolgreich ablaufen kann, bittet der  Bund Naturschutz deshalb auch die privaten Waldbesitzer um Duldung des einen oder anderen Lockstocks. Spaziergänger bitten wir, nicht die mit dem Lockstoff Baldrian versehenen Pfosten zu berühren und auch Hunde fernzuhalten, da es sonst zu erheblichen Verfälschungen kommen könnte. Michael Ament, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands, der die meisten Jagdpächter vertritt, habe bereits signalisiert, dass er der Wildkatzen-Spurensuche des BUND positiv gegenüberstehe.

Nähere Einzelheiten zu dem Projekt können im Umweltbüro des BUND Naturschutz, Coburger Str. 16, Tel. 09571-2586 erfahren werden (geöffnet dienstags und mittwochs von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr).

Anton Reinhardt


Aktionskreis zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" gegründet

BURGKUNSTADT  Auf großen Zuspruch stieß die Versammlung zur Gründung eines landkreisübergreifenden Aktionsbündnisses am 9.1.19 zu einem besseren Schutz der Artenvielfalt in Bayern. Thomas Müller, der Bezirksvorsitzende der ödp (Ökologisch Demokratische Partei), hob in seinen Begrüßungsworten hervor: „Es ist eine historisch einmalige Chance und wir sind nur noch einen Schritt ins Rathaus davon entfernt, diese Chance zu nutzen.

Beim Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ geht es vor allem darum, in ganz Bayern einen Biotopnetzverbund zu schaffen und das Ausbringen von Pestiziden einzudämmen. Nicht nur, um Bienen, Schmetterlingen und Vögeln bessere Überlebenschancen zu verschaffen, ist dies vonnöten, sondern um dem gesamten Artenreichtum in unserem Land auf die Sprünge zu helfen.“ 

Ein dramatisches Artensterben in den letzten Jahrzehnten sei wissenschaftlich belegt. Thomas Müller mahnte: „54 Prozent aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben. 73 Prozent aller Tagfalter sind verschwunden! Über 75 Prozent aller Fluginsekten sind nicht mehr da. In Bayern leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren!“ Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. Beispielsweise dadurch, dass an den Gewässern Uferrandstreifen verpflichtend vor Pestizid- und Düngeausbringungen geschützt werden sollen. In mehreren Artikeln solle das Bayerische Naturschutzgesetz direktdemokratisch so verbessert werden, dass unsere Lebensgrundlagen stärker gesichert werden und gefährdeten Arten geholfen wird. 

In der landwirtschaftlichen und forstlichen Ausbildung sollen die Gründe und Abhilfemaßnahmen des dramatischen Artenschwunds der letzten Jahrzehnte zum Lehrinhalt gemacht werden. Auch für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft solle es gesetzlich festgelegte Ziele geben. „Das wirksamste Naturschutzgesetz in Europa sei mit dem Volksbegehren in greifbare Nähe gerückt.“, meinte Thomas Müller.

Von den 42 Anwesenden meldeten sich bei der kurzen Vorstellungsrunde einige Bündnispartner mit kurzen Redebeiträgen zu Wort. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt machte den grassierenden Flächenverbrauch mit dafür verantwortlich, dass die Biodiversität stark abgenommen habe und forderte: „Wir brauchen dringend Bereiche, wo Natur noch Natur sein darf!“ Er stellte, um Missverständnissen vorzubeugen, klar:

„Das Volksbegehren ist keine Initiative gegen die Landwirtschaft. Die bäuerlich arbeitenden Familienbetriebe sind vielmehr genauso Leidtragende einer verfehlten Agrarpolitik, die sie in ein System des „Wachsen oder Weichen“ drängt und zu einem gigantischen Höfesterben geführt hat. Wir wollen die bäuerliche, kleinräumig arbeitende Landwirtschaft mit dem Gesetz stärken und ihr eine neue Perspektive geben.“

Die Kreisvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz (LBV), Marion Damm, meinte: „Immer mehr sogenannte Allerweltsvogelarten, wie Feldsperlinge, Mehlschwalben und Feldlerchen gehen im Bestand stark zurück oder landen schon auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.“ Fritz Stehl vom Bayerischen Jagdverband beklagte den Rückgang der Lebensräume für das Niederwild und insbesondere des Rebhuhns. Berufsimker Henrik Arndt sorgt sich um seine 100 Bienenvölker. Ihm ist das Volksbegehren ein besonderes Anliegen und er erklärte sich deshalb spontan  bereit, beim nächsten Treffen des Aktionsbündnisses am 23. Januar 2019 im Gasthof „Drei Kronen“  in Burgkunstadt einen Vortrag zur Bedeutung der Honigbiene zu halten. 

Neben den ödp-Mitgliedern zeigten sich auch Sebastian Müller, der Kreisvorsitzende der SPD, Kreishandwerksmeister Mathias Söllner und Dagmar Keis-Lechner von Bündnis 90/DIE GRÜNEN  sowie Arno Pfaffenberger von der Partei „mut“ mit etlichen ihrer Mitglieder bereit, bei der Durchführung des Volksbegehrens aktiv mitzuhelfen. 

Vom 31. Januar bis zum 13. Februar 2019 hat das Innenministerium die 14-tägige Eintragungsfrist festgesetzt, während der sich 10% der bayerischen Wahlberechtigten (1 Million Menschen!) in den Rathäusern eintragen müssen. Erst wenn auch diese Hürde übersprungen ist, kommt es zum eigentlichen Volksentscheid.

Reinhard Englert von der ödp appellierte deshalb an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden: „Bitte veranlassen Sie bürgerfreundliche Öffnungszeiten  der Rathäuser über das gesetzliche Mindestmaß hinaus, so  dass auch Berufstätigen die Eintragung für das Volksbegehren erleichtert wird. Beispielsweise könnte man in den Mittagspausen oder abends  sowie einige Stunden samstags und sonntags während der zweiwöchigen Eintragungsfrist den Bürgern entgegenkommen. Einige Kommunen haben dies bereits positiv entschieden.“

Thomas Müller freute sich über die vielen konstruktiven Vorschläge, die von den Anwesenden vorgebracht wurden, um das Volksbegehren erfolgreich werden zu lassen.

Anton Reinhardt