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Neubürger

Neobiota

Der Überbegriff Neobiota bezeichnet gebietsfremde Lebewesen, die nach dem Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas) durch menschlichen Einfluss (z.B. Aussetzen, Einschleppung durch weltweiten Handel) in ein neues Gebiet gelangt sind, wo sie zuvor nicht heimisch waren und sich dort angesiedelt haben. Unter Neophyten versteht man gebietsfremde Pflanzen, unter Neozoen nicht-heimische Tiere.

Unter den Neobiota werden etwa 10-15 % der Arten als invasiv eingestuft. Sie können ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Probleme verursachen. Bekannte Beispiele sind die Nilgans, der Waschbär, der Riesenbärenklau (= Herkulesstaude), der Amerikanische Signalkrebs und die Dreikantmuschel. Eine Liste der invasiven Arten kann beim Bayerischen Landesamt für Umwelt eingesehen werden.

Areal-Erweiterer

Areal-Erweiterer sind Lebewesen, die ohne menschliches Zutun in neue Gebiete vordringen und somit ihr Verbreitungsgebiet vergrößern. Dazu zählen beispielsweise der Goldschakal (Verbreitungsschwerpunkt ursprünglich Balkan und Südasien), das Weinhähnchen (wärmeliebende Heuschreckenart), die Zwergscharbe (kleinere Verwandte des Kormorans) und die Wespenspinne.


Arten im Landkreis Lichtenfels

Wespenspinne

Bei der Wespenspinne (Argiope bruennichi) handelt es sich um eine der auffälligsten heimischen Spinnenarten. Weibchen (siehe Foto) können eine Größe von etwa 2 bis 2,5 cm erreichen und sind mit den gelbschwarzen Querbändern auf ihrem Hinterleib unverwechselbar.

In Mitteleuropa war sie bis vor einigen Jahrzehnten noch selten, im Zuge des Klimawandels hat die wärmeliebende und vormals überwiegend in Südeuropa beheimatete Wespenspinne ihr Verbreitungsgebiet jedoch weit nach Norden ausgedehnt und ist mittlerweile in ganz Europa anzutreffen.

Ihr Netz baut sie in niedriger bis halbhoher Vegetation und bevorzugt unter anderem Heuschrecken als Beute.


Amerikanische Kiefernwanze

Beim Stichwort „Wanze“ denken viele Menschen unweigerlich an die Bettwanze, welche sich bevorzugt in Schlafplätzen von Menschen einnistet, um sich von deren Blut zu ernähren. Die Bettwanze ist jedoch die einzige der etwa 1000 in Deutschland vorkommenden Wanzenarten, die es auf den Menschen abgesehen hat. Alle anderen Arten ernähren sich von Pflanzensäften oder Kleintieren und können weder stechen oder beißen noch sind sie giftig.

Ein besonders imposanter Vertreter ist die Amerikanische Kiefernwanze. Mit 15-20 Millimetern gehört sie zu den großen Exemplaren der Wanzenfamilie und verursacht beim Fliegen ein tiefes Brummgeräusch. Bei sinkenden Temperaturen im Herbst begibt sich die Zapfenwanze, wie die Amerikanische Kiefernwanze auch genannt wird, auf die Suche nach warmen Plätzen zum Überwintern.

Wie der Name schon andeutet, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika. Wie sie nach Europa gelangte, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet jedoch, dass sie durch die Einfuhr von Weihnachtsbäumen, Saatgut oder Baumaterial eingeschleppt wurde.

Die Amerikanische Kiefernwanze ist noch nicht lange in Europa beheimatet. 1999 gab es erste Funde in Italien und 2006 wurden die ersten Exemplare in Deutschland gesichtet. Im Landkreis Lichtenfels gelangen erste Beobachtungen 2019.


Schmuckschildkröten

Die Nordamerikanische Schmuckschildkröte (Trachemys scripta), auch Buchstaben-Schmuckschildkröte genannt, ist ein beliebtes Terrarientier, von der es drei Unterarten gibt: Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans), Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) und Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii).

Weibliche Tiere können bei der Gelbwangen-Schmuckschildkröte eine Länge von 25-30 cm erreichen, was wohl ein Grund dafür ist, dass die Tiere aus Platzmangel oftmals ausgesetzt werden. Das Foto der Buchstaben-Schmuckschildkröte ist an den Trieber Baggerseen entstanden, wo Marco Hausdörfer Ende Mai 2025 auch eine Eiablage beobachten konnte. Weitere Sichtungen gelangen ihm im Main bei Hochstadt und im Rudufersee zwischen Schwürbitz und Michelau.

Eine erfolgreiche Fortpflanzung ist in Deutschland bislang noch nicht nachgewiesen, scheint aber bedingt durch die Klimaerwärmung wohl nur eine Frage der Zeit zu sein, da Buchstaben-Schmuckschildkröten wärmeliebend sind.

Wie sich die Anwesenheit der Neubürger auf die heimische Tierwelt auswirken wird, ist schwer abzusehen. Bei hohen Populationsdichten und gleichzeitiger Anwesenheit gefährdeter Amphibien-, Kleinfisch- oder Libellenarten kann von Schmuckschildkröten durchaus eine Gefährdung ausgehen. Von der EU wurden die drei Unterarten daher als invasiv eingestuft und jeglicher Neukauf sowie Haltung verboten.