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Natur vor der Haustür

Ortsgruppe Ebensfeld

Willkommen bei der Ortsgruppe Ebensfeld

1. Vorsitzender:

Ludwig Wendler, Untere Str. 31, 96250 Ebensfeld,

Tel.: 09573/5111

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In Kleukheim hat die Energiewende bereits begonnen

BN Ebensfeld informierte über Photovoltaikstrom und dessen Speichermöglichkeiten

 

22.10.19

 

Sichtlich überrascht von dem großen Interesse an dem Thema Photovoltaik und deren optimale Nutzung waren vergangene Woche nicht nur der Ebensfelder BN-Vorsitzende Ludwig Wendler, der zu einer Begehung in den Kleukheimer Kapellenweg eingeladen hatte, sondern auch die beiden Familien Scherg und Lang, die ihre Anlagen vorstellten und auch einen Einblick in die Technik gewährten. Die BN-Ortsgruppe hatte sich als drittes Thema in einer Info-Reihe nach der Streuobstwiese und den Hecken nun mit den Erneuerbaren Energien beschäftigt.

 

In einem kurzen Grußwort betonte BN Kreisvorsitzender Anton Reinhardt nochmals eindringlich, dass die drohende und nicht mehr weg zu diskutierende Klimakrise in Politik und Gesellschaft ein rasches Gegensteuern notwendig macht. Ein wichtiger Baustein hierfür wird die Umstellung unserer Energieerzeugung auf regenerative Energiequellen sein. Mit der Besichtigung zweier Privatanlagen demonstrierte der BN anschaulich, dass jeder Häuslebauer und -besitzer seinen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Und dass eine solche Anlage auf dem eigenen Dach auch noch wirtschaftlich von Vorteil ist, konnte ein anwesender Mitarbeiter von EON nur bestätigen.

 

Dass es Photovoltaikstrom mittlerweile seit 1954 mit der Satellitentechnik gibt, überraschte erst einmal viele der über 40 interessierten Zuhörer. Während in der Pionierzeit der Stromerzeugung mittels Sonnenenergie nur eine direkte Einspeisung ins öffentliche Netz, damals allerdings mit einer hohen Vergütung, möglich war, ist mit den Preisen für eine Anlage mittlerweile auch die Einspeisevergütung gesunken. Zusätzlich ist seit längerer Zeit nun auch der direkte Eigenverbrauch des erzeugten Stroms möglich. Einen nächsten Schritt machte die Technik mit der Entwicklung von bezahlbaren Stromspeichern, um den eigenen Strom bei Bedarf abzurufen.

 

Dass die Stromspeicherung selbst schon wieder sich "weiter entwickelt" hat, zeigte dann die Vorstellung der beiden unterschiedlichen Speichertypen im Hause Scherg und Lang anschaulich. Während bei Langs ein Stromspeichergerät die benötigte Energie bereithält, geben Schergs ihren überschüssigen Strom in einen virtuellen Speicher beim Energieversorger, der wie im Internet wie eine sogenannte Cloud funktioniert, und können ihn später bei Bedarf wieder abrufen. Wer jetzt schon leicht verwirrt über die technischen Fortschritte der letzten Jahre nachgrübelte, fühlte sich beim nächsten Schritt, nämlich den überschüssigen Strom im eigenen Elektroauto zu speichern, schon fast an einen Sciencefiction Film erinnert. Aber dass auch das ähnlich dem autonom fahrenden Auto in wenigen Jahren Alltag sein wird, wurde kaum von jemanden bezweifelt. Genauso wenig wurde zum Schluss daran gezweifelt, dass Photovoltaik ein Baustein in Sachen Bekämpfung des Klimawandels ist und dass eine solche Anlage mit einer prognostizierten Rendite zwischen 4 - 6 Prozent auch noch jede seriöse Bankanlage übersteigt. In Kleukheim hat auf jeden Fall die Energiewende sichtbar bereits begonnen.

 

Otto Weidner


Exkursion zum vielfältigen Nutzen von Hecken

29.7.19

Mit der zweiten angebotenen Exkursion in diesem Jahr hat sich der Bund Naturschutz Ebensfeld dem umfangreichen Thema Hecken gewidmet. Mit dem Fahrrad und unter fachkundiger Führung von Heinrich Maisel vom Landschaftspflegeverband konnten die Teilnehmer nicht nur Wissenswertes über verschiedene Heckentypen und deren Bedeutung sondern auch über deren Pflege und die angebotenen staatlichen Förderungen erfahren. Bei einer anschließenden Biergarteneinkehr konnten die Themen mit dem Fachmann vor Ort auch noch vertieft werden.

Nach dem erfolgreichen Volksbegehren zum Thema Artenschutz haben sich die Ebensfelder BN`ler Gedanken gemacht, wie das Thema nun in der Praxis fortgeführt und auch praxisnah den Bürgern übermittelt werden kann. Nach einer ersten Grundstücksbegehung zwischen Kleukheim und Peusenhof konnte diesmal Vorsitzender Ludwig Wendler mit Heinrich Maisel einen Fachmann für das breite Thema Hecken gewinnen. Heinrich Maisel betreut beim Landschaftspflegeverband des Landkreises Lichtenfels neben weiteren Aufgabenfeldern auch die Heckenpflegeprogramme im Landkreis Lichtenfels. Und was viele Ebensfelder noch nicht wissen: Der landkreisweite Landschaftspflegeverband ist mittlerweile im Ebensfelder Rathaus angesiedelt und an seiner Spitze steht der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath.

Mit dem Fahrrad ging es dann bei bestem Wetter von Hecke zu Hecke. Ein Musterbeispiel wie auch Privatpersonen bzw. Firmen etwas für den Artenschutz tun können, konnten die Teilnehmer auf einem Lagergelände der Baufirma Raab besichtigen. Wolfgang Schubert-Raab berichtete mit Begeisterung, wie man entlang der Grundstücksgrenze als Ersatzpflanzung für Nadelgehölze sich für eine vielfältige Mischpflanzung einer Hecke entschied. Ziel war mit 15 verschiedenen Pflanzen, die noch dazu alle aus der Region stammen, für unterschiedliche Blühzeiten zu sorgen und damit nicht nur optisch sondern insbesondere für Insekten und Vögel über Monate einen Lebens- und Nahrungsraum zu schaffen. Die Pflanzliste ist sowohl beim Firmenchef als auch bei der BN Ortsgruppe erhältlich.

Die zweite Station der Rundtour führte anschließend exemplarisch zu einer typischen Benjeshecke im jetzigen Ebensfelder Gewerbegebiet gelegen. Die in den 80er Jahren von Hermann Benjes entwickelte Methode baut darauf, dass in abgelagerten Gehölzschnitt sich durch Samenanflug aber auch durch einzelne Einpflanzungen nach und nach eine komplette Hecke entwickelt, die wiederum Vögeln und anderen Tieren Schutz und Nahrung bietet. Die ca. 20 bis 25 Jahre alte Hecke zeigte eindrucksvoll, wie sich fast von selbst ein dichter und abwechslungsreicher Bewuchs einstellt, der neben dem ökologischen Nutzen auch landschaftsprägend wirkt und sogar für den Menschen Früchte bereitstellt.

Eines der landschaftsprägendsten Elemente im Maintal zwischen Ebensfeld und Bad Staffelstein sind zweifellos die bereits in den 60er Jahren angelegten Windschutzhecken, die als Querriegel zur Hauptwindrichtung in der Talebene angelegt wurden. Neben der Hauptfunktion des Windschutzes erläuterte Heinrich Maisel aber auch noch eine Vielzahl weiterer Vorteile, die die Hecken für die Ökologie aber auch für die Landwirtschaft bringen. Ob zur Feuchteregulierung des Bodens, der kleinklimatischen Verhältnisse, der Schädlingsregulierung durch Lebensraum für Vögel und Insekten, einer Schadstoffsperrfunktion bis hin zur Ernte von Früchten und letztlich Brennholz haben die Windschutzhecken mannigfaltige positive Auswirkungen.

Der dramatische Verlust von Boden durch Erosion, wie bei den vergangenen Sandstürmen in Mecklenburg-Vorpommern, wird durch Hecken zumindest eingedämmt. Neben den wirtschaftlichen sind jedoch auch die ökologischen Vorteile kaum zu beziffern. Zur naturschonenden Pflege solcher großen Heckenreihen hat sich mittlerweile ein abschnittsweises auf Stock setzen etabliert, das sich über 3 Jahre hinzieht. Natürlich brauchen derartige Hecken auch Platz zum Wachsen, der für Feldflächen nicht zur Verfügung steht. Rentabel wird spätestens seit der Änderung der Förderrichtlinien die Anlage und Pflege einer derartigen Hecke nicht nur durch einen höheren Ertrag auf den angrenzenden Feldern sondern auch ganz konkret durch Fördergelder. Mit einer doppelt so hohen Anrechnung auf Stilllegungsflächen sind Hecken mittlerweile auch wirtschaftlich für die Landwirtschaft interessant.

Heinrich Maisel verwies abschließend noch auf seine Erreichbarkeit im Ebensfelder Rathaus unter der Telefonnummer 09573/9608-23 bzw. der E-Mail-Adresse heinrich.maisel@pvobermain.de, unter der ein Beratungstermin gerne vereinbart werden kann.

Otto Weidner


Oase der Artenvielfalt

23.6.19

Das Thema Artenvielfalt ist nicht zuletzt aufgrund des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in aller Munde. Um ein positives Beispiel zu präsentieren, lud die Ortsgruppe Ebensfeld des BUND Naturschutz (BN) am 23. Juni zur Besichtigung eines etwa 1,2 ha großen Grundstücks ein, das mitten in der Feldflur zwischen Kleukheim und Schweisdorf liegt.

Vor etwa acht Jahren verwandelte der Kleukheimer Johann Schmitt die damalige Ackerfläche in ein Naturschutzgrundstück und legte dabei eine Streuobstwiese, eine Hecke, ein Feuchtbiotop, eine Blühfläche sowie einen großen Steinhaufen an. Außerdem werden auf dem Grundstück Bienen gehalten, Holz gelagert und Kartoffeln angebaut.

Unter der Leitung der Naturkundler Michael Bäumler und Jan Ebert erfuhren die etwa 25 Teilnehmer, dass solche naturnahen Grundstücke besonders in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten wie ein Magnet auf Tiere und Pflanzen wirken, da die vielfältigen Strukturen sowohl Lebensraum als auch Nahrung für zahlreiche Arten bieten. So konnte dort die auf der Roten Liste stehende Dorngrasmücke festgestellt werden, die auf Hecken und Buschland als Brutplatz angewiesen ist. Auch der Feldhase nutzt regelmäßig das deckungsreiche Gebiet, im Winter hielt sich der vom Aussterben bedrohte Raubwürger über längere Zeit als Gast auf und im Frühjahr wurde das Areal von Rebhühnern aufgesucht. „Diese Arten zeigen eindrücklich, dass das Grundstück eine hohe naturschutzfachliche Qualität aufweist“, so Michael Bäumler.

Bei der Begutachtung des etwa 60 m2 großen Flachtümpels konnten fünf verschiedene Libellenarten festgestellt werden, darunter fünf Exemplare des Plattbauchs, der auf seinem Ansitz von den Teilnehmern auf kurze Entfernung beobachtet werden konnte. Außerdem zeigten sich die hellblauen Hufeisen-Azurjungfern, welche an fliegende Nadeln erinnern sowie eine Westliche Weidenjungfer, die sich passenderweise kurz auf dem Hosenbein eines Teilnehmers niederließ und so aus nächster Nähe bestaunt werden konnte.

Ludwig Wendler, 1. Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Ebensfeld bedankte sich bei Johann Schmitt sowie den beiden Exkursionsleitern für ihr Engagement und hob das Anlegen von Naturschutzgrundstücken als nachahmenswertes Beispiel hervor.

Text & Fotos: Jan Ebert


Baufirma Raab geht beim Artenschutz mit gutem Beispiel voran

30.4.19

Das Volksbegehren „Artenschutz“ hat nicht nur in ganz Bayern für Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Nachdem die Bayerische Staatsregierung das Votum der Bürger nun übernehmen will, geht es jetzt um die praktische Umsetzung. Nachdem die Ebensfelder Schule bereits mit der Anlage einer Blühwiese im Schulgarten mit Gutem Beispiel voran gegangen ist, freut sich die Bund Naturschutz Ortsgruppe Ebensfeld nun über die nächste vorbildliche Aktion in Sachen Artenschutz.

Die heimische Baufirma Raab musste einen Teil der auf Ihrem Grundstück vorhandenen Baumreihe aus Kiefern fällen, da dort eine Fernwärmeleitung verlegt wurde. Nun wurden dort keine neuen Kiefern mehr gepflanzt, sondern eine Heckenzeile aus 15 verschiedenen Pflanzenarten, welche auch zu verschiedenen Blühzeiten blühen werden. Durch die zeitliche Verteilung bekommen besonders viele verschiedene Insekten Nahrung und Lebensraum. Auf der Pflanzliste befinden sich neben verschiedenen Holunder, Heckenrose, Schlehe, Felsenbirne oder Flieder auch weniger bekannte Namen wie der Besenginster, die Tataren Heckenkirsche oder der Weidenblättrige Spierstrauch. Bei Interesse stellt die Ortsgruppe gerne Informationen zur Verfügung.

Auf dem Bild freut sich Schuberth Raab, Christian Schmidt und vom BN Otto Weidner und Ludwig Wendler über die Neupflanzung.

O.W.


Main Info Tag rückt die Lebensader Frankens in den Fokus

UNTERBRUNN, 9.9.18  Das Interesse der Bevölkerung an dem, was da im Bereich der Mainschleife kreucht und fleucht, war sehr groß. In seinen Begrüßungsworten hob BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt hervor, dass der Main mit seinen 527 km das größte Fließgewässer Frankens sei. Mit Blick auf eine großflächig ausgelegte, begehbare Landkarte Bayerns meinte er: „Der Main ist mehr als ein Flusswasserkörper 1.Ordnung, wie er von den Wasserfachleuten technisch eingestuft wird. Mit seinen vielen Nebenflüssen, Bächen und Gräben bildet er die Lebensgrundlage für ein riesiges Biotopverbundsystem; allerdings unter der Voraussetzung, dass wir Menschen achtsam mit dieser Lebensader umgehen.“ Dies näher kennen, schätzen und schützen zu lernen, sei der Anlass für den Bund Naturschutz gewesen, den „Main Info Tag“ gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem „Flussparadies Franken“, der Umweltstation Weismain und den „Blumen- und Gartenfreunden Unterbrunn“ zu veranstalten.

Auf dem „Maingezwitscherpfad“ machte Anette Hohl mit ihrem Team den Kindern und Jugendlichen die Natur im Umfeld des Flusses an fünf Stationen erlebbar; wie etwa die Veränderungen des Flusslaufes in den letzten 150 Jahren, das Erfühlen dreier Gesteine unterschiedlicher Rauheit, die der Main aus dem Fichtelgebirge herantransportiert und hier an Kiesbänken abgelagert hatte oder das Zuordnen der Lieblingsplätze von Vögeln in Flussnähe und schließlich die Lebensräume ortstypischer Fischarten kennenlernen. An jeder Station wurde eine kleine Lernerfolgskontrolle durchgeführt, um das Wissen der Kinder und Jugendlichen zu festigen.

Während der nächsten Führung erkundete man unter der fachkundigen Leitung von Ludwig Wendler, dem BN-Ortsgruppenvorsitzenden von Ebensfeld, die Flusslandschaft entlang der 1,8 Kilometer langen Mainschleife. Etliche Altwasserreste, Auwäldchen und Bodenvertiefungen entlang des Obermains zeugen noch heute von einer Flussdynamik, die noch lange vor der Mainflößerei intakt gewesen sein müsse. Über Jahrhunderte haben Main und Rodach vom Fichtelgebirge und Frankenwald riesige Kiesmengen in das Obermaintal verfrachtet und so abbauwürdige Lagerstätten geschaffen. Viele Baggerseen, die durch den intensiven Kiesabbau seit 1950 entstanden, haben dazu beigetragen, das Gesicht der Landschaft einschneidend zu verändern. 

Wendler hob hervor: „Der Bund Naturschutz hat vor Jahren in seiner Stellungnahme zu der Renaturierungsmaßnahme bei Unterbrunn die Verlängerung des Flusslaufes ausdrücklich begrüßt, jedoch großen Wert darauf gelegt, dass keine neuen, großen, offenen Wasserflächen entstehen. Die Interessen der Kiesindustrie waren deshalb auch darauf ausgelegt, einen hohen Wiederverfüllungsgrad des Abbauareals zu erreichen.“ Der Exkursionsleiter erklärte ausführlich die Ziele der Laufverlängerung des Maines. Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Hochwasser sei man mittlerweile für den vorbeugenden Hochwasserschutz sensibilisiert worden. Man habe erkannt, dass ein mäandrierender Fluss auf natürliche Weise die Fließgeschwindigkeit verlangsame. Der Fluss habe so die Möglichkeit, sich in der Fläche stärker auszubreiten. Dadurch werden wiederum große Wassermengen, die im Unterlauf des Mains fatale Folgen hätten, eher zurückgehalten und könnten wesentlich langsamer abfließen.

Bei der dritten  Exkursion erklärten Gerhard Hübner und Rebekka Mayer vom Landschaftspflegeverband die Besonderheiten der 11 Hektar großen Weidefläche der Maininsel, die im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen entstanden ist. Nachdem es mit der Rinderbeweidung nicht zufriedenstellend klappte, versuche man nun Offenlandflächen mit einer kleinen Ziegenherde freizuhalten. Ziegen seien unproblematischer und büxten nicht so leicht aus, wie es Rinder in der Vergangenheit leider bei Niedrigwasser des Mains ab und zu taten. Schließlich wolle man ja die hohe Artenvielfalt des Areals auf Dauer durch natürliche Landschaftspflege erhalten. Ansonsten würde in wenigen Jahren die Fläche komplett verbuschen. Zielarten des Projekts, die Offenland benötigen, seien beispielsweise Eidechsen, Blauflügelige Ödlandschrecke und Blauflügelige Sandschrecke.

Speziell für die vogelkundigen Besucher traf man sich bei der vierten Exkursion auf dem Aussichtsturm, nahe des Zusammenflusses von Mainschleife und Altmain, wo man mit Ferngläsern und von den Experten Michael Bäumler und Ulrich Völker genau eingestellten Spektiven Nilgänse, Rostgänse und Silberreiher aus größerer Distanz ungestört am Ufer des Biotopsees beobachten konnte. Das Highlight war ein über der Mainschleife hoch in den Lüften kreisender Fischadler. Anschließend inspizierte man die herrliche Schwarzpappel ein paar hundert Meter weiter flussabwärts. Michael Bäumler informierte die Besucher über den stattlichen Umfang von 6,40 Metern: „Die Baumart ist relativ selten, dieses Exemplar ist das größte seiner Art im gesamten Landkreis.“

Während die Exkursionen stattfanden, konnten sich die übrigen Besucher an den Info-Ständen eingehend informieren oder selbst aktiv werden. LBV-Kreisvorsitzende Marion Damm und Reinhold Bräutigam zeigten unter anderem schöne Exponate von Vögeln, deren Arten hier in der Mainschleife vorkommen, wie Rotmilan, Weißstorch, Pirol und Silberreiher. Außerdem konnte man an einer stilisierten kleinen Wand den Eisvogel, das Wappentier des Landesbund für Vogelschutz bewundern. Die Geschäftsführerin des Flussparadies Franken, Dr. Anne Schmitt, betreute einen Kreativstand, wo die Kinder Materialien aus dem Fluss, wie etwa Steine und Muschelschalen, phantasievoll bemalen und mit nach Hause nehmen konnten. Am BN-Stand präsentierten Ute Hauptfleisch und Renate Nüsslein sehr stark vergrößerte Tierexponate aus Spezialgießharz. So konnten auch die Anatomien von Kleinstlebewesen, wie z. B. Köcherfliegen- und Libellenlarven oder Wasserasseln studiert werden. Auch der Bürgermeister der Marktgemeinde Ebensfeld, Bernhard Storath, fragte interessiert nach Einzelheiten des breiten Informationsangebotes.

Am ebenso rege frequentierten Stand der Umweltstation, nahe der Wasserlinie der Mainschleife, halfen Kerstin Schmidt und Christian Luplow den Besuchern, die kleinsten Bewohner des Mains leibhaftig in Augenschein zu nehmen. Mit Binokularen konnten die Naturinteressierten im Wasser lebende Kleinstlebewesen bestaunen, die kurz vorher direkt aus dem Fluss gekeschert wurden. Man fand neben Strudelwürmern, Wasserläusen und -flöhen auch Libellen-, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven. Vor allem letztgenannte Lebewesen seien Indikatoren für eine gute bis sehr gute Wasserqualität.

Die „Blumen- und Gartenfreunde Unterbrunn“ bewirteten die Gäste aus nah und fern während des ganzen Nachmittags mit guten selbstgebackenen Kuchen und diversen Getränken.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei allen Akteuren für das vorbildliche ehrenamtliche Engagement.

Bericht: Anton Reinhardt

Fotos: Jan Ebert


Ebensfeld. Müll gehört nicht in die Landschaft und schon gar nicht in unsere Bäche und Flüsse. Das weiß eigentlich jedes Kind.

Trotzdem wurden auch 2018 bei der gemeinsamen Müll-Sammel-Aktion "Mein Main muss sauber sein" wieder Glasflaschen, Autoreifen, Dosen und viel Plastik von den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gefunden und ordnungsgemäß entsorgt. Obwohl die Ortsgruppe des Bund Naturschutz den Main-Abschnitt von Niederau bis zur Boot-Einstiegsstelle bei Ebensfeld erst vor 2 Jahren gesäubert hatte, sammelten die fleißigen Helfer zu Fuß und auch mit einem Schlauchboot erneut einen ganzen Anhänger voll Unrat aus dem Wasser bzw. der Uferböschung.

Waren es vom Fluss her hauptsächlich Plastiktüten oder Teile davon, wurden am Ufer jede Art von Müll gefunden. Die Mitglieder des BN konnten sich dabei auch überzeugen, wie die Renaturierungen von Fuchs, Biber und Wildvögeln hervorragend angenommen wurden; auch die "wilde" Vegetation entwickelt sich überzeugend. Die Marktgemeide Ebensfeld übernahm die Entsorgung der gesammelten Teile.

O.W.


Lob für einen langjährigen aktiven Naturschützer

Ebensfeld. Zu einer Frühlingswanderung rund um das Naturfreundehaus am Dornig hatte die Bund Naturschutz Ortsgruppe Ebensfeld eingeladen

und alle Interessierten warteten schon ungeduldig auf den Wanderführer und Ortsgruppenvorsitzenden Ludwig Wendler, als dieser kurzfristig aufgrund eines medizinischen Notfalls in der Familie sein Mitwandern absagen musste.

Spontan übernahmen deshalb der BN-Kreisvorsitzende Anton Reinhardt und Wilhelm Ebitsch aus Kleukheim die Leitung der Gruppe. Bei bestem Frühlingswetter ging es zum Morgenbühl, wo nicht nur die Ausblicke zum Staffelberg, übers Maintal bis zum Thüringer Wald und natürlich auch zum Ebensfelder Hausberg, dem Veitsberg (Ansberg) sondern auch die Vegetation des besonders geschützten Trockenrasenbiotops, u.a. die besonders gefährdete Küchenschelle und einige interessante Infos genossen werden konnten.

Bei der anschließenden Einkehr traf glücklicherweise auch BN-Ortsvorsitzender Ludwig Wendler (links im Bild) wieder ein und nahe des Naturfreundehaus überraschte KreisvorsitzenderAnton Reinhardt (rechts) den seit Jahrzehnten sowohl beim BN als auch als Naturschutzwächter des Landratsamtes aktiven Wilhelm Ebitsch ( Bildmitte) mit der Überreichung der Ehrennadel des BN.

Otto Weidner

 


Ein Ureinwohner Ebensfelds kehrt heim - der erste Biber ist wieder am Kellbach sesshaft

Ebensfeld. Jahrhunderte lang rückten die Menschen dem Biber im wahrsten Sinn des Wortes auf den Pelz: Unter anderem wurde er wegen seines schönen Fells, seinem Fleisch und wegen seines Drüsensekrets Bibergeil gejagt, so lange, bis man ihn in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts endgültig ausgerottet hatte. Und das, obwohl er vorher 15 Millionen Jahre lang in Bayern heimisch war. Erst vor knapp über 40 Jahren gelang es, den Biber durch ein gezieltes Wiederansiedlungsprogramm mit Genehmigung des Landwirtschaftsministeriums wieder bei uns in Bayern heimisch zu machen. Erfreulicherweise gibt es mittlerweile wieder an die 12.000 Biber. Und die Prognose für die Zukunft ist gut.

In Ebensfeld hat nun mindestens ein Biber auch das schöne Kellbachtal entdeckt und angefangen sich sesshaft zu machen. Dies war auch der Grund für die Ortsgruppe des Bund Naturschutz Ebensfeld, den Biberberater für Nordbayern Horst Schwemmer nach Ebensfeld zu holen, um den jungen aber auch älteren Ebensfeldern den neuen Mitbewohner näher zu bringen.

Führungen für Jung und Alt

Mehr als spannend ging es dann an einem späteren Nachmittag letzter Woche am Kellbach kurz nach der Autobahnunterführung zu. Mehrere junge Biberforscher machten sich mit ihren Eltern auf, um den neuen Kellbachbewohner aufzuspüren und aus erster Hand alles Wissenswerte zu erfahren. Der Biber selbst beantwortete in der Gestalt einer Biber-Puppe geführt vom Biberberater Horst Schwemmer die Fragen der Kinder und natürlich auch der Erwachsenen. So erfuhren sie z.B. dass der Biber zu einer streng geschützten Tierart gehört, die mit einem Gewicht von bis zu 30 kg die größten Nagetiere der nördlichen Erdhalbkugel darstellen. Ihr Fell gehört mit sage und schreibe 23.000 Haaren zu den dichtesten im Tierreich. Schnell fanden die Jungforscher auch heraus, wozu der Biber seinen bis zu 35 cm langen platten Schwanz, der sogenannten Biberkelle braucht. Er dient als Stütze beim Sitzen, als Steuer beim Schwimmen und nicht zuletzt zur Alarmierung bei Gefahr. Dass Biber reine Pflanzenfresser sind, konnte man schnell erkennen.

Neben Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen bildet die Rinde von Gehölzen besonders im Winterhalbjahr die Hauptnahrung, was an vielen Ästen deutlich zu sehen war. Um an die Rinde von Bäumen zu kommen fällen sie allein mit ihrem Gebiss ganze Bäume. Allerdings benötigen sie die Stämme und Äste auch als Baumaterial für ihre Dämme und Biberburgen. Auch am Kellbach konnten die Kinder schnell einen Biberdamm entdecken.

Kurz darauf zeigte der Biber Horst ihnen auch seinen Bau, die Biberburg, die am Bachufer angelegt wurde. Schnell konnte man erkennen, dass der Biber zu den genialsten Konstrukteuren und Baumeistern des Tierreichs gehört. Seine riesigen Nagezähne, der platte Schwanz und die scharfen Krallen sind für ihn wichtige Werkzeuge bei der Arbeit, die zu einem großen Teil unter Wasser stattfindet.

Dass Biber hervorragende Taucher sind und mehrere Minuten unter Wasser bleiben können, konnte Horst Schwemmer seinen Besuchern nicht zeigen, da Biber dämmerungsaktive Tiere sind und erst gegen Abend an die Arbeit gehen.

Für Konflikte mit dem Biber gibt es Lösungen

Dass Konflikte manchmal nicht ganz ausbleiben, ist eigentlich kein Wunder. Der Biber kehrt in seine alte Heimat zurück, die jedoch mittlerweile komplett vom Menschen in Beschlag genommen wurde. Wenn dann oft nicht einmal die wichtigen Uferstreifen von landwirtschaftlichen Flächen frei bleiben, dann kann es schon einmal vorkommen, dass sich der Biber von Feldfrüchten bedient oder sogar Röhren in Äcker baut und Wiesen überschwemmt. Aber auch für solche Problemfälle gibt es natürlich Lösungen, hier in Form der Biberberater und einem vom Bayerischen Umweltministerium eingerichteten Schadensfonds.

Ganz begeistert war Horst Schwemmer allerdings auch über den Ebensfelder Biber, da dieser sich ein relativ konfliktarmes Stück Bach ausgesucht hat, wo kaum Probleme zu erwarten sein dürften.

Naturtalent im Landschaftsbau

Der aktive Nager erweist sich als wahres Naturtalent im Landschaftsbau. Durch seine Baumaßnahmen nutzt er nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Tieren und Pflanzen. Wo zum Beispiel Bäume und Gestrüpp eine ungenutzte Wiese überwuchern, setzt der Biber zum Kahlschlag an. Seltene Pflanzen wie Orchideen haben dann z.B. wieder Platz zum wachsen. Und wo Biber Stauseen bauen, sind auch Frösche nicht weit. Das wiederum ist die Lieblingsspeise von Schwarzstörchen, die dank der Biber ebenfalls zu uns zurückgekehrt sind. Die aufgestauten Wasserflächen erhöhen zudem den Grundwasserspiegel und sorgen dadurch auch schnell für eine Pflanzenvielfalt und dementsprechende Lebensräume für die verschiedensten Tierarten. Auf diese Art und Weise ersetzen Biber teuere und aufwändige Renaturierungsmaßnahmen, schaffen ganz umsonst Biotopflächen und -verbindungen, verbessern ganz nebenbei den Wasserhaushalt und die Wasserqualität und sind die Schlüsselart für eine immense Artenvielfalt, ganz im Sinne der Bayerischen Biodiversitäts-Strategie der Bayerischen Staatsregierung. Dass man in der Natur viel lernen kann, konnten nicht nur die kleinen Forscher bei der Biberwanderung erfahren. Ab jetzt wird man ganz bestimmt so manche Familie immer wieder sehen können, wenn sie bei ihrem Ebensfelder Biber vorbeischauen.

O.W.


Pressemitteilung vom 21.01.2014 zur Umfahrung Kelbachgrund

GEPLANTE NEUBAUTRASSE DURCH DEN KELBACHGRUND - ERGÄNZENDES PLANFESTSTELLUNGSVERFAHREN
LÖST ERNEUT SCHARFE KRITIK AUS
Mit dem Ergänzenden Planfeststellungsverfahren erkennt die Regierung von Oberfranken und das Staatliche Bauamt Bamberg offenbar einige der Kritik-punkte des BUND Naturschutz an und versucht das Verfahren zu heilen. Al-lerdings hat sich seit der Planfeststellung im Raum Ebensfeld strukturell mit der Ausweisung von Gewerbeflächen so viel geändert, dass sich auch die Ver-kehrsverflechtungen verändert haben. Heute besteht erst recht ein Bedarf für eine Anbindung der Staatsstraße auf der Linie, die der BUND Naturschutz bereits mehrfach vorgeschlagen hat.
Nach wie vor vertritt der BN die Auffassung, dass die planfestgestellte Trasse eine wesentlich eklatantere Verschlechterung der naturschutzfachlichen Wer-tigkeit des betroffenen Gebietes (Kelbachaue) nach sich ziehen würde.
Die acht Maßnahmen, die der Vorhabensträger zum Ausgleich des Eingriffs durch die Straßenbaumaßnahme der planfestgestellten Trasse realisieren möchte, ändern nichts an der fehlerhaften Entscheidungsgrundlage bei der Va-riantenwahl. Sie sind, da der Bedarf falsch ermittelt ist, als weiterer Eingriff zu bewerten.
Der BN lehnt die vorgelegte ergänzende Planung strikt ab und hält weiterhin an der bestehenden Klage fest.
Alternative würde geringere Eingriffe mit sich bringen
Nach wie vor hält der BN die Variante 5 für weitaus naturverträglicher, denn sie zerschneidet nicht die artenschutzrechtlich bedeutsamen Areale.
Außerdem würde die vom BN vorgeschlagene Variante 5 durch ihre Strecken-führung insgesamt wesentlich geringere Eingriffe in das Planungsgebiet verur-sachen.

Verkehrsverflechtungen geändert
Die Randbedingungen für die Entscheidung haben sich seit dem ersten Plan-feststellungsbeschluss gravierend geändert:
Die Anbindung des neuen Gewerbegebietes Ebensfeld-Nord (26 ha) und die neuen Gewerbeflächen im Ortsteil Unterneuses würden durch die Ergeb-nistrasse des Staatlichen Bauamtes völlig unzureichend an die Autobahn ange-bunden werden. Sämtlicher Ziel- und Quellverkehr zu diesen Gewerbeflächen müsste durch die gesamte Ortschaft Ebensfeld abgewickelt werden. Außerdem wäre diese Anbindung gegenüber der vom BUND Naturschutz vorgeschlagenen Variante erheblich länger.
Der BN fordert deshalb nochmals eine eingehende Prüfung mit gesamtheitli-cher Bewertung sowohl der verkehrlichen als auch der naturschutzfachlichen Argumente. Dazu ist ein aktuelles Verkehrsgutachten vorzulegen.
Ausgleichsmaßnahmen teilweise ungeeignet
Die geplante Anlage einer Magervegetationsfläche und eines Extensivgrünlan-des auf einer bisher als Acker genutzten Fläche ist fachlich nicht geeignet, die geplanten Eingriffe auszugleichen. Länger aufgedüngte Ackerflächen lassen sich im Zeitraum, der üblicherweise als Ausgleichszeitraum festgesetzt wird, nicht ausmagern.
Die geplante Maßnahme liegt außerdem in einem Bereich, der für die Ent-schärfung der sog. Z-Kurve auf der Alttrasse benötigt wird. Sollte diese Straße weiter Bestand haben und aus Sicherheitsgründen umgebaut werden, wäre dies dann kaum möglich.
Flächeninanspruchnahme würde noch vergrößert
Mit den geplanten Ausgleichsmaßnahmen wird noch mehr Fläche aus der land-wirtschaftlichen Nutzung entnommen. Da das Vorhaben in der geplanten Form nicht begründet ist, ist auch diese Flächeninanspruchnahme folgerichtig nicht akzeptabel.


gez. Tom Konopka, Regionalreferent für Oberfranken

Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels